Evangelisches Sonntagsblatt
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 2 )

Wenn die Seele angeknackst ist

Beratungsstellen bieten Hilfe bei verschiedensten Problemen

Edmund Stoiber
 
Foto: Wodicka
 

"Wenn ich geahnt hätte, dass mich das so viel weiter bringt, wäre ich schon früher hingegangen", sagt Udo E. (Name von der Redaktion geändert). Er hatte Probleme mit Beziehungen, besser gesagt: Er hat sie noch immer. "Aber nun weiß ich schon mal, wo es hakt." Die Sicht einer neutralen Person hat ihm gut getan. In der Arbeit wie im Freundeskreis fühlte sich Udo E. oft ausgenutzt. "Jetzt weiß ich, dass ich eine Art Helfersyndrom habe und auch mal ,nein' sagen muss." Bisher dachte er, er würde dann erst recht Freundschaften verlieren. "Durch die Beratung wurde mir klar, dass das nicht stimmt, beziehungsweise dass es sich dann eh nicht um wirkliche Freunde handelt." Er ist sicher, dass er in Zukunft nicht mehr so unter anderen Menschen leiden wird und sich mehr zur Wehr setzt. "Und bevor ich wieder Nächte lang nicht schlafen und kaum mehr essen kann, gehe ich wieder in die Beratungsstelle."

Hohe Nachfrage

Die Nachfrage nach psychosozialer Beratung ist in den vergangenen Jahren immer mehr angestiegen. Egal, bei welchen Problemen - ob Erziehungsfragen, Partnerprobleme, Mobbing oder Schulden. Haben die Menschen mehr Probleme als früher? Oder ist es nur selbstverständlicher geworden, sich Hilfe zu holen?

"Beides", sagt Hedwig Leicht überzeugt. Die Diplom-Sozialpädagogin arbeitet beim City-Dienst in Nürnberg und hat viel Erfahrung. "Unsere Welt ist sehr komplex und unüberschaubar geworden, dementsprechend sind auch die Probleme der Menschen komplexer und un-überschaubarer." Früher seien es in der Regel sehr konkrete Probleme gewesen, "die wurden besprochen und damit hatte sich die Sache". Heute dagegen stehe zwar erst einmal ein bestimmtes Anliegen im Vordergrund. "Aber nicht selten ist das nur die Spitze des Eisberges und dahinter verbergen sich einige andere Schwierigkeiten."

Die Vielfalt der Möglichkeiten unserer heutigen Welt erdrücken viele Menschen. "Die Welt steht ihnen offen", erklärt Hedwig Leicht, "aber sie erleben das nicht als Freiheit, sondern als Druck". Früher war viel mehr vorgegeben, es gab klarere Verhaltensregeln und viele ungeschriebene Gesetze. "Das mag einengend gewesen sein, gab aber auch Sicherheit."

Entscheidungen treffen

Die Menschen müssen heute viel mehr Entscheidungen treffen als früher. "Das beginnt bei der Wahl der Schule und der Ausbildung, dann die Partnerwahl. Und schließlich die Frage, ob man Kinder will und wo man leben möchte", zählt die Sozialpädagogin auf. Da ist es kein Wunder, wenn jemand überfordert ist. "Woran soll ich mich orientieren? - Das ist besonders für jüngere Leute eine zentrale Frage", sagt Hedwig Leicht. Sie erklärt weiter, dass Entscheidungsdruck häufig die Ursache von Depressionen ist. "Depressive sind an einem Punkt angelangt, wo sie gar nicht mehr wissen, was sie wollen und keine Wünsche haben."

Gut, dass es für viele belastete Menschen selbstverständlicher geworden ist, Hilfe in Anspruch zu nehmen. "Die meisten, die zu uns kommen, sind zwischen 30 und 50 Jahren alt. Und in der Tendenz mehr Frauen als Männer", berichtet die Beraterin. Das liege zum einen daran, dass Menschen in diesem Alter in der Familie und an ihrem Arbeitsplatz oft hohen Belastungen und Druck ausgesetzt seien. Zum anderen würden sich ältere Leute genieren, eine Beratungsstelle aufzusuchen. "Bei der älteren Generation ist es noch verpönt. Sie wollen selbst mit ihrer Situation fertig werden."

Der City-Dienst ist eine Beratungsstelle für allgemeine Lebensprobleme. "Wenn jemand mit Erziehungsfragen oder Schulden kommt, vermitteln wir ihn gleich zu den betreffenden Stellen weiter." Ansonsten kann zum City-Dienst - wie auch zu sämtlichen anderen Beratungsstellen - jeder kommen. Ein großes Plus hat die evangelische Beratungsstelle in Nürnberg: Man kann einfach so vorbei kommen, riskiert dann allerdings, dass gerade niemand Zeit hat. Besser ist es, telefonisch einen Termin zu vereinbaren. Die Wartezeiten sind minimal. "Im Höchstfall eine Woche", meint Hedwig Leicht. In der Regel finden dann fünf Gespräche statt. "Das reicht meistens. Es können aber auch mehr sein." Leicht ist von ihrer Arbeit überzeugt. "Ich kann Menschen nur dazu ermutigen, eine Beratungsstelle aufzusuchen, wenn sie allein nicht mehr weiter kommen."

Eine Beratungsstelle aufzusuchen, ist ein Zeichen von Stärke: Jemand steht dazu, dass er mit einer Sache allein nicht mehr klar kommt und holt sich Hilfe. "Es ist doch dumm, sich mit etwas zu quälen, wenn das gar nicht sein muss", sagt die Sozialpädagogin. "Wenn jemand ein gebrochenes Bein hat, geht er auch zum Arzt und lässt sich helfen. Warum also sollte man sich keine Hilfe holen, wenn die Seele angeknackst ist?" Und noch etwas will Hedwig Leicht klarstellen: "In Beratungsgesprächen wird nicht in der Kindheit herumgegraben, sondern an der Gegenwart angesetzt und an Fähigkeiten gearbeitet." Außerdem bestehe in kirchlichen Beratungsstellen die Möglichkeit, über Sinnfragen zu diskutieren und Antworten zu bekommen.

Andere Sichtweise

"Meistens liegen die Schwierigkeiten in den Menschen selbst", schildert Leicht. "Die Umstände sind oft nicht zu verändern, aber die Sichtweise des Betroffenen und sein Verhalten." Und damit sich die eigene Einstellung ändert, ist es oft notwendig, von einer neutralen Person einen Spiegel vorgehalten zu bekommen. "Mit Freunden hätte ich nie so reden können", erzählt Udo E., "die stehen auf meiner Seite". Den anderen Blickwinkel habe er durch die Beratungsgespräche bekommen. "Zum Glück!"

Karin Ilgenfritz

 


 

Taufe: Das Abenteuer des Christseins beginnt

Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe. Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen. Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.
Matthäus 3, 13-17




 
Foto: güs
 

Letztes Jahr wurde ich gebeten, zwei Buben zu taufen, drei und fünf Jahre alt. Die konnte ich ja nun nicht einfach taufen wie Säuglinge. In ihrem Alter musste ich sie schon selbst fragen, ob sie getauft werden wollten. Was aber, wenn einer mit "Nein!" antworten würde? Ein guter Freund, den ich um Rat bat, sagte mir: "In so einem Fall sage ich dem Täufling: ,Da musst du jetzt Ja sagen …'"

Doch ich hatte mir unnötig Sorge gemacht! Der Größere ließ sich anstandslos taufen. Als ich dann den Dreijährigen fragte, schallte mir ein lautes jubelndes "Ja!" entgegen. Frohes Lachen erfüllte die Kirche.

"Da tat sich uns allen der Himmel auf", würde ich dazu heute mit Bezug auf die Geschichte von Jesu Taufe sagen. Sicher gibt es einen - im wahren Sinne des Wortes - "himmelweiten" Unterschied zwischen Jesu Taufe und der Taufe eines jeden von uns. Jesus war von allem Anfang an, schon vor seiner Taufe, "Sohn Gottes". Wir dürfen uns auf Grund unserer Taufe "Kinder Gottes" nennen. Aber so groß der Unterschied zwischen dem Christus und den Christen auch ist, jedem Getauften soll das widerfahren, was Jesus bei seiner Taufe erfah-ren hat: das Geschenk des göttlichen Geistes und der offene Himmel.

Warum musste Jesus eigentlich getauft werden?
Das fragte sich schon Johannes. Er sagte zu Jesus, als der ihn bat, ihn zu taufen: "Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?" Doch Jesus antwortete ihm: "Lass es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen."

"Alle Gerechtigkeit erfüllen" - das sollte später eines der großen Themen Jesu werden, seiner Verkündigung und seines Tuns. Hier, bei seiner Taufe wird es schon angesprochen. Jesus ist bereit, den Weg zu gehen, den er nach Gottes Willen gehen soll und muss: Darauf hinzuwirken, dass Gottes Gerechtig- keit in unserer Welt Gestalt gewinnt und zum Zuge kommt. Deshalb bekräftigt er: "So gebührt es uns". Das überzeugt Johannes. So tauft er Jesus, trotz seiner anfänglichen Bedenken. Bei der Taufe Jesu richtet sich also der Blick bereits nach vorne. Und so sollte sich bei jeder Taufe der Blick nach vorne richten. Denn die Taufe steht immer am Anfang eines Weges - des Weges eines Menschen mit Gott. Mit der Taufe beginnt das Abenteuer unseres Christseins.

Hat Gott nicht mit jedem seiner Kinder einen Plan? Was will Gott von mir? Was ist Gottes Thema für mein Leben? Eine Antwort auf diese Fragen zu suchen und zu finden, ist nicht einfach und kann atemberaubend sein. Aber sie hat ganz gewiss etwas mit "erfülltem", mit gelingendem Leben zu tun.

Jede Taufe ist Ausdruck eines neuen Denkens und eines neuen Lebens. In jeder Taufe will Gott auf der Erde ankommen und, so meinte Martin Luther, Wohnung nehmen. In jedem Getauften soll die Wahrheit Gottes auf diese Erde kommen. So ist auch heute wahr: In jeder Taufe tut sich uns der Himmel auf!

Pfarrer Hans-Gernot Kleefeld,
Erlangen

Gebet: Gott, der du durch die Taufe jetzt im Glauben einen Anfang setzt, gib auch den Mut zum nächsten Schritt. Zeig uns den Weg und geh ihn mit. Amen.

Lied 204: Herr Christ, dein bin ich eigen.

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