"Krieg soll um Gottes willen nicht sein"
Was führende Kirchenvertreter
Deutschlands zum Irak-Krieg sagen
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Zu Friedensgebeten und
zur Fürbitte haben Bischöfe in ganz Deutschland die Menschen aufgerufen.
Gerade die Bevölkerung im Irak, die ein wehrloses Ziel einer hochtechnologischen
Militärmaschinerie sei, bräuchte jetzt die Fürbitte. Aber auch die Soldaten
und ihre Familien sowie diejenigen, die die Einsatzbefehle geben, hätten
jetzt das Gebet nötig.
Evangelische und katholische
Bischöfe in der Bundesrepublik und weltweit verurteilten den Irak-Krieg.
Hier
ein Auszug aus Predigten, Ansprachen und Erklärungen.
Keine Rechtfertigung für Krieg
In einem ökumenischen Friedensgebet
im Münchner Liebfrauendom sagte der bayerische Landesbischof Johannes
Friedrich:
"Die, die den Marschbefehl gegeben
haben, sagen: Die Diplomatie sei an ihr Ende gekommen. Alle politischen
Möglichkeiten wären ausgeschöpft. Nun bleibe uns nichts anderes mehr als
der Krieg. Es fällt mir schwer, diese Argumentation zu verstehen.
Auch die Kirchen wissen: Es kann
ein äußerster Punkt erreicht sein, wo um des Friedens willen zum Mittel
der Gewalt gegriffen werden muss, wo man schuldig werden kann, wenn man
keine Gewalt anwendet und deswegen andere Menschen sterben müssen. Ob
dieser Punkt im Falle des Irak erreicht war, darüber gehen die Meinungen
der Politiker auseinander. Ich meine: Nein!
Die Kirchen sind sich einig: Es
gibt nie eine biblisch-theologische Rechtfertigung für den Krieg. Es gibt,
zumal im Zeitalter von Massenvernichtungswaffen, keinen gerechten Krieg.
Krieg soll um Gottes willen nicht sein. Wer zum Mittel des Krieges greift,
trifft eine einsame Entscheidung und lädt eine sehr hohe Verantwortung
und Schuld auf sich."
Abrüstung statt Waffenhandel
Bei einem Friedensgebet in der
überfüllten Marktkirche in Hannover sprach die hannoversche Landesbischöfin
Margot Käßmann von einem "unverantwortlichen Kriegsbeginn" und erinnerte
an die Veranwortung der Menschen:
"Gott ist nicht verantwortlich
für das sinnlose Leid, das Menschen einander zufügen, sondern wir sind
vor Gott verantwortlich für das, was wir tun. Wir sollten nicht hinnehmen,
dass diese ganze Rüstungsmaschinerie normal dazu gehört. Abrüstung muss
neu ein Thema werden anstatt darüber zu lamentieren, die Friedensbewegung
sei tot. Entwaffnung ist angesagt statt Waffenhandel. Gerechtes Teilen
ist angesagtstatt Ignorieren der Armut und des Elends weltweit. Mediation,
Vermittlung in Konflikten, ist angesagt statt Wegsehen bis es knallt.
Weltinnenpolitik durch eine starke UNO ist angesagt statt starres Festhalten
an den eigenen Machtinteressen."
Ohne Gerechtigkeit kein Frieden
In einem Zeitungsbeitrag hat sich
der Leitende Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands,
Bischof Hans Christian Knuth (Schleswig) dafür ausgesprochen, alles zu
tun, dass sich der Irak-Krieg nicht ausweitet sowie den Frieden in der
ganzen Welt zu stärken:
"Frieden gibt es nicht ohne Gerechtigkeit.
Gerechtigkeit ist natürlich vor allem soziale Gerechtigkeit, aber längst
nicht nur. Die führenden Nationen des Westens müssen lernen, dass es auch
eine politische und kulturelle Ungerechtigkeit gibt, einen kulturellen
Imperialismus, der nur die eigenen Werte und Traditionen schätzt und erhellt.
Das dient dem Frieden nicht. Wir werden Frieden nicht ohne Toleranz und
aktiven Minderheitenschutz erhalten können, auch gegenüber Kulturen, die
uns im Westen fremd und überholt erscheinen. Die Menschen wollen nicht
überall auf der Welt in den Sog der technisch industriellen Welt des Westens
geraten. Sie wollen ihre eigenen kulturellen Identitäten und Profile erhalten,
und die führenden Nationen müssen das akzeptieren, soweit es sich mit
Menschenrechten verträgt. In der Bibel sind Frieden und Gerechtigkeit
immer ungetrennt beieinander. Das gilt für den Frieden nach außen und
nach innen."
Krieg: Scheitern der Politik
In einer gemeinsamen Erklärung
bezeichnen führende Repräsentanten christlicher Kirchen in Deutschland
den Irak-Krieg als Scheitern der Politik. Der Vorsitzende der Deutschen
Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, der Vorsitzende des Rates der
Evangelischen Kirche in Deutschland, Präses Manfred Kock, und der Vorsitzende
der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), Bischof Walter Klaiber
betonen in der Stellungnahme:
"Dieser Krieg ist Ausdruck des
Scheiterns der Politik. Bei allem Verständnis für das Unrecht, das den
Vereinigten Staaten durch die Terroranschläge des 11. September 2001 zugefügt
wurde und für die Verletzung ihres Sicherheitsgefühls bedauern wir in
unserem Land zutiefst die Entscheidung, mit Waffengewalt anzugreifen.
Kirchen und christliche Gemeinschaften wie auch viele Menschen weltweit,
die vor einem solchen Schritt gewarnt hatten, empfinden in diesem Moment
große Trauer. Denn Krieg soll nach Gottes willen nicht sein. Immer ist
er eine Niederlage der Menschheit. Dabei geben wir uns im Hinblick auf
das menschenverachtende Regime von Bagdad keinen Illusionen hin. Kein
Zweifel darf auch daran bestehen, dass wir die in den USA und Großbritannien
gepflegten politischen Werte teilen. Dennoch findet der jetzt eingeschlagene
Weg des Blutvergießens unseren Widerspruch. Denn wir sehen keine ethische
oder völkerrechtliche Rechtfertigung für ihn."
Gottes Wort wird aufgehen wie eine Saat
Es
waren aber Griechen unter denen, die hinaufgekommen waren, dass sie anbeten
auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der von Bethsaida aus Galiläa war,
baten ihn und sprachen: Herr, wir wollten Jesus gerne sehen. Philippus
kommt und sagt es Andreas, und Philippus und Andreas sagen es Jesus. Jesus
aber antwortete ihnen und sprach: Die Zeit ist gekommen, dass des Menschen
Sohn verklärt werde. Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Es sei denn, dass
das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt es allein; wo
es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte. Wer sein Leben liebhat,
der wird es verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird
es erhalten zum ewigen Leben. Wer mir dienen will, der folge mir nach;
und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird,
den wird mein Vater ehren.
Johannes
12, 20-26
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Wodicka
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Wir sind seit zwei
Tagen unterwegs. Die Straßen werden schmaler, die Schlaglöcher tiefer.
Nur mühsam, wie ein Erstklässler buchstabierend, kann ich die Ortsschilder
entziffern. Hier im ehemaligen Ostpreußen wird russisch geschrieben und
gesprochen. Ich verstehe die Sprache nicht. Ich verstehe nichts von dem,
was die russischen Zöllner von mir wollen. Fremd bin ich im fremden Land.
Was will ich hier? Wäre ich zu Hause nicht viel besser aufgehoben? Nein!
Ich habe ein Ziel: zusammen mit meinen Begleitern bin ich mit einem Hilfstransport
unterwegs. Hier leben und arbeiten zwei unserer Diakonissen in einem kleinen
Kinderheim. Dorthin sind wir unterwegs. Ich weiß, warum ich da bin, warum
ich die Strapazen und das Fremdsein in Kauf nehme. Welche Erleichterung,
als ich im Getriebe an der Grenze die bekannte Gestalt unserer Schwester
Barbara erkenne. Endlich jemand, der meine Sprache spricht. Endlich jemand,
der hilft, die Fragen und Anordnungen derZöllner zu übersetzen. Vertraute
Sprache in der Fremde!
"Wir wollen Jesus
gerne sehen." Dieser Wunsch treibt die Menschen um. Wer ist dieser Jesus?
Wie ist er? "Wir
wollen Jesus gerne sehen." Johannes berichtet von griechischen Festpilgern,
die zum Passahfest nach Jerusalem gekommen sind. Sie sind hier, weil sie
den einen Gott suchen, den sie in ihrer Kultur, in ihrem reich bevölkerten
Götterhimmel nicht finden. Sie suchen den, der die Menschen geschaffen
hat und ihrem Leben Ziel und Richtung gibt. Und jetzt hören sie von Jesus.
Ist er der von Gott versprochene Messias? Sie wenden sich an die Männer
im Jüngerkreis, die griechische Namen tragen, an Philippus und Andreas.
Hier sind die Fremdheit, die Sprach- und Kulturschranken leichter zu überwinden.
"Wir möchten Jesus gerne sehen. Helft ihr uns dabei?" Werden sie Jesus
sehen? Wir erfahren es nicht. Aber es gibt etwas zu hören.
Ums Hören der Guten
Nachricht geht es damals wie heute. Jesus spricht vom Weizenkorn, das
in die Erde gesät und scheinbar stirbt - um Frucht zu bringen. Das, was
die weit gereisten Festpilger sehen werden, das ist die öffentliche Hinrichtung
Jesu, verurteilt und gekreuzigt mit zwei Verbrechern draußen vor der Stadt.
Werden sie sich von dem abwenden, was sie zu sehen bekommen? Werden sie
verzweifelt und enttäuscht die Heimreise antreten? Oder werden sie sich
an das Gehörte erinnern? Werden sie das Geheimnis des Weizenkorns verstehen?
Wird ihnen deutlich, dass sie Zeugen des zentralen Geschehens in der Geschichte
Gottes mit den Menschen geworden sind? Werden sie begreifen, dass das
Heil Gottes die Menschen auf der Erde einschließt, alle Sprachen, Nationen,
Kulturkreise und Mentalitäten?
Werden sie fröhliche
Zeugen Gottes in ihrer Heimat sein? Sprachbarrieren gibt es weiterhin.
Fremdheit und kulturelle Missverständnisse ebenso. Dennoch gilt: Gottes
Heil ist da für alle Menschen. Es ist nicht kulturabhängig. Und es will
weiter gesagt und gehört werden, um Frucht zu bringen.
Schwester Evelyn
Dluzak, Diakonie Puschendorf
Wir beten:
Herr Jesus Christus. Dich mit eigenen Augen sehen - das wär's! Dann wären
alle Zweifel beseitigt. So denken wir. Doch du verweist uns auf dein Wort.
Du verweist uns auf die Bibel. Du verweist uns auf deine Zusagen und Verheißungen.
Hörende wollen wir werden. Menschen, die deinem Wort trauen und damit
leben und es weiter tragen. Amen.
Lied 195:
Allein auf Gottes Wort.
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