Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 13)

"Krieg soll um Gottes willen nicht sein"

Was führende Kirchenvertreter Deutschlands zum Irak-Krieg sagen

 
Foto: güs

Zu Friedensgebeten und zur Fürbitte haben Bischöfe in ganz Deutschland die Menschen aufgerufen. Gerade die Bevölkerung im Irak, die ein wehrloses Ziel einer hochtechnologischen Militärmaschinerie sei, bräuchte jetzt die Fürbitte. Aber auch die Soldaten und ihre Familien sowie diejenigen, die die Einsatzbefehle geben, hätten jetzt das Gebet nötig.

Evangelische und katholische Bischöfe in der Bundesrepublik und weltweit verurteilten den Irak-Krieg. Hier ein Auszug aus Predigten, Ansprachen und Erklärungen.

 

Keine Rechtfertigung für Krieg

   

In einem ökumenischen Friedensgebet im Münchner Liebfrauendom sagte der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich:

"Die, die den Marschbefehl gegeben haben, sagen: Die Diplomatie sei an ihr Ende gekommen. Alle politischen Möglichkeiten wären ausgeschöpft. Nun bleibe uns nichts anderes mehr als der Krieg. Es fällt mir schwer, diese Argumentation zu verstehen.

Auch die Kirchen wissen: Es kann ein äußerster Punkt erreicht sein, wo um des Friedens willen zum Mittel der Gewalt gegriffen werden muss, wo man schuldig werden kann, wenn man keine Gewalt anwendet und deswegen andere Menschen sterben müssen. Ob dieser Punkt im Falle des Irak erreicht war, darüber gehen die Meinungen der Politiker auseinander. Ich meine: Nein!

Die Kirchen sind sich einig: Es gibt nie eine biblisch-theologische Rechtfertigung für den Krieg. Es gibt, zumal im Zeitalter von Massenvernichtungswaffen, keinen gerechten Krieg. Krieg soll um Gottes willen nicht sein. Wer zum Mittel des Krieges greift, trifft eine einsame Entscheidung und lädt eine sehr hohe Verantwortung und Schuld auf sich."


Abrüstung statt Waffenhandel

   

Bei einem Friedensgebet in der überfüllten Marktkirche in Hannover sprach die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann von einem "unverantwortlichen Kriegsbeginn" und erinnerte an die Veranwortung der Menschen:

"Gott ist nicht verantwortlich für das sinnlose Leid, das Menschen einander zufügen, sondern wir sind vor Gott verantwortlich für das, was wir tun. Wir sollten nicht hinnehmen, dass diese ganze Rüstungsmaschinerie normal dazu gehört. Abrüstung muss neu ein Thema werden anstatt darüber zu lamentieren, die Friedensbewegung sei tot. Entwaffnung ist angesagt statt Waffenhandel. Gerechtes Teilen ist angesagtstatt Ignorieren der Armut und des Elends weltweit. Mediation, Vermittlung in Konflikten, ist angesagt statt Wegsehen bis es knallt. Weltinnenpolitik durch eine starke UNO ist angesagt statt starres Festhalten an den eigenen Machtinteressen."


Ohne Gerechtigkeit kein Frieden

   

In einem Zeitungsbeitrag hat sich der Leitende Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, Bischof Hans Christian Knuth (Schleswig) dafür ausgesprochen, alles zu tun, dass sich der Irak-Krieg nicht ausweitet sowie den Frieden in der ganzen Welt zu stärken:

"Frieden gibt es nicht ohne Gerechtigkeit. Gerechtigkeit ist natürlich vor allem soziale Gerechtigkeit, aber längst nicht nur. Die führenden Nationen des Westens müssen lernen, dass es auch eine politische und kulturelle Ungerechtigkeit gibt, einen kulturellen Imperialismus, der nur die eigenen Werte und Traditionen schätzt und erhellt. Das dient dem Frieden nicht. Wir werden Frieden nicht ohne Toleranz und aktiven Minderheitenschutz erhalten können, auch gegenüber Kulturen, die uns im Westen fremd und überholt erscheinen. Die Menschen wollen nicht überall auf der Welt in den Sog der technisch industriellen Welt des Westens geraten. Sie wollen ihre eigenen kulturellen Identitäten und Profile erhalten, und die führenden Nationen müssen das akzeptieren, soweit es sich mit Menschenrechten verträgt. In der Bibel sind Frieden und Gerechtigkeit immer ungetrennt beieinander. Das gilt für den Frieden nach außen und nach innen."


Krieg: Scheitern der Politik

   
 
   

In einer gemeinsamen Erklärung bezeichnen führende Repräsentanten christlicher Kirchen in Deutschland den Irak-Krieg als Scheitern der Politik. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Präses Manfred Kock, und der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), Bischof Walter Klaiber betonen in der Stellungnahme:

"Dieser Krieg ist Ausdruck des Scheiterns der Politik. Bei allem Verständnis für das Unrecht, das den Vereinigten Staaten durch die Terroranschläge des 11. September 2001 zugefügt wurde und für die Verletzung ihres Sicherheitsgefühls bedauern wir in unserem Land zutiefst die Entscheidung, mit Waffengewalt anzugreifen. Kirchen und christliche Gemeinschaften wie auch viele Menschen weltweit, die vor einem solchen Schritt gewarnt hatten, empfinden in diesem Moment große Trauer. Denn Krieg soll nach Gottes willen nicht sein. Immer ist er eine Niederlage der Menschheit. Dabei geben wir uns im Hinblick auf das menschenverachtende Regime von Bagdad keinen Illusionen hin. Kein Zweifel darf auch daran bestehen, dass wir die in den USA und Großbritannien gepflegten politischen Werte teilen. Dennoch findet der jetzt eingeschlagene Weg des Blutvergießens unseren Widerspruch. Denn wir sehen keine ethische oder völkerrechtliche Rechtfertigung für ihn."

 


 

Gottes Wort wird aufgehen wie eine Saat

Es waren aber Griechen unter denen, die hinaufgekommen waren, dass sie anbeten auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der von Bethsaida aus Galiläa war, baten ihn und sprachen: Herr, wir wollten Jesus gerne sehen. Philippus kommt und sagt es Andreas, und Philippus und Andreas sagen es Jesus. Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Zeit ist gekommen, dass des Menschen Sohn verklärt werde. Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Es sei denn, dass das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt es allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte. Wer sein Leben liebhat, der wird es verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird es erhalten zum ewigen Leben. Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.

Johannes 12, 20-26



 
Foto: Wodicka
 

Wir sind seit zwei Tagen unterwegs. Die Straßen werden schmaler, die Schlaglöcher tiefer. Nur mühsam, wie ein Erstklässler buchstabierend, kann ich die Ortsschilder entziffern. Hier im ehemaligen Ostpreußen wird russisch geschrieben und gesprochen. Ich verstehe die Sprache nicht. Ich verstehe nichts von dem, was die russischen Zöllner von mir wollen. Fremd bin ich im fremden Land. Was will ich hier? Wäre ich zu Hause nicht viel besser aufgehoben? Nein! Ich habe ein Ziel: zusammen mit meinen Begleitern bin ich mit einem Hilfstransport unterwegs. Hier leben und arbeiten zwei unserer Diakonissen in einem kleinen Kinderheim. Dorthin sind wir unterwegs. Ich weiß, warum ich da bin, warum ich die Strapazen und das Fremdsein in Kauf nehme. Welche Erleichterung, als ich im Getriebe an der Grenze die bekannte Gestalt unserer Schwester Barbara erkenne. Endlich jemand, der meine Sprache spricht. Endlich jemand, der hilft, die Fragen und Anordnungen derZöllner zu übersetzen. Vertraute Sprache in der Fremde!

"Wir wollen Jesus gerne sehen." Dieser Wunsch treibt die Menschen um. Wer ist dieser Jesus? Wie ist er? "Wir wollen Jesus gerne sehen." Johannes berichtet von griechischen Festpilgern, die zum Passahfest nach Jerusalem gekommen sind. Sie sind hier, weil sie den einen Gott suchen, den sie in ihrer Kultur, in ihrem reich bevölkerten Götterhimmel nicht finden. Sie suchen den, der die Menschen geschaffen hat und ihrem Leben Ziel und Richtung gibt. Und jetzt hören sie von Jesus. Ist er der von Gott versprochene Messias? Sie wenden sich an die Männer im Jüngerkreis, die griechische Namen tragen, an Philippus und Andreas. Hier sind die Fremdheit, die Sprach- und Kulturschranken leichter zu überwinden. "Wir möchten Jesus gerne sehen. Helft ihr uns dabei?" Werden sie Jesus sehen? Wir erfahren es nicht. Aber es gibt etwas zu hören.

Ums Hören der Guten Nachricht geht es damals wie heute. Jesus spricht vom Weizenkorn, das in die Erde gesät und scheinbar stirbt - um Frucht zu bringen. Das, was die weit gereisten Festpilger sehen werden, das ist die öffentliche Hinrichtung Jesu, verurteilt und gekreuzigt mit zwei Verbrechern draußen vor der Stadt. Werden sie sich von dem abwenden, was sie zu sehen bekommen? Werden sie verzweifelt und enttäuscht die Heimreise antreten? Oder werden sie sich an das Gehörte erinnern? Werden sie das Geheimnis des Weizenkorns verstehen? Wird ihnen deutlich, dass sie Zeugen des zentralen Geschehens in der Geschichte Gottes mit den Menschen geworden sind? Werden sie begreifen, dass das Heil Gottes die Menschen auf der Erde einschließt, alle Sprachen, Nationen, Kulturkreise und Mentalitäten?

Werden sie fröhliche Zeugen Gottes in ihrer Heimat sein? Sprachbarrieren gibt es weiterhin. Fremdheit und kulturelle Missverständnisse ebenso. Dennoch gilt: Gottes Heil ist da für alle Menschen. Es ist nicht kulturabhängig. Und es will weiter gesagt und gehört werden, um Frucht zu bringen.

Schwester Evelyn Dluzak, Diakonie Puschendorf

Wir beten: Herr Jesus Christus. Dich mit eigenen Augen sehen - das wär's! Dann wären alle Zweifel beseitigt. So denken wir. Doch du verweist uns auf dein Wort. Du verweist uns auf die Bibel. Du verweist uns auf deine Zusagen und Verheißungen. Hörende wollen wir werden. Menschen, die deinem Wort trauen und damit leben und es weiter tragen. Amen.

Lied 195: Allein auf Gottes Wort.

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