Vorfreude ist die schönste Freude
Warum sich manche Menschen
auf Weihnachten freuen
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Foto: kil
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Manchmal könnte man meinen, Weihnachten
sei eher eine Qual als ein Freudenfest. Wochen vorher stöhnen und jammern
Menschen über Weihnachtsstress, über Geschenke besorgen und Plätzchen
backen. Dann quält viele die Frage nach dem Weihnachtsmenü und welche
Verwandtschaft wann besucht werden soll. Die Liste lästiger Begleiterscheinungen
ist lang.
Allgemeine Stimmungslage
Auch die allgemeine Lage hebt die
Stimmung keineswegs: Wirtschaftsnachrichten und Arbeitslosigkeit dürften
für Viele zu zusätzlichem Frust führen, da sie sich dieses Jahr beim Geschenkekauf
wohl zurückhalten müssen. Zum Glück gibt es auch noch Menschen wie diesen
45-jährigen Herrn. Obwohl er seit einigen Monaten arbeitslos ist, sagt
er: "Was die Advents- und Weihnachtszeit angeht, muss ich mich heuer finanziell
einschränken. Dafür will ich mich mehr auf das konzentrieren, worauf es
im Advent vor allem ankommt."
Mit negativen oder zwiespältigen
Gefühlen hinsichtlich Weihnachten werden die meisten einmal konfrontiert.
Und doch gibt es Menschen, die sich darauf freuen. Wer sich umhört, wird
vermutlich mehr finden als erwartet. Nur - worauf genau freuen sie sich,
wo es doch so viele Stresspunkte gibt? Bei einer Umfrage kamen sowohl
interessante als auch naheliegende Antworten.
Leckeres Gebäck
"Plätzchen", sagen einige, "gehören
zu Weihnachten und darauf freue ich mich." Für Kinder ist es ein Erlebnis,
Plätzchen zu backen. Und auch Erwachsene lassen sich da nicht lumpen.
Sie nehmen stundenlanges Werkeln in der Küche auf sich, um später die
selbstgefertigten Köstlichkeiten mit anderen genießen zu können. Trotz
der gefürchteten Gewichtszunahme über die Festtage, kommen die kleinen
"Kalorienbömbchen" gut an. Und dann der Duft in der Wohnung, nach Mandeln
und Zimt, Nelken und Zitronat. Das gibt es nur in der Weihnachtszeit.
"Ich freue mich auf die Musik",
erzählt Inga. "Auf Advents- und Weihnachtslieder, auf festliche Choräle
und auf das Weihnachtsoratorium." Und in der Tat: das Lieder singen steht
für Viele ganz oben auf der Liste der schönen Seiten des Christfestes.
Auch die Gottesdienstmusik erwähnt jemand, mit Kirchen- und Posaunenchor,
und die kirchenmusikalischen Werke zur Weihnachtszeit, die man sonst im
Laufe des Jahres nicht hören kann. Trotz ständiger Supermarktberieselung
sorgt die Musik gerade in den Gottesdiensten für eine festliche Stimmung,
auf die sich viele freuen.
Überraschenderweise empfinden auch
einige das Schenken als Freude und nicht als Last. Iris erzählt: "Ich
habe richtig Lust darauf, die Geschenke einzupacken und anderen eine Überraschung
zu bescheren." Und Ilse erzählt von früher, wie geheimnisvoll es bei ihnen
an Weihnachten zuging: Das Wohnzimmer wurde verschlossen, der Baum heimlich
geschmückt, und "am Weihnachtsabend hat es dann geklingelt und mein Vater
erzählte uns, dass das Englein gerade rausgeflogen ist." Dann hätten die
Kinder ins Wohnzimmer und an ihre Geschenke gedurft. Noch heute verbinden
viele Menschen diese kindlichen Erlebnisse und die damit verbundenen schönen
Gefühle mit dem Weihnachtsfest. Für manche mischt sich dann zwar auch
etwas Trauer über den Verlust der Kindheit hinein, doch die meisten lassen
dem Kind in sich am Weihnachtsabend wieder Raum. Und so stehen sie schließlich
mit ihren eigenen Kleinen wieder staunend vorm Christbaum.
"Ich freue mich darauf, ein paar
Freunde wieder zu sehen. Und das Treffen geht eigentlich nur noch über
Weihnachten", erzählt Kai. Menschen, die man sonst das ganze Jahr nicht
sieht, kann man also an den Feiertagen wiedertreffen, zum Beispiel weil
sie ihre Eltern besuchen. Und - was noch wichtiger ist - man hat dann
Zeit füreinander. Schließlich sind die Geschäfte geschlossen und viele
Menschen haben frei. "Ich freue mich darauf, mit meinen Kindern Monopoly
zu spielen, die Modelleisenbahn aufzubauen oder gemeinsam etwas zu unternehmen",
malt Wolfgang sich die Festtage aus. Und ein anderer gesteht: "Ich freue
mich auf ein paar Tage Urlaub und ein schönes Fernsehprogramm, wo man
vielleicht mal die eine oder andere spannende Dokumentation über religiöse
Themen sehen kann."
Die Botschaft
Der eigentliche Grund zur Freude
ist aber die Weihnachtsbotschaft. Denn die ganzen schönen "Begleiterscheinungen"
von Weihnachten gäbe es nicht, wäre Gott nicht in Jesus Christus zur Welt
gekommen. So feiert Ilse, dass in Jesus der versprochene Retter gekommen
ist und freut sich über die Hoffnung, die davon ausstrahlt. Die Botschaft
des Friedens und der Liebe hört sie gerne an den Festtagen. Ein anderer
lässt sich von Weihnachten an die Schwachen erinnern und dass Jesus vorgelebt
hat, "wie wir uns um sie kümmern sollen." Schließlich drückt Elisabeth
in ihrem eindrucksvollen Statement eine tiefgehende Überzeugung aus: "Ich
freue mich auf Weihnachten, weil es großartig ist, dass Gott in diese
Welt gekommen ist. Und zwar nicht ins saubere, edle Schloss, sondern unter
Bedingungen, wie sie schlechter kaum sein könnten. Das bewegt mich jedes
Jahr auf's Neue. Und bei allem Leid und Elend, das man mit offenen Augen
wahrnimmt, ist das für mich die Hoffnung schlechthin. Advent ist die Zeit,
in der klar wird: "Gott bringt Licht in das Dunkel und ist Hoffnung in
der Tiefe der Nacht." In diesem Sinne: Fröhliche Weihnachten!
Silvia Jühne
Maria als Vorbild des Glaubens
Maria
sprach: "Meine Seele erhebt den Herrn und mein Geist freut sich Gottes,
meines Heilandes.
Lukas 1, 46-49
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Foto: privat
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Maria - ich liebe
diese Frau. Ich verehre diese Frau, die mit Gott schwanger ging, die Gott
zur Welt gebracht, gestillt und gewickelt hat. Maria hat ihren festen
Platz im Glaubensbekenntnis der Christenheit: "Geboren von der Jungfrau
Maria". Das aber bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass sie auch
einen festen Platz in unserem Leben haben soll. Maria ist weder evangelisch
noch katholisch, sie gehört der ganzen Christenheit. Sie ist eine ökumenische
Frau.
Viele, nicht nur
junge Menschen, sind heute auf der Suche nach einem glaubwürdigen Vorbild.
Maria kann ein Beispiel gelebten Glaubens geben, den Frauen und auch den
Männern. Es gibt mir immer zu denken, dass in der Weihnachtsgeschichte
Maria eine wesentlich bessere Figur machte als Joseph, der Mann. Wir Männer
können nur gewinnen, wenn wir uns mehr an den Frauen, auch an Maria, orientierten.
Es täte uns gut, wenn wir das Frauliche, das Weibliche, den Geist Mariens,
der auch in uns schlummert, neu entdeckten und zur Welt brächten, wenn
wir mehr Herz, Gemüt und Gefühl zeigten und so in unserer Männlichkeit
etwas menschlicher würden. Maria kann uns dazu ermuntern. Ohne sie in
den Himmel zu heben - wir können von Maria nur lernen.
Beispielhaft an ihr
ist, dass sie bereit war, sich mit Gott einzulassen, sich ihm zur Verfügung
zu stellen, ihm in sich Raum zu geben. "Siehe, ich bin des Herrn Magd.
Mir geschehe, wie du gesagt hast", so antwortet sie dem Engel Gabriel.
Das ist nicht ein Wort passiver Demut. Es ist die aktive und mutige Antwort
einer starken Frau, die weiß, worauf sie sich einlässt. Das Wort Demut
hat heutzutage keinen guten Klang mehr. Aber Demut ist die Tugend der
Stärke. Sie ist stark und tapfer und macht stark und tapfer. Der Mut zu
dienen verbirgt sich hinter ihr, der Mut sich zu bücken zu den Gebückten
und Unterdrückten. Aber nur aufrechte Naturen können sich bücken, und
das war Maria.
Beispielhaft ist
diese Frau, weil sie sich mutig den Zumutungen Gottes stellte. Und einiges
wurde ihr ja zugemutet. Es war Joseph, der Mann, der meinte, das Ganze
sei einfach zum Davonlaufen. Aber dann blieb er - und Maria auch, und
damit wurde es für die beiden Weihnachten. Es mag sein, dass Gott uns
Dinge zumutet, die wir meinen, nicht ertragen zu können. Dann sollten
wir trotzdem wenigstens versuchen, uns den Zumutungen Gottes auszusetzen.
Zumindest auf lange Sicht gesehen kann unser Leben damit tiefer und reicher
werden. Die Zumutungen Gottes sind wie Dornen, die zu Rosen werden können.
"Maria durch ein'n Dornwald ging, der hat in sieben Jahren kein Laub getragen.
Da haben die Dornen Rosen getragen", so singt ein altes Lied. Auch die
Dornen unseres Lebens können zu einer Rose werden.
Beispielhaft ist
Maria, weil sie mit dem Wort Gottes lebt. Die großen Maler haben Maria
dargestellt, vor der aufgeschlagenen Bibel sitzend. Sie hatte sicher alle
Hände voll zu tun mit ihrem Kind und natürlich auch mit ihrem Mann. Sie
war ausgelastet. Dennoch hat sie sich einen Freiraum geschaffen, wo sie
vor Gott zu sich selbst kommen konnte, wenn sie, wie wir alle auch, immer
wieder außer sich war. Sie hat sich Zeit genommen zum Nachdenken, zum
Umgang mit der Bibel. Sicher hat sie ihrem Jesuskind biblische Geschichten
aus dem Alten Testament erzählt. Sicher hat sie mit ihm die Psalmen gebetet.
Die Zeit, die man so verbringt, zahlt sich aus.
Maria war eine politisch
interessierte Frau. Sie wünschte sich eine Veränderung aller gesellschaftlichen
Verhältnisse. Sie konnte geradezu revolutionäre Töne anschlagen. Und immer
wieder hatte sie Grund, Gott zu loben. Es ist ein schönes Lied, das ihr
in den Mund gelegt wurde: "Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist
freut sich Gottes, meines Heilandes. Denn er hat die Niedrigkeit seiner
Magd angesehen und hat große Dinge an mir getan. Er stößt die Gewaltigen
vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern
und lässt die Reichen leer ausgehen. Er gedenkt der Barmherzigkeit und
hilft seinem Diener Israel auf, wie er geredet hat zu unseren Vätern Abraham
und seinen Kindern in Ewigkeit."
Theodor Glaser
Oberkirchenrat i.R., München
Wir beten:
Ach mache du mich Armen zu dieser heilgen Zeit aus Güte und Erbarmen,
Herr Jesu, selbst bereit. Zieh in mein Herz hinein vom Stall und von der
Krippen, so werden Herz und Lippen dir allzeit dankbar sein. Amen.
Lied 9: Nun
jauchzet, all ihr Frommen.
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