Evangelisches Sonntagsblatt
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 1 )

Was bedeutet mir die Bibel?

Sonntagsblatt-Umfrage unter Prominenten

Zum Jahr der Bibel 2003 fragte das Sonntagsblatt Prominente, was Ihnen die Heilige Schrift bedeutet. Die bekannten Personen aus Politik, Medien und Wirtschaft gaben bereitwillig darüber Auskunft. Hier ihre Antworten.

 

Vorliebe für Bergpredigt

Edmund Stoiber
 

Die Bibel ist allumfassend, die Geschichte vom Anfang und vom Ende der Schöpfung, vom Menschen als Ebenbild Gottes, von Sünde, Vergebung, Erlösung und Auferstehung. Die Frohe Botschaft steht für uns Christen im Mittelpunkt. In der Heiligen Nacht ist Gott Mensch geworden und hat unter uns gewohnt. Dadurch ist der neue Bund geknüpft zwischen Gott und den Menschen, verbunden mit der Gewissheit, dass die Menschen nicht verloren sind, sondern gerettet.

Als meine Kinder noch klein waren, stellten sie manchmal Fragen zu den biblischen Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament, die sie im Kindergarten und der Grundschule besprochen hatten. Dann lasen wir an den Sonntagen die Geschichten und ich versuchte gemeinsam mit meiner Frau, ihre Fragen zu beantworten. An Gott kann man sich wenden und er schenkt einem Gehör bei Kummer und Problemen. Besonders gerne lese ich in der Bergpredigt. Sie ist aktueller denn je. "Alles, was ihr also von den anderen erwartet, das tut auch ihnen!" Darin steckt der Schlüssel zu einem friedlichen und mitmenschlichen Zusammenleben.

Edmund Stoiber,
bayerischer Ministerpräsident

 

Psalmwort als Leitspruch

Heidemarie Wieczorek-Zeul
 

Als Kind suchte ich mir für meine Konfirmation selbst aus der Bibel einen Leitspruch aus, den ich mir als Orientierung behalten habe. Er ist aus dem Psalm 73 und lautet: "Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nicht nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil."

Für mich sind Nächstenliebe und der Auftrag, Schwache und Benachteiligte zu unterstützen, der Auftrag der Bibel wie auch meiner sozialdemokratischen Überzeugung der Solidarität. Beide Überzeugungen sind Wurzeln meines Handelns. Sie stellen meine politischen Entscheidungen auf ein festes Fundament. Es lautet für mich: Engagiert euch für eine Welt, in der Gerechtigkeit, Entwicklung und Frieden herrschen und in der Gottes Schöpfung bewahrt wird.

Heidemarie Wieczorek-Zeul,
Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

 

Gottes Liebesbrief an mich

Peter Hahne
 

Jeden Morgen lese ich einen Abschnitt - als Vitaminspritze und Wegweiser für den Tag. Ich habe in meinem Alltag mit Worten zu tun, mit aktuellen Meldungen und politischen Reden. Doch vieles Reden ist Gerede, manches Tun Getue. Da brauche ich eine Nachricht, nach der ich mich richten kann. Die Bibel ist jeden Tag eine Neuerscheinung. In ihr stehen viele alte Geschichten, die jeden Tag neu passieren. Die Nachrichten von heute sind bereits morgen von gestern. Zeitlos aktuell bleibt das Evangelium, die gute Botschaft - gerade in einer Welt so vieler schlechter Nachrichten.

Die Bibel ist Gottes Liebesbrief an mich. Keine leeren Worte, son-dern Mutmacher voller Verheißungen. Keine Drohbotschaft, sondern Frohbotschaft. Für mich ist die Bibel das Powerbuch! Doch entscheidend ist, dass die Bibel vom Lese- zum Lebensbuch wird.

Peter Hahne, ZDF-Moderator, Bestseller-Autor, EKD-Ratsmitglied

 

Stärkung und Vision

Christine Scheel
 

Ich gehöre zu den glücklichen Menschen, die als Kind eine behutsame Hinführung zum Glauben erfahren haben. Ich habe die Bibel nicht als erschlagendes System aus Gesetzen und Strafen kennen gelernt. In mein Leben ist sie mit lebendigen Geschichten und farbenfrohen Bildern getreten. Das verlässt einen nicht mehr. Für mich ist die Bibel Ermutigung und Zuversicht, Stärkung und Vision.

Das gilt zum Beispiel für die vielschichtige Schöpfungsgeschichte in 1. Mose 1 und 2. Das gewalttätige "Macht Euch die Erde untertan" ist für mich immer schon überlagert davon, dass den Menschen der Garten Eden anvertraut ist, ihn zu bebauen und zu bewahren. Oder der reiche Schatz der Psalmen! Der berühmte 23., "Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts fehlen!" und der 62., "Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe, von ihm kommt mir Hilfe!" Darin steckt so viel Zuversicht: Wir sind nicht allein gelassen.

Schier unerschöpflich ist und bleibt die Bergpredigt. Sie bietet uns bis heute Stoff zur Auseinandersetzung. Es kommt immer wieder vor, dass ich tief in der Nacht mit meinen Lieben über aktuelle politische Entwicklungen diskutiere - und wir kommen auf einen biblischen Gedanken; dann lesen wir bei Matthäus 5-7 nach, "von der Vergeltung" oder "von den zwei Wegen".

Da gibt es keine einfachen Anweisungen, aber bereichernde Impulse, Widersprüche zu gängigen Meinungen. So erlebe ich die Bibel als Herausforderung zum Ausbrechen aus eingefahrenen Denkstrukturen, als Bereicherung meines privaten und politischen Lebens.

Christine Scheel,
Vorsitzende des Finanzausschusses des Deutschen Bundestages

 

Täglich ein Geschenk

Claus Hipp
 

Die Bibel bedeutet mir sehr viel. Gerne lese ich sie im griechischen Text, allerdings mit Übersetzungshilfe. Das bringt mich dazu, mich intensiver mit dem Text zu beschäftigen. In der Bibel erleben wir den Unterschied zwischen den Schriftgelehrten und den einfachen Gläubigen. Gerade in unserer Zeit ist Glau-be sehr wichtig. Glauben heißt doch, etwas für wahr halten, was man nicht versteht. Sonst wäre das ja Wissen. Glaube hat mit Demut zu tun. Es ist eine Gabe, für die wir danken müssen. Die einfache Sprache der Bibel, die jeder verstehen kann, hilft uns zu glauben. Diejenigen, die unseren Glauben erschüttern wollen, weil sie der Meinung sind, alles erklären zu können, werden in der Bibel an vielen Stellen kritisiert.

Allen empfehle ich, eine Bibel leicht zugänglich, also im erreichbaren Umkreis so zu legen, dass man täglich daran vorbeikommt. Dann fällt es leicht, sie zur Hand zu nehmen. Wenn es nur ein Satz ist, der am Tag aufmerksam gelesen wird, dann ist es eine Bereicherung, die viele lange Diskussionen anregt. Die Bibel bedeutet mir täglich ein neues Geschenk.

Claus Hipp, Unternehmer

 


 

Eine ganz normale Familie

Und da sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Sohn, warum hast du uns dies angetan? Siehe dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach: Wisst ihr nicht, dass ich sein muss im Haus meines Vaters? Doch sie verstanden dies Wort nicht. Und er ging mit ihnen nach Nazareth und war ihnen untertan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen.
Lukas. 2, 48-51



 
Foto: Wodicka
 

Krach mit Kindern gibt es auch in den besten Familien. Das wissen wir alle. Doch dass es ausgerechnet in der Heiligen Familie mit Jesus Krach gab, weil dieser - ohne zu fragen - als Zwölfjähriger im Jerusalemer Tempel blieb, um mit anderen über Gott und die Welt zu diskutieren anstatt mit nach Hause zu gehen, das wird oft übersehen.

Probleme mit den eigenen Kindern werden bis zum heutigen Tag meist verschwiegen. Man tut alles, damit es Nachbarn und Verwandte nicht erfahren. Ganz anders der Evangelist Lukas: er "veröffentlicht" die Sorgen von Josef und Maria mit Jesus im Evangelium, das alle Welt bis zum heutigen Tag liest. Diese Offenheit ist mehr, als wenn Sorgen mit eigenen Kindern im Sonntagsblatt stünden.

Dabei ist der Konflikt, um den es geht, ganz alltäglich. Söhne und Töchter kommen nicht nach Hause. Eltern wissen nicht, wo sie sind. Und die Frage: "Warum hast du uns das angetan?" ist sicher auch schon so manchem von uns über die Lippen gekommen. Die Heilige Familie also eine ganz normale Familie. Die Situation in Nazareth nicht anders als in Rothenburg oder den Dörfern rund um den Hesselberg.

Mit zwölf Jahren fängt das an. Plötzlich verändern sich die Kinder, bleiben länger weg und geben uns Antworten, die wir nicht verstehen. So auch der zwölfjährige Jesus: "Wisst ihr nicht, dass ich sein muss im Hause meines Vaters?" Ja, woher sollen das Josef und Maria wissen? Und ist das nicht auch eine "freche" Antwort? Das "Haus meines Vaters" ist ja schließlich die Zimmerei von Josef und nicht der Jerusalemer Tempel. Entscheidend ist jedoch, wie es weitergeht: Jesus geht mit seinen Eltern zurück und "war ihnen untertan", heißt es. Doch aus der Geschichte des Evangeliums wissen wir, dass die damals beginnende Fremdheit zwischen Maria und Josef sowie Jesus erneut wuchs, als er öffentlich zu wirken begann (Markus 3, 21).

Dennoch hat zumindest Maria - trotz der Irritation über ihren Zwölfjährigen - seine Worte "in ihrem Herzen behalten". Wie Josef damit umging, wissen wir nicht. Aber vielleicht ist das auch ein Hinweis darauf, dass sich Mütter den oft unverständlichen Lebensweg ihrer Kinder manchmal mehr zu Herzen nehmen als Väter. Schließlich haben sie sie ja auch neun Monate unter ihrem Herzen getragen. Wohin gehören Kinder, wenn sie erwachsen werden? Natürlich nach wie vor zu ihren Eltern. Aber sie gehören auch zu anderen Menschen, mit denen sie ihre Probleme und Fragen über Gott und die Welt bereden können. Sie loszulassen ist für Eltern nicht immer einfach. Das wichtigste aber ist, dass unsere Kinder - wie wir selber auch - zu Gott gehören: bei ihm "müssen" wir zu Hause sein, wenn unser Leben festen Boden unter den Füßen haben soll. Ja, als Christen haben wir nicht nur unsere leiblichen Mütter und Väter. Sondern auch einen Vater im Himmel, der uns trägt und hält und tröstet wie eine Mutter. Das bewegt Maria tief in ihrem Herzen: Ihr Sohn scheint getragen von Gott. Gott selber erscheint in ihm: Epiphanias.

Die Erscheinung Gottes im Christkind taucht den Anfang eines neuen Jahres in helles Licht und macht uns gewiss: auch unsere Kinder sind von Gott getragen, gesegnet und beschützt. Das hilft, sie frei zu lassen, auch wenn sie mit zwölf beginnen, eigene Wege zu gehen.

Kirchenrat Willi Stöhr, München

Gebet: Lieber Vater im Himmel, das wünschen wir uns: dass du unsere Kinder trägst und hältst und beschützt; besonders wenn sie zwölf Jahre und älter werden und eigene Wege gehen. Dann mach uns weise, sie frei zu lassen, sie aber doch im Herzen zu behalten. Amen

Lied 576: Kind, du bist uns anvertraut.

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