Evangelisches Sonntagsblatt
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 3 )

Der Sehnsucht des Menschen Raum geben

Segnungsgottesdienste finden immer größeren Anklang

Edmund Stoiber
 
In der Communität Christusbruderschaft in Selbitz werden auch Segnungen für Ehepaare angeboten.
   
  Edmund Stoiber
 
Mit der Handauflegung und dem Segenswort werden die Eheleute dem Wirken des Dreieinigen Gottes anvertraut. (Fotos: güs)
 

Für die 37-jährige Monika S. sind es nicht nur Worte. Konzentriert und mit geschlossenen Augen empfängt sie im Altarraum die Zusage Gottes. Die beiden Schwestern der Communität Christusbruderschaft Selbitz legen ihr behutsam die Hände auf Kopf und Schultern: "Wir segnen dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes", sprechen sie dabei. Monika S. ist knapp 100 Kilometer angereist, um sich in dieser Form für ihren Alltag stärken zu lassen. Die Segnungsgottesdienste, die viermal jährlich in dem oberfränkischen Ort angeboten werden, finden großen Anklang. 150 bis 200 Besucher kommen meist, einige aus Sachsen und Thüringen.

Gelingendes Leben

"Der Segen spricht viele Menschen an - weit über den Umkreis der kirchlich Engagierten hinaus", sagt Pfarrer Manfred Kießig, Spiritual der Christusbruderschaft. "Sie ahnen, dass das Gelingen des eigenen Lebens und der Beziehungen trotz aller Anstrengungen nicht machbar ist, sondern als Geschenk empfangen wird", fügt er hinzu. Ob zum Geburtstag oder zu einem Jubiläum, zur Hochzeit oder einem beruflichen Anfang, zur Reise oder einem anderen Vorhaben: "Menschen wünschen einander dafür stets alles Gute und Gottes Segen", unterstreicht Kießig.

Heilsam für Körper und Geist

Die Christusbruderschaft weiß sich seit ihrer Gründung dem Auftrag des Segnens verpflichtet. Das Angebot der Segnungsgottesdienste richtet sich an alle Menschen, die Kraft für ihr Leben und Stärkung im Glauben suchen. Manfred Kießig beschreibt die Wirkung der Segnungen so: "Sie sind heilsam für Körper, Seele und Geist. Sie zielen darauf, dass Menschen behütet und bewahrt leben können. Und sie nehmen den Gesegneten hinein in die Gemeinschaft zwischen Mensch und Gott." Der Spender allen Segens sei Gott selbst, der Menschen dazu beauftragt, seinen Segen weiter zu geben. Als biblisches Beispiel führt der Theologe die Abrahams-Geschichte an. So heißt es in 1. Mose, Kapitel 12: "Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein." Auch in den Evangelien wird berichtet, dass Jesus die Menschen gesegnet hat. Obwohl diese Symbolhandlung also urchristlich ist, gibt es in manchen Gemeinden immer wieder Bedenken. Kirchenvorsteher oder Pfarrer lehnen mitunter eigene Segnungsgottesdienste ab, weil sie befürchten, in den esoterischen Bereich "abzudriften".

Derartige Bedenken sind jedoch unberechtigt. "Esoteriker handeln nicht im Namen Jesu und des Heiligen Geistes, sondern in der Macht von anderen Mächten und Geistern", betont Schwester Anna-Maria, seit 1994 Priorin der Christusbruderschaft. Um eine deutliche Trennlinie zu ziehen, würde bei den Segnungsgottesdiensten viel Wert auf eine gute Verkündigung gelegt, "in der wir erklären, was eine Segnung ist und mit welcher Haltung wir dabei vor Gott treten", sagt die 50-Jährige. Ihre Befürchtungen gehen deshalb in eine andere Richtung: "Wenn wir nicht segnen, verlieren wir etwas und geben etwas an Esoteriker ab, das in der Alten Kirche gang und gebe war."

Einen Aufruf, in jeder Gemeinde Segnungsgottesdienste anzubieten, will sie trotzdem nicht starten. "Ich würde dazu Mut machen, aber diese Entscheidung nicht erzwingen", betont die Priorin. Pfarrer und Kirchenvorsteher müssten das bejahen, sonst könnte es in der Gemeinde zu Spaltungen kommen. Segnungsgottesdienste seien aber für die Menschen hilfreich und heilsam, "weil viele heutzutage in ihrer Selbstannahme verletzt seien und darum der Annahme durch Gott nicht mehr vertrauen können", sagt Schwester Anna-Maria. Diejenigen, die ein derartiges Angebot in ihrer Gemeinde planen, könnten sich zuvor bei einem der Selbitzer Seminare über Segnungsgottesdienste informieren oder auch einmal eine Schwester als Referentin einladen, bietet die Priorin an.

Gute Erfahrungen mit Segnungsgottesdiensten macht Pfarrer Volker Zuber in der Fürther Gemeinde St. Michael - und das bereits seit zehn Jahren. Entstanden ist die Idee bei den Vorbereitungen eines Familiengottesdienstes. "Wir überlegten damals, wo Gott spürbar wird - über den Verstand hinaus", erinnert der Geistliche. "Im Segen", so lautete die Antwort der Mitarbeitenden. Gesagt, getan. Am Ende des Gottesdienstes bestand erstmals die Möglichkeit, nach vorne zu kommen und sich segnen zu lassen. "Wir dachten zuerst, da kommt sowieso keiner", erzählt Volker Zuber. Doch dann seien alle nach vorne geströmt, rund 180 Gottesdienstbesucher.

Anfangs ängstliche Stimmen

Als 1993 der erste eigenständige Segnungsgottesdienst in der Michaelskirche in die Tat umgesetzt wurde, habe es zwar "viel Furore und ängstliche Stimmen seitens einiger Kirchenvorsteher gegeben", berichtet der Pfarrer. Mittlerweile seien diese Bedenken aber verstummt. Überhaupt wachse in der Kirche zum Glück immer mehr die Einsicht, dass der Mensch ganzheitlich zu verstehen und nicht nur auf Kopf und Verstand zu reduzieren sei.

Schwester Anna-Maria stimmt dem zu: "Die Gottesdienstbesucher erwarten eine Berührung Gottes, die buchstäblich anrührt", sagt sie. Wenn ihnen die Hand aufgelegt und ein persönliches Bibelwort zugesprochen wird, spürten sie: "Das wird mir zugesprochen, da bin ich gemeint, dieser Mensch steht jetzt für mich da und spricht mir das im Namen Gottes zu", erläutert die Priorin ihre Erfahrungen.

Die große Nachfrage nach Segnungsgottesdiensten ist also durchaus ein Spiegel der momentanen gesellschaftlichen Situation. "Der Zusammenbruch der Aktienmärkte, Terroranschläge und vieles mehr erzeugen das Gefühl, dass alles von heute auf morgen zusammenbrechen kann", sagt Volker Zuber. So entstehe beim Einzelnen der Wunsch nach Sinn im Chaos. Und das sei doch die Aufgabe von Kirche: dieser Sehnsucht nach Sinn Raum zu geben.

Günter Kusch

 


 

Gott wirkt in unserem Alltag

Am dritten Tage war eine Hochzeit in Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit eingeladen. Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: "Sie haben keinen Wein mehr." Jesus spricht zu ihr: "Was geht`s dich an, Frau, was ich tue? Meine Stunde ist noch nicht gekommen." Seine Mutter spricht zu den Dienern: "Was er euch sagt, das tut." Es standen dort aber sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maße. Jesus spricht zu ihnen: "Füllt die Wasserkrüge mit Wasser!" Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: "Schöpft nun und bringt`s dem Speisemeister!" Und sie brachten`s ihm. Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam - die Diener aber wussten`s, die das Wasser geschöpft hatten -, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: "Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie betrunken werden, den geringeren; du aber hast den gu-ten Wein bis jetzt zurückbehalten." Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.
(Johannes 2, 1-11)




 
Auf der Hochzeit zu Kana kann Jesus einfach tun, was für die Menschen eine Kunst ist: 100-Liter-Fässer mit köstlichem Wein füllen. So wird seine göttliche Vollmacht sichtbar. (Foto: Wodicka)
 

Dieses Weinwunder zu Kana ist wohl genauso bekannt wie ärgerlich. Es war Jesu allererstes Wunder, und er hatte nichts Besseres zu tun, als ausgerechnet Wasser in Wein zu verwandeln. Und zwar in einen guten, wie es heißt. Und außerdem waren es riesige Mengen: sechs große Wasserkrüge mit (umgerechnet) je 100 Liter Inhalt! Kritiker versuchen bis heute dieses Wunder abzuschwächen, denn war es von Jesus nicht unverantwortlich, einer feuchtfröhlichen Gesellschaft noch mehr Wein zum Trinken zu überlassen?

Wollen wir uns nicht in Äußerlichkeiten verlieren, sondern schauen wir, was uns der Text persönlich zu sagen hat: Jesus wirkt auch und gerade in unserem Alltag. Vielleicht waren wir bisher davon ausgegangen, dass Jesus durch seine Wunder Kranke heilt und Tote zum Leben erweckt. Hier werden wir eines Besseren belehrt. Jesus wirkt in einer fast banalen Situation: auf einer Hochzeitsfeier geht der Wein aus. Das ist zwar peinlich für die Brautleute und bei einer Dorfhochzeit bleibt einem dieser Makel noch lange haften. Aber in dieser Situation geht es wahrlich nicht um Leben und Tod. Es war mehr ein Alltagsproblem. Maria konnte nicht helfen und hat sich vertrauensvoll an Jesus gewandt. Sie traut ihm zu, dass er in dieser Situation weiterhelfen kann.

Genauso dürfen wir mit unseren kleinen, alltäglichen Problemen im Gebet zu Jesus kommen. Wenn Jesus Wunder tun kann, dann kann er uns ebenso in unseren Alltagssorgen weiterhelfen - wir müssen es ihm nur zutrauen! Jesus tut Wunder. Jesus verwandelt Wasser in Wein. Das kann er. Das ist kein Zaubertrick, sondern Jesus ist von Gott bevollmächtigt, Wunder zu tun. Es geht hier eigentlich gar nicht so sehr um den Wein, sondern das Weinwunder soll uns deutlich machen, dass Jesus Gottes Sohn ist. Es soll von der Herrlichkeit Gottes erzählen, die sich den Menschen in der Begegnung mit Jesus auftut. Und wer dieses Wunder schon nicht glauben kann, der hat Mühe, an die Auferstehung der Toten zu glauben. Und dann wäre jeglicher Glaube umsonst.

Wir sind blind für Jesu Wunder. So wie die Menschen damals, so haben wir auch heute Mühe, Jesu wundervolles Wirken als solches zu erkennen. Wenn Jesus in Kana souverän die Probleme gelöst hat, so löst er auch heute oft unsere Probleme. Nur: wir merken es nicht. Wir meinen dann immer, wir Menschen haben es selbst getan. Wenn wir nach einer Krankheit wieder gesund werden, sehen wir oft nur den Verdienst der Ärzte. Bei der Lösung von Schul- oder Berufsproblemen laufen wir Gefahr, nur unseren Fleiß und unsere Tüchtigkeit zu rühmen. Und so könnte man noch viele Beispiele anführen, wo Gott sich in unser Leben einmischt. Sicher dürfen wir Menschen vieles mittun. Aber gläubige Menschen erkennen, dass bei der Lösung von Problemen Gottes Liebe am Werk ist, auch wenn es oberflächlich nicht sichtbar ist.

Heidi Morgenstern-Beißer, Pleß

Gebet: Großer Gott, mache uns fähig zur Einsicht, in jeder Freude unseres Lebens dein Wirken zu suchen und zu finden. Lehre uns, das Leben mit neuen Augen zu sehen und aufmerksam zu sein für die kleinen und großen Wunder in unserem Alltag. Amen.

Lied 272: Ich lobe meinen Gott.

Diese Woche - Archiv - Editorial - Geschichte - Redaktion - Abo-Service - Anzeigen - Evang. Reisedienst - Impressum
© 2002 ROTABENE! Medienhaus