Evangelisches Sonntagsblatt
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 51/52 )

Vorfreude ist die schönste Freude

Warum sich manche Menschen auf Weihnachten freuen

 
Foto: kil
 

Manchmal könnte man meinen, Weihnachten sei eher eine Qual als ein Freudenfest. Wochen vorher stöhnen und jammern Menschen über Weihnachtsstress, über Geschenke besorgen und Plätzchen backen. Dann quält viele die Frage nach dem Weihnachtsmenü und welche Verwandtschaft wann besucht werden soll. Die Liste lästiger Begleiterscheinungen ist lang.

Allgemeine Stimmungslage

Auch die allgemeine Lage hebt die Stimmung keineswegs: Wirtschaftsnachrichten und Arbeitslosigkeit dürften für Viele zu zusätzlichem Frust führen, da sie sich dieses Jahr beim Geschenkekauf wohl zurückhalten müssen. Zum Glück gibt es auch noch Menschen wie diesen 45-jährigen Herrn. Obwohl er seit einigen Monaten arbeitslos ist, sagt er: "Was die Advents- und Weihnachtszeit angeht, muss ich mich heuer finanziell einschränken. Dafür will ich mich mehr auf das konzentrieren, worauf es im Advent vor allem ankommt."

Mit negativen oder zwiespältigen Gefühlen hinsichtlich Weihnachten werden die meisten einmal konfrontiert. Und doch gibt es Menschen, die sich darauf freuen. Wer sich umhört, wird vermutlich mehr finden als erwartet. Nur - worauf genau freuen sie sich, wo es doch so viele Stresspunkte gibt? Bei einer Umfrage kamen sowohl interessante als auch naheliegende Antworten.

Leckeres Gebäck

"Plätzchen", sagen einige, "gehören zu Weihnachten und darauf freue ich mich." Für Kinder ist es ein Erlebnis, Plätzchen zu backen. Und auch Erwachsene lassen sich da nicht lumpen. Sie nehmen stundenlanges Werkeln in der Küche auf sich, um später die selbstgefertigten Köstlichkeiten mit anderen genießen zu können. Trotz der gefürchteten Gewichtszunahme über die Festtage, kommen die kleinen "Kalorienbömbchen" gut an. Und dann der Duft in der Wohnung, nach Mandeln und Zimt, Nelken und Zitronat. Das gibt es nur in der Weihnachtszeit.

"Ich freue mich auf die Musik", erzählt Inga. "Auf Advents- und Weihnachtslieder, auf festliche Choräle und auf das Weihnachtsoratorium." Und in der Tat: das Lieder singen steht für Viele ganz oben auf der Liste der schönen Seiten des Christfestes. Auch die Gottesdienstmusik erwähnt jemand, mit Kirchen- und Posaunenchor, und die kirchenmusikalischen Werke zur Weihnachtszeit, die man sonst im Laufe des Jahres nicht hören kann. Trotz ständiger Supermarktberieselung sorgt die Musik gerade in den Gottesdiensten für eine festliche Stimmung, auf die sich viele freuen.

Überraschenderweise empfinden auch einige das Schenken als Freude und nicht als Last. Iris erzählt: "Ich habe richtig Lust darauf, die Geschenke einzupacken und anderen eine Überraschung zu bescheren." Und Ilse erzählt von früher, wie geheimnisvoll es bei ihnen an Weihnachten zuging: Das Wohnzimmer wurde verschlossen, der Baum heimlich geschmückt, und "am Weihnachtsabend hat es dann geklingelt und mein Vater erzählte uns, dass das Englein gerade rausgeflogen ist." Dann hätten die Kinder ins Wohnzimmer und an ihre Geschenke gedurft. Noch heute verbinden viele Menschen diese kindlichen Erlebnisse und die damit verbundenen schönen Gefühle mit dem Weihnachtsfest. Für manche mischt sich dann zwar auch etwas Trauer über den Verlust der Kindheit hinein, doch die meisten lassen dem Kind in sich am Weihnachtsabend wieder Raum. Und so stehen sie schließlich mit ihren eigenen Kleinen wieder staunend vorm Christbaum.

"Ich freue mich darauf, ein paar Freunde wieder zu sehen. Und das Treffen geht eigentlich nur noch über Weihnachten", erzählt Kai. Menschen, die man sonst das ganze Jahr nicht sieht, kann man also an den Feiertagen wiedertreffen, zum Beispiel weil sie ihre Eltern besuchen. Und - was noch wichtiger ist - man hat dann Zeit füreinander. Schließlich sind die Geschäfte geschlossen und viele Menschen haben frei. "Ich freue mich darauf, mit meinen Kindern Monopoly zu spielen, die Modelleisenbahn aufzubauen oder gemeinsam etwas zu unternehmen", malt Wolfgang sich die Festtage aus. Und ein anderer gesteht: "Ich freue mich auf ein paar Tage Urlaub und ein schönes Fernsehprogramm, wo man vielleicht mal die eine oder andere spannende Dokumentation über religiöse Themen sehen kann."

Die Botschaft

Der eigentliche Grund zur Freude ist aber die Weihnachtsbotschaft. Denn die ganzen schönen "Begleiterscheinungen" von Weihnachten gäbe es nicht, wäre Gott nicht in Jesus Christus zur Welt gekommen. So feiert Ilse, dass in Jesus der versprochene Retter gekommen ist und freut sich über die Hoffnung, die davon ausstrahlt. Die Botschaft des Friedens und der Liebe hört sie gerne an den Festtagen. Ein anderer lässt sich von Weihnachten an die Schwachen erinnern und dass Jesus vorgelebt hat, "wie wir uns um sie kümmern sollen." Schließlich drückt Elisabeth in ihrem eindrucksvollen Statement eine tiefgehende Überzeugung aus: "Ich freue mich auf Weihnachten, weil es großartig ist, dass Gott in diese Welt gekommen ist. Und zwar nicht ins saubere, edle Schloss, sondern unter Bedingungen, wie sie schlechter kaum sein könnten. Das bewegt mich jedes Jahr auf's Neue. Und bei allem Leid und Elend, das man mit offenen Augen wahrnimmt, ist das für mich die Hoffnung schlechthin. Advent ist die Zeit, in der klar wird: "Gott bringt Licht in das Dunkel und ist Hoffnung in der Tiefe der Nacht." In diesem Sinne: Fröhliche Weihnachten!

Silvia Jühne

 


 

Maria als Vorbild des Glaubens

Maria sprach: "Meine Seele erhebt den Herrn und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes.
Lukas 1, 46-49



 
Foto: privat
 

Maria - ich liebe diese Frau. Ich verehre diese Frau, die mit Gott schwanger ging, die Gott zur Welt gebracht, gestillt und gewickelt hat. Maria hat ihren festen Platz im Glaubensbekenntnis der Christenheit: "Geboren von der Jungfrau Maria". Das aber bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass sie auch einen festen Platz in unserem Leben haben soll. Maria ist weder evangelisch noch katholisch, sie gehört der ganzen Christenheit. Sie ist eine ökumenische Frau.

Viele, nicht nur junge Menschen, sind heute auf der Suche nach einem glaubwürdigen Vorbild. Maria kann ein Beispiel gelebten Glaubens geben, den Frauen und auch den Männern. Es gibt mir immer zu denken, dass in der Weihnachtsgeschichte Maria eine wesentlich bessere Figur machte als Joseph, der Mann. Wir Männer können nur gewinnen, wenn wir uns mehr an den Frauen, auch an Maria, orientierten. Es täte uns gut, wenn wir das Frauliche, das Weibliche, den Geist Mariens, der auch in uns schlummert, neu entdeckten und zur Welt brächten, wenn wir mehr Herz, Gemüt und Gefühl zeigten und so in unserer Männlichkeit etwas menschlicher würden. Maria kann uns dazu ermuntern. Ohne sie in den Himmel zu heben - wir können von Maria nur lernen.

Beispielhaft an ihr ist, dass sie bereit war, sich mit Gott einzulassen, sich ihm zur Verfügung zu stellen, ihm in sich Raum zu geben. "Siehe, ich bin des Herrn Magd. Mir geschehe, wie du gesagt hast", so antwortet sie dem Engel Gabriel. Das ist nicht ein Wort passiver Demut. Es ist die aktive und mutige Antwort einer starken Frau, die weiß, worauf sie sich einlässt. Das Wort Demut hat heutzutage keinen guten Klang mehr. Aber Demut ist die Tugend der Stärke. Sie ist stark und tapfer und macht stark und tapfer. Der Mut zu dienen verbirgt sich hinter ihr, der Mut sich zu bücken zu den Gebückten und Unterdrückten. Aber nur aufrechte Naturen können sich bücken, und das war Maria.

Beispielhaft ist diese Frau, weil sie sich mutig den Zumutungen Gottes stellte. Und einiges wurde ihr ja zugemutet. Es war Joseph, der Mann, der meinte, das Ganze sei einfach zum Davonlaufen. Aber dann blieb er - und Maria auch, und damit wurde es für die beiden Weihnachten. Es mag sein, dass Gott uns Dinge zumutet, die wir meinen, nicht ertragen zu können. Dann sollten wir trotzdem wenigstens versuchen, uns den Zumutungen Gottes auszusetzen. Zumindest auf lange Sicht gesehen kann unser Leben damit tiefer und reicher werden. Die Zumutungen Gottes sind wie Dornen, die zu Rosen werden können. "Maria durch ein'n Dornwald ging, der hat in sieben Jahren kein Laub getragen. Da haben die Dornen Rosen getragen", so singt ein altes Lied. Auch die Dornen unseres Lebens können zu einer Rose werden.

Beispielhaft ist Maria, weil sie mit dem Wort Gottes lebt. Die großen Maler haben Maria dargestellt, vor der aufgeschlagenen Bibel sitzend. Sie hatte sicher alle Hände voll zu tun mit ihrem Kind und natürlich auch mit ihrem Mann. Sie war ausgelastet. Dennoch hat sie sich einen Freiraum geschaffen, wo sie vor Gott zu sich selbst kommen konnte, wenn sie, wie wir alle auch, immer wieder außer sich war. Sie hat sich Zeit genommen zum Nachdenken, zum Umgang mit der Bibel. Sicher hat sie ihrem Jesuskind biblische Geschichten aus dem Alten Testament erzählt. Sicher hat sie mit ihm die Psalmen gebetet. Die Zeit, die man so verbringt, zahlt sich aus.

Maria war eine politisch interessierte Frau. Sie wünschte sich eine Veränderung aller gesellschaftlichen Verhältnisse. Sie konnte geradezu revolutionäre Töne anschlagen. Und immer wieder hatte sie Grund, Gott zu loben. Es ist ein schönes Lied, das ihr in den Mund gelegt wurde: "Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes. Denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen und hat große Dinge an mir getan. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen. Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf, wie er geredet hat zu unseren Vätern Abraham und seinen Kindern in Ewigkeit."

Theodor Glaser
Oberkirchenrat i.R., München

Wir beten: Ach mache du mich Armen zu dieser heilgen Zeit aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit. Zieh in mein Herz hinein vom Stall und von der Krippen, so werden Herz und Lippen dir allzeit dankbar sein. Amen.

Lied 9: Nun jauchzet, all ihr Frommen.

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