Was bedeutet mir die Bibel?
Sonntagsblatt-Umfrage
unter Prominenten
Zum
Jahr der Bibel 2003 fragte das Sonntagsblatt Prominente, was Ihnen die Heilige
Schrift bedeutet. Die bekannten Personen aus Politik, Medien und Wirtschaft
gaben bereitwillig darüber Auskunft. Hier ihre Antworten.
Vorliebe für Bergpredigt
Die Bibel ist allumfassend, die
Geschichte vom Anfang und vom Ende der Schöpfung, vom Menschen als Ebenbild
Gottes, von Sünde, Vergebung, Erlösung und Auferstehung. Die Frohe Botschaft
steht für uns Christen im Mittelpunkt. In der Heiligen Nacht ist Gott
Mensch geworden und hat unter uns gewohnt. Dadurch ist der neue Bund geknüpft
zwischen Gott und den Menschen, verbunden mit der Gewissheit, dass die
Menschen nicht verloren sind, sondern gerettet.
Als meine Kinder noch klein waren,
stellten sie manchmal Fragen zu den biblischen Geschichten aus dem Alten
und Neuen Testament, die sie im Kindergarten und der Grundschule besprochen
hatten. Dann lasen wir an den Sonntagen die Geschichten und ich versuchte
gemeinsam mit meiner Frau, ihre Fragen zu beantworten. An Gott kann man
sich wenden und er schenkt einem Gehör bei Kummer und Problemen. Besonders
gerne lese ich in der Bergpredigt. Sie ist aktueller denn je. "Alles,
was ihr also von den anderen erwartet, das tut auch ihnen!" Darin steckt
der Schlüssel zu einem friedlichen und mitmenschlichen Zusammenleben.
Edmund Stoiber,
bayerischer Ministerpräsident
Psalmwort als Leitspruch
Als Kind suchte ich mir für meine
Konfirmation selbst aus der Bibel einen Leitspruch aus, den ich mir als
Orientierung behalten habe. Er ist aus dem Psalm 73 und lautet: "Dennoch
bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,
du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an.
Wenn ich nur dich habe, so frage ich nicht nach Himmel und Erde. Wenn
mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit
meines Herzens Trost und mein Teil."
Für mich sind Nächstenliebe und
der Auftrag, Schwache und Benachteiligte zu unterstützen, der Auftrag
der Bibel wie auch meiner sozialdemokratischen Überzeugung der Solidarität.
Beide Überzeugungen sind Wurzeln meines Handelns. Sie stellen meine politischen
Entscheidungen auf ein festes Fundament. Es lautet für mich: Engagiert
euch für eine Welt, in der Gerechtigkeit, Entwicklung und Frieden herrschen
und in der Gottes Schöpfung bewahrt wird.
Heidemarie Wieczorek-Zeul,
Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Gottes Liebesbrief an mich
Jeden Morgen lese ich einen Abschnitt
- als Vitaminspritze und Wegweiser für den Tag. Ich habe in meinem Alltag
mit Worten zu tun, mit aktuellen Meldungen und politischen Reden. Doch
vieles Reden ist Gerede, manches Tun Getue. Da brauche ich eine Nachricht,
nach der ich mich richten kann. Die Bibel ist jeden Tag eine Neuerscheinung.
In ihr stehen viele alte Geschichten, die jeden Tag neu passieren. Die
Nachrichten von heute sind bereits morgen von gestern. Zeitlos aktuell
bleibt das Evangelium, die gute Botschaft - gerade in einer Welt so vieler
schlechter Nachrichten.
Die Bibel ist Gottes Liebesbrief
an mich. Keine leeren Worte, son-dern Mutmacher voller Verheißungen. Keine
Drohbotschaft, sondern Frohbotschaft. Für mich ist die Bibel das Powerbuch!
Doch entscheidend ist, dass die Bibel vom Lese- zum Lebensbuch wird.
Peter Hahne, ZDF-Moderator, Bestseller-Autor,
EKD-Ratsmitglied
Stärkung und Vision
Ich gehöre zu den glücklichen Menschen,
die als Kind eine behutsame Hinführung zum Glauben erfahren haben. Ich
habe die Bibel nicht als erschlagendes System aus Gesetzen und Strafen
kennen gelernt. In mein Leben ist sie mit lebendigen Geschichten und farbenfrohen
Bildern getreten. Das verlässt einen nicht mehr. Für mich ist die Bibel
Ermutigung und Zuversicht, Stärkung und Vision.
Das gilt zum Beispiel für die vielschichtige
Schöpfungsgeschichte in 1. Mose 1 und 2. Das gewalttätige "Macht Euch
die Erde untertan" ist für mich immer schon überlagert davon, dass den
Menschen der Garten Eden anvertraut ist, ihn zu bebauen und zu bewahren.
Oder der reiche Schatz der Psalmen! Der berühmte 23., "Der Herr ist mein
Hirte, mir wird nichts fehlen!" und der 62., "Bei Gott allein kommt meine
Seele zur Ruhe, von ihm kommt mir Hilfe!" Darin steckt so viel Zuversicht:
Wir sind nicht allein gelassen.
Schier unerschöpflich ist und bleibt
die Bergpredigt. Sie bietet uns bis heute Stoff zur Auseinandersetzung.
Es kommt immer wieder vor, dass ich tief in der Nacht mit meinen Lieben
über aktuelle politische Entwicklungen diskutiere - und wir kommen auf
einen biblischen Gedanken; dann lesen wir bei Matthäus 5-7 nach, "von
der Vergeltung" oder "von den zwei Wegen".
Da gibt es keine einfachen Anweisungen,
aber bereichernde Impulse, Widersprüche zu gängigen Meinungen. So erlebe
ich die Bibel als Herausforderung zum Ausbrechen aus eingefahrenen Denkstrukturen,
als Bereicherung meines privaten und politischen Lebens.
Christine Scheel,
Vorsitzende des Finanzausschusses des Deutschen Bundestages
Täglich ein Geschenk
Die Bibel bedeutet mir sehr viel.
Gerne lese ich sie im griechischen Text, allerdings mit Übersetzungshilfe.
Das bringt mich dazu, mich intensiver mit dem Text zu beschäftigen. In
der Bibel erleben wir den Unterschied zwischen den Schriftgelehrten und
den einfachen Gläubigen. Gerade in unserer Zeit ist Glau-be sehr wichtig.
Glauben heißt doch, etwas für wahr halten, was man nicht versteht. Sonst
wäre das ja Wissen. Glaube hat mit Demut zu tun. Es ist eine Gabe, für
die wir danken müssen. Die einfache Sprache der Bibel, die jeder verstehen
kann, hilft uns zu glauben. Diejenigen, die unseren Glauben erschüttern
wollen, weil sie der Meinung sind, alles erklären zu können, werden in
der Bibel an vielen Stellen kritisiert.
Allen empfehle ich, eine Bibel
leicht zugänglich, also im erreichbaren Umkreis so zu legen, dass man
täglich daran vorbeikommt. Dann fällt es leicht, sie zur Hand zu nehmen.
Wenn es nur ein Satz ist, der am Tag aufmerksam gelesen wird, dann ist
es eine Bereicherung, die viele lange Diskussionen anregt. Die Bibel bedeutet
mir täglich ein neues Geschenk.
Claus Hipp, Unternehmer
Eine ganz normale Familie
Und
da sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm:
Mein Sohn, warum hast du uns dies angetan? Siehe dein Vater und ich haben
dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach: Wisst ihr nicht, dass ich sein
muss im Haus meines Vaters? Doch sie verstanden dies Wort nicht. Und er
ging mit ihnen nach Nazareth und war ihnen untertan. Und seine Mutter
behielt alle diese Worte in ihrem Herzen.
Lukas. 2, 48-51
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Foto: Wodicka
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Krach mit Kindern
gibt es auch in den besten Familien. Das wissen wir alle. Doch dass es
ausgerechnet in der Heiligen Familie mit Jesus Krach gab, weil dieser
- ohne zu fragen - als Zwölfjähriger im Jerusalemer Tempel blieb, um mit
anderen über Gott und die Welt zu diskutieren anstatt mit nach Hause zu
gehen, das wird oft übersehen.
Probleme mit den
eigenen Kindern werden bis zum heutigen Tag meist verschwiegen. Man tut
alles, damit es Nachbarn und Verwandte nicht erfahren. Ganz anders der
Evangelist Lukas: er "veröffentlicht" die Sorgen von Josef und Maria mit
Jesus im Evangelium, das alle Welt bis zum heutigen Tag liest. Diese Offenheit
ist mehr, als wenn Sorgen mit eigenen Kindern im Sonntagsblatt stünden.
Dabei ist der Konflikt,
um den es geht, ganz alltäglich. Söhne und Töchter kommen nicht nach Hause.
Eltern wissen nicht, wo sie sind. Und die Frage: "Warum hast du uns das
angetan?" ist sicher auch schon so manchem von uns über die Lippen gekommen.
Die Heilige Familie also eine ganz normale Familie. Die Situation in Nazareth
nicht anders als in Rothenburg oder den Dörfern rund um den Hesselberg.
Mit zwölf Jahren
fängt das an. Plötzlich verändern sich die Kinder, bleiben länger weg
und geben uns Antworten, die wir nicht verstehen. So auch der zwölfjährige
Jesus: "Wisst ihr nicht, dass ich sein muss im Hause meines Vaters?" Ja,
woher sollen das Josef und Maria wissen? Und ist das nicht auch eine "freche"
Antwort? Das "Haus meines Vaters" ist ja schließlich die Zimmerei von
Josef und nicht der Jerusalemer Tempel. Entscheidend ist jedoch, wie es
weitergeht: Jesus geht mit seinen Eltern zurück und "war ihnen untertan",
heißt es. Doch aus der Geschichte des Evangeliums wissen wir, dass die
damals beginnende Fremdheit zwischen Maria und Josef sowie Jesus erneut
wuchs, als er öffentlich zu wirken begann (Markus 3, 21).
Dennoch hat zumindest
Maria - trotz der Irritation über ihren Zwölfjährigen - seine Worte "in
ihrem Herzen behalten". Wie Josef damit umging, wissen wir nicht. Aber
vielleicht ist das auch ein Hinweis darauf, dass sich Mütter den oft unverständlichen
Lebensweg ihrer Kinder manchmal mehr zu Herzen nehmen als Väter. Schließlich
haben sie sie ja auch neun Monate unter ihrem Herzen getragen. Wohin gehören
Kinder, wenn sie erwachsen werden? Natürlich nach wie vor zu ihren Eltern.
Aber sie gehören auch zu anderen Menschen, mit denen sie ihre Probleme
und Fragen über Gott und die Welt bereden können. Sie loszulassen ist
für Eltern nicht immer einfach. Das wichtigste aber ist, dass unsere Kinder
- wie wir selber auch - zu Gott gehören: bei ihm "müssen" wir zu Hause
sein, wenn unser Leben festen Boden unter den Füßen haben soll. Ja, als
Christen haben wir nicht nur unsere leiblichen Mütter und Väter. Sondern
auch einen Vater im Himmel, der uns trägt und hält und tröstet wie eine
Mutter. Das bewegt Maria tief in ihrem Herzen: Ihr Sohn scheint getragen
von Gott. Gott selber erscheint in ihm: Epiphanias.
Die Erscheinung Gottes
im Christkind taucht den Anfang eines neuen Jahres in helles Licht und
macht uns gewiss: auch unsere Kinder sind von Gott getragen, gesegnet
und beschützt. Das hilft, sie frei zu lassen, auch wenn sie mit zwölf
beginnen, eigene Wege zu gehen.
Kirchenrat Willi
Stöhr, München
Gebet: Lieber
Vater im Himmel, das wünschen wir uns: dass du unsere Kinder trägst und
hältst und beschützt; besonders wenn sie zwölf Jahre und älter werden
und eigene Wege gehen. Dann mach uns weise, sie frei zu lassen, sie aber
doch im Herzen zu behalten. Amen
Lied 576:
Kind, du bist uns anvertraut.
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