Der Sehnsucht des Menschen Raum geben
Segnungsgottesdienste
finden immer größeren Anklang
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In
der Communität Christusbruderschaft in Selbitz werden auch Segnungen
für Ehepaare angeboten.
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Mit
der Handauflegung und dem Segenswort werden die Eheleute dem Wirken
des Dreieinigen Gottes anvertraut. (Fotos: güs)
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Für die 37-jährige Monika S. sind
es nicht nur Worte. Konzentriert und mit geschlossenen Augen empfängt
sie im Altarraum die Zusage Gottes. Die beiden Schwestern der Communität
Christusbruderschaft Selbitz legen ihr behutsam die Hände auf Kopf und
Schultern: "Wir segnen dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des
Heiligen Geistes", sprechen sie dabei. Monika S. ist knapp 100 Kilometer
angereist, um sich in dieser Form für ihren Alltag stärken zu lassen.
Die Segnungsgottesdienste, die viermal jährlich in dem oberfränkischen
Ort angeboten werden, finden großen Anklang. 150 bis 200 Besucher kommen
meist, einige aus Sachsen und Thüringen.
Gelingendes Leben
"Der Segen spricht viele Menschen
an - weit über den Umkreis der kirchlich Engagierten hinaus", sagt Pfarrer
Manfred Kießig, Spiritual der Christusbruderschaft. "Sie ahnen, dass das
Gelingen des eigenen Lebens und der Beziehungen trotz aller Anstrengungen
nicht machbar ist, sondern als Geschenk empfangen wird", fügt er hinzu.
Ob zum Geburtstag oder zu einem Jubiläum, zur Hochzeit oder einem beruflichen
Anfang, zur Reise oder einem anderen Vorhaben: "Menschen wünschen einander
dafür stets alles Gute und Gottes Segen", unterstreicht Kießig.
Heilsam für Körper und Geist
Die Christusbruderschaft weiß sich
seit ihrer Gründung dem Auftrag des Segnens verpflichtet. Das Angebot
der Segnungsgottesdienste richtet sich an alle Menschen, die Kraft für
ihr Leben und Stärkung im Glauben suchen. Manfred Kießig beschreibt die
Wirkung der Segnungen so: "Sie sind heilsam für Körper, Seele und Geist.
Sie zielen darauf, dass Menschen behütet und bewahrt leben können. Und
sie nehmen den Gesegneten hinein in die Gemeinschaft zwischen Mensch und
Gott." Der Spender allen Segens sei Gott selbst, der Menschen dazu beauftragt,
seinen Segen weiter zu geben. Als biblisches Beispiel führt der Theologe
die Abrahams-Geschichte an. So heißt es in 1. Mose, Kapitel 12: "Ich will
dich segnen, und du sollst ein Segen sein." Auch in den Evangelien wird
berichtet, dass Jesus die Menschen gesegnet hat. Obwohl diese Symbolhandlung
also urchristlich ist, gibt es in manchen Gemeinden immer wieder Bedenken.
Kirchenvorsteher oder Pfarrer lehnen mitunter eigene Segnungsgottesdienste
ab, weil sie befürchten, in den esoterischen Bereich "abzudriften".
Derartige Bedenken sind jedoch
unberechtigt. "Esoteriker handeln nicht im Namen Jesu und des Heiligen
Geistes, sondern in der Macht von anderen Mächten und Geistern", betont
Schwester Anna-Maria, seit 1994 Priorin der Christusbruderschaft. Um eine
deutliche Trennlinie zu ziehen, würde bei den Segnungsgottesdiensten viel
Wert auf eine gute Verkündigung gelegt, "in der wir erklären, was eine
Segnung ist und mit welcher Haltung wir dabei vor Gott treten", sagt die
50-Jährige. Ihre Befürchtungen gehen deshalb in eine andere Richtung:
"Wenn wir nicht segnen, verlieren wir etwas und geben etwas an Esoteriker
ab, das in der Alten Kirche gang und gebe war."
Einen Aufruf, in jeder Gemeinde
Segnungsgottesdienste anzubieten, will sie trotzdem nicht starten. "Ich
würde dazu Mut machen, aber diese Entscheidung nicht erzwingen", betont
die Priorin. Pfarrer und Kirchenvorsteher müssten das bejahen, sonst könnte
es in der Gemeinde zu Spaltungen kommen. Segnungsgottesdienste seien aber
für die Menschen hilfreich und heilsam, "weil viele heutzutage in ihrer
Selbstannahme verletzt seien und darum der Annahme durch Gott nicht mehr
vertrauen können", sagt Schwester Anna-Maria. Diejenigen, die ein derartiges
Angebot in ihrer Gemeinde planen, könnten sich zuvor bei einem der Selbitzer
Seminare über Segnungsgottesdienste informieren oder auch einmal eine
Schwester als Referentin einladen, bietet die Priorin an.
Gute Erfahrungen mit Segnungsgottesdiensten
macht Pfarrer Volker Zuber in der Fürther Gemeinde St. Michael - und das
bereits seit zehn Jahren. Entstanden ist die Idee bei den Vorbereitungen
eines Familiengottesdienstes. "Wir überlegten damals, wo Gott spürbar
wird - über den Verstand hinaus", erinnert der Geistliche. "Im Segen",
so lautete die Antwort der Mitarbeitenden. Gesagt, getan. Am Ende des
Gottesdienstes bestand erstmals die Möglichkeit, nach vorne zu kommen
und sich segnen zu lassen. "Wir dachten zuerst, da kommt sowieso keiner",
erzählt Volker Zuber. Doch dann seien alle nach vorne geströmt, rund 180
Gottesdienstbesucher.
Anfangs ängstliche Stimmen
Als 1993 der erste eigenständige
Segnungsgottesdienst in der Michaelskirche in die Tat umgesetzt wurde,
habe es zwar "viel Furore und ängstliche Stimmen seitens einiger Kirchenvorsteher
gegeben", berichtet der Pfarrer. Mittlerweile seien diese Bedenken aber
verstummt. Überhaupt wachse in der Kirche zum Glück immer mehr die Einsicht,
dass der Mensch ganzheitlich zu verstehen und nicht nur auf Kopf und Verstand
zu reduzieren sei.
Schwester Anna-Maria stimmt dem
zu: "Die Gottesdienstbesucher erwarten eine Berührung Gottes, die buchstäblich
anrührt", sagt sie. Wenn ihnen die Hand aufgelegt und ein persönliches
Bibelwort zugesprochen wird, spürten sie: "Das wird mir zugesprochen,
da bin ich gemeint, dieser Mensch steht jetzt für mich da und spricht
mir das im Namen Gottes zu", erläutert die Priorin ihre Erfahrungen.
Die große Nachfrage nach Segnungsgottesdiensten
ist also durchaus ein Spiegel der momentanen gesellschaftlichen Situation.
"Der Zusammenbruch der Aktienmärkte, Terroranschläge und vieles mehr erzeugen
das Gefühl, dass alles von heute auf morgen zusammenbrechen kann", sagt
Volker Zuber. So entstehe beim Einzelnen der Wunsch nach Sinn im Chaos.
Und das sei doch die Aufgabe von Kirche: dieser Sehnsucht nach Sinn Raum
zu geben.
Günter Kusch
Gott wirkt in unserem Alltag
Am
dritten Tage war eine Hochzeit in Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu
war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit eingeladen.
Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: "Sie haben keinen
Wein mehr." Jesus spricht zu ihr: "Was geht`s dich an, Frau, was ich tue?
Meine Stunde ist noch nicht gekommen." Seine Mutter spricht zu den Dienern:
"Was er euch sagt, das tut." Es standen dort aber sechs steinerne Wasserkrüge
für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder
drei Maße. Jesus spricht zu ihnen: "Füllt die Wasserkrüge mit Wasser!"
Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: "Schöpft nun
und bringt`s dem Speisemeister!" Und sie brachten`s ihm. Als aber der
Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste,
woher er kam - die Diener aber wussten`s, die das Wasser geschöpft hatten
-, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: "Jedermann
gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie betrunken werden, den geringeren;
du aber hast den gu-ten Wein bis jetzt zurückbehalten." Das ist das erste
Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kana in Galiläa, und er offenbarte
seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.
(Johannes 2, 1-11)
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Auf der Hochzeit zu Kana kann Jesus einfach tun, was für die Menschen
eine Kunst ist: 100-Liter-Fässer mit köstlichem Wein füllen. So
wird seine göttliche Vollmacht sichtbar. (Foto: Wodicka)
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Dieses Weinwunder
zu Kana ist wohl genauso bekannt wie ärgerlich. Es war Jesu allererstes
Wunder, und er hatte nichts Besseres zu tun, als ausgerechnet Wasser in
Wein zu verwandeln. Und zwar in einen guten, wie es heißt. Und außerdem
waren es riesige Mengen: sechs große Wasserkrüge mit (umgerechnet) je
100 Liter Inhalt! Kritiker versuchen bis heute dieses Wunder abzuschwächen,
denn war es von Jesus nicht unverantwortlich, einer feuchtfröhlichen Gesellschaft
noch mehr Wein zum Trinken zu überlassen?
Wollen wir uns nicht
in Äußerlichkeiten verlieren, sondern schauen wir, was uns der Text persönlich
zu sagen hat: Jesus wirkt auch und gerade in unserem Alltag. Vielleicht
waren wir bisher davon ausgegangen, dass Jesus durch seine Wunder Kranke
heilt und Tote zum Leben erweckt. Hier werden wir eines Besseren belehrt.
Jesus wirkt in einer fast banalen Situation: auf einer Hochzeitsfeier
geht der Wein aus. Das ist zwar peinlich für die Brautleute und bei einer
Dorfhochzeit bleibt einem dieser Makel noch lange haften. Aber in dieser
Situation geht es wahrlich nicht um Leben und Tod. Es war mehr ein Alltagsproblem.
Maria konnte nicht helfen und hat sich vertrauensvoll an Jesus gewandt.
Sie traut ihm zu, dass er in dieser Situation weiterhelfen kann.
Genauso dürfen wir
mit unseren kleinen, alltäglichen Problemen im Gebet zu Jesus kommen.
Wenn Jesus Wunder tun kann, dann kann er uns ebenso in unseren Alltagssorgen
weiterhelfen - wir müssen es ihm nur zutrauen! Jesus tut Wunder. Jesus
verwandelt Wasser in Wein. Das kann er. Das ist kein Zaubertrick, sondern
Jesus ist von Gott bevollmächtigt, Wunder zu tun. Es geht hier eigentlich
gar nicht so sehr um den Wein, sondern das Weinwunder soll uns deutlich
machen, dass Jesus Gottes Sohn ist. Es soll von der Herrlichkeit Gottes
erzählen, die sich den Menschen in der Begegnung mit Jesus auftut. Und
wer dieses Wunder schon nicht glauben kann, der hat Mühe, an die Auferstehung
der Toten zu glauben. Und dann wäre jeglicher Glaube umsonst.
Wir sind blind für
Jesu Wunder. So wie die Menschen damals, so haben wir auch heute Mühe,
Jesu wundervolles Wirken als solches zu erkennen. Wenn Jesus in Kana souverän
die Probleme gelöst hat, so löst er auch heute oft unsere Probleme. Nur:
wir merken es nicht. Wir meinen dann immer, wir Menschen haben es selbst
getan. Wenn wir nach einer Krankheit wieder gesund werden, sehen wir oft
nur den Verdienst der Ärzte. Bei der Lösung von Schul- oder Berufsproblemen
laufen wir Gefahr, nur unseren Fleiß und unsere Tüchtigkeit zu rühmen.
Und so könnte man noch viele Beispiele anführen, wo Gott sich in unser
Leben einmischt. Sicher dürfen wir Menschen vieles mittun. Aber gläubige
Menschen erkennen, dass bei der Lösung von Problemen Gottes Liebe am Werk
ist, auch wenn es oberflächlich nicht sichtbar ist.
Heidi Morgenstern-Beißer,
Pleß
Gebet: Großer
Gott, mache uns fähig zur Einsicht, in jeder Freude unseres Lebens dein
Wirken zu suchen und zu finden. Lehre uns, das Leben mit neuen Augen zu
sehen und aufmerksam zu sein für die kleinen und großen Wunder in unserem
Alltag. Amen.
Lied 272:
Ich lobe meinen Gott.
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