Evangelisches Sonntagsblatt
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 7 )

Pionierarbeit in der Ukraine

Diakonie will Selbsthilfekräfte stärken

 
Foto: kil
   

Langsam, aber sicher gibt es Veränderungen. - Auch wenn gewohnte Denk- und Handlungsmuster tief sitzen. Die Menschen in der Ukraine haben schließlich ein Leben lang gelernt, das zu tun, was ihnen aufgetragen wurde. Es gab bis vor über elf Jahren für alles mögliche klare Anweisungen und dementsprechende Kontrolle. Die Menschen empfinden nach wie vor vieles als höhere Gewalt. Schicksal. Da kann man nichts ändern. - Der Kommunismus hat seine Spuren hinterlassen.

Zarte Pflanze Sozialarbeit

Und doch hat sich in der Zeit der Unabhängigkeit seit 1991 manches getan in dem osteuropäischen Land. So begann sich etwas zu entwickeln, das man vorsichtig als So- zialarbeit bezeichnen könnte. Ein noch sehr zartes Pflänzchen, aber deutlich sichtbar. Es gibt inzwischen so etwas wie soziale Leistungen - wenngleich ihre Höhe eher symbolischen Charakter hat als viel bewirken zu können.

"Vor allem gibt es Menschen, die erkennen, was zu tun notwendig ist", sagt Alfons Limbrunner, Dozent an der Evangelischen Fachhochschule in Nürnberg und dort Beauftragter für Kontakte nach Osteuropa. Im letzten Jahr hat er ein Seminar in Odessa gehalten - in Zusammenarbeit mit der Diakonie Bayern und der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine (DELKU). In dem Seminar wurde ehrenamtlich Mitarbeitenden aus Gemeinden der DELKU Grundlagen der diakonischen Arbeit vermittelt. "Das Interesse an diesem einwöchigen Kurs war groß", berichtet Limbrunner. Deswegen soll in diesem Jahr darauf aufgebaut werden. "Wir sind froh, in der Fachhochschule einen kompetenten Partner zu haben", sagt Pfarrerin Sabine Wiegmann. Sie ist Referentin für Partnerschaftsarbeit in Osteuropa bei der Diakonie Bayern.

Die Diakonie Bayern wiederum ist Trägerin des Bayerischen Hauses Odessa (BHO). Viele Deutschstämmige wenden sich dorthin, wo sie Unterstützung verschiedenster Art bekommen. "Zum BHO gehört eine Sozialstation. Dort bekommen die Menschen medizinische Hilfe und soziale Beratung. Auch eine Vorschule und zwei Kindergärten sind dabei", zählt Sabine Wiegmann auf. Außerdem gebe es eine Wirtschaftsabteilung und die Möglichkeit Deutsch zu lernen. In der Sozialstation ist übrigens seit gut fünf Jahren Schwester Doris Müller aktiv - eine Diakonisse vom Mutterhaus Hensoltshöhe aus Gunzenhausen.

"Viele Menschen in der Ukraine erwarten vom Westen finanzielle Hilfe", sagt Alfons Limbrunner. "Sie müssen kapieren, dass bei uns auch kein Geld auf der Straße liegt und sie kaum Unterstützung in dieser Richtung erwarten können." Stattdessen laute das Ziel, die Selbsthilfekräfte der Menschen zu wecken. Ein Schritt in diese Richtung war der Kurs im letzten Jahr. "Dieses Jahr werden insgesamt gut zwanzig Personen an einer darauf aufbauenden Fortbildung teilnehmen", berichtet Sabine Wiegmann. "Wir wollen die Menschen stärken, damit sie in ihren Gemeinden weiter arbeiten." Überwiegend Frauen werden es sein - von der Hausfrau über die Traktoristin bis hin zur Ärztin oder Lehrerin - die drei mal eine Woche sowohl die Schulbank drücken als auch praktisch arbeiten werden.

"Es ist wichtig, dass die Kirche mit solchen Angeboten Menschen erreicht", meint Wiegmann. Denn die Sehnsucht der Menschen in der Ukraine nach Orientierung und Sinn ist groß. "So etwas wie Bibelstunden saugen die Leute auf wie ein trockener Schwamm." Arbeitslosigkeit und Armut sind die größten Probleme in der Ukraine, die weitere Schwierigkeiten mit sich bringen: Alkoholismus und Krankheit. "Viele müssen lernen, Verantwortung zu übernehmen und nicht einfach abzuwarten, was das Schicksal bringen mag", sagt Limbrunner. Und doch - da sind sich Wiegmann und Limbrunner einig - ist eines auffallend: "Während wir erst an uns denken und anderen dann helfen, wenn es uns gut geht, helfen sich die Menschen in der Ukraine einander - egal, wie schlecht es ihnen selbst geht."

Herzliches Volk

Alfons Limbrunner hat die Ukrainer als ein sehr herzliches Volk erlebt. Er schwärmt von seiner Zeit in Odessa: "Die Stadt ist herrlich - wie eine verblühte schöne Frau. Und dann die warme Atmosphäre unter den Menschen! Ich habe mich sehr wohl gefühlt." Die Menschen seien so dankbar für jegliche Hilfe. Allerdings müssten sich Westeuropäer auf die ukrainische Mentalität - allem voran ihre Schicksalergebenheit - einstellen, besonders, wenn man viel mit ihnen zu tun hat wie im Bayerischen Haus. "Gegen die Ukraine ist die Slowakei schon sehr westlich", schildert Limbrunner die Verhältnisse. Bis das Land an der Grenze zu Russland auf die Beine kommt, wird es noch dauern. Aber die Erfahrungen zeigen, dass Veränderung möglich ist. Langsam. Aber sicher.

Karin Ilgenfritz

Wissenswertes über die Ukraine

Die Ukraine - der Name bedeutet übrigens "Grenzland" - hat eine bewegte Geschichte. Seit dem 18. Jahrhundert gibt es Deutsche beziehungsweise Deutschstämmige in der Gegend der heutigen Ukraine, die seit 1991 unabhängiger Staat ist. In den 90er Jahren hatte das osteuropäische Land durch die Umstellung auf marktwirtschaftliche Strukturen große wirtschaftliche Probleme, die noch längst nicht gelöst sind. In der Ukraine leben über 50 Millionen Menschen. Größte Stadt ist die Hauptstadt Kiew mit mehr als 2,6 Millionen Einwohnern. Die meisten Ukrainer sind orthodoxe Christen (rund 35 Millionen) oder Katholiken. Aber es gibt auch evangelische Christen, größtenteils deuschstämmige. Die bayerische Landeskirche und die Diakonie Bayern betreuen den kirchlichen Wiederaufbau in der Ukraine. Seit der Gründung der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine (DELKU) vor über zehn Jahren entstanden rund 40 Gemeinden mit etwa 4.000 Mitgliedern. Die DELKU hat ihren Sitz in der Millionenstadt Odessa. Vier der zehn Pfarrer und der Bischof der DELKU, Edmund Ratz, kommen aus Bayern.
kil

 


 

Jesus lässt die Frage zu: Lohnt sich das Christsein?

Wenn Gott sein Werk vollendet, wird es sein wie bei dem Weinbergbesitzer, der früh am Morgen auf den Marktplatz ging, um Leute zu finden und für die Arbeit in seinem Weinberg anzustellen.
Matthäus 20, 1-16



 

Ein Weinbauer geht morgens Arbeiter für seinen Weinberg anwerben. Er einigt sich mit ihnen auf den üblichen Tageslohn und lässt sie in seinem Weinberg arbeiten. Ein paar Stunden später, zur Mittagszeit und auch um fünf Uhr abends geht er erneut los, stellt Leute ein, die arbeitslos sind und verspricht ihnen einen angemessenen Lohn.

Am Abend beauftragt er seinen Verwalter: ‚Ruf die Leute zusammen und zahle ihnen den Lohn aus! Beginne damit beim Letzten und höre beim Ersten auf!' Als alle Arbeiter den gleichen, aber vereinbarten Tageslohn erhalten, fangen sie an zu schimpfen. ‚Mein Freund', entgegnet der Weinbauer, ‚dir geschieht doch kein Unrecht! Haben wir uns nicht auf diesen Betrag geeinigt? Nimm dein Geld und geh! Ich will den anderen genausoviel zahlen wie dir. Schließlich darf ich doch wohl mit meinem Geld machen, was ich will! Oder ärgerst du dich, weil ich großzügig bin?' Ebenso werden die Letzten einmal die Ersten sein, und die Ersten die Letzten."

Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg ist einer der Bibeltexte, der immer wieder für heiße Diskussionen sorgt: Über das Verhalten dieses Weinbergbesitzers kann man sich ja auch aufregen. So ein Verhalten ist wirklich ungerecht!

Wenn Jesus Gleichnisse erzählte, wollte er seinen Zuhörern immer vor Augen führen, wie es in Gottes Reich zugeht, welche Maßstäbe bei Gott gelten. Um verstehen zu können, auf was Jesus mit diesem Gleichnis hinauswollte, ist es unerlässlich, sich den Zusammenhang anzuschauen, in dem Jesus dieses Gleichnis erzählt hat. Wir finden den entscheidenden Hinweis in Kapitel 19, 27 f: Petrus will wissen: Was bekomme ich dafür, dass ich alles verlassen habe, um dir Jesus, nachzufolgen? Was habe ich davon? Lohnt sich mein Einsatz? Zu allen Zeiten haben Menschen gefragt: Was wird aus meiner Arbeit, meinem Leben und lohnt sich das Christsein? Die Bibel bleibt uns eine Antwort auf diese Fragen nicht schuldig. Gott will, dass wir wissen, wie wir dran sind!

Jesus erlaubt die Frage nach dem Lohn. Er fährt Petrus nicht über den Mund. Vielmehr beschreibt Jesus den Lohn bei Gott. Für alle Jünger gibt es einen doppelten Lohn: Nichts, was wir für Gott tun, wird von ihm nicht anerkannt! Vielfach, hundertfach gibt Gott zurück. Das dürfen Menschen schon hier in diesem Leben erfahren. Jesus fragte einmal seine Jünger: "Habt ihr jemals Mangel gehabt?" seit ihr mir nachfolgt. Sie antworteten: "Nein, Herr, nie!"

Und dann, nach diesem Leben hier auf der Erde: Das ewige Leben, das Leben in der Gemeinschaft mit Gott: Gott wird bei uns wohnen und wir werden sein Volk sein!

Um seine Jünger vor falschen Entwicklungen und Fehlhaltungen zu warnen, erzählt Jesus zum Abschluss des Gesprächs dann dieses Gleichnis. Drei Aspekte möchte ich herausgreifen:

1. Gott ergreift die Initiative, um uns in die Nachfolge zu rufen: "Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt." Gott ist der Handelnde in meinem Leben. Von Anfang an weiß ich, welcher "Lohn" mich erwartet.

2. Alle erhalten den gleichen Lohn. Egal, wann ein Mensch von Gott in die Nachfolge gerufen wurde - egal, wie lange ein Mensch "dabei" ist in der Gemeinde, als Mitarbeiter - alle bekommen am Ende das gleiche. Keiner kommt zu kurz. Keinem wird etwas weggenommen. Gott zahlt aus seinem Vermögen und nicht auf Kosten der "Ersten".

3. Jesus warnt vor Überheblichkeit! Wie schnell schauen wir auf andere herunter, weil wir meinen, wir hätten mehr für Gott getan! Jesus will uns vor einer Selbstsicherheit bewahren, die uns um den "Lohn" bringen kann. Diese seelsorgerliche Warnung am Schluss sagt: Gott ist gütig - zu mir und zu anderen. Gönne ich anderen, auch "später Dazugekommenen", die Güte Gottes?

Angelika Böhm, Referentin des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM), Regensburg

Gebet: Herr, mein Gott, danke, dass du dich auf den Weg zu uns machst und uns rufst. Danke, dass ich wissen darf: Es lohnt sich, dir nachzufolgen. Bewahre mich davor, dass ich neidisch werde und anderen deine Großzügigkeit nicht gönne. Amen.

Lied 342: Es ist das Heil uns kommen.

Diese Woche - Archiv - Editorial - Geschichte - Redaktion - Abo-Service - Anzeigen - Evang. Reisedienst - Impressum
© 2002 ROTABENE! Medienhaus