Evangelisches Sonntagsblatt
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 46)

Eine Ruhestätte für Vierbeiner

Knapp 50 Tierfriedhöfe in Deutschland

 
Foto: Kusch
 
Die beiden Tennisbälle auf den Kieselsteinen erinnern daran, dass Paraisa früher ein verspielter Kerl war. Mittlerweile hat sich das leuchtende Gelb der Bälle in ein vergilbtes Grau verwandelt. Herbstlaub liegt auf dem kleinen Grab des Hundes - auch auf der Tafel, die mit ihrer Inschrift Vergangenes unauslöschlich festhalten will: "Tod: Vielleicht einfach nur ein anderes Wort für eine unauslöschliche Erinnerung." Ein Satz des Trostes. Er ist auf einer der rund 1500 "letzten Ruhestätten" am Tierfriedhof in Nürnberg zu lesen.

Bestattung im Garten möglich

Das Tier ist für Viele immer noch der liebste Freunde des Menschen. Doch was passiert, wenn der kleine Kamerad stirbt? Wer seinen toten Vierbeiner im Wald, am Wegesrand oder auf öffentlichem Grund bestattet, macht sich strafbar. Einen eigenen Garten, in dem man das Tier (bis zur Größe einer Dogge) begraben darf, besitzen jedoch nur wenige Halter. Wer nicht will, dass sein Liebling in der Tierkörperbeseitigungsanlage landet und dort zu Seife oder Tiermehl verarbeitet wird, dem bleibt nur eines: Der letzte Gang auf einen der knapp 50 deutschen Tierfriedhöfe, die dem trauernden Herrchen oder Frauchen einen Ort der Stille und des Gedenkens bieten. Hinzu kommen rund 20 Tierkrematorien und Einäscherungsfirmen, die in der Bundesrepublik ansässig sind.

Die Tierbestattung ist nicht so neu wie oft geglaubt wird. In vielen alten Kulturkreisen wurden geliebte Haustiere zusammen mit ihren Herrchen beigesetzt. Selbst die alten Ägypter haben vornehmlich Katzen mumifiziert und in das Grab ihrer berühmten Besitzer gebracht. In Frankreich und Holland ist es heute ganz normal, dass das Haustier bestattet oder kremiert wird. "Wir wollen, dass Tiere eine vernünftige Ruhestätte bekommen" betont auch Klaus Erhardt, Tierpfleger im Tierheim Lichtenfels. Der 32-Jährige betreut die Gräber des dazugehörigen Tierfriedhofs, der 1990 "ins Leben" gerufen wurde. Eines aber lehnt Klaus Erhardt ab: "Dass die Bestattung zu sehr einen menschlichen Charakter erhält." Freie Redner, die den toten Tieren noch einmal ein wortreiches Denkmal setzen, gebe es deshalb nicht. Gegen Angehörige, die ein paar persönliche Sätze am Grab sprechen, habe jedoch niemand etwas einzuwenden. Der Ablauf einer Bestattung geht ganz nüchtern über die Bühne. Das Tier wird in einen etwas festeren Karton oder in eine Decke gelegt. Die Trauernden sind meist dabei, wenn ihr "Liebling" anschließend in das bereits ausgehobene Grab gelegt und Erde darauf geschüttet wird. Die Betreiber des Friedhofes lassen die "Angehörigen" dann alleine, um sie in ihrer Trauer nicht zu stören.

Die Preise für eine Bestattungsfeier fangen bereits bei 160 Euro für einen mittelgroßen Hund an. Im Preis inbegriffen sind die dreijährige Laufzeit des Grabes, die Tafel mit dem Namen und dem Todesdatum des Tieres sowie das Ausheben und Zuschütten der Grabstätte. In Nürnberg muss der Tierliebhaber schon etwas tiefer in die Tasche greifen. Hier fallen bei dem gleichen Tier, für eine Grabmiete von fünf Jahren und der Einrichtung des Grabes, rund 565 Euro an. Für jeden Buchstaben, der zusätzlich zu den Grunddaten auf der Sterbetafel verewigt wird, sind noch einmal ein paar Euro zu bezahlen. Wer ein Kreuz wünscht, stößt bei Irmgard Schindler auf Widerstand. "So etwas gibt es nicht", sagt die Angestellte des Tierfriedhofs Nürnberg, "sonst bekommen wir Schwierigkeiten mit der Kirche".

Teure letzte Ehre erweisen

Überhaupt lehnt sie übermäßigen Pomp ab: "Es gibt zu viele negative Stimmen in der Bevölkerung", erklärt sie. Manch einer sagt dann: "Auf der einen Seite sterben unzählige Menschen in Indien an Hunger. Auf der anderen Seite hauen wir das Geld zum Fenster heraus, um unseren Vierbeinern eine möglichst teure letzte Ehre zu erweisen."

Ein Psychologe aus München, der namentlich nicht genannt werden will, sieht die zunehmende Nachfrage nach Tierbestattungen aus einem kritischen Blickwinkel. Früher sei der Umgang mit den Tieren noch normal gewesen. Die Leute auf dem Land hätten mit ihnen zusammengelebt, ohne sie zu "vergöttern". Heutzutage herrsche unter den Menschen oft eine große Einsamkeit. Nicht nur Ältere, deren Lebenspartner gestorben sei, sähen in ihren Hunden oder Katzen eine Art Partnerersatz. "Darüber hinaus greifen immer mehr Singles lieber zum Haustier, weil es treuherzig zur Seite steht und nicht widerspricht", berichtet der Seelen-Spezialist.

Friedhöfe im Internet

Vielleicht ist diese Einsamkeit auch der Grund dafür, dass virtuelle Friedhöfe im Internet der große Renner sind. Wer sich zum Beispiel unter "www.virtuellerFriedhof.de" um-sieht, findet Tiere von A bis Z. Die Palette reicht vom Chinchilla Amy über die Ratte Horst bis zur Brieftaube Zo-ra. Unter dem Grabstein des Federtieres steht noch ein Spruch: "Liebe Zora. Du wirst nun im Taubenhimmel deine Flüge geniessen. Wir vergessen dich nie." Eintrag, Auswahl des Grabsteines und das Kondolenzbuch sind übrigens kostenlos. Nur um eine Spende wird gebeten.

Die 26-jährige Claudia Schiffer aus Schnaittach bei Nürnberg hält wenig von dieser virtuellen Trauer: "Das ist mir zu unpersönlich!" Als ihr Rauhhaardackel Sissy mit 15 Jahren im Mai starb, entschied sie sich zur Einäscherung. Die Urne, in beigefarbenem Terracotta, steht seitdem im Regal neben ihrem Fernseher. "Ich wollte nicht, dass Sissy von den Würmern zerfressen wird", begründet sie ihre Entscheidung. Wenn man 15 Jahre gemeinsam mit einem Tier gelebt habe, verbinde das eben, sagt Claudia Schiffer. "Das ist wie bei einem Kind, das man aufwachsen sieht und lieb gewonnen hat."

Günter Kusch

 


Das Leben ist nur eine Hütte auf Erden

Denn wir wissen: wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel. Denn darum seufzen wir auch und sehnen uns danach, dass wir mit unserer Behausung, die vom Himmel ist, überkleidet werden, weil wir dann bekleidet und nicht nackt befunden werden. Denn solange wir in dieser Hütte sind, seufzen wir und sind beschwert, weil wir lieber nicht entkleidet, sondern überkleidet werden wollen, damit das Sterbliche verschlungen werde von dem Leben. Der uns aber dazu bereitet hat, das ist Gott, der uns als Unterpfand den Geist gegeben hat. So sind wir denn allezeit getrost und wissen: solange wir im Leibe wohnen, weilen wir fern von dem Herrn; denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen. (2. Korinther 5,1-7)



 
Foto: privat
 
Bei unserer diesjährigen Gemeindefreizeit im Salzburger Land habe ich zum ersten Mal in einer Hütte übernachtet. Eine einfache Holzhütte, nur mit Stroh ausgelegt, war für mich zusammen mit neun Kinder und einem Hund das Nachtlager.

Ein Hauch von Abenteuer war zu spüren. In unseren Schlafsäcken lagen wir nebeneinander im duftenden Stroh. Hin und wieder leuchtete eine Taschenlampe auf. Dann kehrte Ruhe ein. Der Wind schlich durch die Ritzen zwischen den Holzbrettern. Vorbeifahrende Autos warfen von Zeit zu Zeit einen hellen Schein in die Hütte. Einige Male ließ ein Geräusch von draußen nicht nur den Hund unruhig den Kopf heben. Die ersten Sonnenstrahlen und Vogelzwitschern weckten uns schon sehr früh. Erleichtert waren wir, dass uns in dieser Nacht kein Unwetter überrascht hat. So schnell werden wir diese Nacht in der windigen Hütte nicht vergessen. Doch schon beim Frühstück freuten wir uns, in der kommenden Nacht wieder in einem kuscheligen Bett im sicheren Haus zu liegen.

Von einer Hütte redet auch der Apostel Paulus. Uns Menschen hat er dabei im Blick. Er vergleicht unseren Leib von Kopf bis Fuß, mit Haut und Haaren mit einer Hütte. Wir leben in einer Hütte. Da sind freilich auch die besonderen Reize, die unser Leben reich, schön und lustvoll machen. Und genauso sind da die besonderen Gefährdungen, die wir am liebsten ausblenden oder nicht wahrhaben wollen. Unser Leben - wie eine Hütte, windig und hemdsärmlig. Wir sind unvollkommen, anfällig, irgendwann hinfällig. Und es wird der Tag kommen, dass diese Hütte abgebrochen wird. Was dann? Zu Staub oder zu Asch werden wir. Aber das ist nicht alles. Unser Leben wird umgebaut. Sterben als Generalsanierung. Aus der windigen Hütte von einst wird ein stabiles Haus. Kein anderer als Gott ist der Bauherr. Er selbst baut ein Haus, für alle Zeit, sogar für die Ewigkeit. Das Sterbliche wird vom Leben verschlungen.

Welch ein Ausblick mitten im tristen November: Wenn unser Herz hier auf Erden aufgehört hat zu schlagen, dann sind wir bei Gott angekommen. Ein wärmender Sonnenstrahl bahnt sich seinen Weg durch trübe Herbstwolken: Wir alle sind vergänglich, aber wir enden nicht im Sarg und auch nicht im Grab. Durch das Sterben gehen wir hinein in neues Leben, das Gott uns bereitet. "Das Sterbliche wird von dem Leben verschlungen!" Welch ein Klang! Welch eine Melodie!

Zu oft hören und erleben wir das andere: Das Lebendige wird vom Sterben verschlungen. Menschen, die gern noch länger leben wollten, noch so viel Leben vor sich hatten, in sich trugen und gern mit anderen geteilt hätten, müssen sterben. In allem Schmerz, in aller Bitterkeit und Ohnmacht kann uns zum Trost werden, dass ihr abgebrochenes Leben im Morgenglanz der Ewigkeit hell und unversehrt leuchtet, dass aus ihrer Hütte auf Erden eine Bleibe für die Ewigkeit geworden ist.

Und wir, die wir leben, und womöglich sogar gern leben? Vielleicht geht es uns wie dem Bauern, dem folgendes Gebet in den Mund gelegt wurde: "Gott, ich bin bereit für meine letzte Stunde; aber du weißt es: mir pressiert´s nicht! Amen."

Pfarrer Klaus Stiegler, Forchheim

Gebet: Herr, das Tal Trauer verwandelst du in einen Hügel der Hoffnung, wo das Gras welkt, lässt du Zuversicht grünen, wo alles aus und vorbei scheint, schenkst du Leben. Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, damit wir leben. Lass uns hoffen, dass du da bist, damit wir glauben. Amen.

Lied 529: Ich bin ein Gast auf Erden

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