Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 9)

Wer lacht, liebt das Leben

Humor ist eine gute Gabe Gottes - er kennt aber auch Grenzen

 
Foto: Wodicka
   

An diesem Wochenende ist es wieder soweit: das Faschingstreiben erreicht seinen Höhepunkt. Prunksitzungen, Bälle und Umzüge wechseln sich ab und verbreiten Frohsinn ohne Ende. So zumindest wollen es die Macher hinter den Kulissen. Garant für gelungene Veranstaltungen sind oft gut erzählte Witze. Ob öffentlich oder in geselliger Runde - wer loslegt mit den Worten "Kennen Sie den" und dabei schon losprustet, hat meist die Lacher auf seiner Seite. Witzeerzähler haben eigentlich immer Konjunktur und sind bei Partys oder jetzt im Fasching gern gesehen.

Und wie steht es mit dem Witz in der Kirche aus? Können fromme Menschen überhaupt lachen? "Und wie", meint Pfarrer Alfred Seiferlein aus dem mittelfränkischen Bechhofen und lacht herzlich über diese Frage. Für ihn steht es außer Frage, dass ein Christ humorvoll sein sollte, "denn es ist ein Ausdruck einer fröhlichen Grundstimmung." Dem Geistlichen geht selten der Stoff von Witzen aus und er und seine katholischen Amtsbrüder lieben es, sich gegenseitig Witze zu erzählen. Und wenn es die Situation erfordert, erzählt Seiferlein auch mal einen Witz auf der Kanzel.

Allerdings geriet er gerade wegen eines Witzes vor einigen Monaten selbst in die Schlagzeilen. Er verbreitete einen eher harmlosen Witz im Internet und machte sich dadurch bei einigen Zeitgenossen unbeliebt. Das ficht ihn jedoch nicht an, weiterhin gerne und fröhlich Schmunzelgeschichten zum Besten zu geben. Auch sein Amtsbruder Dietmar Schuh aus Weiden findet überhaupt nichts anstößiges daran, einen Witz im Talar zum Besten zu geben, "denn der Glaube lebt durch den Humor und wird weiter vermittelt". Der Humor, sagt Pfarrer Schuh und schielt dabei etwas neidisch auf die barocke katholische Kirche, ist ein Geschenk Gottes. Die katholischen Mitchristen hätten ein viel unverkrampfteres Verhältnis zum Humor, veranstalteten Faschingsbälle mit allem Drum und Dran und lieben es einfach deftiger. "An typisch evangelischen Witzen haben wir wenig zu bieten", bedauert Seiferlein. Protestanten sind eben eher nüchterne Menschen, meint er. Wenn er einen Witz erzählt, sagt Pfarrer Schuh, wird nur gelächelt, nicht gelacht. Und er gibt sich alle Mühe, seine Gemeinde zum Schmunzeln zu bringen, wenn er beispielsweise am Faschingssonntag seine Predigt in Form einer Büttenrede hält.

Das Lachen in der Bibel

Auch in der Bibel wird das Lachen nicht ausgeklammert. Es ist auch schon zu komisch, wenn die hochbetagte Sara erfährt, dass sie und ihr ebenso alter Mann Abraham ein Kind erwarten. "Darum lacht sie bei sich selbst..." (1. Mose 18, 12). Bezeichnend, dass gerade im Buch Hiob, das soviel über Leiden berichtet, an vielen Stellen gelacht wird. Da heißt es im 5. Kapitel: "Über Verderben und Hunger wirst du lachen und dich nicht fürchten." Im 8. Kapitel des gleichen Buches wird "Gott deinen Mund mit Lachen füllen und deine Lippen mit Jubel." Im 29. Kapitel des gleichen Buches heißt es schlicht: "Wenn ich ihnen zulachte, so fassten sie Vertrauen." Neben einigen anderen Passagen in den Psalmen steht der wohl bekann-teste Vers im Psalm 126: "Darum wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein."

Wer viel lacht, zeigt einen "gelungenen Ausdruck des Lebens" meint Pfarrer Seiferlein. Selbst für den Kirchenlehrer Karl Barth ist die Theologie "eine freie und fröhliche Wissenschaft."

Witze in klerikalen Kreisen Witze in klerikalen Kreisen ironisieren meist den eigenen Standpunkt und schildern die Diskrepanz zwischen den Forderungen des Glaubens und der Unzulänglichkeit des Menschen. Kurz: man nimmt sich selbst auf die Schippe. Auch hier tut sich die katholische Kirche leichter, weil sie mehr Angriffsfläche bietet. Bevorzugte Objekte und Zielscheibe sind meist die jeweiligen Vorgesetzten: Prälaten, Domherren, Generalvikare, Bischöfe, Kardinäle - und natürlich auch der Zölibat.

Nicht auf Kosten anderer

Es gibt feine, geistreiche Witze, die nicht auf Kosten anderer leben. "Häme und Schadenfreude werden hinreichend in unserer Spaßgesellschaft gekübelt", meint der evangelische Pfarrer und Buchautor Hartmut Walsdorff aus Berlin. Für ihn geht es beim Lachen immer auch um "das Lachen über mich selbst". Und um jene Heiterkeit, die nicht plump auf Kosten und zu Lasten anderer geht. Selbst bei sanftem Ausflug von Spott ist nicht auslachen gefragt, sondern anlachen, schreibt der leidenschaftliche Sammler von Versprechern in seinem neuesten Buch "Darüber lässt sich streichen" (erschienen im Claudius Verlag München). Obwohl der Witz von der Grenzüberschreitung lebt, sind die Grenzen des Humors auch bei Alfred Seiferlein schnell erreicht, wenn der Witz zu Lasten von Minderheiten wie Menschen mit einer Behinderung oder einer Menschengruppe geht, die besonders benachteiligt ist.

Humor ist also, wenn man trotzdem lacht und das sollte nicht nur am Faschingssonntag gepflegt werden. Pfarrer Hartmut Wallsdorf jeden-falls ist felsenfest davon überzeugt, "das Lachen mit dem Ursinn der Schöpfung tiefer verbunden ist als Weinen."

Reinhard Krüger


Vorsicht Witz:

Ein Pfarrer in Schweden hetzt im weißen Talar zum Gottesdienst. Er ist schon spät dran und nimmt deshalb die Abkürzung über den Friedhof. Ein Betrunkener liegt quer über einem Grabstein, um seinen Rausch auszuschlafen. Der Pfarrer sieht ihn, stutzt, geht hin, um ihn zu wecken. Der Betrunkene reißt die Augen auf, die aufgehende Sonne blendet ihn und er sieht den Pfarrer im weißen Talar über sich gebeugt. Jetzt weiß er wo er ist. "Ist ja gut", meint er, "aber kannst du nicht mit denen neben mir anfangen?"

Ein Mädchen aus der Schweiz kommt als Haustochter in eine fromme Familie. Die Hausfrau nimmt sie erst einmal ins Gebet. "Und keine Männergeschichten", sagt sie, "das bitte ich mir aus." "Da brauchen Sie nichts zu befürchten", sagt das Mädchen. "Und außerdem bin ich verlobt." "Was ist denn ihr Bräutigam?" "Sigrist." "Sigrist? Was ist denn das?" "Er hilft dem Pfarrer in der Sakristei, zündet die Kerzen an und läutet die Glocken." "Ach so. Küster?" "Und wie."

 


 

Sich selbst und der Welt ein Lachen gönnen

Jesus sagte: "Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's erhalten.
Markus 8, 34+35.



 
Foto: Ilgenfritz
 

"Ach ja, wir Christen - speziell wir Evangelischen - wir schaffen es doch tatsächlich, mitten in der närrischsten Zeit von Nachfolge, Kreuz und Tod zu sprechen. Als läge der Aschermittwoch schon hinter uns und wir gingen mit großen Schritten der Karwoche entgegen."

Obwohl ich eher ein Faschingsmuffel bin, entfuhr mir dieser Seufzer, als ich den Predigttext für den Sonntag Estomihi las, dem Sonntag vor Aschermittwoch. Ist unsere Botschaft wirklich so zeitlos, dass wir überhaupt nicht auf die Zeichen der Zeit achten müssen? Hat nicht alles seine Zeit, also auch die verrückte, die närrische Zeit?

"Weint mit den Weinenden und freut euch mit den Fröhlichen". So rät der Apostel Paulus den Christen in Rom. Nun ist mancher Faschingsball wohl eher zum Heulen, laut, grell und abgeschmackt. Es fehlt der eigentliche Grund zum Feiern. Doch den könnten wir Christen beisteuern. Denn wir haben wirklich Grund zum Lachen: Selbst der Tod ist seit Jesu Auferstehung zum Gespött geworden, weil Gott ihn seiner Macht beraubt hat.

Wie wohltuend und befreiend Lachen sein kann, das merkte ich, als ich nach einem langen Tag abends mit Freunden zusammensaß und einfach nur geblödelt habe. Manchmal liefen mir Tränen übers Gesicht vor lauter Ausgelassenheit - und am Ende waren die Anstrengungen des Tages wie weggeblasen.

Nur wer um seine Macht und Autorität besorgt ist, fürchtet vielleicht einen Gesichtsverlust. Wer dagegen weiß, dass ihm mit Christus alles geschenkt ist, der braucht sich nicht so wichtig zu nehmen. Der kann zu allererst über sich selber lachen.

Einer, der davon viel versteht, ist der Maler-Pfarrer Sieger Köder, von dem im Raum Ellwangen/Aalen viele Bilder in Kirchen und Gemeinderäumen zu finden sind. Meist erzählen sie in bunten Farben grundlegende Geschichten des Glaubens. Doch dazwischen gibt es auch närrische Gestalten, wie den Clown, der sein trauriges Spiegelbild betrachtet. Selbst auf dem Altar in Rosenberg ist ein Mann in einem zerschlissenen Kostüm und einer Maske in der Hand zu sehen. Sein Gesicht jedoch wird überstrahlt von Gottes kommender Herrlichkeit. Tod und Auferstehung des Christen nimmt hier Gestalt an.

Ich muss an Luthers letzte Worte denken: "Wir sind Bettler, das ist wahr." Doch Sieger Köders Clownsgestalten sind nicht nur heitere Masken auf einem traurigen Hintergrund. Einen Lehrerkollegen, der bei Schulbällen oft mit ihm auf der Bühne stand, malte er liebevoll als "Professor Harlekin". So sieht ein Mensch aus, der sich selbst leicht nimmt, der weiß, dass nur Gott seinem Leben Gewicht geben kann.

Sich selbst verlieren, um das Leben zu gewinnen. Vielleicht können wir Jesu Worte so übersetzen: "Nimm dich und dein Leben nicht so schwer, gönne dir und der Welt ein Lachen, und sei gewiss, dass Gott dich auch durch schwere Zeiten hindurchtragen wird, wenn du dich selbst leicht nimmst.

Pfarrerin Ulrike Brödel, Mönchsdeggingen

Wir beten: Himmlischer Vater, mit leeren Händen treten wir vor dich. Wir können keinen Frieden schaffen, wir stehen hilflos vor vielen Problemen, wir sind machtlos vor dem Tod. Schenke du Frieden, wehre dem Hunger, nimm uns die Angst vor dem Tod! Mach unser Herz leicht und unser Gesicht froh! Amen.

Lied 614: Von Gott kommt diese Kunde.

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