Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 16)

Das Leben beginnt: Christ ist erstanden

Foto: güs

Das Leben beginnt:
Christ ist erstanden!
Der Tod ist besiegt:
Christ ist erstanden!
Das Leben beginnt.
Wir räumen die Trübsal
und Schatten beiseite
und tragen die Nachricht
unter die Leute:
Das Leben beginnt:
Christ ist erstanden!
Der Tod ist besiegt.

Die Freude ist groß:
Christ ist erstanden!
Wir halten sie fest:
Christ ist erstanden!
Die Freude ist groß.
O Herr, hilf daß wir
auch in unseren Tagen
den Menschen die Botschaft
der Hoffnung sagen.
Die Freude ist groß:
Christ ist erstanden!
Halleluja!

Hans-Martin Rauch

 


 

Auferstehung geschieht mitten im Leben

Woran denken Sie bei Ostern? - Therapeutische Qualität eines Festes

 
epd-Bild/Schulze
   

Woran denken Sie bei Ostern?", so lautete eine der Fragen, die im vergangenen Jahr riesige Plakatwände zierten. Als Lösungen wurden vier Antworten zum Ankreuzen vorgegeben. Der Leser, ob an der Bushaltestelle oder auf dem Weg zum Einkauf, konnte zwischen vier Variationen wählen: "Ferien", "Cholesterin", "Jesu Auferstehung" oder "Langeweile mit der Familie". Mittlerweile ist es um die Umfrage der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) recht ruhig geworden. Vielleicht, weil die Passanten beim Vorübergehen dachten, das sei doch alles irgendwie richtig. Oder, weil man von den Kirchen Antworten und Lebenshilfe statt belangloses Rätselraten erwartet.

Vermarktetes Fest

Woran denken Menschen bei dem Wort Ostern? Man braucht nur ab Februar in die Läden zu schauen, um zu erkennen, was den gedankenverlorenen Geschäfte-Bummler finanziell fesseln soll. Die Feier der Auferstehung Christi wird ja mittlerweile genauso vermarktet wie das Weihnachtsfest. Heuer will man sogar mit "Happy Easter"-Kalendern die nicht vorhandene Wartezeit aufs Osterfest versüßen. Tag für Tag wird ein Türchen geöffnet, hinter dem sich ein Ei aus Schokolade verbirgt (die zarteste Versuchung...). Damit wird die Zeit des Fastens endgültig ins Abseits gedrängt. Doch immerhin, so unterstrich ein Pfarrer kürzlich in einem Zeitungs-Interview: "Es ist besser, wenn kirchliche Feste vermarktet werden als dass sie gänzlich aus dem Gedächtnis verschwinden."

Christlicher Feiertag

Woran also denken Christen an Ostern? Um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, ist es notwendig, das Ursprüngliche und Eigentümliche dieses christlichen Feiertages wieder ins Gedächtnis zu rücken. Eines der ältesten Zeugnisse dafür ist im 1. Korintherbrief erhalten. Für den Apostel Paulus liegt die Wahrheit des Osterglaubens im Erlebnis der Auferstehung Christi. Die Begegnung mit ihm verwandelt Paulus zu einem völlig neuen Menschen. Aus dem Verfolger wird ein glühender Verfechter der frohen Botschaft. Von nun an kann er nicht mehr ruhen, ohne davon Zeugnis zu geben, dass die Geschichte Jesu - trotz des bitteren Todes am Kreuz - weitergeht. Fortan ist überall dort, wo er wirkt, von Auferstehung oder Auferweckung die Rede und vom Tod, der bei Gott eben nicht das letzte Wort hat.

Vom Dunkel ins Licht

Wie können wir uns Ostern heute vorstellen? Das Wort von Auferstehung bleibt den meisten wohl im Halse stecken angesichts des Leids und der Ungerechtigkeit, mit dem sie tagtäglich in den Medien oder auch im persönlichen Bereich konfrontiert werden. Der Verlust des Arbeitsplatzes; eine Krankheit, die sämtliche Lebenshoffnung im Keim erstickt; Ehefrauen und Kinder, die um einen gefallenen Soldaten im Irak-Krieg weinen; ein Streit, der zur endgültigen Trennung zweier Freunde führt. Wie kann hier Auferstehung geschehen, der Übergang vom Dunkel ins Licht, der Zauber eines befreienden Neuanfangs? Und: Schenkt die Bibel für solche Momente der Finsternis erhellende Lichtblicke?

Weizenkorn als Bild

Jesus gibt seinen Jüngern eine Art Denk- und Verstehenshilfe mit auf den Weg. Er verwendet dazu das Bild vom Weizenkorn, das in die Erde gesenkt wird, stirbt, danach neu wächst und viel Frucht bringt (Johannes 12). Auf diese Weise versucht er, seinem eigenen Tod am Kreuz eine Deutung zu geben: Ostern ist nicht ohne Karfreitag denkbar. Auf seine Jünger übertragen heißt das: Sie müssen das Leben ganzheitlich betrachten. Erfahrungen des Schmerzes und der Trauer dürfen nicht verdrängt werden. "Tränen sind die Kehrseite des Lachens, Abschiede die Voraussetzung für Kreativität und Neubeginn", so beschreibt es der Theologe und Diplom-Psychologe Hans Gerhard Behringer in seinem Buch "Die Heilkraft der Feste". Zeiten der Krise oder Krankheit können Menschen wieder zur Besinnung bringen. Meist sind es Phasen des unfreiwilligen Anhaltens und der Unterbrechung des Alltagstrottes, in denen man der Stille oder der Seele lauschen kann. Wer solche Zeiten erlebt hat, geht häufig gestärkt und erneuert daraus hervor.

Neuorientierung möglich

Ist Ostern demnach als "Auferstehung - mitten im Leben" denkbar? Die Erfahrung des Paulus, aber auch das Bild vom Weizenkorn lenken den Blick auf eine Art "therapeutischen Weg", den das Ostergeschehen eröffnet: 1) Auferstehung bedeutet: Es kommt zu einer Begegnung mit Jesus, dem lebendigen Wort Gottes. 2) Dieser Gotteskontakt führt zu einem vertieften Verständnis persönlicher Krisenzeiten: Ins Dunkel fällt Licht. 3) Es bahnt sich eine Neuorientierung oder ein Neuanfang an: Saulus wird zum Paulus, der als Bote der frohen Botschaft viel Frucht bringt.

Aufstehen aus Gefangenheiten

Wie diese Früchte heute aussehen? Die Osterbotschaft ermutigt dazu, gemeinsam mit Jesus "aufzuerstehen" aus den kalten Gräbern unserer Gefangenheiten, der Sach- oder Situationszwänge, der Starre von Institutionen und Bürokratien. Ostern wagt den Aufstand gegen Existenzbedrohungen jeglicher Art, gegen Leid und Verfolgung, Krieg und unschuldiges Sterben, gegen den Sog der Zeit und in Beschlag nehmende moderne Strömungen. Ostern geschieht dann, wenn Menschen sich nicht mit dem Dunkel in der Welt abfinden, sondern dagegen aufstehen. So geht es an Ostern gar nicht in erster Linie ums Denken, wie Plakatwände vermuten lassen, sondern darum, von Gott berührt zu werden - mitten im Leben.

Günter Kusch

 

 

 


 

Hoffnung keimt zwischen den Steinen der Angst

Die Frauen, die zum Grab Jesu gegangen waren, sahen auf und wurden gewahr, dass der Stein abgewälzt war; denn er war sehr groß.

Markus 16, 4



 
Foto: Wodicka
 

Als die Frauen in der Dämmerung des anbrechenden Morgens unterwegs zum Grabe waren, da war der, dem sie ihre letzten Liebeszeichen bringen wollten, längst im Neuen. Nicht im dunklen Grab, sondern in der Lichtwelt Gottes. Im Leben, das unzerstörbar ist. Mitten in der Nacht hat Gott gezeigt, dass er Gott ist. Wie ganz am Anfang, als er vor Urzeiten in absolute Finsternis sein "Es werde Licht" gesprochen hatte, so sprach er ins Dunkel der Grabeshöhle erneut "Es werde Licht" und rief die neue Schöpfung ins Leben.

Aber noch sehen die Frauen in Gedanken den riesigen Stein vor sich. Zentnerschwer. Je länger sie nachdenken, desto schwerer wird er. Da war mehr begraben als nur ein unschuldiger junger Mensch. Im dunklen Loch verschwunden schien die Hoffnung, dass die Menschen die Liebe Gottes annehmen und darauf mit Liebe zu ihm und zueinander antworten würden.

Mit ihm begraben schien seine Botschaft, dass glücklich zu preisen sei, wer Frieden stiftet. Dass der barmherzige Gott Barmherzigkeit der Menschen will. Dass Streben nach Macht und Reichtum nichts nützt, wenn dabei die Seele Schaden nimmt. Dass auch bei abgrundtiefer Verschiedenheit Versöhnung nötig und möglich ist und dass sogar Feinde ein Recht auf Leben und Zuwendung haben. Weggeschlossen seine Zusage, dass es Trost für Trauernde und Vergebung für Schuldige gibt und dass man mitten in der Angst im Gottvertrauen doch getrost leben darf. War das alles begraben und vergessen?

Die Frauen wussten, dass ihre Kraft nicht ausreichen würde, an dem erschreckenden Tatbestand etwas zu ändern. Der Stein war sehr groß, berichtet Markus. Er scheint für menschliche Kraft und Anstrengung immer noch zu groß zu sein. Friede, Versöhnungsbereitschaft, Liebe, Rücksichtnahme, Gottesfurcht und Gottvertrauen - das alles scheint immer wieder eingesperrt in Finsternis. "Das kann doch nicht alles gewesen sein", mögen die Frauen unterwegs zum Grabe voll Trauer gedacht haben. Nein, es kann doch nicht alles gewesen sein, was Gott mit Jesus in dieser Welt bis zum Karfreitag getan hat.

Als die Frauen am Grab ankamen, mögen sie begonnen haben das Unvorstellbare zu ahnen: Gott hat selber in die Hand genommen, was menschliche Trauer nicht ändern und menschliches Vermögen nicht schaffen kann. Der Stein ist weggewälzt. "Er ist nicht hier, wo sie ihn hingelegt haben". Manchmal haben auch wir nur den schweren Stein vor Augen, der unsere Hoffnungen begraben hat und den wir nicht bewegen können. Aber es ist Ostern. Das Fest des Auferstandenen. Wenn wir es feiern, dann rechnen wir mit ihm. Weil Jesus Christus lebendig ist, muss auch auferstehen, was er gesagt und gelebt hat. Dann darf man sich nicht damit abfinden, dass menschliches Bemühen immer wieder in sich zusammenbricht.

Schrecken des Krieges, Bomben, Terror, Gewalt, Egoismus und Herzlosigkeit, Habgier und Neid haben nach Ostern kein Lebensrecht. Zukunft hat nicht das Böse, sondern das, wozu die Liebe Christi Menschenherzen bewegen will. Der Lebendige will uns lebendig machen, dass wir dem Leben dienen und nicht dem Tod, den guten Gedanken, nicht den bösen. Dass wir nicht Angst machen, sondern Freude. Dass wir Friede ausbreiten statt Streit, Glaube statt Verzweiflung, Zuversicht statt Resignation. Ostern ist doch Gottes Fest des Lebens.

Gotthart Preiser
Oberkirchenrat i.R., Haßfurt

Wir beten: Guter Vater im Himmel, schenke uns den Glauben an deine den Tod überwindende Macht und gib uns Anteil an der Lebenskraft des Auferstandenen, damit auch wir dem Leben dienen. Amen.

Lied 99: Christ ist erstanden

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