Abschied vom Besitzstandsdenken?
Landessynode in Kempten:
Plädoyer für Teilen und gute Haushalterschaft
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Foto: güs
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Schon in der Predigt im Eröffnungsgottesdienst
der Landessynode wurde die Richtung aufgezeigt. "Zeiten der finanziellen
Nöte können zu Lichtzeiten werden", erklärte der Vizepräsident des Kirchenparlamentes,
Heinrich Götz (Augsburg) in der Kemptener St.Mang-Kirche. Anstelle des
Haben-Wollens rücke das Geben in den Mittelpunkt. Es gehe nicht mehr um
Besitzstandswahrung oder Anspruchsdenken, sondern um ein Streben nach
Teilen und wertschätzender Wahrnehmung von Anderen. "Eine schlankere,
dafür aber beweglichere Kirche stünde uns gut an", mahnte Götz.
Auf Veränderungen wie rückläufige
Kirchensteuereinnahmen oder schwindende Mitgliederzahlen sollte die Kirche
- so die Präsidentin der Landessynode, Heidi Schülke (Coburg) - besonnen
reagieren. "Gott hat uns nicht den Geist des Zögerns und Feilschens und
Beharrens auf irgendwelche Besitzstände gegeben, sondern den Geist der
Kraft, Neues zu denken und wagen." Nach Ansicht der Präsidentin genüge
es bei der Landesstellenplanung nicht, mit Zahlen zu argumentieren. Denn
auf Seiten der Gemeinden entstehe oft der Eindruck, dass durch die vorgesehene
Umverteilung von theologischem Personal lebendige Organismen zerstört
werden. In der Diskussion über den Stellenplan müssten deshalb auch die
geistlichen Gesichtspunkte der Personalplanung vermittelt werden.
Gemeinsamer Strang
Schülke begrüßte es, dass sich
alle kirchenleitenden Organe auf gemeinsame Ziele verständigen und gemeinsam
an einem Strang ziehen wollen. Im Februar solle bei einer "Zukunftskonferenz"
über vordringliche Aufgaben gesprochen werden. So könne es gelingen, die
Kräfte zu konzentrieren.
In seinem Bericht vor dem Kirchenparlament
wandte sich Landesbischof Johannes Friedrich gegen den Eindruck , dass
sich die Kirche fast nur noch mit Fragen der Stellen- und Haushaltsplanung
befasst. Sie befinde sich auch nicht auf dem Rückzug. Vielmehr beschäftige
sie sich immer wieder mit Fragen des gelingenden Lebens und des Glaubens.
"Kirche und ihre Diakonie haben mit der Gewissheit der Liebe Gottes einen
unerschütterlichen Grund, der zur Hoffnung befähigt", betonte der Bischof.
In seinem mit viel Beifall bedachten
Bericht warb Friedrich dafür, die schwierigen Herausforderungen "in der
Kultur des Vertrauens und nicht des Misstrauens" anzugehen. Im Blick auf
die Finanzen gehe es um eine "Haushalterschaft nach dem Vorbild des Josef".
Der altestamentliche Mann nahm das in sieben fetten Jahren Angesparte,
um in sieben mageren Jahren Leben zu ermöglichen. Nach Ansicht des Bischofs
muss nicht nur der Haushalt 2003 ausgeglichen sein, sondern sich auch
die Etats ab 2006 "im grünen Bereich" befinden. Dabei seien Mindereinnahmen
durch die dritte Stufe der Steuerreform sowie durch weniger Kirchensteuerzahlende
zu berücksichtigen. Die Landeskirche habe auf diese Finanzentwicklung
zu reagieren, indem Schwerpunkte klarer benannt und umgesetzt würden.
"Alle Arbeitsfelder müssen auf ihre Notwendigkeit und Dringlichkeit hin
untersucht werden", stellte der Bischof klar, der ein Ende der "Kirchturmpolitik"
forderte.
Bei der Landesstellenplanung gehe
es nach den Worten des ersten Pfarrers in der Landeskirche um eine gerechtere
und bessere Verteilung des theologischen Personals. Anders als beim 1995
verabschiedeten Stellenkontingent gebe es nun auch einen Zeitplan für
die Umsetzung. Falls diese nicht erfolge, würden auch Sanktionen nicht
ausbleiben. Welche Möglichkeiten dabei ins Auge gefasst werden, erläuterte
die Personalreferentin der Landeskirche, Oberkirchenrätin Dorothea Greiner,
gegenüber Journalisten. So könnten frei werdende Pfarrstellen in einem
Dekanat nicht besetzt werden, falls das Stellenkontigent dort nicht erfüllt
würde. Zudem wäre es auch möglich, Pfarrerinnen oder Pfarrer gegen ihren
Willen zu versetzen. Gegenüber einem solch "schwerwiegenden Eingriff"
ziehe allerdings die Landeskirche unterstützende Maßnahmen für einen Wechsel
vor.
Einseitiges Pfarrerbild?
In seinem Bericht vor den 108 Mitgliedern
des Kirchenparlaments kritisierte der Bischof Äußerungen aus dem Pfarrerverein,
die ein einseitig negatives Bild von den Belastungen des Geistlichen Amtes
zeichneten: "Diese Darstellungen lassen das Pfarrersein in einem schlechten
Licht erscheinen." Die Rede von schlechten Berufschancen und Zukunftsperspektiven
trage mit dazu bei, mögliche Interessenten vom Theologiestudium abzuhalten.
Günter Saalfrank
Gottes Licht erhellt die Welt
Siehe,
dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. (Sacharja 9,9)
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Foto: güs
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"Die Seele ernährt
sich von dem, worüber sie sich freut". So schrieb der Kirchenvater Augustinus.
Wie der Körper, so braucht auch die Seele Nahrung. Diese erhält sie, wenn
sie einen Anlass hat, sich zu freuen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich
wirklich freuen können über die nun wieder beginnende Adventszeit. Auch
wenn diese Tage - wie üblich - nicht so viel Stille und Besinnung bringen
werden, wie es eigentlich gut wäre.
Freuen wir uns über
die vertrauten äußeren Zeichen: Kerzen, Tannengrün, die alten Lieder,
die Düfte aus dem Backofen. Freuen wir uns auch, dass es uns jetzt leichter
fällt, aufeinander zuzugehen oder auch einmal Gefühle zu zeigen, die wir
sonst meinen uns nicht leisten zu können: Gute Gedanken, ein Gespräch,
der Brief und die Überlegungen, einige passende Geschenke zum Christfest
zu finden.
Freuen wir uns auch
darüber, dass wir wieder die vertrauten Texte hören: Vom König, der in
Jerusalem einzieht und dem auch wir den Weg bereiten sollen. Vom Warten
und von der Geduld, weil unsere Erlösung naht. Von Maria und Elisabeth
und Johannes dem Täufer. Es ist aber auch von Buße und Gericht die Rede
und dass Himmel und Erde vergehen werden. Früheren Generationen dienten
die Wochen vor dem Christfest der Vorbereitung und Zurüstung. Eine durch
Stille und Fasten gekennzeichnete Zeit. Kein schlechter Brauch. Schließlich
gilt es auch, zu wachen und bereit zu sein für die Wiederkunft, den letzten
Advent unseres Herrn.
Als Jesus damals
auf einem Esel reitend in Jerusalem einzog, freuten sich die Menschen,
jubelten ihm zu und gingen ein Stück Wegs mit ihm. Auch die Könige der
alten Zeit, David und Salomo, benutzten dieses Reittier. Erfüllte sich
jetzt nicht eine Verheißung der Propheten? Ist Jesus nicht doch der Messias?
Seine Anhänger wünschten ihm eine politische Karriere. Keiner konnte ahnen,
wie die nächsten Tage dieses Königs aussehen werden.
Dass das Evangelium
vom Einzug Jesu in Jerusalem nicht nur am 1. Advent, sondern auch am Palmsonntag
im Gottesdienst gelesen wird, zeigt die Dramatik, die in diesem Bericht
steckt: Auf den Jubel folgt der Verrat, auf das "Hosianna" das "Kreuzige
ihn". Die Spannung zwischen Advent und Passion, zwischen Freude und Angst,
zwischen Gesundheit und Behinderung, zwischen Hoffnung und Verzweiflung
ist uns ja auch nicht fremd. Vielleicht ist das der Hauptgrund, weshalb
wir uns mit Adventsfreude schwer tun. Wir sehen viel zu viele Schatten,
die sich auf unsere Freude legen wollen. Auch
im Advent 2002 wird uns täglich die Passion von Frauen, Männern und Kindern
mit Worten und Bildern ins Haus geliefert: Die Nachrichten über Gewalt
und Krieg, verhungernde Menschen, nicht endende Flüchtlingsströme. Die
Folgen der Hochwasserfluten müssen bewältigt werden. Aber auch die Sorgen
um die eigene Familie, die Arbeit, die Gesundheit und manches andere,
von dem ich selbst nur weiß. Da bleibt nicht mehr viel Anlass zur Freude.
Ich kann es auch
anders sehen: Freude und Leid sind nicht sich ausschließende Gegensätze.
Singen wir doch gern: "In dir ist Freude, in allem Leide". Für Jesaja
weckt das Licht, das in die Finsternis scheint, Freude. Entsprechend wird
die Verkündigung Jesu selbst in notvoller Zeit zur Freudenbotschaft. Immer
wieder spricht er von der Hochzeitsfreude, der Freude an der Tischgemeinschaft,
der Freude über die Umkehr des Sünders, die auch bei Gott Widerhall findet.
Gott ist Urheber wahrer Freude, die auch durch Leiden nicht vertrieben
werden kann. Das hebräische Wort Hosianna, das die Menschen Jesus entgegen
rufen, ist zu einem Heilswort geworden: Hosianna dem Sohn Davids! Hosianna
in der Höhe! Wörtlich übersetzt heißt Hosianna aber "Hilf doch!" Also:
Dein König kommt zu dir. "Er hat´s in Händen, kann alles wenden, wie nur
heißen mag die Not."
Bundespräsident Johannes
Rau sagte vor einem Jahr bei unserer Synode in Erlangen: "Christen sollten
Gehilfen der Freude sein." Eine schöne Empfehlung für die Adventszeit,
für das ganze neue Kirchenjahr! Die Adventsfreude soll auch durch uns
geweckt werden, wenn für uns Freude sein soll. "Das ist gut für uns alle.
Denn die Seele ernährt sich von dem, worüber sie sich freut."
Helmut Millauer
Regionalbischof in Regensburg
Gebet: Herr
Jesu, du bist treu und kommst gewiss. Wer sich auf dich verlässt, wird
nicht enttäuscht. Stärke unsere Hoffnung und mehre unsere Freude und Erwartung
auf dein Kommen. Dein Geist mache uns gewiss: Nichts soll uns scheiden
von deiner Liebe.
Lied 6: Ihr
lieben Christen, freut euch.
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