Männleinlaufen beim Stall von Bethlehem
Langjähriger Diakon
baut ungewöhnliche und überdimensionale Krippen
 |
 |
| |
Foto: güs
|
| |
|
Die zündende Idee kam Horst Sauber
in München: Als der Diakon am Rathaus das Männleinlaufen sah, wusste er,
wie er die Weihnachtskrippe gestalten wird: Auf einem großen Drehteller
ziehen fünf Hirten und zwei Schafe an der heiligen Familie vorüber. Die
Figuren kommen aus einem Haus, drehen sich Maria, Josef und dem Jesuskind
zu und verschwinden wieder im Haus.
Über 200 Stunden investierte Sauber,
um 1994 die ungewöhnliche Krippe für einen Messestand in Augsburg zu bauen.
Mit Holzkleister, Pappmaschee, Draht und Stoff entstanden die etwa 35
Zentimeter großen Figuren. "Es war eine riesige Bastelarbeit", erinnert
er sich. Die komplizierte Technik für die bewegte rund 1,5 Quadratmeter
große Krippe entwickelte der Tüftler selbst. Dabei nutzte er unter an-
derem Autowischermotor, Gestänge und Magnetschalter.
Lange Tradition
Im Laufe der Zeit merkte der Diakon,
dass eine solche mechanische Krippe nichts Neues ist. Im Sudetenland gab
es eine lange Tradition. Schon im 18. Jahrhundert wurden dort Darstellungen
der Weihnachtsgeschichte gebaut, bei der sich Figuren bewegen - mit Hilfe
einer Mechanik. Sauber ist davon überzeugt, dass solche Krippen heute
wieder wichtig sind: "In einer Zeit, wo sich vieles bewegt oder ferngesteuert
abläuft, braucht es für Kinder und Erwachsene entsprechende Angebote."
Bei der ersten öffentlichen Darstellung auf der Messe in Augsburg jedenfalls
kam das überdimensionale Objekt gut an. "Es war ein Magnet für die Besucher",
freute sich Sauber.
Den 57-jährigen Diakon, der seit
1997 als selbstän-diger Messeberater arbeitet, reizt es, ungewöhnliche
Krippen zu bauen. In seiner Werkstatt im mittelfränkischen Pommelsbrunn
(Landkreis Nürnberger Land) entstand auch eine Darstellung zum Thema "Herbergssuche":
Josef und seine hochschwangere Frau Maria suchen in Bethlehem ein Quartier.
Josef läutet an der Türe der Herberge, deren Eingangstor sich langsam
öffnet. Heraus spitzt der Wirt, der auf fränkisch sagt: "Ja, wos wolln'
Sie hier. Bei uns ist nix mehr frei. Da müssens woanders schaun'!". Danach
verschwindet der Wirt wieder und die Türe schließt sich.
Das Ganze funktioniert mit Sprachchip
und Lautsprecher sowie verschiedenen Relais und Schaltungen. Diese Technik
befindet sich auf der Oberseite der in einem Kasten untergebrachten Krippe.
Sauber entwickelte das alles nicht auf einmal. "Ich musste viel experimentieren
und ausprobieren beim Bau", lässt er erkennen. Deshalb entstehen seine
Krippen nicht in einem Stück. Vielmehr gebe es immer wieder Pausen, um
neu zu überlegen. Es brauche einige Monate, bis ein Werk fertig ist und
funktioniert. Insgesamt fünf große Krippen hat Sauber in den letzten acht
Jahren angefertigt. Gegen eine Gebühr verleiht er sie für Messen, Advents-
und Weihnachtsmärkte oder andere Anlässe. Heuer sind seine Produkte bei
einer großen Ausstellung in Chemnitz (Sachsen) zu sehen.
Die außergewöhnlichste Weihnachtsdarstellung
des 57-Jährigen, bei dem auch Werke in Auftrag gegeben werden können,
ist eine Bauchladenkrippe. In einem Bastelbuch vom Anfang des letzten
Jahrhunderts entdeckte er eine Bauanleitung. "Es war damals üblich, mit
einer solchen Krippe von Haus zu Haus zu gehen und die Weihnachtsgeschichte
mit den beweglichen Figuren nachzuspielen", erzählt der Diakon. Er baute
nicht nur die Krippe nach, sondern entwickelte sie auch weiter. So ist
in dem Objekt ein Musikwerk eingebaut. Dreht Sauber an einer Kurbel, ertönt
das Weihnachtslied "Kommet ihr Hirten".
Missionarisches Medium
Dem früheren Mitarbeiter der Stadtmission
Nürnberg und der Campingseelsorge "Kirche unterwegs" macht es Spaß, ungewöhnliche
Krippen zu bauen. "Ich kann dabei handwerkliche, organisatorische und
geistliche Fähigkeiten einbringen", sagt er. Seine Arbeit als selbständiger
Messeberater versteht er als "missionarischen Messedienst". Krippen stellten
eine gute Möglichkeit dar, Menschen die frohe Botschaft von Jesus Christus
nahezubringen. Mit Werken, die aus dem Rahmen fallen, komme er bei Messen
und Ausstellungen immer wieder mit Menschen ins Gespräch - so die Erfahrung
Saubers. Er rät deshalb, "Krippen als missionarisches Medium" zu verwenden.
Günter Saalfrank
Gottes väterliche und mütterliche Verantwortung
Gott,
tröste uns wieder und lass leuchten dein Antlitz, so genesen wir. Herr,
Gott Zebaoth, wie lange willst du zürnen, während dein Volk zu dir betet?
Du speisest sie mit Tränenbrot und tränkest sie mit einem großen Krug
voll Tränen. Gott Zebaoth, wende dich doch! Schaue vom Himmel und sieh
darein, nimm dich dieses Weinstocks an! Schütze doch, was deine Rechte
gepflanzt hat. So wollen wir nicht von dir weichen. Lass uns leben, so
wollen wir deinen Namen anrufen. (Psalm 80, 4-6.15f.19)
 |
 |
| |
Foto: wsp
|
| |
|
Eltern haben eine
Bringschuld! In der aktuellen Diskussion um die notwendigen Reformen im
Schulwesen wird der Ruf nach mehr Engagement der Eltern laut. Eltern sollen
sich frühzeitig um ihre Kinder kümmern, ihre Entwicklung bewusst verfolgen
und ihnen in Liebe verlässliche Begleiter sein. Ein liebevolles, aufmerksames
Gegenüber.
Immer wieder schieben
Eltern die Verantwortung für ihre eigenen Sprösslinge an verschiedene
Institutionen ab. Darüber klagen Erzieherinnen im frühpädagogischen Bereich,
ebenso wie Lehrer und letztendlich auch Ausbilder und Chefs. So machte
eine Erzieherin Eltern auf Schwächen ihres Kindes aufmerksam und wies
sie daraufhin, dass ihr Sohn intensiv zuhause gefördert werden müsse.
Die Antwort der Mutter machte sie sprachlos: "Wenn mein Mann und ich abends
heimkommen sind wir zu müde. Das lernt er schon noch, wenn er in die Schule
kommt! Und überhaupt: werde ich oder Sie dafür bezahlt, dass mein Kind
auf die Schule vorbereitet wird?" "Manchmal bin ich wütend, manchmal tun
mir diese Kinder auch nur Leid", resümiert die Kindergartenleiterin. "Die
Eltern erkennen ihre Aufgabe nicht oder es fehlt ihnen einfach jegliches
Interesse an ihrem Kind. Dabei hätten die Kinder nicht solche Probleme,
wenn die Eltern sich für sie mit einsetzen würden." - Eltern haben Verantwortung
für ihre Kinder.
Bei seiner Rolle
als Vater behaftet auch der Psalmbeter Gott. Gott hat den Menschen als
seinen Kindern das Leben geschenkt. Er hat uns gepflanzt. Wir sind seine
Weinstöcke. Deshalb hat er "väterliche und mütterliche" Verantwortung
uns gegen-über. Gott muss für uns sorgen, uns helfen und trösten. Er kann,
er darf sich als unser himmlischer Vater, unsere himmlische Mutter nicht
gänzlich von uns abwenden. "Jetzt kümmere dich doch endlich um uns! Siehst
du nicht wie sehr wir leiden?", höre ich den Psalmbeter zu Gott rufen.
Gerade in der Adventszeit
wird mir die Kluft zwischen dem Unheil in der Welt und der Sehnsucht nach
Frieden in mir bewusst. Das Grübeln beginnt bei den Morgennachrichten
und setzt sich fort bei Krankenbesuchen, Gesprächen mit Jugendlichen und
Kindern und in der eigenen Familie. "Gott, kümmere dich doch endlich um
uns! Siehst du nicht wie viele Menschen leiden?"
Am zweiten Advent
denken wir besonders an den Tag, an dem Gott diese Welt erlösen wird.
Noch leben wir in dieser Welt, wo Kinder vernachlässigt werden, Menschen
leiden und einsam sind und Krieg herrscht.
"Herr, Gott Zebaoth,
wie lange willst du zürnen, während dein Volk zu dir betet?" Anders als
der Psalmbeter kann ich in all diesem Leiden nicht den Zorn Gottes erkennen.
Ich glaube nicht, dass Menschen leiden, weil Gott zürnt. Die Frage "Warum
Gott?" bleibt offen. Gott entzieht sich da allen Erklärungsversuchen.
Dietrich Bonhoeffer schreibt dazu: "Ich glaube, dass Gott aus allem, auch
aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. In solchem Glauben
müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, dass Gott...auf
aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet."
In der Welt, in der
der Gegensatz zwischen Arm und Reich und der Fanatismus der Religionen
Kriege entzünden und Menschenleben zerstören, warten wir auf den Erlöser,
der schon naht. Und doch will ich mich mit dem Warten allein nicht begnügen.
Wie der Psalmbeter möchte ich rufen: "Greif in unsere Welt ein, du mein
Gott! Du kannst zum Guten wenden, was jetzt noch im Argen liegt. Denn
es sind deine Kinder, die leiden."
Pfarrerin Christiane
Murner
Thiersheim
Gebet: Lieber
Gott, deine Menschen und die Erde leiden. Wir brauchen dich. Lass uns
deine Kraft spüren. Wenn du sie uns gibst, werden wir wieder gesund. Lass
du dein Angesicht über uns leuchten und entzünde damit ein Licht in unserer
Dunkelheit. Und wir schöpfen wieder Hoffnung. Lieber Gott, schau doch
auf uns. Und bewahre unser Leben! Amen.
Lied 615:
Ich lobe meinen Gott.
|