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Ehemalige Politiker
geben Antworten - Keine "Ohne mich"-Haltung
Glaube und Politik - lässt sich das vereinbaren? Man denke nur an den jahrzehntelangen Streit um die Bedeutung der Bergpredigt. Immer wieder fiel dabei der Satz, den Otto von Bismarck geprägt hatte: "Mit der Bergpredigt kann man keine Politik machen." Seitdem war oft zu hören, Christen hätten sich aus der Politik herauszuhalten. Die Frage ist, mit Blick auf die Bundestagswahl am 22. September: Sollen Christen zur Wahl gehen? Das Sonntagsblatt befragte dazu Kirchenmitglieder, die einst selbst tatkräftig in der Politik mitgearbeitet haben. Christliche Grundsätze
Die Frage sollte ergänzt werden:
"Warum sollte sich ein Christ politisch betätigen?" Die erste Frage lässt
sich kurz beantworten. Ich will als Christ, dass Menschen die Geschicke
des Staates lenken, deren moralische Grundsätze mit christlichen übereinstimmen
oder zumindest sie nicht beeinträchtigen. Zweitens sollte sich jeder politisch
betätigen, denn das heißt: sich einsetzen für seinen Nächsten und es nicht
einigen wenigen - womöglich noch machthungrigen Menschen überlassen. Ich
bin verantwortlich für meinen Nächsten, für sein Wohlergehen und das wird
von nichts stärker beeinflusst als von der Politik. Norbert Eimer, ehemaliger Bundestagsabgeordneter (FDP)
Der Stadt Bestes suchen
Auch wo die Christengemeinde nur
einen kleinen Teil der Bürgergemeinde ausmacht, ist das Ganze, und nicht
nur der religiöse Bereich, Bewährungsfeld des christlichen Glaubens. Zur
Nächstenliebe hat immer gehört, der Stadt Bestes zu suchen. Wolfgang Ullmann, ehemaliger Bundestagsabgeordneter (Bündnis 90/Die Grünen)
In der Politik "Liebe üben"
Jesus sagt: "Gebt dem Kaiser, was
des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist." Damit normiert er das Verhältnis
seiner Anhänger zum Staat und zu staatlichen Einrichtungen. Der 16. Artikel
des Augsburger Bekenntnisses betont, dass Christen in den weltlichen Einrichtungen
mitarbeiten können und dabei "christliche Liebe und rechte gute Werke"
erweisen sollen, jeder an seinem Platz. Damals gab es kein Wahlrecht,
wie wir es haben. Da schuldete (auch) der Christ der staatlichen Gemeinschaft
hauptsächlich seine Steuer. Heute schuldet er ihr auch seine Stimme. Mit
ihr ist er zu allererst beteiligt an der Gestaltung der Gemeinschaft.
Hans Roser, ehemaliger Bundestags- und Europaabgeordneter (CSU)
Wahlrecht ist Wahlpflicht
In der grundlegenden Denkschrift
der Evangelischen Kirche in Deutschland aus dem Jahr 1985 mit dem Titel
"Evangelische Kirche und freiheitliche Demokratie" steht zu Recht: "Die
Christen sind aufgerufen, Leben und Gestaltung dieses Staates in der Richtung,
in die seine geistigen Grundlagen weisen, als Teil ihrer christlichen
Verantwortung anzunehmen." Teil der Verantwortung in einem demokratischen
Staat ist die Ausübung des Wahlrechts. Da die Verbindung von Rechten und
Pflichten zur Basis einer politischen und staatlichen Ordnung gehört,
ist das Wahlrecht gleichzeitig eine Wahlpflicht. Dieter Haack, ehemaliger Bundesbauminister (SPD)
Der
Herr ist gut und gerecht; darum weist er Sündern den Weg. Er leitet die
Elenden recht und lehrt die Elenden seinen Weg. Die Wege des Herrn sind
lauter Güte und Treue für alle, die seinen Bund und seine Gebote halten.
Um deines Namens willen, Herr, vergib mir meine Schuld, die so groß ist!
Wer ist der Mann, der den Herrn fürchtet? Er wird ihm den Weg weisen,
den er wählen soll. Er wird im Guten wohnen, und sein Geschlecht wird
das Land besitzen.
Welchen Weg würden Sie gehen? Einer könnte in eine hintergründige Ferne führen. Überschaubar kurz hingegen sind die wenigen Schritte auf dem Weg zum rechten Bildrand. Was wird sich zeigen? Ein erstrebenswertes Ziel oder die Endstation an einem Abgrund? Bei beiden Wegen des Bildes ist es unseren Augen verborgen. Aber: Gilt das nicht allgemein? "Wir sind auf einem guten Weg". So oder ähnlich ertönt es aus dem Mund von Politikern und Führungskräften. Andere sollen überzeugt werden, die von ihnen vorgeschlagenen Ziele zu wählen und den eingeschlagenen Weg als Fortschritt zu erkennen. Wie erstrebenswert ist eine solche Art von Selbstsicherheit? Wenige Tage nach der Aufnahme des nebenstehenden Fotos sind viele Wege in tiefer gelegenen Gebieten dieser Region im Elend der Hochwasserfluten versunken. Verloren für viele sind Wohnung, Besitz, Land, Sicherheit. Geblieben ist die Unsicherheit ob es jemals wieder so werden kann wie es wahr. Werden wir nicht das Land, die Orte und Städte entlang unserer Flüsse verlieren? Dass der Weg in diese Katastrophe - auch im wahrsten Sinn des Wortes - durch Menschen gepflastert und versiegelt wurde, ist schon lange offensichtlich. Es sei denn es gilt weiterhin: "Das kann und darf doch nicht wahr sein." Wer nach den Ursachen fragt, wird früher oder später am Lärm der Börsen nicht vorbeikommen. AG, die Abkürzung für "Aktiengesellschaft", beschreibt auch eine Richtung zur "allgemeinen Gier". Aber auch da gilt: So manche Wegweisung führte zum Nichts. "Wie gewonnen so zerronnen." Ist das nur das Gejammer von Schwarzsehern, die sich unbewusst als moderne Unheilspropheten verstehen? Oder ist es nicht vielmehr nötig noch deutlicher darauf hinzuweisen, dass der menschliche Machbarkeitswahn die Folge einer grundsätzlichen Zielverfehlung ist? "Das Ziel verfehlen", so wird im Alten Testament das Wort "Sünde" verdeutlicht. Die Verse aus dem 25. Psalm sind wegweisend für alle, die auf dem falschen Weg sind. Für alle, die sich verirrt haben, weil sie die Beziehung zu ihrem Schöpfer und der Mitschöpfung anderen Zielen untergeordnet haben. Angesprochen und anzusprechen sind selbst diejenigen, die bewusst nur den eigenen Wegen vertrauen. Der Liedermacher Manfred Siebald hat es in seinem Lied "Es geht ohne Gott in die Dunkelheit" so formuliert: "Gott, der uns nicht nötig hätte, will doch ohne uns nicht sein, auch wenn wir oft lieber unsre eigenen Wege gehen. Er lässt uns nicht laufen, lädt uns immer wieder zu sich ein. Kann uns denn eigentlich etwas Besseres geschehn?" Umkehr ist möglich. Sie erfordert allerdings unsere Bereitschaft, die Mühen des Rückwegs auf uns zu nehmen. Und: Auf dem Gemeinschaftsverhalten, das sich an seiner Wegweisung orientiert, liegt Gottes Verheißung. Nicht nur für dieses Bild gilt: Wir können nicht wissen was "im Busch" ist. Ebenso wenig, was sich hintergründig und außerhalb unseres Blickwinkels offenbart. Sowohl auf dem Lebensweg einzelner Menschen als auch in der Geschichte der Völker können immer nur mehr oder weniger große Wegstrecken eingesehen werden. Welchen Weg sollen wir gehen? Das Zögern ist verständlich. Die Psalmverse aber machen Mut für entscheidende Schritte im Bewusstsein, dass die erstrebenswerten Ziele nicht durch uns geschaffen werden. Wir begegnen ihnen vielmehr auf dem Weg des Vertrauens mit Gott. Letztlich ist er - jenseits alles Abgründigen - selbst das Ziel. Dekan Hans Hager, Thurnau Wir beten: Gott, unser Schöpfer. Wir bitten dich für unseren Lebensweg und die Wege der Völker: Gib Einsicht für richtige Entscheidungen, den Mut zu rechtzeitiger Umkehr und schenke die Aussicht, um nach deiner Weisung heute und morgen die nötigen Schritte zu tun. Amen. Lied 395: Vertraut den neuen Wegen. |
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