Wer lacht, liebt das Leben
Humor ist eine gute
Gabe Gottes - er kennt aber auch Grenzen
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Foto:
Wodicka
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An diesem Wochenende ist es wieder
soweit: das Faschingstreiben erreicht seinen Höhepunkt. Prunksitzungen,
Bälle und Umzüge wechseln sich ab und verbreiten Frohsinn ohne Ende. So
zumindest wollen es die Macher hinter den Kulissen. Garant für gelungene
Veranstaltungen sind oft gut erzählte Witze. Ob öffentlich oder in geselliger
Runde - wer loslegt mit den Worten "Kennen Sie den" und dabei schon losprustet,
hat meist die Lacher auf seiner Seite. Witzeerzähler haben eigentlich
immer Konjunktur und sind bei Partys oder jetzt im Fasching gern gesehen.
Und wie steht es mit dem Witz in
der Kirche aus? Können fromme Menschen überhaupt lachen? "Und wie", meint
Pfarrer Alfred Seiferlein aus dem mittelfränkischen Bechhofen und lacht
herzlich über diese Frage. Für ihn steht es außer Frage, dass ein Christ
humorvoll sein sollte, "denn es ist ein Ausdruck einer fröhlichen Grundstimmung."
Dem Geistlichen geht selten der Stoff von Witzen aus und er und seine
katholischen Amtsbrüder lieben es, sich gegenseitig Witze zu erzählen.
Und wenn es die Situation erfordert, erzählt Seiferlein auch mal einen
Witz auf der Kanzel.
Allerdings geriet er gerade wegen
eines Witzes vor einigen Monaten selbst in die Schlagzeilen. Er verbreitete
einen eher harmlosen Witz im Internet und machte sich dadurch bei einigen
Zeitgenossen unbeliebt. Das ficht ihn jedoch nicht an, weiterhin gerne
und fröhlich Schmunzelgeschichten zum Besten zu geben. Auch sein Amtsbruder
Dietmar Schuh aus Weiden findet überhaupt nichts anstößiges daran, einen
Witz im Talar zum Besten zu geben, "denn der Glaube lebt durch den Humor
und wird weiter vermittelt". Der Humor, sagt Pfarrer Schuh und schielt
dabei etwas neidisch auf die barocke katholische Kirche, ist ein Geschenk
Gottes. Die katholischen Mitchristen hätten ein viel unverkrampfteres
Verhältnis zum Humor, veranstalteten Faschingsbälle mit allem Drum und
Dran und lieben es einfach deftiger. "An typisch evangelischen Witzen
haben wir wenig zu bieten", bedauert Seiferlein. Protestanten sind eben
eher nüchterne Menschen, meint er. Wenn er einen Witz erzählt, sagt Pfarrer
Schuh, wird nur gelächelt, nicht gelacht. Und er gibt sich alle Mühe,
seine Gemeinde zum Schmunzeln zu bringen, wenn er beispielsweise am Faschingssonntag
seine Predigt in Form einer Büttenrede hält.
Das Lachen in der Bibel
Auch in der Bibel wird das Lachen
nicht ausgeklammert. Es ist auch schon zu komisch, wenn die hochbetagte
Sara erfährt, dass sie und ihr ebenso alter Mann Abraham ein Kind erwarten.
"Darum lacht sie bei sich selbst..." (1. Mose 18, 12). Bezeichnend, dass
gerade im Buch Hiob, das soviel über Leiden berichtet, an vielen Stellen
gelacht wird. Da heißt es im 5. Kapitel: "Über Verderben und Hunger wirst
du lachen und dich nicht fürchten." Im 8. Kapitel des gleichen Buches
wird "Gott deinen Mund mit Lachen füllen und deine Lippen mit Jubel."
Im 29. Kapitel des gleichen Buches heißt es schlicht: "Wenn ich ihnen
zulachte, so fassten sie Vertrauen." Neben einigen anderen Passagen in
den Psalmen steht der wohl bekann-teste Vers im Psalm 126: "Darum wird
unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein."
Wer viel lacht, zeigt einen "gelungenen
Ausdruck des Lebens" meint Pfarrer Seiferlein. Selbst für den Kirchenlehrer
Karl Barth ist die Theologie "eine freie und fröhliche Wissenschaft."
Witze in klerikalen Kreisen Witze
in klerikalen Kreisen ironisieren meist den eigenen Standpunkt und schildern
die Diskrepanz zwischen den Forderungen des Glaubens und der Unzulänglichkeit
des Menschen. Kurz: man nimmt sich selbst auf die Schippe. Auch hier tut
sich die katholische Kirche leichter, weil sie mehr Angriffsfläche bietet.
Bevorzugte Objekte und Zielscheibe sind meist die jeweiligen Vorgesetzten:
Prälaten, Domherren, Generalvikare, Bischöfe, Kardinäle - und natürlich
auch der Zölibat.
Nicht auf Kosten anderer
Es gibt feine, geistreiche Witze,
die nicht auf Kosten anderer leben. "Häme und Schadenfreude werden hinreichend
in unserer Spaßgesellschaft gekübelt", meint der evangelische Pfarrer
und Buchautor Hartmut Walsdorff aus Berlin. Für ihn geht es beim Lachen
immer auch um "das Lachen über mich selbst". Und um jene Heiterkeit, die
nicht plump auf Kosten und zu Lasten anderer geht. Selbst bei sanftem
Ausflug von Spott ist nicht auslachen gefragt, sondern anlachen, schreibt
der leidenschaftliche Sammler von Versprechern in seinem neuesten Buch
"Darüber lässt sich streichen" (erschienen im Claudius Verlag München).
Obwohl der Witz von der Grenzüberschreitung lebt, sind die Grenzen des
Humors auch bei Alfred Seiferlein schnell erreicht, wenn der Witz zu Lasten
von Minderheiten wie Menschen mit einer Behinderung oder einer Menschengruppe
geht, die besonders benachteiligt ist.
Humor ist also, wenn man trotzdem
lacht und das sollte nicht nur am Faschingssonntag gepflegt werden. Pfarrer
Hartmut Wallsdorf jeden-falls ist felsenfest davon überzeugt, "das Lachen
mit dem Ursinn der Schöpfung tiefer verbunden ist als Weinen."
Reinhard Krüger
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Vorsicht Witz:
Ein Pfarrer in Schweden hetzt
im weißen Talar zum Gottesdienst. Er ist schon spät dran und nimmt
deshalb die Abkürzung über den Friedhof. Ein Betrunkener liegt quer
über einem Grabstein, um seinen Rausch auszuschlafen. Der Pfarrer
sieht ihn, stutzt, geht hin, um ihn zu wecken. Der Betrunkene reißt
die Augen auf, die aufgehende Sonne blendet ihn und er sieht den
Pfarrer im weißen Talar über sich gebeugt. Jetzt weiß er wo er ist.
"Ist ja gut", meint er, "aber kannst du nicht mit denen neben mir
anfangen?"
Ein Mädchen aus der Schweiz
kommt als Haustochter in eine fromme Familie. Die Hausfrau nimmt
sie erst einmal ins Gebet. "Und keine Männergeschichten", sagt sie,
"das bitte ich mir aus." "Da brauchen Sie nichts zu befürchten",
sagt das Mädchen. "Und außerdem bin ich verlobt." "Was ist denn
ihr Bräutigam?" "Sigrist." "Sigrist? Was ist denn das?" "Er hilft
dem Pfarrer in der Sakristei, zündet die Kerzen an und läutet die
Glocken." "Ach so. Küster?" "Und wie."
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Sich selbst und der Welt ein Lachen gönnen
Jesus
sagte: "Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein
Kreuz auf sich und folge mir. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's
verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's erhalten.
Markus 8, 34+35.
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Foto:
Ilgenfritz
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"Ach ja, wir Christen
- speziell wir Evangelischen - wir schaffen es doch tatsächlich, mitten
in der närrischsten Zeit von Nachfolge, Kreuz und Tod zu sprechen. Als
läge der Aschermittwoch schon hinter uns und wir gingen mit großen Schritten
der Karwoche entgegen."
Obwohl ich eher ein
Faschingsmuffel bin, entfuhr mir dieser Seufzer, als ich den Predigttext
für den Sonntag Estomihi las, dem Sonntag vor Aschermittwoch. Ist unsere
Botschaft wirklich so zeitlos, dass wir überhaupt nicht auf die Zeichen
der Zeit achten müssen? Hat nicht alles seine Zeit, also auch die verrückte,
die närrische Zeit?
"Weint mit den Weinenden
und freut euch mit den Fröhlichen". So rät der Apostel Paulus den Christen
in Rom. Nun ist mancher Faschingsball wohl eher zum Heulen, laut, grell
und abgeschmackt. Es fehlt der eigentliche Grund zum Feiern. Doch den
könnten wir Christen beisteuern. Denn wir haben wirklich Grund zum Lachen:
Selbst der Tod ist seit Jesu Auferstehung zum Gespött geworden, weil Gott
ihn seiner Macht beraubt hat.
Wie wohltuend und
befreiend Lachen sein kann, das merkte ich, als ich nach einem langen
Tag abends mit Freunden zusammensaß und einfach nur geblödelt habe. Manchmal
liefen mir Tränen übers Gesicht vor lauter Ausgelassenheit - und am Ende
waren die Anstrengungen des Tages wie weggeblasen.
Nur wer um seine
Macht und Autorität besorgt ist, fürchtet vielleicht einen Gesichtsverlust.
Wer dagegen weiß, dass ihm mit Christus alles geschenkt ist, der braucht
sich nicht so wichtig zu nehmen. Der kann zu allererst über sich selber
lachen.
Einer, der davon
viel versteht, ist der Maler-Pfarrer Sieger Köder, von dem im Raum Ellwangen/Aalen
viele Bilder in Kirchen und Gemeinderäumen zu finden sind. Meist erzählen
sie in bunten Farben grundlegende Geschichten des Glaubens. Doch dazwischen
gibt es auch närrische Gestalten, wie den Clown, der sein trauriges Spiegelbild
betrachtet. Selbst auf dem Altar in Rosenberg ist ein Mann in einem zerschlissenen
Kostüm und einer Maske in der Hand zu sehen. Sein Gesicht jedoch wird
überstrahlt von Gottes kommender Herrlichkeit. Tod und Auferstehung des
Christen nimmt hier Gestalt an.
Ich muss an Luthers
letzte Worte denken: "Wir sind Bettler, das ist wahr." Doch Sieger Köders
Clownsgestalten sind nicht nur heitere Masken auf einem traurigen Hintergrund.
Einen Lehrerkollegen, der bei Schulbällen oft mit ihm auf der Bühne stand,
malte er liebevoll als "Professor Harlekin". So sieht ein Mensch aus,
der sich selbst leicht nimmt, der weiß, dass nur Gott seinem Leben Gewicht
geben kann.
Sich selbst verlieren,
um das Leben zu gewinnen. Vielleicht können wir Jesu Worte so übersetzen:
"Nimm dich und dein Leben nicht so schwer, gönne dir und der Welt ein
Lachen, und sei gewiss, dass Gott dich auch durch schwere Zeiten hindurchtragen
wird, wenn du dich selbst leicht nimmst.
Pfarrerin Ulrike
Brödel, Mönchsdeggingen
Wir beten:
Himmlischer Vater, mit leeren Händen treten wir vor dich. Wir können keinen
Frieden schaffen, wir stehen hilflos vor vielen Problemen, wir sind machtlos
vor dem Tod. Schenke du Frieden, wehre dem Hunger, nimm uns die Angst
vor dem Tod! Mach unser Herz leicht und unser Gesicht froh! Amen.
Lied 614:
Von Gott kommt diese Kunde.
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