Evangelisches Sonntagsblatt
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 5 )

Die Not in Familien lindern

Dorfhelferinnen vertreten Mütter und Bäuerinnen

 
Familie Probst sitzt zusammen mit der Dorfhelferin Johanna Mader beim Mittagessen - die beiden Töchter sind noch nicht aus der Schule zuhause.
   

"Mit den Kindern zu arbeiten, macht mir am meisten Freude", erzählt Johanna Mader. Und das ist gut so. Denn Kinder sind meistens im Spiel, wenn die Dorfhelferin zum Einsatz kommt. "Das liegt auch den Müttern oft am meisten am Herzen, dass ihre Kinder gut versorgt werden, wenn sie im Krankenhaus oder auf Kur sind", erzählt Johanna Mader. Zur Familie Probst, bei der sie momentan sechs Stunden pro Tag die Mutter und Hausfrau vertritt, zählen vier Kinder, der Vater und die Oma. Da fällt einiges an Arbeit an, gerade auch bei Familien auf dem Land.

Die Mutter musste zur Kur

Frau Probst musste für vier Wochen zur Kur. "Wenn wir keine Dorfhelferin bekommen hätten, wäre es sehr eng geworden", erzählt Herr Probst, der als Selbständiger den ganzen Tag in seinem Geschäft ein paar Orte weiter sein muss. "Manchmal, wenn ich komme, stehen acht Maschinen Schmutzwäsche zum Waschen an. Neben Essen kochen und aufräumen sind die von der Krankenkasse genehmigten sechs Stunden dann gut gefüllt", erzählt die Dorfhelferin. Dazu kommen Putzen, Einkaufen und, gerade hier auf dem Land, Fahrdienste für die Kinder. Oma Probst hat glücklicherweise den Führerschein und kann das Fahren übernehmen.

 
Dorfhelferinnen müssen sich immer wieder auf einen anderen Haushalt und andere Familien einstellen. Zum Beispiel wenn es um die Wünsche für den Speiseplan geht.
   

"Die Not ist in vielen, gerade bäuerlichen Familien oft groß, wenn die Mutter krank wird oder sogar stirbt", erzählt Johanna Mader aus ihrer langjährigen Berufserfahrung. Denn als Dorfhelferin ist sie nicht nur - wie bei Familie Probst - für hauswirtschaftliche Arbeiten einsetzbar. Sie kann mit ihrer Ausbildung zum Beispiel auch Stallarbeit und Gartenbau übernehmen. Ebenso haben Betriebslehre und Buchführung in der Dorfhelferinnenschule nicht gefehlt. Pädagogische und psychologische Fächer, Religion und andere Bereiche rundeten den Lernstoff ab.

"Mir hat immer großen Spaß gemacht, dass die Ausbildung und der Beruf sehr abwechslungsreich sind", schildert Mader sichtlich zufrieden. Doch am wichtigsten sei es, mit Kindern auszukommen und kochen zu können. Außerdem muss man flexibel sein. Denn bei 15 bis 20 Einsätzen pro Jahr hat sich Johanna Mader immer wieder auf neue Menschen einzustellen. Auch wenn viele Haushalte ähnlich organisiert seien, gleiche keine Familie der anderen. "So wird es nie langweilig und man rostet nicht im Kopf", ist sie überzeugt. Flexibel muss Johanna Mader auch bei den Arbeitszeiten sein. Obwohl sie halbtags angestellt ist, kann es sein, dass sie bei einem konkreten Einsatz auch mal mehr arbeiten muss. Über das Jahr gleicht sich das wieder aus.

Finanzknappheit der Kassen

"Da haben es die ganztags angestellten Dorfhelferinnen inzwischen schwerer", schildert Brigitte Seeberger vom Dorfhelferinnendienst auf dem Hesselberg. Da die Krankenkassen, die für die Finanzierung der Einsätze zuständig sind, oft nur noch Teilzeiteinsätze von zwei oder vier Stunden genehmigten, müssten Ganztagskräfte oft in zwei Familien gleichzeitig tätig sein. Zum einen ist dann ein hohes Maß an Organisationstalent gefragt, um die Bedürfnisse zweier Familien in Einklang zu bringen.Zum anderen müssten manche Kräfte trotzdem noch schauen, dass sie übers Jahr auf ihre Stundenzahlen kommen. Die Krankenkassen würden aber aufgrund der allgemein schwierigen Finanzlage sehr streng darauf achten, dass möglichst wenig Stunden genehmigt werden, berichtet Seeberger.

Aufruhr unter den Dorfhelferinnen hatten im vergangenen Jahr Pläne von Bundessozialministerin Ulla Schmidt ausgelöst. Sie wollte die rechtliche Grundlage für die Finanzierung der Dorfhelferinnen- und Familienpflegerinnen-Einsätze streichen. Bundesweit organisierten die Berufsverbände eine Unterschriftensammlung dagegen. Allein aus Bayern kamen 185.000 der insgesamt 235.000 Unterschriften, die in den nächsten Wochen in Berlin übergeben werden. Der Protest war erfolgreich: Nun wird erst gestrichen, wenn ein anderes Finanzierungskonzept geschaffen wurde.

Der evangelische Dorfhelferinnendienst auf dem Hesselberg und die Kollegen auf katholischer Seite unterstützten alle Aktionen. Schließlich geht es auch um ihre Existenz als Anstellungsträger. Beim "Hesselberg" sind zum Beispiel 45 Dorfhelferinnen beschäftigt, die im ganzen nordbayerischen Raum eingesetzt sind. Sie sind entweder bei Diakonischen Werken, Dekanaten oder auch Pfarrämtern angegliedert. Ihre Einsätze werden heute aber zum Großteil von den Maschinenringen organisiert, da diese die Betriebe und Familien einer Region oft besser kennen.

Der Dorfhelferinnendienst

 
Brigitte Seeberger vom Hesselberg und Helga Weid, erste Vorsitzende vom Berufsverband, im Gespräch. (Fotos: sij)
   

Der Dorfhelferinnendienst auf dem Hesselberg als kirchliche Einrichtung, ist und bleibt aber Anstellungsträger und Ausbilder. Er verhandelt auch mit den Krankenkassen und rechnet mit ihnen ab. Da die Bezahlung der Kassen aber nicht Kosten deckend ist - es werden 19,43 Euro pro Stunde erstattet , bei Kosten von rund 30 Euro pro Stunde - ist der Hesselberg auch auf Spenden und weitere Zuschüsse des Landwirtschaftsministeriums angewiesen.

"Dorfhelferinnen leisten wichtige diakonische Arbeit", betont Brigitte Seeberger. Und Helga Weid, erste Vorsitzende des Berufsverbands, macht deutlich: "Ohne Überzeugung kann man diesen Beruf wahrscheinlich gar nicht machen." Für die Verarbeitung der Not in manchen Familien, für die berufliche Schweigepflicht und die vielen Beratungsgespräche in den Familien sei der Glaube wichtige Kraftquelle. Die Dorfhelferinnen werden für ihre Arbeit in einem Gottesdienst eingesegnet - sowohl am Ende der Ausbildung, als auch meist beim Dienstantritt auf einer neuen Station.

Johanna Mader ist ebenfalls überzeugt, dass sie ohne ihren Glauben diesen Dienst nicht schaffen würde. "Da wir mitten in den Familien arbeiten, bekommen wir oft Einblick in aussichtslose Not, die wir mit unseren Mitteln gar nicht lindern können. Damit ich eine solche Familie wieder loslassen kann, tut es gut, wenn ich diese Menschen einfach Gott anvertrauen kann."

Silvia Jühne

Weitere Informationen zu Beruf und Ausbildung:
Evangelischer Dorfhelferinnendienst Hesselberg, 91726 Gerolfingen, Tel: 09854/100, www.vhs-hesselberg.de

 

 


 

Wasser und Schatten

Und am Abend desselben Tages sprach er zu ihnen: "Lasst uns hinüberfahren." Und sie ließen das Volk gehen und nahmen ihn mit, wie er im Boot war, und es waren noch andere Boote bei ihm. Und es erhob sich ein großer Windwirbel, und die Wellen schlugen in das Boot, so dass das Boot schon voll wurde. Und Jesus war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: "Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?" Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: "Schweig und verstumme!" Und der Wind legte sich, und es entstand eine große Stille. Und er sprach zu ihnen: "Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?" Sie aber fürchteten sich sehr und sprachen un-tereinander: "Wer ist der? Auch Wind und Meer sind ihm gehorsam!"
(Markus 4, 37-41)




 
Die Schatten der Nacht rauben selbst Erwachsenen manchmal noch den Schlaf. Doch: Reichen etwas Licht und eine vertraute Stimme am Telefon aus, um die Angst zu vertreiben? (Foto: Ernst Wodicka)
 

Gary Larson ist der Erfinder des Monsterschnorchels für Kinder. Ich muss schmunzeln, wenn ich an den dazu gehörigen Cartoon denke: Ein Kind, die Bettdecke über dem Kopf, atmet sicher durch ein Rohr, das unter der Decke hervor ragt, während in der Dunkelheit über und unter dem Bett die schrecklichsten Monster lauern. - Ja ja, Kinder und ihre Ängste vor dem Dunkel, durch das sich die vertraute Umgebung des Kinderzimmers in bedrohliche Schatten verwandelt. Ein ganzer Kinofilm dreht sich allein um dieses Motiv: "Monster AG" heißt der wirklich gut gemachte, rein Computer animierte Streifen, der vor etwa zwei Jahren in die Kinos kam.

Aber mal Hand auf's Herz: So weit sind wir doch auch als Erwachsene nicht von den Ängsten unserer Kinder entfernt. Das Ruderboot unseres Lebens, diese Nussschale auf den Wellen, ist doch allezeit anfällig für das Grauen, das unter dem Kiel im trüben Wasser lauern könnte. Und so wird die Geschichte von Jesus mit den Jüngern auf dem See Genezareth, ausgeliefert dem Sturm und den Wellen, sehr schnell durchsichtig für unser eigenes Leben. Ein Leben, in dem sich die scheinbaren Sicherheiten rascher verzehren als der Glaube der Jünger und ihr Vertrauen, dass Gott sich schon um die Seinen kümmert.

Nehmen wir zum Beispiel die Überschwemmungen dieser Tage: Ich gebe zu, ich lebe in Bayern ziemlich weit oben. Geografisch und auch landschaftlich. In meiner Gegend entspringen die Wasser erst, ehe sie sich sammeln und dann zu Fluten anwachsen, die sich gurgelnd und reißend über Wiesen, Äcker, Unterführungen, Straßen und Marktplätze ergießen. Coburg erlebe ich in der weitläufigen Nachbarschaft. Von Würzburg und Kallmünz erfahre ich aus dem Radio, während ich von der Autobahn aus den überschwemmten Wiesengrund der Regnitz wahrnehme. Die Wasser in Form von Überflutung, in Form von Sturm und Wellen, werfen uns jäh zurück in Ausgeliefertsein und Ohnmacht, eben in einen Zustand von "Kindheit" der Seele, in dem wir ohne Boden unter den Füßen, haltlos und hilflos Angst um unser Leben haben.

Sturm und Wellen in der Erzählung sind für mich nur die symbolischen Platzhalter für alles und jedes, das dir den Halt und die Geborgenheit rauben kann und du meinst, dass sich Gott nicht um dich kümmert.

Was die Jünger taten, wird uns im Evangelium verkündet: Sie wenden sich an den schlafenden Jesus. Zu naiv für uns Heutige? Ich halte etwas anderes für naiv: Gefährlich naiv ist für mich der Ruf nach "dem starken Mann" in Zeiten von Arbeitslosigkeit und ungewisser Zukunft, von Terror und Gewalt. Wenn die Angst in deiner Seele nach Eltern ruft, nach Halt und Stärke, nach Ordnung und Verlässlichkeit, dann erzähle ihr von Gott!

Für mich ist dieser Jesus im Boot kein "starker Mann", sondern der Herr, der sich einmal mehr als der Mensch gewordene Gott erweist. Herr auch über all das Unheimliche, das Chaos, das Übermächtige, die Zukunft und Kindheit, die Schatten und die Monster.

Mein Sohn hatte einmal ein Bilderbuch von Kees de Kort mit der Geschichte von der Stillung des Sturmes. Da heißt es: "Warum habt ihr Angst? Ich bin doch da!" Und wenn es mir den Boden wegzieht unter den Füßen, dann fällt mir dieser unübertreffliche Satz aus dem Munde Jesu hoffentlich rechtzeitig ein. Dann will ich glauben, dass Gott mich trägt.

Pfarrer Bernhard Nikitka, Tettau

Gebet: Dreieiniger Gott, ich bitt dich um Bewahrung in aller Angst, Mut in aller Erschütterlichkeit meiner Seele. Ich bin kein Fels wie Petrus, nicht mannhaft wie Andreas, nicht kritisch wie Thomas, aber dein Jünger mit wachsendem Glauben. Amen

Lied 396: Jesu, meine Freude.

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