Evangelisches Sonntagsblatt
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 4 )

Führungskräfte und ihr Glaube

Wie Manager Beruf und Frömmigkeit zusammenbringen

Immer mehr Manager entdecken den christlichen Glauben als Kraftquelle und Orientierungshilfe für betriebliche Entscheidungen. Etwa 70 Prozent der deutschen Spitzenunternehmer bezeichnen sich nach einer Umfrage des Institutes für Demoskopie in Allensbach (Bodensee) als religiös. 1990 war das noch anders: Einer Umfrage zufolge seien zum Beispiel in Bayern 54 Prozent der Manager religiös "kaum ansprechbar gewesen". Das gestiegene Interesse zeigte sich auch beim "Kongress christlicher Führungskräfte" in Hannover. Gegenüber dem letzten Treffen dieser Art nahmen jetzt 60 Prozent mehr Verantwortliche aus Wirtschaft, Verwaltung und Kirchen teil. Mit drei der 2200 in Hannover versammelten Führungskräfte sprach Sonntagsblatt-Chefredakteur Günter Saalfrank über ihren Glauben.

 

Gebet als Kraftquelle

Edmund Stoiber
 
Norbert Walter
   

Für Professor Norbert Walter (Frankfurt) ist das Gebet eine wichtige Kraftquelle. "Ich bete jeden Tag. Für mich ist das Gebet wie eine Himmelsleiter", erklärt der Chefvolkswirt der Deutschen Bank und international berühmte Wirtschaftsexperte. Trotz eines gefüllten Terminkalenders finde er immer wieder Zeit dafür. Der Grund: Er steht früh auf und geht abends spät ins Bett.

Der bekennende Christ sieht keinen Widerspruch zwischen Glaube und Wirtschaft: "Was im Neuen Testament steht, ist kein Gegensatz zu einer Tätigkeit als Führungskraft." Christliche Grundsätze machen "das Management keinesfalls weniger effizient - im Gegenteil". Mit einem Bibelwort allerdings hat der aus Unterfranken stammende Katholik seine Probleme: "Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht als ein Reicher in den Himmel kommt".

Die Bibel ist für den Top-Banker, der sich ein fröhlicheres Christentum wünscht, ein "wunderbares Buch". Sie helfe ihm, sich von der Hetze des Alltags zu "entschleunigen". Ein Anker im Buch der Bücher sei für ihn beispielsweise ein abstrakt denkender Mensch wie der Evangelist Johannes.

Von Zeit zu Zeit nimmt Walter eine Auszeit in einem Kloster in Schleswig-Holstein. Das Gebet und das Mitsingen von Chorälen würden ihm helfen, zur Ruhe zu finden. Danach kehre er frisch und entschleunigt zurück. Seitdem der Chefvolkswirt offen über seinen Glauben spricht, hat er eine überraschende Erfahrung gemacht. Menschen suchen mit ihm das Gespräch darüber: "Ich bin öfters ein Anker für Personen, die beruflich mit mir zu tun haben."

 

Gute Hilfe für Unternehmer

Edmund Stoiber
 
Ferdinand Graf zu Castell-Castell
   

Für Ferdinand Graf zu Castell-Castell schenkt der Glaube an Gott Mut und Gelassenheit. "Das ist eine gute Hilfe für einen Unternehmer", meint er. Es erleichtert so, Aufgaben anzupacken. Selbst wenn etwas misslingen sollte, weiß sich der Unterfranke von Gott gehalten. "Er liebt mich, auch wenn ich Fehler mache." Gott habe aber ebenso die Menschen um ihn herum lieb. Für den Grafen ergeben sich daraus Konsequenzen im Umgang mit den Beschäftigten: "Ein Mitarbeiter besteht nicht nur aus seiner Arbeitskraft, sondern ich sehe auch seine Familie." Der 37-Jährige ist Miteigentümer der Castell-Bank sowie Eigentümer eines Weingutes und eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebes. Insgesamt sind rund 300 Männer und Frauen in den einzelnen Bereichen beschäftigt.

Rein rechtlich ist der Unterfranke Eigentümer oder Miteigentümer der Unternehmen. Er selbst sieht sich aber als Verwalter der Güter, die ihm Gott anvertraut hat. "Es ist mein Besitz, aber nicht mein Eigentum", stellt der Graf klar. Sicher gehe es darum, den Besitz nicht nur zu verwalten, sondern auch zu vermehren. Doch habe dies verantwortlich zu geschehen, etwa im Blick auf die Schöpfung: "Ich muss so mit ihr umgehen, dass davon noch meine Kinder und Enkelkinder sowie die der Mitarbeitenden und Kunden leben können."

Apropos Mitarbeiter: In den Unternehmen des Grafen gilt der Grundsatz "treu und wahr". Das heißt zum Beispiel: Wenn Mitarbeiter einen Fehler machen, sollen sie ihn nicht verdecken, sondern dazu stehen.

Der 37-Jährige betet auch um gute Geschäfte in der Bank oder um passendes Wetter für den Weinbau. Doch er überlässt es Gott, ob es sich erfüllt oder anders kommt. "Gott ist kein Automat und keine Versicherung", betont er.

 

Verantwortung vor Gott

Edmund Stoiber
 
Jörg Knoblauch
   

Als christliche Führungskraft sieht sich Professor Jörg Knoblauch (Giengen) in einer besonderen Verantwortung vor Gott. "Gott hat dir ein Unternehmen gegeben. Er wird dich eines Tages fragen, was du daraus gemacht hast", so Knoblauchs Credo. Zu einem Schlüsselerlebnis wurde für ihn in jungen Jahren eine Studie, nach der von Christen geführte Firmen in der Regel nur mittelmäßige Leistungen bringen. Das wollte er anders machen. Er schuf eine "partnerschaftliche Unternehmenskultur" - die Mitarbeitenden können mitentscheiden - und eine Kultur des Lobens, Dankens und der Anerkennung. "Aus einem schlechten Unternehmen wurde ein sehr gutes", beschreibt der 53-Jährige die Entwicklung. Vor kurzem erhielt er dafür einen der höchsten Wirtschaftspreise Deutschlands, den Ludwig-Erhard-Preis als "Auszeichnung für Spitzenleistung im Wettbewerb". Knoblauch ist Inhaber einer Firma für Zeitplansysteme und Unternehmensberatung, eines Unternehmens für Computergehäuse und Werkzeugkassetten sowie einer Firma für Persönlichkeitsentwicklung.

Den christlichen Glauben sieht der Württemberger nicht als Garant für Erfolg an. Trotzdem gibt es für ihn einen Zusammenhang: "Wenn ein Mensch seinen Beruf als Gottesdienst betrachtet und er zur Berufung wird, stellt sich in der Regel auch beruflicher Erfolg ein."

Wenn eine Firma besser wird, kommt sie Knoblauch zufolge auch nicht umhin, sich von Mitarbeitern zu trennen. Er unterscheidet zwischen Personen, die nicht wollen und die nicht können. Bei den Erstgenannten sei er inzwischen hart geworden. Bei unbequemen Entscheidungen müsse er sich manchmal den Vorwurf anhören: "Und Sie wollen Christ sein". Dann spricht der Unternehmer die Probleme offen an. "In der Regel verstehen es die Menschen", so seine Erfahrung.

Gemäß seinem Lebensmotto "Arbeite hart, bete viel und gib Menschen Visionen" trifft sich Knoblauch regelmäßig mit einem Freund und anderen Unternehmern zum Gebet. Auch für Mitarbeitende faltet er die Hände. Jubiläen und andere Termine nimmt er zum Anlass, Gott öffentlich zu danken und ein Gebet zu sprechen.

Der württembergische Unternehmer ist jede Woche für das Evangelium unterwegs. Er spricht vor christlichen Wirtschaftsverbänden und engagiert sich in zahlreichen christlichen Organisationen wie dem internationalen "Komitee christlicher Geschäftsleute". Um Gottes Lohn führt er auch ein Managementtraining für Christen in Kroatien durch.

 


 

Jesus zeigt uns Gottes verändernde Kraft

Als aber Jesus nach Kapernaum hineinging, trat ein Hauptmann zu ihm; der bat ihn und sprach: "Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gelähmt und leidet große Qualen." Jesus sprach zu ihm: "Ich will kommen und ihn gesund machen." Der Hauptmann antwortete und sprach: "Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn auch ich bin ein Mensch, der Obrigkeit untertan, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er; und zu einem anderen: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das, so tut er's." Als das Jesus hörte, wunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: "Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden! Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in die Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern." Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: "Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast." Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.
(Matthäus 8, 5-13)




 

Die Epiphaniaszeit soll uns an das Offenbarwerden der Göttlichkeit Jesu erinnern. Sie soll uns ins Gedächtnis rufen, dass in Jesus Gottes verändernde Kraft wirksam war. Genau darauf zielt auch die Erzählung vom Hauptmann von Kapernaum ab. Darüber hinaus weist sie uns auf unsere Antwort auf Gottes Taten hin, den Glauben - der hier sogar gesellschaftliche Grenzen überschreitet.

Der Glaube, wie ihn der römische Hauptmann uns zeigt, ist zunächst Zuversicht, dass Gott durch Jesus wirkt. Ohne sie hätte es für ihn keinen Sinn gemacht, auf den Mann aus Nazareth zuzugehen. Zugleich ist der Glaube des Hauptmanns Hoffnung auf Gottes verändernde Kraft. Darauf, dass Gott mächtig genug ist, unsere menschlichen Grenzen und Vorstellungsmöglichkeiten zu überschreiten, und dass er dies auch tut. Natürlich nicht ohne Plan, sondern auf das Gute, das Heil ausgerichtet. Und dies wird in Gottes Reich endgültig zum Ziel kommen.

Der Glaube des Hauptmanns ist auch Vertrauen darauf, dass Gott das Gute für uns schaffen will, wie zum Beispiel die Heilung bei Krankheit. Wobei wir bedenken müssen, dass in der Bibel Heilung nicht auf das körperliche Gesund-Werden beschränkt wird. Denn die Menschen damals trennten noch nicht zwischen Körper und Seele/Geist, so wie wir es heute oft tun. Und es gab lange Zeit keinen eigenen Ärztestand, vielmehr war das Heilen auch Aufgabe religiöser Berufe. Heilung konnte deshalb in biblischer Zeit genauso bedeuten, seelisch oder geistig heil zu werden, also zum Beispiel Ängste zu überwinden, Lebensfreude neu zu finden oder sich in Gottes Hand geborgen zu fühlen. Heilung war also nicht unbedingt an körperliches "Heil-Sein" gebunden. Ist es übrigens bis heute nicht, wie mir eine Freundin einmal deutlich machte. Sie, die mittlerweile auf einen Rollstuhl angewiesen ist, versicherte mir: "Durch meine Krankheit habe ich gelernt, der Tiefe des Lebens nachzugehen. Und dadurch lebe ich viel intensiver."

Die verändernde und heilende Kraft Gottes können wir sicherlich bis heute durch körperliches Gesundwerden erfahren, wie es auch der Knecht des römischen Hauptmanns erleben durfte. Doch auch seelische und geistige Heilungsprozesse zeigen Gottes verändernde Kraft. Dabei wirkt er heute bestimmt durch viele Therapeutinnen und Berater. Es kann aber auch sehr hilfreich sein, wenn sich die Patienten selbst auf Gottes heilendes Handeln einlassen und sich ihm anvertrauen können.

Vielleicht hatte der Hauptmann von Kapernaum mit seinem Knecht bereits erfolglos andere Therapien versucht. Vielleicht sah er aber von Anfang an bei Jesus die beste Aussicht auf Erfolg. Wie dem auch sei: Auf alle Fälle vertraute er darauf, dass in dem Mann aus Nazareth Gottes verändernde Kraft das Gute wirkt. Ihr vertraute er sich an und durfte Heilung erleben. Und zwar im umfassenden Sinn, denn: Jesus schenkte ihm für sein Leben die Hoffnung auf das ewige Heil im Reich Gottes.

Pfarrerin Silvia Jühne, Diebach

Gebet: Guter Gott, du willst die Veränderung, aber oft bin ich zaghaft und zögerlich in meinem Glauben. Habe Angst, meine Grenzen zu überschreiten. Ich bitte Dich, hilf mir, auf Deine verändernde Kraft zu bauen und mich Deiner guten Macht anzuvertrauen. Amen.

Lied 395: Vertraut den neuen Wegen.

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