Evangelisches Sonntagsblatt
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 39)

Altkleidersammlung ist nicht gleich Altkleidersammlung

Wer gut darauf achtet, wer hinter der Aktion steckt, kann getrost Textilien spenden

 

In vielen Dörfern sammelt die Evangelische Landjugend für die jeweilige Einrichtung die Beutel mit den Kleidern ein (oben). In der Regel werden die Textilien aussortiert wie hier in Bethel (unten), wo rund hundert Bewohner beschäftigt sind.
 
 
   
 

Schon zwei Jahre nicht mehr angehabt, den roten Pulli. Aber eigentlich ist er noch gut. Genauso ist es mit der dunklen Jacke. Wegwerfen? - Eigentlich zu schade. Aufheben? - Werden ja doch nicht mehr angezogen und nehmen nur Platz weg.

Solche oder ähnliche Gedanken kennen viele Menschen. Eine gute Lösung kann in diesen Fällen die Altkleidersammlung sein. Betonung liegt auf "kann". Denn nicht alle solche Aktionen sind wohltätig. Es rentiert sich, die ausgeteilten Beutel genau anzuschauen und zu lesen, wer hinter der Sammlung steckt. Eine vertrauenswürdige und sehr bekannte Organisation, die Altkleider sammelt ist Bethel in Bielefeld.

Die größte diakonische Einrichtung Deutschlands sammelt rund 12.000 Tonnen Textilien und Schuhe im Jahr. "Einen Teil davon verwenden wir direkt in Bethel weiter", sagt Rüdiger Wormsbecher, der Betriebsleiter der Brockensammlung in Bethel, zu der auch die Altkleidersammlung gehört. Gut erhaltene Textilien werden in mehreren Geschäften verkauft. Im Laden "Pangilo" dürfen vor allem Menschen einkaufen, die Sozialhilfe beziehen. In anderen Betheler Geschäften kann jeder einkaufen, "da sind die Preise etwas höher". Der Erlös kommt der Einrichtung zugute.

Viel wird weitergeleitet

Doch längst nicht alle gesammelte Kleidung kann in Bethel verkauft werden. "Ein Großteil geht in den Altkleiderhandel und wird dort weiter verwendet", schildert Wormsbecher. Immer wieder geraten Altkleidersammlungen in Verruf: sie seien pure Geldschneiderei und Exporte in Entwicklungsländer beeinträchtigen deren Wirtschaft lauten die Vorwürfe. "Deswegen haben wir uns verpflichtet nach den Vorgaben der 'FairWertung' zu arbeiten", erläutert er.

Der Ansatz dieses Dachverbandes ist: "Wer Altkleider sammelt und damit Erlöse erzielt, muss auch Verantwortung für die Verwertung übernehmen." So heißt es in einem Faltblatt der Organisation. Bei der Altkleidermenge, die jährlich in Deutschland abgegeben wird - nach Schätzungen sind das zwischen 500.000 und 600.000 Tonnen - können längst nicht alle brauchbaren Stücke an Bedürftige weitergegeben werden. Laut FairWertung sind 40 bis 45 Prozent davon noch tragbare Kleidung - in Stückzahlen umgerechnet: ungefähr 400 Millionen einzelne Kleidungsstücke. Nur ein geringer Teil davon kann karitativ verwendet werden. Für die Masse gibt es keine Alternative zur kommerziellen Verwertung.

FairWertung will sicher stellen, dass diese kommerzielle Vermarktung unter umwelt- und sozialverträglichen Bedingungen geschieht. Der Dachverband selbst sammelt selbst keine Altkleider. Er hat Grundsätze und Kriterien für Sammlung und Vermarktung entwickelt. Seine Vertragspartner, dazu gehören sammelnde Organisationen, Händler und Sortierbetriebe, dürfen mit dem Zeichen werben. Voraussetzung ist natürlich, dass sie die entsprechenden Vorgaben einhalten, wie zum Beispiel umwelt-, steuer- und zollrechtliche Bestimmungen sowie die korrekte Deklaration und Abrechnung beim Export.

"Uns ist es wichtig, Sicherheit zu haben, dass mit der von uns weiter gegebenen Kleidung kein Schindluder getrieben wird", meint Rüdiger Wormsbecher. Nur Organisationen, die ebenfalls nach den Maßgaben der FairWertung arbeiten, bekommen Altkleider aus der Betheler Brockensammlung.

Auch Kleidermüll dabei

 
Ein Teil der Ware wird in den Läden in Bethel verkauft (unten). Der Rest geht an andere Betriebe und Organisationen, die die Kleidung weiter verarbeiten. (Fotos: kil)
 

"Leider wird auch immer wieder Kleidermüll abgegeben", weiß Wormsbecher aus Erfahrung. Nicht besonders angenehm, wenn es aus einer Tüte schon heraus müffelt. Nach den Angaben von FairWertung sind von den gesammelten Textilien neben der tragbaren Kleidung weitere 40 bis 45 Prozent, die als Rohstoff und Putzlumpen verwendet werden können. Etwa 10 bis 15 Prozent taugt nur noch für den Müll. "Es ist schon in Ordnung, wenn jemand alte, löchrige Leintücher oder Tischdecken abgibt", so der Betriebsleiter. "Aber sauber sollten die Sachen sein."

Wer also seine alten Kleider gut aufgehoben wissen möchte, sollte sich auf jeden Fall daran orientieren, ob das Logo der Fairwertung (siehe links unten) auf dem Sammelaufruf zu sehen ist. Und wer ganz sicher gehen möchte, dass die Kleidung erst einmal auf ihre Tragfähigkeit geprüft wird, kann die Textilien auch in diakonischen Einrichtungen abgeben. Oft sind die Bewohner und Bewohnerinnen dankbar für die Aufstockung ihrer Kleiderschränke. Susanne Hassen, Pressesprecherin der Diakonie Neuendettelsau, bestätigt das. "Aber bitte nur gut erhaltene und saubere Kleidung", betont sie. Wer sich daran hält, kann dem ein oder anderen Lieblingsstück mal wieder auf der Straße begegnen.

Karin Ilgenfritz

 


Nutze deine Zeit und werde weise

So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise, und nutzt die Zeit; denn es ist böse Zeit. Darum seid nicht töricht, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist. Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern lasst euch vom Geist erfüllen. Ermuntert euch mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus. (Epheser 5, 15-21)



 
Als weise Frau im Gespräch bleiben mit den "Jungen". (Foto: Wodicka)
 

Eigentlich doch unglaublich: da hat man endlich den ganzen Tag mal frei, Ferien, Urlaubstag, was auch immer. Zeit für das, was man am liebsten tun würde und am Abend fragt man sich: Was habe ich eigentlich gemacht? Die Stunden sind nur so dahingeflogen - aufgeräumt, eingekauft, etwas repariert - die Zeit ist vorbei. So geht's mir öfter. Die Zeit rennt davon und ich habe das Gefühl: die Zeit habe ich wohl nicht richtig genutzt.

"Nutzt die Zeit, die euch noch bleibt!", schreibt Paulus. Ja, wir haben Zeit! Viel Zeit, auch wenn wir es oft nicht einsehen. Ich möchte diese Zeit geniessen, das Leben auskosten, das mir Gott geschenkt hat. Ich möchte meine Zeit fröhlich nutzen und mich nicht von Ängsten und Ärger unterkriegen lassen. Ganz spontan fallen mir Dinge ein, die ich noch unbedingt erleben möchte. Aber auf keinen Fall will ich vergessen, Gott dafür zu danken, was er mir alles Kostbares und Schönes schenkt: meine Kinder, Familie oder Freunde, die Natur, der Urlaub - für all diese Dinge bin ich dankbar und hoffe, dass ich die Zeit dafür so nutze, dass ich mir später nicht sagen muss: "Ach hätte ich mir doch dafür nur Zeit genommen!" Ich will sagen können:"Danke Gott für all die Zeit, die du mir geschenkt hast." Doch der Bibeltext lässt mich nicht nur darüber nachsinnen. Ich finde in diesen Zeilen des Paulus noch einen viel höheren Anspruch: "Führe dein Leben als weiser Mensch." Oder man kann auch sagen: "Nutze deine Zeit und werde weise!"

Ich erlebe das oft so: Man muss eine wichtige Entscheidung treffen. Die Menschen gehen da ganz verschieden vor. Manche entscheiden recht impulsiv. Andere reagieren gar nicht, lassen Zeit und Situation ihren Lauf nehmen. Manche Menschen haben ein Händchen dafür, gute Entscheidungen zu treffen. Die Bibel nennt das Weisheit.

Was ist Weisheit? Für mich ist sie nicht zu verwechseln mit Klugheit oder Intelligenz. Kluge Menschen können ihr Leben total durcheinander bringen durch unweise Entscheidungen. Ich habe Menschen mit weniger Intelligenz getroffen, die aber sehr weise waren. Weisheit ist eine moralische Klarheit - die Fähigkeit zu wissen, was gut und richtig ist und dies dann auch zu tun.

Was aber gibt Menschen solche Einsicht? Werden sie schon weise geboren? Die Bibel zeigt uns, dass Weisheit für das Volk Gottes zugänglich ist, für Menschen, die an Gott glauben. Welche Qualität hat aber die Weisheit? Im Jakobusbrief finden wir eine Antwort: "Wer von euch meint weise zu sein, der soll das durch sein ganzes Leben zu erkennen geben, durch seine Freundlichkeit und Güte. Das sind die Kennzeichen der wahren Weisheit" (Jakobus 3,13).

Die Weisheit bringt also mit sich: Freundlichkeit und Güte; Gerechtigkeit und Frieden; die Bereitschaft, nachzugeben; die Fähigkeit, sich etwas sagen zu lassen; Mitleid mit anderen zu haben. Die Weisheit ist nicht: voller Neid und Hass; im Eingebildet-Sein; bei Lüge und Betrug, Missgunst und Streit.

Ich denke, Menschen, die von Gott Weisheit erbitten, kommen im Leben eher zurecht. Sie können anderen wirklich zuhören und gute Ratschläge geben. Sie handeln gerecht und haben ein Gespür für gute Entscheidungen. Ja, das wäre mir wichtig, eine weise Frau zu werden, die mit den Menschen, ob jung oder alt, im Gespräch bleibt und ernst genommen wird. Deren Meinung anderen wichtig ist und die selbst im Alter von den "Jungen" noch etwas annimmt.

Pfarrerin Susanne Ortmann, Kempten

Wir beten: Herr, unser Gott und Vater, du schenkst uns Zeiten der Erholung und Ruhe von aller Arbeit. Gib, dass wir unsere kostbare Zeit so nutzen, dass Leib und Seele sich erneuern und Kraft schöpfen können. Dass wir dir dankbar sind und uns öffnen für deine Güte. Schenke uns den Glauben und die Zeit, weise zu werden und in aller Weisheit, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Amen.

Lied 503: Geh aus mein Herz.

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