Evangelisches Sonntagsblatt
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 35 )

Religiöses auf dem Flohmarkt

Was beim Bummel zwischen Ständen zu entdecken ist

Kirchenmusik
 
Gesangbücher, Bibeln und Andachtsbücher:
Für Sammler sind Flohmärkte eine Fundgrube
 

Die Palette reicht von frischen Nudeln bis zu antiken Bauernmöbeln, von Ersatzteilen fürs Auto bis zu altem Porzellan. Mit seinem breiten Angebot wirkt der Flohmarkt auf dem Autohof in Wörnitz (Landkreis Ansbach) wie ein Magnet. Tausende von Menschen aus Franken und Baden-Württemberg pilgern jeden ersten Sonntag im Monat dorthin - als Schnäppchenjäger oder zu einem Bummel zwischen den Ständen. Wer durch den Flohmarkt geht, der zu den größten in Franken zählt, kann vieles entdecken - auch zahlreiche religiöse Gegenstände. Zwischen schwarzen, klobigen Telefonen, ei- nem alten Grammophon sowie einem historischen Brauereischild ste-hen zwei Spruchtafeln mit christlichen Motiven und Engeln. Daneben lehnt ein Bild, wie es früher in vielen Schlafzimmern hing: Jesus mit einem Kind auf dem Arm, begleitet von seinen Jüngern. "Die Spruchtafeln im Holzrahmen sind sehr schön vom Motiv her", meint Händlerin Gabi Holtzner (Aalen). "Es fragt allerdings ganz selten jemand danach." Vor fünf Jahren wären die Tafeln, die früher in Bauernhäusern hingen, noch gut ge-laufen. "Die Leute sind nicht mehr so christlich", vermutet die Händlerin.

Werke mit Einträgen gefragt

Kirchenmusik
 
Eine Erinnerungstafel zur Konfirmation neben Puppen mit osteuropäischer Tracht: Kurioses Nebeneinander an einem Stand
 

Einige Stände weiter: Neben altem Porzellangeschirr, Gewichten für De-zimalwaagen und Zinnbechern liegen zwei Gesangbücher. "Rund 100 Jahre alt schätzt Händlerin Christa Godel (Ludwigsburg) die beiden Liedersammlungen. Die eine war für die bayerische Landeskirche bestimmt, die andere für die württembergische. Eine Frau blättert in den Werken, legt sie enttäuscht wieder beiseite, weil sie keine handschriftlichen Einträge findet. "An alte Gesangbücher ist schwer ranzukommen", meint sie. "Die bleiben meist in Familien - vor allem, wenn sie persönliche Bemerkungen enthalten." Gerade diese machten eine alte Liedersammlung besonders lesenswert: "Wenn von Missernten, Hochwasser, Erdbeben oder Geburtenrückgang die Rede ist." Händlerin Godel und ihr Mann hatten ursprünglich eine ganze Reihe von religiösen Büchern aus dem Fundus eines Kollegen übernommen, der aufhörte. Von den Werken sind inzwischen die meisten verkauft. Übrig geblieben sind unter anderem ein Evangelischer Katechismus mit Anekdoten für Konfirmanden, ein Neues Testament sowie verschiedene Gesangbücher. Mit den anderen Büchern hätten sich Sammler und ein Theologiestudent eingedeckt. "Er suchte gezielt nach antiquarischen Werken", erinnert sich der Händler. Übrigens: Ein großer Gewinn lässt sich mit den religiösen Büchern nicht machen. Ein schlichtes Gesangbuch aus der Zeit um 1900 (Verkaufspreis damals 1,20 Mark), ist auf dem Flohmarkt für drei Euro zu haben. Apropos Preise: Die Verkäufer am Flohmarkt klagen über zurückgehende Preise. "Der Geldbeutel sitzt nicht mehr so locker wie frü-her", meint ein Händler. Spätestens seit der Einführung des "Teuro" würden die Menschen weniger ausgeben. Die Folge: Erinnerungstafeln an die Konfirmation, die früher 20 bis 40 Euro erbrachten, kosten heute nur noch die Hälfte. Auch bei anderen Gegenständen gibt es ähnliche Preiseinbrüche. Gefeilscht wird auf dem Flohmarkt kräftig. Eine Frau will wissen, wie teuer der Patenteller ist, den sie sich aus einem großen Sortiment genommen hat. Als sie den Preis von 30 Euro erfährt, macht sie wieder kehrt. "Die meisten Sachen, die mir gefallen, sind zu teuer", meint sie. Und fügt hinzu: "Für 20 Euro hätte ich ihn genommen." Doch darauf lässt sich der Händler nicht ein. Er weiß, dass die Teller, die früher die Paten zur Taufe schenkten, begehrte Sammlerexemplare sind - hauptsächlich bei älteren Menschen. Händler Markus Atzenbeck aus der Gegend von Höchstadt/Aisch fährt von Hof zu Hof, um bei Landwirten die Porzellanteller und andere Gegenstände zu erwerben. Mit unterschiedlichenErfahrungen: "Entweder werde ich freundlich empfangen oder freundlich des Hofes verwiesen". Eine andere Quelle sind für Atzenbeck Haushaltsauflösungen. "Die Erben suchen sich meist die guten Sachen heraus, alles andere landet beim Antiquitätenhändler." Am Stand von Atzenbeck gibt es unter anderem verschiedene Kreuze, eine Bibel von 1894 und einen Haussegen mit Kirschholzrahmen von 1860. "Schöne Kreuze und geschnitzte alte Gegenstände gehen immer", erzählt der Händler. Bei Bibeln seien Exemplare mit Bildern und Stichen gefragt: "Interessant sind besonders Werke aus der Zeit vor 1800."

Kirche auf dem Flohmarkt

Kirchenmusik
 
Händler Markus Atzenbeck mit einer Auswahl unterschiedlicher Patenteller (Fotos: Günter Saalfrank)
 

Seit vier Jahren ist die evangelische Kirche mit einem eigenen Stand auf dem Flohmarkt vertreten. "Am Anfang gab es spöttische Bemerkungen wie ,Jetzt verfolgt uns die Kirche schon hier'", erzählt Christian Pabel als Verantwortlicher. Doch das Blatt habe sich längst gewendet: "Inzwischen hören wir immer wieder ,Gut, dass ihr da seid.'" Am Stand - er ist schon von weitem an einem Mast mit Kirchenfahne zu erkennen - gibt es eine Vielzahl von Bibeln in Deutsch und in Fremdsprachen, christliche Bücher für Kinder sowie Dritte-Welt-Artikel. "Vor allem günstige Ausgaben der Heiligen Schrift sind gefragt", erzählt Pabel. Er hält es für selbstverständlich, dass die Kirche auch zwischen Ständen mit Nudeln und Antiquarischem präsent ist. Schon die Bibel rufe dazu auf, an die Hecken und Zäune zu gehen - dorthin, wo die Menschen sind. "Heute gehören die Flohmärkte zu diesen Orten", meint der Verantwortliche.

Günter Saalfrank

 


"Sing, bet und geh auf Gottes Wegen..."

Wir bitten euch weiter, liebe Brüder und Schwestern: Bringt die Haltlosen auf den richtigen Weg! Ermutigt die Ängstlichen! Helft den Schwachen und habt Geduld mit allen! Achtet darauf, dass niemand von euch Böses mit Bösem heimzahlt! Bemüht euch vielmehr stets, das Gute zu tun, im Umgang miteinander und mit allen Menschen! Freut euch immerzu! Lasst nicht nach im Beten! Dankt Gott in jeder Lebenslage! Das will Gott von euch als Menschen, die mit Jesus Christus verbunden sind. Unterdrückt nicht das Wirken des Heiligen Geistes! Verachtet nicht die Weisungen, die er euch gibt! Prüft aber alles und behaltet das Gute! 1. Thessalonicher 5, 14-21 (aus: Gute Nachricht)



Fundament
 
Der jüngste der drei Mönche aus dem Film "Vaya con Dios". Foto: aus dem Film
 

Zum ersten Mal habe ich in einem Kino einen Choral laut mitgesungen. Das war im Film "Vaya con Dios", das heißt übersetzt: Geh mit Gott. Der Film erzählt die Geschichte von vier Mönchen in Deutschland, deren Kloster aus finanziellen Gründen schließen muss, in dem noch vier Mönche leben. Sie loben Gott täglich durch ihren Gesang. Als der Abt stirbt, gibt er den drei verbleibenden Mönchen ein altes Buch mit den Heiligen Regeln ihres Glaubens mit. Dieses Buch sollen sie in das Mutterkloster nach Italien bringen. Und so begeben sich die drei auf eine abenteuerliche Reise. Das Leben außerhalb des Klosters hat keinen festen Rythmus. Die Männer müssen erst einen Weg in der für sie fremden Welt finden.

Auf diesem Weg erliegt jeder - abwechselnd - seinen Versuchungen. Der erste Mönch möchte einen Umweg über sein Heimatdorf machen, um seine Mutter wieder zu sehen. Glücklich, ihren Sohn wieder zu haben, verwöhnt diese die Mönche. "Bleiben wir doch ein paar Tage hier und ziehen dann weiter", meint der erste, dem das Essen hier besser schmeckt als die magere Kost im Kloster. Der zweite Mönch ermahnt ihn: "Wenn Du jetzt nicht mitgehst, wirst du nie mehr mitgehen." Nach einem Streit ziehen sie nur zu zweit weiter. Der nächste Mönch trifft einen früheren Studienkollegen und erliegt der Faszination der Bücher, Archive und schönen Musikstücke. Darüber vergisst er sogar seine Gebete und sein Singen. Nur noch sonntags geht er in die Kirche. Der dritte Mönch, der Jüngste, versucht, ihn wieder auf den rechten Weg zu führen. Das gelingt ihm erst mit Hilfe des nachgereisten ersten Mönches. In einem Gottesdienst kommt es zum dramatischen Höhepunkt.

Die Gemeinde singt das Lied "Wer nur den lieben Gott lässt walten". Beim dritten Vers singt der junge Mönch hingebungsvoll die Solostimme: "Man halte nur ein wenig stille und sei doch in sich selbst vergnügt, wie unsers Gottes Gnadenwille, wie sein Allwissenheit es fügt; Gott, der uns sich hat ausgewählt, der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt". Die Gemeinde ist fasziniert von der Kraft des Gesangs. Vor allem der "Abtrünnige" wird vom Gesang in den Bann gezogen. Sein Mund zuckt. Als sein anderer Bruder miteinstimmt, kann er schon fast nicht mehr an sich halten. Und schließlich gibt er seinem inneren Drang nach und stimmt mit ein: "Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das deine nur getreu und trau des Himmels reichen Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht."

An dieser Stelle musste ich im Kino mitsingen. Es hat mich beeindruckt, wie der Irrende durch dieses Lied auf seinen Weg zurückgeführt wurde. Immer wieder muss auch mir jemand sagen: "Gib Trost den Traurigen! Setz dich für die Schwachen ein! Such das Gute! Hör nicht auf zu beten! Sei dankbar…" Immer und immer wieder! Es ist wie ein altes Lied, oder ein guter Film, dieses Bibelwort, das uns ermahnt. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, versuch den Ängstlichen Mut zu machen, such das Gute! Gott sei Dank muss ich die Kraft nicht aus mir selbst schöpfen. Sondern Gott gibt mir die Kraft, die ich brauche, um meinen Weg zu gehen. Auf dass ich im Kino oder anderswo singen kann "Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das deine nur getreu!"

Pfarrerin Christine Stradtner, Gnötzheim

Wir beten: Mein Gott, manchmal bleibe ich weit hinter dem zurück, was ich sein möchte. Tag für Tag wächst meine Erschöpfung. Heile mich vor falschem Ehrgeiz und setze mich auf den richtigen Weg. Weil ich dir wichtig bin, muss ich mich nicht wichtig machen. Weil ich dir wert bin, muss ich mir nicht selbst einen Wert geben. Ich darf sein, wie ich bin. Dank sei dir. Amen.

Lied 369: Wer nur den lieben Gott lässt walten.

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