Evangelisches Sonntagsblatt
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 48)

Abschied vom Besitzstandsdenken?

Landessynode in Kempten: Plädoyer für Teilen und gute Haushalterschaft

 
Foto: güs
 

Schon in der Predigt im Eröffnungsgottesdienst der Landessynode wurde die Richtung aufgezeigt. "Zeiten der finanziellen Nöte können zu Lichtzeiten werden", erklärte der Vizepräsident des Kirchenparlamentes, Heinrich Götz (Augsburg) in der Kemptener St.Mang-Kirche. Anstelle des Haben-Wollens rücke das Geben in den Mittelpunkt. Es gehe nicht mehr um Besitzstandswahrung oder Anspruchsdenken, sondern um ein Streben nach Teilen und wertschätzender Wahrnehmung von Anderen. "Eine schlankere, dafür aber beweglichere Kirche stünde uns gut an", mahnte Götz.

Auf Veränderungen wie rückläufige Kirchensteuereinnahmen oder schwindende Mitgliederzahlen sollte die Kirche - so die Präsidentin der Landessynode, Heidi Schülke (Coburg) - besonnen reagieren. "Gott hat uns nicht den Geist des Zögerns und Feilschens und Beharrens auf irgendwelche Besitzstände gegeben, sondern den Geist der Kraft, Neues zu denken und wagen." Nach Ansicht der Präsidentin genüge es bei der Landesstellenplanung nicht, mit Zahlen zu argumentieren. Denn auf Seiten der Gemeinden entstehe oft der Eindruck, dass durch die vorgesehene Umverteilung von theologischem Personal lebendige Organismen zerstört werden. In der Diskussion über den Stellenplan müssten deshalb auch die geistlichen Gesichtspunkte der Personalplanung vermittelt werden.

Gemeinsamer Strang

Schülke begrüßte es, dass sich alle kirchenleitenden Organe auf gemeinsame Ziele verständigen und gemeinsam an einem Strang ziehen wollen. Im Februar solle bei einer "Zukunftskonferenz" über vordringliche Aufgaben gesprochen werden. So könne es gelingen, die Kräfte zu konzentrieren.

In seinem Bericht vor dem Kirchenparlament wandte sich Landesbischof Johannes Friedrich gegen den Eindruck , dass sich die Kirche fast nur noch mit Fragen der Stellen- und Haushaltsplanung befasst. Sie befinde sich auch nicht auf dem Rückzug. Vielmehr beschäftige sie sich immer wieder mit Fragen des gelingenden Lebens und des Glaubens. "Kirche und ihre Diakonie haben mit der Gewissheit der Liebe Gottes einen unerschütterlichen Grund, der zur Hoffnung befähigt", betonte der Bischof.

In seinem mit viel Beifall bedachten Bericht warb Friedrich dafür, die schwierigen Herausforderungen "in der Kultur des Vertrauens und nicht des Misstrauens" anzugehen. Im Blick auf die Finanzen gehe es um eine "Haushalterschaft nach dem Vorbild des Josef". Der altestamentliche Mann nahm das in sieben fetten Jahren Angesparte, um in sieben mageren Jahren Leben zu ermöglichen. Nach Ansicht des Bischofs muss nicht nur der Haushalt 2003 ausgeglichen sein, sondern sich auch die Etats ab 2006 "im grünen Bereich" befinden. Dabei seien Mindereinnahmen durch die dritte Stufe der Steuerreform sowie durch weniger Kirchensteuerzahlende zu berücksichtigen. Die Landeskirche habe auf diese Finanzentwicklung zu reagieren, indem Schwerpunkte klarer benannt und umgesetzt würden. "Alle Arbeitsfelder müssen auf ihre Notwendigkeit und Dringlichkeit hin untersucht werden", stellte der Bischof klar, der ein Ende der "Kirchturmpolitik" forderte.

Bei der Landesstellenplanung gehe es nach den Worten des ersten Pfarrers in der Landeskirche um eine gerechtere und bessere Verteilung des theologischen Personals. Anders als beim 1995 verabschiedeten Stellenkontingent gebe es nun auch einen Zeitplan für die Umsetzung. Falls diese nicht erfolge, würden auch Sanktionen nicht ausbleiben. Welche Möglichkeiten dabei ins Auge gefasst werden, erläuterte die Personalreferentin der Landeskirche, Oberkirchenrätin Dorothea Greiner, gegenüber Journalisten. So könnten frei werdende Pfarrstellen in einem Dekanat nicht besetzt werden, falls das Stellenkontigent dort nicht erfüllt würde. Zudem wäre es auch möglich, Pfarrerinnen oder Pfarrer gegen ihren Willen zu versetzen. Gegenüber einem solch "schwerwiegenden Eingriff" ziehe allerdings die Landeskirche unterstützende Maßnahmen für einen Wechsel vor.

Einseitiges Pfarrerbild?

In seinem Bericht vor den 108 Mitgliedern des Kirchenparlaments kritisierte der Bischof Äußerungen aus dem Pfarrerverein, die ein einseitig negatives Bild von den Belastungen des Geistlichen Amtes zeichneten: "Diese Darstellungen lassen das Pfarrersein in einem schlechten Licht erscheinen." Die Rede von schlechten Berufschancen und Zukunftsperspektiven trage mit dazu bei, mögliche Interessenten vom Theologiestudium abzuhalten.

Günter Saalfrank

 


 

Gottes Licht erhellt die Welt

Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. (Sacharja 9,9)



 
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"Die Seele ernährt sich von dem, worüber sie sich freut". So schrieb der Kirchenvater Augustinus. Wie der Körper, so braucht auch die Seele Nahrung. Diese erhält sie, wenn sie einen Anlass hat, sich zu freuen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich wirklich freuen können über die nun wieder beginnende Adventszeit. Auch wenn diese Tage - wie üblich - nicht so viel Stille und Besinnung bringen werden, wie es eigentlich gut wäre.

Freuen wir uns über die vertrauten äußeren Zeichen: Kerzen, Tannengrün, die alten Lieder, die Düfte aus dem Backofen. Freuen wir uns auch, dass es uns jetzt leichter fällt, aufeinander zuzugehen oder auch einmal Gefühle zu zeigen, die wir sonst meinen uns nicht leisten zu können: Gute Gedanken, ein Gespräch, der Brief und die Überlegungen, einige passende Geschenke zum Christfest zu finden.

Freuen wir uns auch darüber, dass wir wieder die vertrauten Texte hören: Vom König, der in Jerusalem einzieht und dem auch wir den Weg bereiten sollen. Vom Warten und von der Geduld, weil unsere Erlösung naht. Von Maria und Elisabeth und Johannes dem Täufer. Es ist aber auch von Buße und Gericht die Rede und dass Himmel und Erde vergehen werden. Früheren Generationen dienten die Wochen vor dem Christfest der Vorbereitung und Zurüstung. Eine durch Stille und Fasten gekennzeichnete Zeit. Kein schlechter Brauch. Schließlich gilt es auch, zu wachen und bereit zu sein für die Wiederkunft, den letzten Advent unseres Herrn.

Als Jesus damals auf einem Esel reitend in Jerusalem einzog, freuten sich die Menschen, jubelten ihm zu und gingen ein Stück Wegs mit ihm. Auch die Könige der alten Zeit, David und Salomo, benutzten dieses Reittier. Erfüllte sich jetzt nicht eine Verheißung der Propheten? Ist Jesus nicht doch der Messias? Seine Anhänger wünschten ihm eine politische Karriere. Keiner konnte ahnen, wie die nächsten Tage dieses Königs aussehen werden.

Dass das Evangelium vom Einzug Jesu in Jerusalem nicht nur am 1. Advent, sondern auch am Palmsonntag im Gottesdienst gelesen wird, zeigt die Dramatik, die in diesem Bericht steckt: Auf den Jubel folgt der Verrat, auf das "Hosianna" das "Kreuzige ihn". Die Spannung zwischen Advent und Passion, zwischen Freude und Angst, zwischen Gesundheit und Behinderung, zwischen Hoffnung und Verzweiflung ist uns ja auch nicht fremd. Vielleicht ist das der Hauptgrund, weshalb wir uns mit Adventsfreude schwer tun. Wir sehen viel zu viele Schatten, die sich auf unsere Freude legen wollen. Auch im Advent 2002 wird uns täglich die Passion von Frauen, Männern und Kindern mit Worten und Bildern ins Haus geliefert: Die Nachrichten über Gewalt und Krieg, verhungernde Menschen, nicht endende Flüchtlingsströme. Die Folgen der Hochwasserfluten müssen bewältigt werden. Aber auch die Sorgen um die eigene Familie, die Arbeit, die Gesundheit und manches andere, von dem ich selbst nur weiß. Da bleibt nicht mehr viel Anlass zur Freude.

Ich kann es auch anders sehen: Freude und Leid sind nicht sich ausschließende Gegensätze. Singen wir doch gern: "In dir ist Freude, in allem Leide". Für Jesaja weckt das Licht, das in die Finsternis scheint, Freude. Entsprechend wird die Verkündigung Jesu selbst in notvoller Zeit zur Freudenbotschaft. Immer wieder spricht er von der Hochzeitsfreude, der Freude an der Tischgemeinschaft, der Freude über die Umkehr des Sünders, die auch bei Gott Widerhall findet. Gott ist Urheber wahrer Freude, die auch durch Leiden nicht vertrieben werden kann. Das hebräische Wort Hosianna, das die Menschen Jesus entgegen rufen, ist zu einem Heilswort geworden: Hosianna dem Sohn Davids! Hosianna in der Höhe! Wörtlich übersetzt heißt Hosianna aber "Hilf doch!" Also: Dein König kommt zu dir. "Er hat´s in Händen, kann alles wenden, wie nur heißen mag die Not."

Bundespräsident Johannes Rau sagte vor einem Jahr bei unserer Synode in Erlangen: "Christen sollten Gehilfen der Freude sein." Eine schöne Empfehlung für die Adventszeit, für das ganze neue Kirchenjahr! Die Adventsfreude soll auch durch uns geweckt werden, wenn für uns Freude sein soll. "Das ist gut für uns alle. Denn die Seele ernährt sich von dem, worüber sie sich freut."

Helmut Millauer
Regionalbischof in Regensburg

Gebet: Herr Jesu, du bist treu und kommst gewiss. Wer sich auf dich verlässt, wird nicht enttäuscht. Stärke unsere Hoffnung und mehre unsere Freude und Erwartung auf dein Kommen. Dein Geist mache uns gewiss: Nichts soll uns scheiden von deiner Liebe.

Lied 6: Ihr lieben Christen, freut euch.

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