Wer nicht lesen will, kann hören
Das "Kino im Kopf" –
Hörspiele und Hörbücher sind stark im Kommen
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Foto: kil
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Auf dem Tisch brennen ein paar
Kerzen. Draußen ist es kalt. Sabine liegt genüsslich und doch konzentriert
auf ihrem Sofa und greift gelegentlich in den Plätzchenteller. Sie möchte
bitte nicht gestört werden. Sabine liest nicht und sieht auch nicht fern.
Sabine hört: "Harry Potter und der Gefangene von Askaban". Auch den "Herrn
der Ringe", etwas über Jochen Klepper und eine Kinderbibel hat sie sich
schon angehört. Sabine hat das Hörbuch für sich entdeckt. "Es ist so herrlich
entspannend, an einem Winterabend im warmen Zimmer zu sitzen und einem
guten Buch zu lauschen", sagt die 36-Jährige.
Auch Claudia hat im letzten Jahr
intensive Bekanntschaft mit Hörbüchern gemacht - sowohl auf CD als auf
Kassette. "Am liebsten höre ich beim Bügeln oder Aufräumen." Da sei man
ja geistig nicht so gefordert und könne gut lauschen. Sich hinlegen und
hören kommt für sie eher nicht in Frage. "Da schlafe ich meistens ein",
lacht sie. Beim Auto fahren dagegen sei es eine prima Sache. "Bei längeren
Strecken nervt das Radio irgendwann mal."
Eigentlich nichts Neues
Solche und ähnliche Erkenntnisse
haben in den letzten Jahren zahlreiche Menschen gemacht. Denn seit Mitte
der 90er Jahre wird intensiv für Hörbücher, auch Audiobooks genannt, geworben.
Seitdem gibt es eine größere Auswahl. Grundsätzlich sind Hörbücher nichts
neues. "Gerade Hörspiele für Kinder und Blindenhörbücher haben eine lange
Tradition", meint Heike Völker-Sieben vom Hörverlag in München. Nur wurden
die Publikationen nie so recht gepflegt und führten eher ein Nischendasein.
Der Hörverlag wurde 1993 gegründet, brachte 1995 sein erstes Programm
auf den Markt und war der Vorreiter in dieser Branche. Seitdem wird das
Angebot breiter, und immer mehr Verlage bieten Audiobooks an - über 200
sind es inzwischen.
Der Hörverlag setzt vor allem auf
literarische Klassiker. Erstaunlicherweise sind diese als Audiobooks oftmals
erfolgreicher. Zu den Klassikern gehört auch die Bibel. Mehrere Verlage
haben bereits Hörbibeln herausgebracht - in unterschiedlichsten Versionen.
Da gibt es aufwändig gemachte Hörspiele oder Hörbücher, auf denen die
Bibeltexte vorgelesen werden.
Der feine Unterschied
Apropos Hörbuch und Hörspiel. Da
wird sehr deutlich unterschieden. Ein Hörbuch ist sowohl der Oberbegriff
für alle akustisch umgesetzten Bücher als auch die Bezeichnung für eine
Lesung auf Kassette oder CD. "Ein Hörspiel dagegen ist Kino im Kopf",
erklärt Heike Völker-Sieben. "Da wird ein Stück von verschiedenen Leuten
gesprochen, mit Musik und Geräuschen untermalt - So dass schnell entsprechende
dazu Szenen im Kopf entstehen."
Hörspiele dürften viele aus ihrer
Kindheit kennen. Schon lange vor der Zeit der CD gab es Märchenplatten
für Kinder, später dann kamen Hörspiele, vor allem auf Kassetten dazu.
Zu den bekanntesten gehört "Benjamin Blümchen" oder im christlichen Sektor
"Die drei vom Ast". Gerade Produktionen für Kinder oder themenbezogene
Kassetten hat der Verlag des Evangeliumsrundfunks (ERF-Verlag) schon seit
seinem Bestehen 1977 im Angebot.
"Hörbücher im engeren Sinn führen
wir seit etwa vier Jahren", sagt Verlagsleiter Ingo Halscheidt. 54 Hörbücher
sind in dieser Zeit beim ERF-Verlag erschienen. "Im Grunde lag der Schritt
zum Audiobook nahe", meint Halscheidt. Auf dem Sender ERF2 läuft seit
1995 die Sendung "Lesezeichen". Täglich um 19.30 Uhr können Radiohörer
einer Geschichte lauschen, die vorgelesen wird. "Schließlich kam jemand
auf die Idee, das Material der Sendung weiter zu nutzen und Hörbücher
herauszubringen."
Zielgruppe der Produktionen sind
nach wie vor Kinder und ältere Menschen. "Wir hoffen aber mit den neueren
Hörbüchern auch junge Erwachsene und Leute mittleren Alters zu erreichen".
Der ERF-Verlag bringt sowohl eigene Produktionen auf den Markt als auch
Coproduktionen mit verschiedenen Verlagen wie Gerth-Medien oder Oncken.
"Eine solche Zusammenarbeit ist bei den meisten Hörbuchverlagen üblich",
erklärt Halscheidt.
Christliche Hör-Literatur
Inzwischen sind auch viele christliche
Verlage auf den Zug aufgesprungen - nicht nur mit Bibeln in verschiedenen
Versionen. Auch Erzählungen, Romane, Gebete und Meditationen sind als
Hörbücher zu haben, zum Beispiel "Es war als sängen die Engel" von James
Whittaker oder "Stille Wege im Advent" von Anselm Grün. Auch für Kinder
gibt es zahlreiche Publikationen - von Kinderbibeln über Hörspiele bis
hin zu Kindermusicals.
Insgesamt sind weit über 7.000
Hörbuchtitel auf dem Markt, jährlich kommen 700 und 800 Produktionen dazu.
Derzeit wissen hierzulande nur rund sieben Prozent der Bevölkerung, was
ein Hörbuch ist. "Aber das Hörbuch wird zunehmend bekannter", ist sich
Ingo Halscheidt sicher. Die Verlage hoffen - mit Recht - auf steigenden
Umsatz. Denn derzeit liegt das gedruckte Buch weit an der Spitze: Im Jahr
2001 wurden in Deutschland 9,4 Milliarden Euro mit Büchern umgesetzt,
dagegen brachten Audiobooks nur rund 40 Millionen Euro ein.
Hörbuch-Bestenliste
Für das Bekanntwerden von Hörbüchern
dürfte unter anderem die "Hörbuch-Bestenliste" sorgen. Der Hessische Rundfunk
und das Börsenblatt des Deutschen Buchhandels riefen sie 1997 ins Leben.
Eine Jury von 21 Fachleuten stellt jeden Monat fünf herausragende Produktionen
vor und wählt das Hörbuch des Jahres.
Auf Sabines Hitliste ganz oben
steht derzeit "Der Herr der Ringe". Allerdings hat sie die zehn CDs noch
nicht alle gehört. In den nächsten zwei Wochen hat sie nicht nur Weihnachts-
sondern auch noch "Hörstress": "Bis der zweite Teil vom "Herr der Ringe"
im Kino anläuft, möchte ich die CDs gehört haben", meint sie. "Dann hab
ich alles durch: gelesen, gehört und gesehen."
Karin Ilgenfritz
Die Ankunft des Messias erwarten
Als
aber Johannes im Gefängnis von den Werken Christi hörte, sandte er seine
Jünger und ließ ihn fragen: Bist du es, der da kommen soll, oder sollen
wir auf einen andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht
hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht: Blinde sehen und
Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf,
und Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht
an mir ärgert. (Matthäus 11, 2-6)
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Foto: Wodicka
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Da sitzt er nun im
Gefängnis, Johannes der Täufer, der Vorbote des Messias. Durch sein Auftreten
war das Land in Aufregung geraten. "Der Messias kommt!" Seine Worte weckten
Hoffnung und große Erwartungen. "Nach mir kommt einer, der stärker ist
als ich. Er wird den Weizen in seine Scheune sammeln, aber die Spreu wird
er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer!"
Weil Johannes dem
herrschenden König mutig und ungeschminkt die Wahrheit gesagt hat, landet
er im Gefängnis. Und Gott greift nicht ein. Wo bleibt der angekündigte
Messias? Wo bleibt der Befreier Israels? Hatte er damals bei der Taufe
am Jordan nicht gedacht, er wäre dem Messias schon begegnet? Und das,
was er nun von seinen Jüngern über jenen Jesus aus Nazareth zu hören bekam,
bestätigte das nicht die Verheißungen Gottes? "Blinde sehen, Lahme gehen
..."
Doch würde der Messias
seinen Wegbereiter im Gefängnis sitzen lassen? Würde der Messias nicht
aufräumen mit aller Ungerechtigkeit und Tyrannei im Land? Würde er dem
gottlosen Treiben nicht ein Ende machen und das Volk mit starker Hand
regieren? Johannes zweifelt. "Ist er es? Oder müssen wir auf einen anderen
warten?" Vieles spricht für diesen Jesus. Doch manches müsste doch anders
laufen.
Wer kennt solche
Fragen und Zweifel nicht. "Wo ist Gott in dieser oder jener Katastrophe
gewesen?" "Warum erhört Gott mein Gebet nicht und hilft mir aus meiner
Not?" "Warum bin ich von dieser Krankheit betroffen? Sagt die Bibel nicht,
dass Jesus auch Kranke heilt?" Wie Johannes haben wir eine gewisse Vorstellung
von dem, was der Messias doch tun müsste. Dabei entspringen unsere Vorstellungen
durchaus den Verheißungen Gottes und sind keine Träumereien, so wie Johannes
vertraut war mit den Verheißungen des Alten Testamentes. Aber dann erleben
wir, wie es manchmal anders kommt. Gottes Verheißungen und unsere Erfahrung
stimmen nicht deckungsgleich überein. Einerseits erleben wir Bewahrung
und viel Gutes, andererseits sehen wir die Not im eigenen Leben oder nehmen
Anteil am Leid anderer Menschen. Wir beten und fragen "Wo bleibt Gottes
Hilfe? Warum greift er nicht ein?" Johannes bleibt nicht bei seinem Zweifeln
stehen. Er wendet sich an Jesus und lässt fragen: "Bist du es?" Johannes
will es wissen. Er muss es wissen. Worauf sonst soll sein Glaube ruh´n,
wenn er hier nicht Gewißheit gewinnt? "Bist du es, Jesus, oder soll ich
auf einen anderen warten, an einen anderen glauben, in einen anderen mein
Vertrauen setzen?" Wie entlastend wäre jetzt eine klare Antwort Jesu,
ein "Ja, ich bin es! Du kannst dich auf mich verlassen. Ich komme, um
dich zu befreien." Aber Jesus enthebt Johannes nicht seinem Zweifel. Er
spielt den Ball an den Fragenden zurück. "Sagt Johannes, was ihr hört
und seht!" (Und was dieser ja schon wusste!) "Sagt ihm noch eines dazu:
Selig ist, wer sich nicht an mir ärgert!"
Der Messias Gottes
kommt anders, als Johannes es erwartete. Das angekündigte Gericht bleibt
aus. Die "Spreu" wird nicht verbrannt. Der "Stärkere" verzichtet auf seine
Macht. Der Gott des Himmels und der Erde liefert sich den Menschen aus
- uns zugute. Selig, wer sich nicht an ihm ärgert, wenn er anders kommt,
anders eingreift, anders handelt, als wir es von ihm erwarten. Selig,
wer ihm vertraut, trotz allen Zweifels, trotz allen widersprüchlichen
Erfahrungen. Selig, wer Gott nicht vorschreibt, wie er zu sein hätte,
sondern Gott Gott sein lässt. "Ärgert euch nicht an mir, sondern vertraut
mir! Ich werde mein Wort erfüllen, auch wenn es anders kommt, als ihr
denkt."
Gemeindereferent
Andreas Güntzel
Haus Lutherrose, Neuendettelsau
Gebet: Herr,
Du bist mir vertraut und doch auch fremd. Ich erfahre viel Gutes und doch
bleibt manches Gebet unerhört. Ich will darauf vertrauen, dass Du nicht
alle meine Wünsche erfüllst, aber alle Deine Verheißungen, auch wenn es
anders kommt. Amen.
Lied 12: Gott
sei Dank durch alle Welt.
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