Pionierarbeit in der Ukraine
Diakonie will Selbsthilfekräfte
stärken
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Langsam, aber sicher gibt es Veränderungen.
- Auch wenn gewohnte Denk- und Handlungsmuster tief sitzen. Die Menschen
in der Ukraine haben schließlich ein Leben lang gelernt, das zu tun, was
ihnen aufgetragen wurde. Es gab bis vor über elf Jahren für alles mögliche
klare Anweisungen und dementsprechende Kontrolle. Die Menschen empfinden
nach wie vor vieles als höhere Gewalt. Schicksal. Da kann man nichts ändern.
- Der Kommunismus hat seine Spuren hinterlassen.
Zarte Pflanze Sozialarbeit
Und doch hat sich in der Zeit der
Unabhängigkeit seit 1991 manches getan in dem osteuropäischen Land. So
begann sich etwas zu entwickeln, das man vorsichtig als So- zialarbeit
bezeichnen könnte. Ein noch sehr zartes Pflänzchen, aber deutlich sichtbar.
Es gibt inzwischen so etwas wie soziale Leistungen - wenngleich ihre Höhe
eher symbolischen Charakter hat als viel bewirken zu können.
"Vor allem gibt es Menschen, die
erkennen, was zu tun notwendig ist", sagt Alfons Limbrunner, Dozent an
der Evangelischen Fachhochschule in Nürnberg und dort Beauftragter für
Kontakte nach Osteuropa. Im letzten Jahr hat er ein Seminar in Odessa
gehalten - in Zusammenarbeit mit der Diakonie Bayern und der Deutschen
Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine (DELKU). In dem Seminar
wurde ehrenamtlich Mitarbeitenden aus Gemeinden der DELKU Grundlagen der
diakonischen Arbeit vermittelt. "Das Interesse an diesem einwöchigen Kurs
war groß", berichtet Limbrunner. Deswegen soll in diesem Jahr darauf aufgebaut
werden. "Wir sind froh, in der Fachhochschule einen kompetenten Partner
zu haben", sagt Pfarrerin Sabine Wiegmann. Sie ist Referentin für Partnerschaftsarbeit
in Osteuropa bei der Diakonie Bayern.
Die Diakonie Bayern wiederum ist
Trägerin des Bayerischen Hauses Odessa (BHO). Viele Deutschstämmige wenden
sich dorthin, wo sie Unterstützung verschiedenster Art bekommen. "Zum
BHO gehört eine Sozialstation. Dort bekommen die Menschen medizinische
Hilfe und soziale Beratung. Auch eine Vorschule und zwei Kindergärten
sind dabei", zählt Sabine Wiegmann auf. Außerdem gebe es eine Wirtschaftsabteilung
und die Möglichkeit Deutsch zu lernen. In der Sozialstation ist übrigens
seit gut fünf Jahren Schwester Doris Müller aktiv - eine Diakonisse vom
Mutterhaus Hensoltshöhe aus Gunzenhausen.
"Viele Menschen in der Ukraine
erwarten vom Westen finanzielle Hilfe", sagt Alfons Limbrunner. "Sie müssen
kapieren, dass bei uns auch kein Geld auf der Straße liegt und sie kaum
Unterstützung in dieser Richtung erwarten können." Stattdessen laute das
Ziel, die Selbsthilfekräfte der Menschen zu wecken. Ein Schritt in diese
Richtung war der Kurs im letzten Jahr. "Dieses Jahr werden insgesamt gut
zwanzig Personen an einer darauf aufbauenden Fortbildung teilnehmen",
berichtet Sabine Wiegmann. "Wir wollen die Menschen stärken, damit sie
in ihren Gemeinden weiter arbeiten." Überwiegend Frauen werden es sein
- von der Hausfrau über die Traktoristin bis hin zur Ärztin oder Lehrerin
- die drei mal eine Woche sowohl die Schulbank drücken als auch praktisch
arbeiten werden.
"Es ist wichtig, dass die Kirche
mit solchen Angeboten Menschen erreicht", meint Wiegmann. Denn die Sehnsucht
der Menschen in der Ukraine nach Orientierung und Sinn ist groß. "So etwas
wie Bibelstunden saugen die Leute auf wie ein trockener Schwamm." Arbeitslosigkeit
und Armut sind die größten Probleme in der Ukraine, die weitere Schwierigkeiten
mit sich bringen: Alkoholismus und Krankheit. "Viele müssen lernen, Verantwortung
zu übernehmen und nicht einfach abzuwarten, was das Schicksal bringen
mag", sagt Limbrunner. Und doch - da sind sich Wiegmann und Limbrunner
einig - ist eines auffallend: "Während wir erst an uns denken und anderen
dann helfen, wenn es uns gut geht, helfen sich die Menschen in der Ukraine
einander - egal, wie schlecht es ihnen selbst geht."
Herzliches Volk
Alfons Limbrunner hat die Ukrainer
als ein sehr herzliches Volk erlebt. Er schwärmt von seiner Zeit in Odessa:
"Die Stadt ist herrlich - wie eine verblühte schöne Frau. Und dann die
warme Atmosphäre unter den Menschen! Ich habe mich sehr wohl gefühlt."
Die Menschen seien so dankbar für jegliche Hilfe. Allerdings müssten sich
Westeuropäer auf die ukrainische Mentalität - allem voran ihre Schicksalergebenheit
- einstellen, besonders, wenn man viel mit ihnen zu tun hat wie im Bayerischen
Haus. "Gegen die Ukraine ist die Slowakei schon sehr westlich", schildert
Limbrunner die Verhältnisse. Bis das Land an der Grenze zu Russland auf
die Beine kommt, wird es noch dauern. Aber die Erfahrungen zeigen, dass
Veränderung möglich ist. Langsam. Aber sicher.
Karin Ilgenfritz
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Wissenswertes
über die Ukraine
Die Ukraine
- der Name bedeutet übrigens "Grenzland" - hat eine bewegte Geschichte.
Seit dem 18. Jahrhundert gibt es Deutsche beziehungsweise Deutschstämmige
in der Gegend der heutigen Ukraine, die seit 1991 unabhängiger Staat
ist. In den 90er Jahren hatte das osteuropäische Land durch die
Umstellung auf marktwirtschaftliche Strukturen große wirtschaftliche
Probleme, die noch längst nicht gelöst sind. In der Ukraine leben
über 50 Millionen Menschen. Größte Stadt ist die Hauptstadt Kiew
mit mehr als 2,6 Millionen Einwohnern. Die meisten Ukrainer sind
orthodoxe Christen (rund 35 Millionen) oder Katholiken. Aber es
gibt auch evangelische Christen, größtenteils deuschstämmige. Die
bayerische Landeskirche und die Diakonie Bayern betreuen den kirchlichen
Wiederaufbau in der Ukraine. Seit der Gründung der Deutschen Evangelisch-Lutherischen
Kirche in der Ukraine (DELKU) vor über zehn Jahren entstanden rund
40 Gemeinden mit etwa 4.000 Mitgliedern. Die DELKU hat ihren Sitz
in der Millionenstadt Odessa. Vier der zehn Pfarrer und der Bischof
der DELKU, Edmund Ratz, kommen aus Bayern.
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Jesus lässt die Frage zu: Lohnt sich das Christsein?
Wenn
Gott sein Werk vollendet, wird es sein wie bei dem Weinbergbesitzer, der
früh am Morgen auf den Marktplatz ging, um Leute zu finden und für die
Arbeit in seinem Weinberg anzustellen.
Matthäus 20, 1-16
Ein Weinbauer geht
morgens Arbeiter für seinen Weinberg anwerben. Er einigt sich mit ihnen
auf den üblichen Tageslohn und lässt sie in seinem Weinberg arbeiten.
Ein paar Stunden später, zur Mittagszeit und auch um fünf Uhr abends geht
er erneut los, stellt Leute ein, die arbeitslos sind und verspricht ihnen
einen angemessenen Lohn.
Am Abend beauftragt
er seinen Verwalter: ‚Ruf die Leute zusammen und zahle ihnen den Lohn
aus! Beginne damit beim Letzten und höre beim Ersten auf!' Als alle Arbeiter
den gleichen, aber vereinbarten Tageslohn erhalten, fangen sie an zu schimpfen.
‚Mein Freund', entgegnet der Weinbauer, ‚dir geschieht doch kein Unrecht!
Haben wir uns nicht auf diesen Betrag geeinigt? Nimm dein Geld und geh!
Ich will den anderen genausoviel zahlen wie dir. Schließlich darf ich
doch wohl mit meinem Geld machen, was ich will! Oder ärgerst du dich,
weil ich großzügig bin?' Ebenso werden die Letzten einmal die Ersten sein,
und die Ersten die Letzten."
Das Gleichnis von
den Arbeitern im Weinberg ist einer der Bibeltexte, der immer wieder für
heiße Diskussionen sorgt: Über das Verhalten dieses Weinbergbesitzers
kann man sich ja auch aufregen. So ein Verhalten ist wirklich ungerecht!
Wenn Jesus Gleichnisse
erzählte, wollte er seinen Zuhörern immer vor Augen führen, wie es in
Gottes Reich zugeht, welche Maßstäbe bei Gott gelten. Um verstehen zu
können, auf was Jesus mit diesem Gleichnis hinauswollte, ist es unerlässlich,
sich den Zusammenhang anzuschauen, in dem Jesus dieses Gleichnis erzählt
hat. Wir finden den entscheidenden Hinweis in Kapitel 19, 27 f: Petrus
will wissen: Was bekomme ich dafür, dass ich alles verlassen habe, um
dir Jesus, nachzufolgen? Was habe ich davon? Lohnt sich mein Einsatz?
Zu allen Zeiten haben Menschen gefragt: Was wird aus meiner Arbeit, meinem
Leben und lohnt sich das Christsein? Die Bibel bleibt uns eine Antwort
auf diese Fragen nicht schuldig. Gott will, dass wir wissen, wie wir dran
sind!
Jesus erlaubt die
Frage nach dem Lohn. Er fährt Petrus nicht über den Mund. Vielmehr beschreibt
Jesus den Lohn bei Gott. Für alle Jünger gibt es einen doppelten Lohn:
Nichts, was wir für Gott tun, wird von ihm nicht anerkannt! Vielfach,
hundertfach gibt Gott zurück. Das dürfen Menschen schon hier in diesem
Leben erfahren. Jesus fragte einmal seine Jünger: "Habt ihr jemals Mangel
gehabt?" seit ihr mir nachfolgt. Sie antworteten: "Nein, Herr, nie!"
Und dann, nach diesem
Leben hier auf der Erde: Das ewige Leben, das Leben in der Gemeinschaft
mit Gott: Gott wird bei uns wohnen und wir werden sein Volk sein!
Um seine Jünger vor
falschen Entwicklungen und Fehlhaltungen zu warnen, erzählt Jesus zum
Abschluss des Gesprächs dann dieses Gleichnis. Drei Aspekte möchte ich
herausgreifen:
1. Gott ergreift
die Initiative, um uns in die Nachfolge zu rufen: "Nicht ihr habt mich
erwählt, sondern ich habe euch erwählt." Gott ist der Handelnde in meinem
Leben. Von Anfang an weiß ich, welcher "Lohn" mich erwartet.
2. Alle erhalten
den gleichen Lohn. Egal, wann ein Mensch von Gott in die Nachfolge gerufen
wurde - egal, wie lange ein Mensch "dabei" ist in der Gemeinde, als Mitarbeiter
- alle bekommen am Ende das gleiche. Keiner kommt zu kurz. Keinem wird
etwas weggenommen. Gott zahlt aus seinem Vermögen und nicht auf Kosten
der "Ersten".
3. Jesus warnt vor
Überheblichkeit! Wie schnell schauen wir auf andere herunter, weil wir
meinen, wir hätten mehr für Gott getan! Jesus will uns vor einer Selbstsicherheit
bewahren, die uns um den "Lohn" bringen kann. Diese seelsorgerliche Warnung
am Schluss sagt: Gott ist gütig - zu mir und zu anderen. Gönne ich anderen,
auch "später Dazugekommenen", die Güte Gottes?
Angelika Böhm, Referentin
des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM), Regensburg
Gebet: Herr,
mein Gott, danke, dass du dich auf den Weg zu uns machst und uns rufst.
Danke, dass ich wissen darf: Es lohnt sich, dir nachzufolgen. Bewahre
mich davor, dass ich neidisch werde und anderen deine Großzügigkeit nicht
gönne. Amen.
Lied 342:
Es ist das Heil uns kommen.
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