Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 15)

"Da sein, wenn es brennt"

Geschenke stehen nicht im Mittelpunkt beim Patenamt

 
Foto: idea-bild
   

Es gibt wohl selten eine Aufgabe in der Kirche, das soviel Unsicherheit auslöst, wie das Patenamt. Zum einen werden hohe Anforderungen an die Personen gestellt, die ein solches Amt übernehmen, zum anderen können oder wollen immer weniger Pate oder Patin werden. In Bimbach, einem kleinen Dorf im unterfränkischen Steigerwalddekanat Castell, haben wir uns umgehört.

Der Ortspfarrer ist selbst Pate und weiß wovon er spricht. Wilfried Jugl sieht einen großen Unterschied zwischen dem, was kirchlich gewünscht wird und der Wirklichkeit. Immer mehr Paten haben keine kirchliche Bindung mehr, sagt er, "dabei sollen sie zum christlichen Leben anleiten." In einer zunehmend säkularisierten Welt durchaus nachvollziehbar. In seiner Gemeinde Bimbach und dem benachbarten Brünnau halten sich die Menschen zwar noch zur Kirche, dennoch spürt auch Jugl oft genug fragende Gesichter, wenn es bei Taufgesprächen um das Patenamt geht. "Betet regelmäßig für euer Patenkind", empfiehlt er und spricht vom eigenen "gehalten sein in Gott".

Welche Erfahrungen haben nun Patenkinder mit ihren Paten gemacht? Wer die 12 bis 15-jährigen Präparanden und Konfirmanden hört, spürt wenig von den hehren Zielen des kirchlichen Lebens. Da spielt etwas anderes die entscheidende Rolle: "Ich bekomme mehr Geschenke", meint Saskia (13) und Janine (12) zeigt stolz ihre schicke Armbanduhr: "Die habe ich von meinem Patenonkel bekommen." Wird das Patenamt nur auf Geschenke geben reduziert? Der 13-jährige Carsten, der kurz vor seiner Konfirmation getauft wird, hat klare Vorstellungen von seinem Paten: "Der soll mich gut behandeln und nicht meckern." Das sieht die 15-jährige Natascha ähnlich. Auch sie wird erst getauft und dann konfirmiert. Ihre Patin soll ein Mensch sein, "den ich mag." Geschenke seien nicht das entscheidende, meint sie.

Paten als Feuerwehr

Max aus Brünnau denkt auch an schlimme Situationen: "Paten übernehmen die Erziehung, wenn meine Eltern sterben." Das wünscht keiner, aber auch für Pfarrer Jugl steht fest, dass ein Pate eine Art Feuerwehrfunktion sein soll: "Da sein, wenn es brennt." Das kann passieren, wenn es Knatsch mit den Eltern gibt oder aber, wenn sich Wilfried Jugl bei der Zimmersuche seines Patenkindes einschaltet, als dieser zu Ausbildungszwecken von zu Hause auszog.

Regelmäßiger Kontakt

Patenamt als reiner Geschenkservice lehnt die 41-jährige Ursula Pleuer ab. Der regelmäßige Kontakt sei ihr wichtiger. Freunde aus der Großstadt haben sie "mehr im Vorbeigehen" gefragt, ob sie Patin ihrer Tochter werden würde. Das habe sie abgelehnt, weil sie mit dem Erziehungsstil der Eltern nicht zurecht komme. Ihr Mann hingegen hat zugesagt, "weil in der Familie kaum mehr einer in der Kirche ist."

 
Foto: Krüger
   

Was es bedeutet, "in schweren Tagen" für das Patenkind da zu sein, erfuhr Berta Hühsams am eigenen Leib. Die Mutter ihrer Patentochter ist früh verstorben. "Da fühlte ich mich dem Mädchen besonders verantwortlich", erzählt die 65-Jährige. Ihr Rat wurde regelmäßig eingeholt und mit dem Vater "haben wir viele Fragen gemeinsam besprochen." Für Richard Dornberger, einem gestandenen Rentner mit 65 Jahren und dreifachen Patenonkel, steht damit fest, was das entscheidende Kriterium für die Übernahme eines solches Amtes ist: "Der Mensch muss es mit dem Herzen machen und eine Beziehung aufbauen." Sein Patenkind kommt immer noch zu ihm und holt sich den einen oder anderen Rat ab. Dem kann Anita Reuther (54) nur zustimmen. Sie - heute selbst Patentante - hatte als Kind "eine ganz tolle Patin" gehabt. Das versuche sie heute auch zu leben.

Pate ein Leben lang

Damit wird etwas deutlich: Das Patenamt bleibt einem ein Leben lang, aber große Geschenke machen enden in der Regel bei der Konfirmation, wenn der Junge oder das Mädchen "kirchlich erwachsen" geworden ist. Ein schöner Brauch ist es in manchen Familien, wenn Patentante und Patenkind gemeinsam vor der Konfirmation zum Einkaufen gehen, wie es Christel Paul praktiziert.

Worauf es ankommt, ist, das Patenamt mit Leben zu füllen. Der Patenonkel von Pfarrerssohn Joachim lädt ihn beispielsweise regelmäßig nach München ein und dann besuchen sie gemeinsam ein Fußballspiel vom FC Bayern im Olympiastadion. Christel Pauls Patenkind kommt regelmäßig nach Bimbach, um ihre Patentante zu besuchen. "Hier erlebt sie ähnliche Abläufe wie in ihrer eigenen Familie", sagt sie und nennt als Beispiel das gemeinsame Tischgebet. Patenkinder wissen das auch meist zu schätzen.

In manchen Gemeinden ist der so genannte Patendank fester Bestandteil. Am Konfirmationstag bekommt demnach nicht nur das Patenkind ein besonderes Geschenk, auch der Pate wird umgekehrt aus Dankbarkeit über die zurückliegende Zeit von seinem Schützling beschenkt. Außerdem bekommen der Pate oder die Patin bei Familienfeiern stets einen Ehrenplatz.

Reinhard Krüger

Was Paten versprechen:

Bei der Taufe von (Name des Kindes) haben Sie das Patenamt übernommen. Dabei wurden Sie gefragt: "Wollen Sie diesem Kind ein guter Freund in guten und schweren Tagen sein? Wollen Sie sich dafür einsetzen, dass ihr Patenkind erfährt, dass Gott ihm nahe ist jeden Tag seines Lebens? Und wollen Sie dieses Kind in ihr Gebet um Schutz und Segen vor Gott einbeziehen und es so begleiten auf seinem Lebensweg, dann antworten Sie: Ja, mit Gottes Hilfe."

 

 


 

Jesus zieht als König der kleinen Leute ein

Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem käme, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und riefen: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel!

Johannes 12, 12-13



 
Foto: Eigenverlag
 

Könige gibt es nur noch in einigen Ländern. Aber viele Menschen - auch in anderen Staatsformen - interessieren sich für Könige, zum Beispiel bei Hochzeiten, und haben eine Vorstellung, wie ein König ist: ein König ist mächtig, er ist reich, er wohnt in einem Schloss, er soll sein Volk schützen, er soll gerecht sein.

All das erwarteten die Menschen damals von Jesus. So nahmen sie Palmzweige und begrüßten ihn wie einen siegreichen Herrscher. Sie riefen: "Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!" Damit drückten sie die Erwartung aus, dass Jesus als messianischer König die fremden Herren, die Römer, aus dem Lande jagt und dem Volk Israel Frieden und Wohlstand bringt.

Wenn wir uns Jesus ansehen, dann wirkt er gar nicht wie ein König. So reitet er nicht auf dem königlichen Tier, einem Ross, sondern auf einem Esel, dem Reittier der kleinen Leute. Er kommt also ohne militärische Macht. Jesus ist ein eigenartiger König: er braucht keine Berater, er geht selber zu den Menschen und erzählt ihnen, wie gut Gott ist. Er hat keine vornehme Gesellschaft um sich; er kommt zu denen, die verachtet sind, und setzt sich mit Sündern an einen Tisch. Er berührt Kranke und macht sie gesund, Schuldigen vergibt er ihre Schuld. Von sich selber sagt er: "Ich bin nicht gekommen, um mir dienen zu lassen, sondern um selber zu dienen und mein Leben als Lösegeld zu geben." Ja, der Thron, auf dem er wenige Tage nach dem Einzug in Jerusalem sitzen wird, ist ein Kreuz. Und über diesem Kreuz wird eine Aufschrift stehen, die den Titel enthält, den ihm die Volksmenge zugerufen hat: Jesus von Nazareth, König der Juden.

Warum nimmt Jesus die ihm angetragene irdische Königswürde nicht an und verhält sich so untypisch? Er liebt Gott, der ihn zu uns Menschen sandte, und er liebt uns so sehr, dass er alle unsere Lasten auf sich nimmt und für uns stirbt. Jesus ist durchaus ein König: ein König der Liebe.

Jeder König hat Menschen, die er führt, schützt und regiert. Auch Jesus hat Menschen, die zu ihm gehören. Das sind alle Christen; denn bei unserer Taufe hat er zu uns gesagt: "Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein." Und nun gehören wir zu seinem Volk. Doch im Unterschied zu anderen Königen will Jesus keinen Zwang. Er bittet uns, dass wir ihm freiwillig folgen. So fragt er uns persönlich: "Willst du, dass ich dein König bin? Dann lass mich ein in dein Leben." Jesus möchte mein Leben erfüllen mit seiner Liebe. Und wenn ich ihn bei mir einlasse, ihm mein Leben anvertraue, dann werde ich reich beschenkt: bei ihm darf ich meine Lasten abladen, er schenkt mir Vergebung und einen neuen Anfang, er kann meine Verletzungen heilen, er kann Beziehungen neu gestalten, er gibt mir Geborgenheit und nimmt mich auf in die große Gemeinschaft derer, die ihm vertrauen. Indem er so liebevoll auf mich eingeht, bewirkt er Veränderungen, die durch äußeren Zwang niemals möglich wären. Seine Liebe ist also nichts Schwächliches, sie hat große Kraft. Sie kann meine innere Zerrissenheit heilen, mir Frieden schenken und mich befähigen, Frieden zu stiften.

Jesus will unser König sein: im persönlichen Leben, im Beruf, in der Familie, im politischen Bereich. Er braucht Menschen, die sich ihm zur Verfügung stellen. Mit solchen Menschen will er das Reich seiner Liebe ausbreiten.

Pfarrer Dr. Manfred Kießig
Christusbruderschaft Selbitz

Wir beten: Herr Jesus Christus, du König der Liebe: wir danken dir für deine Hingabe, dein Verständnis und deine Güte und bitten dich: zieh ein in unser Leben, durchdringe alle Bereiche mit deiner Liebe und mache uns zu Boten deines Friedens. Amen.

Lied 9: Er kommt zu uns geritten.

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