Wenn die Seele angeknackst ist
Beratungsstellen bieten
Hilfe bei verschiedensten Problemen
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Foto:
Wodicka
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"Wenn ich geahnt hätte, dass mich
das so viel weiter bringt, wäre ich schon früher hingegangen", sagt Udo
E. (Name von der Redaktion geändert). Er hatte Probleme mit Beziehungen,
besser gesagt: Er hat sie noch immer. "Aber nun weiß ich schon mal, wo
es hakt." Die Sicht einer neutralen Person hat ihm gut getan. In der Arbeit
wie im Freundeskreis fühlte sich Udo E. oft ausgenutzt. "Jetzt weiß ich,
dass ich eine Art Helfersyndrom habe und auch mal ,nein' sagen muss."
Bisher dachte er, er würde dann erst recht Freundschaften verlieren. "Durch
die Beratung wurde mir klar, dass das nicht stimmt, beziehungsweise dass
es sich dann eh nicht um wirkliche Freunde handelt." Er ist sicher, dass
er in Zukunft nicht mehr so unter anderen Menschen leiden wird und sich
mehr zur Wehr setzt. "Und bevor ich wieder Nächte lang nicht schlafen
und kaum mehr essen kann, gehe ich wieder in die Beratungsstelle."
Hohe Nachfrage
Die Nachfrage nach psychosozialer
Beratung ist in den vergangenen Jahren immer mehr angestiegen. Egal, bei
welchen Problemen - ob Erziehungsfragen, Partnerprobleme, Mobbing oder
Schulden. Haben die Menschen mehr Probleme als früher? Oder ist es nur
selbstverständlicher geworden, sich Hilfe zu holen?
"Beides", sagt Hedwig Leicht überzeugt.
Die Diplom-Sozialpädagogin arbeitet beim City-Dienst in Nürnberg und hat
viel Erfahrung. "Unsere Welt ist sehr komplex und unüberschaubar geworden,
dementsprechend sind auch die Probleme der Menschen komplexer und un-überschaubarer."
Früher seien es in der Regel sehr konkrete Probleme gewesen, "die wurden
besprochen und damit hatte sich die Sache". Heute dagegen stehe zwar erst
einmal ein bestimmtes Anliegen im Vordergrund. "Aber nicht selten ist
das nur die Spitze des Eisberges und dahinter verbergen sich einige andere
Schwierigkeiten."
Die Vielfalt der Möglichkeiten
unserer heutigen Welt erdrücken viele Menschen. "Die Welt steht ihnen
offen", erklärt Hedwig Leicht, "aber sie erleben das nicht als Freiheit,
sondern als Druck". Früher war viel mehr vorgegeben, es gab klarere Verhaltensregeln
und viele ungeschriebene Gesetze. "Das mag einengend gewesen sein, gab
aber auch Sicherheit."
Entscheidungen treffen
Die Menschen müssen heute viel
mehr Entscheidungen treffen als früher. "Das beginnt bei der Wahl der
Schule und der Ausbildung, dann die Partnerwahl. Und schließlich die Frage,
ob man Kinder will und wo man leben möchte", zählt die Sozialpädagogin
auf. Da ist es kein Wunder, wenn jemand überfordert ist. "Woran soll ich
mich orientieren? - Das ist besonders für jüngere Leute eine zentrale
Frage", sagt Hedwig Leicht. Sie erklärt weiter, dass Entscheidungsdruck
häufig die Ursache von Depressionen ist. "Depressive sind an einem Punkt
angelangt, wo sie gar nicht mehr wissen, was sie wollen und keine Wünsche
haben."
Gut, dass es für viele belastete
Menschen selbstverständlicher geworden ist, Hilfe in Anspruch zu nehmen.
"Die meisten, die zu uns kommen, sind zwischen 30 und 50 Jahren alt. Und
in der Tendenz mehr Frauen als Männer", berichtet die Beraterin. Das liege
zum einen daran, dass Menschen in diesem Alter in der Familie und an ihrem
Arbeitsplatz oft hohen Belastungen und Druck ausgesetzt seien. Zum anderen
würden sich ältere Leute genieren, eine Beratungsstelle aufzusuchen. "Bei
der älteren Generation ist es noch verpönt. Sie wollen selbst mit ihrer
Situation fertig werden."
Der City-Dienst ist eine Beratungsstelle
für allgemeine Lebensprobleme. "Wenn jemand mit Erziehungsfragen oder
Schulden kommt, vermitteln wir ihn gleich zu den betreffenden Stellen
weiter." Ansonsten kann zum City-Dienst - wie auch zu sämtlichen anderen
Beratungsstellen - jeder kommen. Ein großes Plus hat die evangelische
Beratungsstelle in Nürnberg: Man kann einfach so vorbei kommen, riskiert
dann allerdings, dass gerade niemand Zeit hat. Besser ist es, telefonisch
einen Termin zu vereinbaren. Die Wartezeiten sind minimal. "Im Höchstfall
eine Woche", meint Hedwig Leicht. In der Regel finden dann fünf Gespräche
statt. "Das reicht meistens. Es können aber auch mehr sein." Leicht ist
von ihrer Arbeit überzeugt. "Ich kann Menschen nur dazu ermutigen, eine
Beratungsstelle aufzusuchen, wenn sie allein nicht mehr weiter kommen."
Eine Beratungsstelle aufzusuchen,
ist ein Zeichen von Stärke: Jemand steht dazu, dass er mit einer Sache
allein nicht mehr klar kommt und holt sich Hilfe. "Es ist doch dumm, sich
mit etwas zu quälen, wenn das gar nicht sein muss", sagt die Sozialpädagogin.
"Wenn jemand ein gebrochenes Bein hat, geht er auch zum Arzt und lässt
sich helfen. Warum also sollte man sich keine Hilfe holen, wenn die Seele
angeknackst ist?" Und noch etwas will Hedwig Leicht klarstellen: "In Beratungsgesprächen
wird nicht in der Kindheit herumgegraben, sondern an der Gegenwart angesetzt
und an Fähigkeiten gearbeitet." Außerdem bestehe in kirchlichen Beratungsstellen
die Möglichkeit, über Sinnfragen zu diskutieren und Antworten zu bekommen.
Andere Sichtweise
"Meistens liegen die Schwierigkeiten
in den Menschen selbst", schildert Leicht. "Die Umstände sind oft nicht
zu verändern, aber die Sichtweise des Betroffenen und sein Verhalten."
Und damit sich die eigene Einstellung ändert, ist es oft notwendig, von
einer neutralen Person einen Spiegel vorgehalten zu bekommen. "Mit Freunden
hätte ich nie so reden können", erzählt Udo E., "die stehen auf meiner
Seite". Den anderen Blickwinkel habe er durch die Beratungsgespräche bekommen.
"Zum Glück!"
Karin Ilgenfritz
Taufe: Das Abenteuer des Christseins beginnt
Zu
der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich
von ihm taufen ließe. Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf
aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah
den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen. Und
siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn,
an dem ich Wohlgefallen habe.
Matthäus 3, 13-17
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Foto: güs
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Letztes Jahr wurde
ich gebeten, zwei Buben zu taufen, drei und fünf Jahre alt. Die konnte
ich ja nun nicht einfach taufen wie Säuglinge. In ihrem Alter musste ich
sie schon selbst fragen, ob sie getauft werden wollten. Was aber, wenn
einer mit "Nein!" antworten würde? Ein guter Freund, den ich um Rat bat,
sagte mir: "In so einem Fall sage ich dem Täufling: ,Da musst du jetzt
Ja sagen …'"
Doch ich hatte mir
unnötig Sorge gemacht! Der Größere ließ sich anstandslos taufen. Als ich
dann den Dreijährigen fragte, schallte mir ein lautes jubelndes "Ja!"
entgegen. Frohes Lachen erfüllte die Kirche.
"Da tat sich uns
allen der Himmel auf", würde ich dazu heute mit Bezug auf die Geschichte
von Jesu Taufe sagen. Sicher gibt es einen - im wahren Sinne des Wortes
- "himmelweiten" Unterschied zwischen Jesu Taufe und der Taufe eines jeden
von uns. Jesus war von allem Anfang an, schon vor seiner Taufe, "Sohn
Gottes". Wir dürfen uns auf Grund unserer Taufe "Kinder Gottes" nennen.
Aber so groß der Unterschied zwischen dem Christus und den Christen auch
ist, jedem Getauften soll das widerfahren, was Jesus bei seiner Taufe
erfah-ren hat: das Geschenk des göttlichen Geistes und der offene Himmel.
Warum musste Jesus
eigentlich getauft werden?
Das fragte sich schon Johannes. Er sagte zu Jesus, als der ihn bat, ihn
zu taufen: "Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?"
Doch Jesus antwortete ihm: "Lass es jetzt geschehen! Denn so gebührt es
uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen."
"Alle Gerechtigkeit
erfüllen" - das sollte später eines der großen Themen Jesu werden, seiner
Verkündigung und seines Tuns. Hier, bei seiner Taufe wird es schon angesprochen.
Jesus ist bereit, den Weg zu gehen, den er nach Gottes Willen gehen soll
und muss: Darauf hinzuwirken, dass Gottes Gerechtig- keit in unserer Welt
Gestalt gewinnt und zum Zuge kommt. Deshalb bekräftigt er: "So gebührt
es uns". Das überzeugt Johannes. So tauft er Jesus, trotz seiner anfänglichen
Bedenken. Bei der Taufe Jesu richtet sich also der Blick bereits nach
vorne. Und so sollte sich bei jeder Taufe der Blick nach vorne richten.
Denn die Taufe steht immer am Anfang eines Weges - des Weges eines Menschen
mit Gott. Mit der Taufe beginnt das Abenteuer unseres Christseins.
Hat Gott nicht mit
jedem seiner Kinder einen Plan? Was will Gott von mir? Was ist Gottes
Thema für mein Leben? Eine Antwort auf diese Fragen zu suchen und zu finden,
ist nicht einfach und kann atemberaubend sein. Aber sie hat ganz gewiss
etwas mit "erfülltem", mit gelingendem Leben zu tun.
Jede Taufe ist Ausdruck
eines neuen Denkens und eines neuen Lebens. In jeder Taufe will Gott auf
der Erde ankommen und, so meinte Martin Luther, Wohnung nehmen. In jedem
Getauften soll die Wahrheit Gottes auf diese Erde kommen. So ist auch
heute wahr: In jeder Taufe tut sich uns der Himmel auf!
Pfarrer Hans-Gernot
Kleefeld,
Erlangen
Gebet: Gott,
der du durch die Taufe jetzt im Glauben einen Anfang setzt, gib auch den
Mut zum nächsten Schritt. Zeig uns den Weg und geh ihn mit. Amen.
Lied 204:
Herr Christ, dein bin ich eigen.
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