Evangelisches Sonntagsblatt
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 40)

Für ein tägliches Erntedankfest sorgen

Rummelsberg: In der Großküche werden mittags bis zu 1.500 Essen produziert

 
Am Fließband der Großküche stellen mittags 13 Mitarbeiter im Drei-Sekunden-Takt die Essensportionen zusammen.
 
 

Manche Hausfrau wäre bei diesen Mengen wohl überfordert. 125 Kilogramm Nudeln, 220 Kilogramm Fleisch, 280 Kilogramm Kartoffeln, 300 Liter Milch, 210 Liter Kaffee, 500 Liter Tee und noch vieles mehr wird in der Großküche der Rummelsberger Anstalten täglich verarbeitet. Rund 60 Mitarbeiter arbeiten hier in 16 Schichten. Dabei kocht das Team mittlerweile für 15 Einrichtungen sowie 87 Stationen und Gruppen. Zwei Krankenhäuser, Behinderten- und Jugendeinrichtungen sowie Gästehäuser gehören genauso dazu wie zwei Schulen der Diakonenkrankenpflegehilfe und Altenpflegehilfe. Darüber hinaus wird ein mobiler Mahlzeitendienst ("Essen auf Rädern") versorgt, und ein Partyservice kommt bei Einweihungsfeiern oder Jubiläen zum Einsatz. Allein für das Mittagessen sind in der Großküche Tag für Tag 1.300 bis 1.500 Portionen vorzubereiten.

Ohne Computer läuft nichts

Ohne Computer läuft da gar nichts, sagt Küchenleiter Reimund Marquard. Der gelernte Koch arbeitet nun schon 26 Jahre in Rummelsberg, seit 1986 ist er für die Küchenleitung zuständig. In dieser Zeit hat sich hinsichtlich der Essensversorgung eine Menge verändert. "Früher hatten wir im Krankenhaus-Bereich ein einziges Essen im Angebot", erzählt der 47-Jährige. Inzwischen könnten die Patienten zwischen drei Mahlzeiten wählen. So stehen mittags beispielsweise Paprikarahmschnitzel, Hähnchenbrustfilet und gebackener Feta-Käse auf dem Speiseplan. Hinzu kommen bis zu 30 verschiedene Diätkostformen sowie Gerichte für Diabetiker oder Allergiker. Marquard spricht von einem "hotelartigen Charakter", mit dem seine "Kunden" verwöhnt würden. Zudem habe sich die Einstellung zum Essen verändert. "Die Leute achten mehr auf Qualität und Frische. Einige suchen sich sogar das Krankenhaus nach dem Speiseangebot aus", erklärt er.

Hohe Ansprüche

 
Das Gemüse, das früh am Morgen frisch geliefert wurde, wird geputzt und geschnipselt. Gruppenleiterin Annemarie Weber (links) kauft auch privat regionale Produkte. (Fotos: Kusch)
 
 

Den hohen Ansprüchen wird man in Rummelsberg gerecht, indem überwiegend bei Herstellern im Umland eingekauft wird, zum Beispiel bei Gemüselieferanten aus dem Knoblauchsland bei Nürnberg. Das hat einen Vorteil: "Sobald wir schlechte Qualität feststellen, können wir das dem Hersteller, der die Produkte am Morgen liefert, direkt sagen", unterstreicht Marquard. Einmal im Jahr würden die Lieferanten vor Ort besucht, um die Nahrungsmittel genau unter die Lupe zu nehmen. "Wer sich von der Hygiene und der Qualität ein Bild machen will, muss hinter die Kulissen schauen", sagt der Küchenleiter. Natürlich würden bei der Aufstellung des Speiseplans die Wünsche der Kunden berücksichtigt. Und auch da habe sich in den vergangenen Jahren viel getan. Nicht nur wegen der BSE-Krise, die im November 2000 den Rindfleischverbrauch der Großküche um 50 Prozent zurückgehen ließ. Der Trend geht mittlerweile hin zum vegetarischen Menue, rund 100 Portionen davon werden täglich in der Groß-küche zubereitet. Und im Kinderhaus in Altdorf gehören Nudelgerichte, Hähnchen und Gyros zu den beliebtesten Speisen.

Nur noch Ware?

Bei der Masse an Schnitzeln, Kartoffeln, Nudeln oder Karotten stellt sich natürlich die Frage nach der Einstellung der Mitarbeiter zu den Nahrungsmitteln. Sehen die fleißigen Küchenhelfer nur noch die Ware, die zu verarbeiten ist? Oder wächst durch den täglichen Umgang mit den Speisen sogar eine Art Wertschätzung für das, was die Natur den Menschen schenkt? Können die Mitarbeiter mit dem Erntedankfest, das am 6. Oktober in den Kirchen gefeiert wird, noch etwas anfangen oder sind die "Produkte der Erde" bloßes Material, mit dem sie ihr tägliches Auskommen verdienen? Annemarie Weber, Gruppenleiterin in der Speisenzubereitung, erklärt dazu: "Ich komme aus Rumänien, da hatten wir nie eine so große Auswahl an frischem Gemüse." Währenddessen schält und zerkleinert sie mit Eifer unzählige Karotten um sie für einen Rohkostsalat zu verwenden.

Nahrung: "Geschenk Gottes"

"Jede Nahrung ist für mich ein Geschenk Gottes, das man achten muss", verdeutlicht die 42-Jährige. In den 13 Jahren, in denen sie in der Rummelsberger Großküche arbeitet, hat sich auch ihr privater Umgang mit Nahrungsmitteln verändert: "Bei uns zu Hause kommt nur noch frisches Gemüse und Obst auf den Tisch, das ich beim Bauern gekauft habe." Zdenka Schönecker, die in der so genannten "Kalten Küche" tätig ist - hier werden das Frühstück und Abendessen zubereitet - sieht das noch einmal von einem anderen Standpunkt aus: "Ich denke bei meiner Arbeit vor allem an die Patienten", sagt die 54-Jährige. Es sei doch klar, dass sich kranke Menschen über eine liebevoll zubereitete Mahlzeit freuen würden. "Und Freude ist der erste Weg zur Heilung", fügt sie hinzu. Zdenka Schönecker muss es wissen. Sie ist mit 31 Berufsjahren in der Großküche diejenige, die schon am längsten den Patienten quasi ein "tägliches Erntedankfest" beschert.

Günter Kusch

 


 

Nun preiset alle
Gottes Barmherzigkeit

Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit!
Lob ihn mit Schalle,
werteste Christenheit!
Er lässt dich freundlich zu sich laden;
freue dich, Israel, seiner Gnaden,
freue dich, Israel, seiner Gnaden!

Er gibet Speise reichlich und überall,
nach Vaters Weise sättigt er allzumal;
er schaffet frühn und späten Regen,
füllet uns alle mit seinem Segen,
füllet uns alle mit seinem Segen.

Matthäus Apelles von Löwenstern

   

 

Wort und Tat gehören zusammen

Durch Jesus wollen wir Gott in jeder Lebenslage Dankopfer bringen; das heißt: wir wollen uns mit unserem Beten und Singen zu ihm bekennen. Vergesst nicht, Gutes zu tun und euch gegenseitig zu helfen. Das sind die Opfer, die Gott Freude machen. (Hebräer 13, 15f)



 
Entsetzen steht der alten Dame, die in Dresden evakuiert wurde, ins Gesicht geschrieben. Doch die Katastrophe hat auch eine Welle der Solidarität losgetreten. Die Hilfe machte den Flutopfern Mut. In Grimma war bald nach dem Rückgang des Wassers an einem Haus zu lesen: "Dank allen Helfern - wir bauen auf!" (Foto: epd/dpa)
 

Die Flutwelle in Mittel- und Osteuropa hat deutlich gemacht: mehr Menschen als vermutet, sind bereit zu teilen. Auf die Flutwelle folgte die Solidaritätswelle. Zeichen dafür sind nicht nur viele Millionen gespendete Euros und zupackende Bürgerinnen und Bürger aus allen Teilen des Landes. Sondern auch der mitleidvolle Blick über die Grenzen zu Menschen, die ebenso hart von den Naturkatastrophen oder Unglücken getroffen wurden.

So sehr die Bilder der Wassermassen aus Wittenberg oder Dresden, Grimma oder Hitzacker, aus Tschechien oder Südfrankreich erschrecken, so sehr bauen die Bilder der rettenden und helfenden Hände wieder auf.

Es bleibt ein großer Schrecken über die Naturgewalten, die mächtiger sind als unsere Mauern und Deiche. Katastrophen dieser Art führen uns zur Erkenntnis unserer selbst. Bei dem Wahn des Menschen, alles machen und gestalten zu können, helfen solche Ereignisse wie in diesem Sommer zur realistischen Einschätzung der eigenen Möglichkeiten. Die Frage "wer bin ich?" erhält eine Antwort.

Das hat auch Auswirkungen auf unser Gottesverhältnis: der Schreiber des Hebräerbriefes regt zum Bekenntnis an. Das dient allerdings nicht den göttlichen Personen im Sinne einer Solidaritätserklärung, auf die sie angewiesen wären. Ihre Größe und Herrlichkeit ist unabhängig von unseren Aussagen. Sie sind lebendig und wirksam. Sie brauchen uns dazu nicht.

Dass Gott trotzdem nach unserem Bekenntnis fragt, ehrt uns. Wir sind seine Ansprechpartner, mit denen er umgeht, die auch über seine Worte und Handlungen nachdenken. Diese Fähigkeit zur Reflexion ist uns vorbehalten. Wir sollen danach fragen: "Wer bist du, Gott?"

Am Erntedankfest formulieren wir für uns eine Antwort: Auf den Feldern und in den Gärten wächst und gedeiht Leben, weil Gott es so gewollt hat. Dass unter unseren Händen auch viele andere Arbeit Frucht bringt und Lebensunterhalt, ist sein Wille. Dass wir geliebt werden und lieben können, hat er so eingerichtet. Auch unsere Grenzen sind von ihm. Dass die Schöpfung sich zudem gegen Überstrapazierung wehren muss, hat er als Kraft und Würde in ihr angelegt.

Bei wem solche Gotteserkenntnis heranreift, bei dem sollen Worte und Taten zusammenfinden. Loben und Danken mit fröhlichen Liedern ist eins. Sie erfreuen die eigene Seele, bringen Schwung und Freude ins Miteinander - gerade auch im Gottesdienst.

Daneben treten die Taten der Dankbarkeit. Auch sie entspringen dem Herzen. Die Kollektenerträge am Erntedankfest sind Jahr für Jahr sehr hoch. Denn viele Christen wissen, dass der Segen größer wird, wenn man von dem, was man bekommen hat, austeilt.

Christoph Drescher, Studienleiter an der Heimvolkshochschule Hesselberg

Wir beten: In deiner Hand ist Ewigkeit, ist jede Stunde, jede Zeit. In deiner Hand ist Tier und Baum, die Erde und der Weltenraum. In deiner Hand sind wir, bin ich. Wir danken dir, wir loben dich. In deiner Hand ist Ewigkeit, ist gute Zeit, ist böse Zeit. Aus deiner Hand kommt unser Brot, kommt unser Leben, unser Tod. In deiner Hand sind wir, bin ich. Wir danken dir, wir loben dich. Amen. (Kurt Rommel)

Lied 407: Stern auf den ich schaue.

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