Evangelisches Sonntagsblatt
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 37 )

Was darf der Pfarrer im Talar?

Neuer liturgischer "Knigge" gibt nützliche Tipps

Kirchenmusik
 
Foto: K. Ilgenfritz
 

Was unter dem Schottenrock steckt, ist dank eines Schlagers hinreichend bekannt: "Unter dem Schottenrock steckt gar nichts, da ist nichts und da war nichts...". Sicher ist: Unter dem Pfarrersrock - dem Talar - steckt mehr. Aber was eigentlich? Darf der Geistliche morgens, im Falle eines Weckerversagens schnell den Talar über den Schlafanzug werfen und in Pantoffeln zum Gottesdienst schlurfen? Wenn die Pfarrerin nach dem Abendgottesdienst eine Einladung hat, kann sie unter dem Talar ihr kleines Schwarzes mit Stöckelschuhen anziehen? Ist es in Ordnung, wenn der Pfarrer im Talar sich vor dem Gottesdienst noch eine Zigarette zur Beruhigung anzündet? Was ist erlaubt? Und wo ist die Schmerzgrenze?

Liturgischer Knigge

"Ganz feste Regeln gibt es da nicht", stellt Oberkirchenrat Hans Krech gleich mal klar. "Aber an bestimmte Vorgaben sollten sich Geistliche schon halten." Krech ist Referent für Gottesdienst bei der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (velkd) und mitverantwortlich für den Ergänzungsband zum Evangelischen Gottesdienstbuch, den die velkd zusammen mit der Evangelischen Kirche der Union (EKU) vor kurzem herausbrachte. Damit ist Krech auch Fachmann für Benimm-Regeln von Geistlichen. Denn zu dem Ergänzungsband gehört ein Kapitel mit dem Titel: Kleiner liturgischer "Knigge". Verhaltensregeln für Pfarrer sind nichts Neues. Bereits seit Jahrhunderten gibt es das. "Aber das alte Zeremoniale, wie die Verhaltensregeln in der Fachsprache heißen, waren von 1956", berichtet Krech "und damit aktualisierungsbedürftig". Eine Zeit lang sei es "in" gewesen, sich als Pfarrer sehr locker zu geben. Ein Spruch der 68er Studentenbewegung hieß: 'Gegen den Muff von tausend Jahren unter den Talaren.' "Das war natürlich vor allem inhaltlich gemeint, führte aber auch zu extrem legerem Verhalten." Die jetzt nachkommenden Pfarrergenerationen würden Verhaltensregeln wieder ernster nehmen, "aber ihnen fehlt oft die Orientierung". Jetzt können Pfarrer, Diakone und Laienprediger in den Liturgischen "Knigge" schauen und ihr Verhalten prüfen. Da wird deutlich, dass die eingangs gestellten Fragen alle mit einem klaren "Nein!" zu beantworten sind. "Schaftstiefel, extrem hohe Stöckelabsätze, Turnschuhe, Pantoffeln oder Freizeitsandalen sind tabu", ist da zu lesen. Vorbei also die Zeit, da Pfarrer in ausgelatschten Birkenstock-Sandalen Gottesdienst hielten.

Eigene Haltung verdeutlichen

"Die Kleidung unter dem liturgischen Gewand bringt die eigene Haltung zum Gottesdienst zum Ausdruck", meint Krech. Zu einem Fest gehe ja auch niemand in fleckigen Hosen und alten Turnschuhen. Schließlich sieht die Gemeinde den Pfarrer gelegentlich vor oder nach dem Gottesdienst, wenn er den Talar noch nicht angezogen oder bereits wieder abgelegt hat. "Und da macht es keinen besonders guten Eindruck, wenn er in kurzer Hose und T-Shirt die Kirche betritt oder verlässt." Der "Knigge" gibt außerdem Hinweise zum Verhalten im Gottesdienst, zum Beispiel heißt es da: "Ich trage nicht meine Handbibliothek unterm Arm." Oder "...die Kanzel ist keine Theke, kein Tresen, kein Autodach - also Dinge an die man sich bequem lehnen können würde". Der Prediger soll sich demnach stets bewusst sein, dass er sich in einer Kirche befindet und nicht als Privatperson dort ist. "Am Verhalten einesGeistlichen wird deutlich, wieviel Respekt er vor seinen Mitmenschen hat", sagt Krech. Nicht besonders angebracht ist es, die Uhr demonstrativ auf den Altar oder die Kanzel zu legen. "Das wirkt so, als könnte der Gottesdienst nicht schnell genug zu Ende gehen." Außerdem fordere das Tragen eines liturgischen Gewandes, dass sich der Prediger entsprechend bewegt. Also nicht quer durch den Altarraum hetzen oder gar rennen, sondern langsam gehen. Der "Knigge" empfiehlt weiter Mitfeiernde nicht mit "persönlichen Gerüchen/Ausdünstungen zu belästigen, wozu auch starke Parfums oder Deodorants gehören". Oberkirchenrat Krech betont: "Völlig undenkbar ist es, im Talar zu rauchen, Schnaps zu trinken oder jemanden zu schlagen und zu schimpfen." Gerade Letzteres sei gar nicht mal so selten - dass einem Pfarrer mal der Gaul durchgeht, wenn sich Konfirmanden nicht zu benehmen wissen. "Aber ihm muss klar sein, was er tut. Er soll sie ermahnen, sich aber nicht gehen lassen und 'rumschimpfen oder gar eine Ohrfeige verteilen." Im Falle von Pannen während des Gottesdienstes weiß der "Knigge" auch weiter: Segelt das Predigtskript von der Kanzel, könne der Pfarrer durchaus jemanden bitten es aufzuheben. Oder wurde etwas vergessen (zum Beispiel Trauringe, Abendmahlselemente) gibt es eine Unterbrechung. Der Pfarrer lässt die Dinge holen oder kümmert sich selbst darum, dann geht es weiter.

Empfehlungen

Alles in allem sind die Ratschläge im Liturgischen "Knigge" als Hilfe und Empfehlung zu verstehen. "Wenn sich ein Pfarrer anders verhält, wird er aber nicht gleich strafrechtlich verfolgt", scherzt Krech. Der "Knigge" sei mit einem Augenzwinkern geschrieben und auch so zu verstehen. "Was nicht heißt, das er nicht ernst gemeint ist." Bei der velkd sind bereits einige Reaktionen eingegangen. "Da meinten Gemeindevertreter, sie seien froh, dass sie nun etwas in der Hand haben, was sie ihrem Pfarrer mal unter die Nase halten könnten." Doch wirklich massive Beschwerden über Geistliche sind ihm deswegen noch nicht zu Ohren gekommen.

Karin Ilgenfritz


Literaturhinweis:
Ergänzungsband zum Evangelischen Gottesdienstbuch, Evangelische Hauptbibelgesellschaft und von Cansteinsche Bibelanstalt, Luther-Verlag, Berlin 2002, 591 Seiten 56 Euro

 


Das Standbein des Glaubens nicht verlieren

"Darum werft euer Vertrauen nicht weg, denn es findet reichen Lohn. Ihr braucht aber Geduld, damit ihr den Willen Gottes und die Verheißung empfangt... Wir aber gehören nicht zu denen, die zurückweichen und verlorengehen, sondern zu denen, die glauben und das Leben gewinnen." (Hebräer 10, 35-39)



Fundament
 
Nicht nur beim Extremsport wie dem Klettern, auch in Glaubensdingen ist es wichtig, nicht das Standbein - sprich das Vertrauen auf Gott - zu verlieren.
Foto: privat
 

Nach dem Festessen stand der über 80-jährige Greis Yusuf Athman auf und wies auf eine lange Reihe kostbarer in Leder gebundene Folianten. Es waren alte, wertvolle Kommentare zum Koran. Er brauche sie nicht mehr, sagte der alte Mann, seit er von dem Propheten Isa (muslimischer Name für Jesus) wisse. Nun biete er ihnen diese Schätze an, sie könnten sie aufteilen und mitnehmen. "Damals waren sie mir viel wert", meinte er. Zu jener Zeit hätte ich unter gar keinen Umständen eine Bibel angefasst. "Jetzt aber bin ich Christ, ich halte mich an keinem anderen Buch mehr fest als an der Bibel, also nehmt diese Bücher mit." "Aber wir brauchen doch dich so dringend," meinten seine Freunde. "Kein Mensch auf ganz Sansibar kennt sich so gut in der Koranauslegung aus wie du! Kehre doch zurück! Komm doch, lass deinen Christusglauben! Geh mit uns wieder in die Moschee!" Seine Antwort: "Das kann ich nicht!"
So wurden ihm seine Verehrer, Freunde und gute Nachbarn zu Fremden. In seiner Heimat auf Sansibar, in der er Jahrzehnte in höchsten Ehren und geachtet von jedermann verbracht hatte, konnte er nicht mehr bleiben. "Sie wissen jetzt alle, dass ich Christ bin. Wo ich auch hinkomme, ich kann nicht anders, als Zeugnis abzulegen." Inzwischen ist diese eindrucksvolle Gestalt mit dem Taufnamen Philippo bei dem, der ihn noch als alten Mann zum Glauben gerufen hat. Philippo hat durchgehalten in der Fremde. 800 Kilometer von zu Hause entfernt musste er seinen Lebensabend in den kalten Bergen des südlichen Hochlands von Tansania verbringen, bei Menschen einer anderen Kultur. Aber dort war er nicht einsam, er hatte neue Freunde und Glaubensgeschwister gefunden. Und mit einer unbegreiflichen Dynamik bezeugte er bis zu seinem Tod mit 95 Jahren (1996): "Das, was mir früher Gewinn war, habe ich um Christi willen für Schaden geachtet." (Philipper 3,7) Seit seiner Bekehrung war das sein Lebensmotto geworden. Philippo Athman hatte sein Standbein in der Ewigkeit. Jesus Christus erfuhr er täglich als die unsichtbare Realität. Je mehr er sich einübte im Gespräch mit ihm, im Hören auf die Botschaft der Bibel und im Reden mit ihm, umso tiefer wurde das Vertrauensverhältnis zu diesem neuen Herrn, den er erst mit über 80 Jahren kennengelernt hatte. Wie hätte er dieses Vertrauen wegwerfen können, als seine Freunde ihn anflehten, doch mit ihnen wieder in die Moschee zu gehen und dort zu beten? Sein Standbein war in der unsichtbaren Welt Gottes. Die Heimat war dort, wohin er kommen würde, durch den leiblichen Tod oder durch die sichtbare Wiederkunft seines Herrn. Das wußte Philippo. Zurückweichen? Zurückkehren zu seinem alten Glauben und seinen alten Freunden? Das hätte ihn sein Standbein gekostet, die Gewissheit, bei Gott angenommen und von Christus gerecht gemacht worden zu sein. Liebe Mitchristen, wo ist unser Standbein? Die Jahre unseres Lebens zerrinnen uns doch zwischen den Fingern. Das Wort für "Glauben" in der Bibel bedeutet "Vertrauen". Vertrauen wächst durch tägliches Zwiegespräch und Erfahrungen. So erkenne ich immer mehr: Mein Herr meint es gut mit mir, selbst wenn er mir manchmal herbe Antworten gibt. Lassen wir keine Gelegenheit ungenutzt zum Gespräch mit unserem unsichtbaren Herrn im Hören auf sein Wort und im Gebet, allein und in der Gemeinschaft anderer Christen. So gewinnen wir das Leben - bei Christus.

Pfarrer Gerhard Muck, Christusbruderschaft Falkenstein

Wir beten: Herr Jesus Christus, oft ist es mir eine Not, dass ich Dich nicht sehe oder fühle. Ich weiß auch, dass ich in Gefahr stehe, meinen Halt bei Dir, mein Standbein, zu verlieren. Bewahre mich davor, zurückzuweichen und hilf mir, im Vertrauen auf Dich zu wachsen, auch wenn ich Gegenwind spüre. Amen.

Lied 157: Lass mich dein sein und bleiben.

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