Evangelisches Sonntagsblatt
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 49)

Männleinlaufen beim Stall von Bethlehem

Langjähriger Diakon baut ungewöhnliche und überdimensionale Krippen

 
Foto: güs
 

Die zündende Idee kam Horst Sauber in München: Als der Diakon am Rathaus das Männleinlaufen sah, wusste er, wie er die Weihnachtskrippe gestalten wird: Auf einem großen Drehteller ziehen fünf Hirten und zwei Schafe an der heiligen Familie vorüber. Die Figuren kommen aus einem Haus, drehen sich Maria, Josef und dem Jesuskind zu und verschwinden wieder im Haus.

Über 200 Stunden investierte Sauber, um 1994 die ungewöhnliche Krippe für einen Messestand in Augsburg zu bauen. Mit Holzkleister, Pappmaschee, Draht und Stoff entstanden die etwa 35 Zentimeter großen Figuren. "Es war eine riesige Bastelarbeit", erinnert er sich. Die komplizierte Technik für die bewegte rund 1,5 Quadratmeter große Krippe entwickelte der Tüftler selbst. Dabei nutzte er unter an- derem Autowischermotor, Gestänge und Magnetschalter.

Lange Tradition

Im Laufe der Zeit merkte der Diakon, dass eine solche mechanische Krippe nichts Neues ist. Im Sudetenland gab es eine lange Tradition. Schon im 18. Jahrhundert wurden dort Darstellungen der Weihnachtsgeschichte gebaut, bei der sich Figuren bewegen - mit Hilfe einer Mechanik. Sauber ist davon überzeugt, dass solche Krippen heute wieder wichtig sind: "In einer Zeit, wo sich vieles bewegt oder ferngesteuert abläuft, braucht es für Kinder und Erwachsene entsprechende Angebote." Bei der ersten öffentlichen Darstellung auf der Messe in Augsburg jedenfalls kam das überdimensionale Objekt gut an. "Es war ein Magnet für die Besucher", freute sich Sauber.

Den 57-jährigen Diakon, der seit 1997 als selbstän-diger Messeberater arbeitet, reizt es, ungewöhnliche Krippen zu bauen. In seiner Werkstatt im mittelfränkischen Pommelsbrunn (Landkreis Nürnberger Land) entstand auch eine Darstellung zum Thema "Herbergssuche": Josef und seine hochschwangere Frau Maria suchen in Bethlehem ein Quartier. Josef läutet an der Türe der Herberge, deren Eingangstor sich langsam öffnet. Heraus spitzt der Wirt, der auf fränkisch sagt: "Ja, wos wolln' Sie hier. Bei uns ist nix mehr frei. Da müssens woanders schaun'!". Danach verschwindet der Wirt wieder und die Türe schließt sich.

Das Ganze funktioniert mit Sprachchip und Lautsprecher sowie verschiedenen Relais und Schaltungen. Diese Technik befindet sich auf der Oberseite der in einem Kasten untergebrachten Krippe. Sauber entwickelte das alles nicht auf einmal. "Ich musste viel experimentieren und ausprobieren beim Bau", lässt er erkennen. Deshalb entstehen seine Krippen nicht in einem Stück. Vielmehr gebe es immer wieder Pausen, um neu zu überlegen. Es brauche einige Monate, bis ein Werk fertig ist und funktioniert. Insgesamt fünf große Krippen hat Sauber in den letzten acht Jahren angefertigt. Gegen eine Gebühr verleiht er sie für Messen, Advents- und Weihnachtsmärkte oder andere Anlässe. Heuer sind seine Produkte bei einer großen Ausstellung in Chemnitz (Sachsen) zu sehen.

Die außergewöhnlichste Weihnachtsdarstellung des 57-Jährigen, bei dem auch Werke in Auftrag gegeben werden können, ist eine Bauchladenkrippe. In einem Bastelbuch vom Anfang des letzten Jahrhunderts entdeckte er eine Bauanleitung. "Es war damals üblich, mit einer solchen Krippe von Haus zu Haus zu gehen und die Weihnachtsgeschichte mit den beweglichen Figuren nachzuspielen", erzählt der Diakon. Er baute nicht nur die Krippe nach, sondern entwickelte sie auch weiter. So ist in dem Objekt ein Musikwerk eingebaut. Dreht Sauber an einer Kurbel, ertönt das Weihnachtslied "Kommet ihr Hirten".

Missionarisches Medium

Dem früheren Mitarbeiter der Stadtmission Nürnberg und der Campingseelsorge "Kirche unterwegs" macht es Spaß, ungewöhnliche Krippen zu bauen. "Ich kann dabei handwerkliche, organisatorische und geistliche Fähigkeiten einbringen", sagt er. Seine Arbeit als selbständiger Messeberater versteht er als "missionarischen Messedienst". Krippen stellten eine gute Möglichkeit dar, Menschen die frohe Botschaft von Jesus Christus nahezubringen. Mit Werken, die aus dem Rahmen fallen, komme er bei Messen und Ausstellungen immer wieder mit Menschen ins Gespräch - so die Erfahrung Saubers. Er rät deshalb, "Krippen als missionarisches Medium" zu verwenden.

Günter Saalfrank

 


 

Gottes väterliche und mütterliche Verantwortung

Gott, tröste uns wieder und lass leuchten dein Antlitz, so genesen wir. Herr, Gott Zebaoth, wie lange willst du zürnen, während dein Volk zu dir betet? Du speisest sie mit Tränenbrot und tränkest sie mit einem großen Krug voll Tränen. Gott Zebaoth, wende dich doch! Schaue vom Himmel und sieh darein, nimm dich dieses Weinstocks an! Schütze doch, was deine Rechte gepflanzt hat. So wollen wir nicht von dir weichen. Lass uns leben, so wollen wir deinen Namen anrufen. (Psalm 80, 4-6.15f.19)



 
Foto: wsp
 

Eltern haben eine Bringschuld! In der aktuellen Diskussion um die notwendigen Reformen im Schulwesen wird der Ruf nach mehr Engagement der Eltern laut. Eltern sollen sich frühzeitig um ihre Kinder kümmern, ihre Entwicklung bewusst verfolgen und ihnen in Liebe verlässliche Begleiter sein. Ein liebevolles, aufmerksames Gegenüber.

Immer wieder schieben Eltern die Verantwortung für ihre eigenen Sprösslinge an verschiedene Institutionen ab. Darüber klagen Erzieherinnen im frühpädagogischen Bereich, ebenso wie Lehrer und letztendlich auch Ausbilder und Chefs. So machte eine Erzieherin Eltern auf Schwächen ihres Kindes aufmerksam und wies sie daraufhin, dass ihr Sohn intensiv zuhause gefördert werden müsse. Die Antwort der Mutter machte sie sprachlos: "Wenn mein Mann und ich abends heimkommen sind wir zu müde. Das lernt er schon noch, wenn er in die Schule kommt! Und überhaupt: werde ich oder Sie dafür bezahlt, dass mein Kind auf die Schule vorbereitet wird?" "Manchmal bin ich wütend, manchmal tun mir diese Kinder auch nur Leid", resümiert die Kindergartenleiterin. "Die Eltern erkennen ihre Aufgabe nicht oder es fehlt ihnen einfach jegliches Interesse an ihrem Kind. Dabei hätten die Kinder nicht solche Probleme, wenn die Eltern sich für sie mit einsetzen würden." - Eltern haben Verantwortung für ihre Kinder.

Bei seiner Rolle als Vater behaftet auch der Psalmbeter Gott. Gott hat den Menschen als seinen Kindern das Leben geschenkt. Er hat uns gepflanzt. Wir sind seine Weinstöcke. Deshalb hat er "väterliche und mütterliche" Verantwortung uns gegen-über. Gott muss für uns sorgen, uns helfen und trösten. Er kann, er darf sich als unser himmlischer Vater, unsere himmlische Mutter nicht gänzlich von uns abwenden. "Jetzt kümmere dich doch endlich um uns! Siehst du nicht wie sehr wir leiden?", höre ich den Psalmbeter zu Gott rufen.

Gerade in der Adventszeit wird mir die Kluft zwischen dem Unheil in der Welt und der Sehnsucht nach Frieden in mir bewusst. Das Grübeln beginnt bei den Morgennachrichten und setzt sich fort bei Krankenbesuchen, Gesprächen mit Jugendlichen und Kindern und in der eigenen Familie. "Gott, kümmere dich doch endlich um uns! Siehst du nicht wie viele Menschen leiden?"

Am zweiten Advent denken wir besonders an den Tag, an dem Gott diese Welt erlösen wird. Noch leben wir in dieser Welt, wo Kinder vernachlässigt werden, Menschen leiden und einsam sind und Krieg herrscht.

"Herr, Gott Zebaoth, wie lange willst du zürnen, während dein Volk zu dir betet?" Anders als der Psalmbeter kann ich in all diesem Leiden nicht den Zorn Gottes erkennen. Ich glaube nicht, dass Menschen leiden, weil Gott zürnt. Die Frage "Warum Gott?" bleibt offen. Gott entzieht sich da allen Erklärungsversuchen. Dietrich Bonhoeffer schreibt dazu: "Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, dass Gott...auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet."

In der Welt, in der der Gegensatz zwischen Arm und Reich und der Fanatismus der Religionen Kriege entzünden und Menschenleben zerstören, warten wir auf den Erlöser, der schon naht. Und doch will ich mich mit dem Warten allein nicht begnügen. Wie der Psalmbeter möchte ich rufen: "Greif in unsere Welt ein, du mein Gott! Du kannst zum Guten wenden, was jetzt noch im Argen liegt. Denn es sind deine Kinder, die leiden."

Pfarrerin Christiane Murner
Thiersheim

Gebet: Lieber Gott, deine Menschen und die Erde leiden. Wir brauchen dich. Lass uns deine Kraft spüren. Wenn du sie uns gibst, werden wir wieder gesund. Lass du dein Angesicht über uns leuchten und entzünde damit ein Licht in unserer Dunkelheit. Und wir schöpfen wieder Hoffnung. Lieber Gott, schau doch auf uns. Und bewahre unser Leben! Amen.

Lied 615: Ich lobe meinen Gott.

Diese Woche - Archiv - Editorial - Geschichte - Redaktion - Abo-Service - Anzeigen - Evang. Reisedienst - Impressum
© 2002 ROTABENE! Medienhaus