Evangelisches Sonntagsblatt
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 33 )

Ehe: Dialoge öffnen Zukunft

Damit dem "Ja" viele Jahre folgen

Kirchenmusik
 
Foto: Heiner Heine
 

Zwei Menschen begegnen und verlieben sich. Beide fühlen sich wie im Himmel auf Erden. Dann, nach einiger Zeit kommt die Ernüchterung. Das Bild des "idealen Partners" beginnt zu bröckeln.
Dorothea M. (Name von der Redaktion geändert) machte mit ihrem Partner eben diese Erfahrung. Sie lernte ihren Mann als ruhigen, sanftmütigen Menschen kennen. Im Alltag aber musste sie enttäuscht feststellen, wie schnell er laut werden konnte, wenn er in eine Stresssituation geriet. "Seine Art, mit mir zu sprechen, erniedrigte mich," schilderte die damals 30-Jährige. Denn in ihrem Elternhaus kannte sie diesen Umgangston nicht.

Werte ansprechen

Martina Beck, Eheberaterin im Diakonischen Werk in Weißenburg, kennt solche Beispiele zur Genüge. Sie rät dazu, die eigenen Werte auszusprechen, die einem wichtig sind, zum Beispiel: "Was bedeutet für mich ein ruhiger Umgangston?" Oft helfe auch die Frage nach dem Warum?: "Warum verhält sich der Andere so?" Im Falle von Frau M. stellte sich später heraus, dass der laute Ton in der Familie ihres Mannes zum "normalen" Umgang gehörte. Der Therapeutin zufolge neigen Frauen dazu, Wünsche zu umschreiben oder sie lassen sich gerne alles von den Augen ablesen. Männer dagegen seien eher die "Macher". Beispielsweise sitzt sie abends matt auf dem Sofa. Ein vorangegangenes Miss-verständnis lässt sie schmollen. Er fragt "Bist du müde?" und bietet ihr an, einen Kaffee zu kochen. Ihr Fehler dabei: Sie sagt nicht klar, was ihr missfällt und wartet darauf, dass er ihr Problem erkennt. "Klartext sprechen ist eine Grundvoraussetzung der Verständigung," so die Eheberaterin.

Ständiger Lernprozess

Wenn Paare solche und ähnliche Situationen immer wieder erfolgreich meistern, lernen sie sich mehr und mehr kennen und verstehen. "Daran kann eine Ehe wachsen," erklärt Martina Beck. Und sie fügt hinzu: "Die Ehe sei ein stetiger Lernprozess und tägliches Übungsfeld." Eine wesentliche Rolle dabei spiele auch, dass Charaktere oft verschieden seien: "Nicht nur die eigene Sicht der Dinge darf ausschlaggebend sein" mahnt Frau Beck. Zuhören, Nachgeben lernen und sich gegenseitig annehmen, stelle eine weitere Grundvoraussetzung einer glücklichen Ehe dar. Es sei jedoch eine Frage des Herzens, den Partner vorbehaltlos anzunehmen. "Sind die 'Wolken des siebten Himmels' noch nicht verflogen, ist das der richtige Zeitpunkt mit der Arbeit an der eigenen Partnerschaft zu beginnen; also so früh wie möglich," annimiert sie junge Paare.

Eheberater aus neun Europäischen Ländern gaben bei ihrer Jahreskonferenz Hauptgründe für die hohe Zahl der Trennungen an. Nach Beobachtungen der Ehe- und Familientherapeuten seien viele Menschen weder durch Schule noch durch Erziehung auf das gemeinsame Leben vorbereitet worden. Dabei spiele die mangelnde Erfahrung im Umgang mit Konflikten, zu wenig gemeinsame Unternehmungen (Rituale) und die Unfähigkeit zur Gesprächsführung eine große Rolle. Wer seine Gefühle nicht richtig ausdrücken könne oder sich ständig missverstanden fühle, habe Schwierigkeiten, sich in einer tieferen Ebene auf den Partner einzulassen. Dies gelte ebenso für die Se-xualität, heißt es weiter.

Peter Stimpfle Leiter der Ehe- und Jugendberatungsstelle in Weißenburg begegnet täglich Menschen, denen es nicht gelungen ist, sich gegenseitig anzunehmen. Personen, bei denen seit Jahren unausgesprochene oder gar unbewusste Probleme im Raum stehen: "Man geht von alten, oft unbewussten Erfahrungen und inneren Bildern aus, die bei früheren Bezugspersonen wie Eltern oder Lehrer, gesammelt wurden und erwartet vom Ehepartner, dass er sich gleich oder ähnlich verhält," so Stimpfle. Darum sei es wichtig, die eigene Erwartungen sorgfältig unter die Lupe zu nehmen und darüber zu sprechen, damit daraus realisierbare Wünsche werden können.

Fachkundige Hilfe suchen

"Sprecht darüber!" - dieser Rat ist Paaren schnell gegeben. Was aber, wenn ein Partner nicht gelernt hat sich auszudrücken und seine Gefühle zu beschreiben? Dann empfiehlt Stümpfle, eine Beratungsstelle aufzusuchen. "Außenstehende sind eher in der Lage Missverständnisse aufzuklären." Der erfahrene Berater verbindet Ehe mit einer Reise, die zur Odyssee werden kann, wenn das Paar sich nicht auch auf mögliche Veränderungen im beruflichen oder familiären Bereich einstellt. "Wenn man nicht aufhört, das alte zu tun, kann nichts Neues entstehen," beschreibt er es mit eigenen Worten. Das erste Kind stelle beispielsweise die bisherige Zweisamkeit auf den Kopf. Gerade dann sei eine Besinnung auf die gemeinsamen Bedürfnisse besonders wichtig.

Spezielle Seminare

Ein weiterer Tipp des Therapeuten: "Verständigung in der Ehe kann durch spezielle Seminare oder Trainings über einen begrenzten Zeitraum verbessert werden. Das kann die Ehe in Problemphasen stabilisieren. Damit auf das "Ja" bei der Trauung viele lebendige Ehejahre folgen.

Ute Lang

 


Gott ruft Menschen in seinen Dienst

In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen übersehen wurden bei der täglichen Versorgung. Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir für die Mahlzeiten sorgen und darüber das Wort Gottes vernachlässigen. Darum, ihr lieben Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll heiligen Geistes und Weisheit sind, die wir bestellen wollen zu diesem Dienst. Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben. Diese Männer stellten sie vor die Apostel; die beteten und legten die Hände auf sie. Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. (Apostelgeschichte 6, 1-4.7)



Fundament
 
Foto: Rummelsberger Anstalten
 

Es ist das Jahr 1993 - der Referent für Ökumene und Junge Erwachsene im Amt für Jugendarbeit, Edgar Meyer, bietet ein Seminar anlässlich des Kirchentags in München an. Jugendliche aus der orthodoxen Kirche in der Tschechischen Republik sollen die evangelisch-lutherische Kirche in Bayern kennen lernen und danach den Kirchentag besuchen. Im Vorbereitungsteam überlegen wir, wie und wo die Jugendliche am besten den "Alltag" unserer Kirche erleben können, um neben dem bunt-schillernden, vielfältigen Kirchentagshappening noch einen anderen Eindruck vermitteln zu können. Schnell kommen wir davon weg, Alltag mit dem Besichtigen von Gebäuden darstellen zu wollen. Da entsteht die Idee: Lassen wir doch Menschen von ihrem Arbeits-Alltag in der Kirche erzählen. Menschen, die in und für die Kirche arbeiten. Das Team sammelt: Wie viele Berufe gibt es eigentlich in unserer Kirche? Wir kamen damals auf die Zahl Neun - neben dem Pfarrer, der Pfarrerin, die sich alle im Laufe des Seminars mit ihrer Arbeit vorstellten. (Kommen Sie auf mehr? Am Ende der Andacht zähle ich sie auf).

Für die tschechischen Jugendlichen ergab sich eine völlig neue Sichtweise von Kirche: in der Tschechoslowakei gab es nur den Beruf des Geistlichen, jede andere Arbeit für die Kirche war verboten. Dabei ist dies eine uralte Tradition der Kirche - aus den Kindertagen der Kirche. In der Apostelgeschichte des Lukas wird von der Wahl von sieben "Armenpflegern" berichtet, die die Apostel unterstützen sollen.

Es kommt zu einer Arbeitsaufteilung: die einen übernehmen die diakonische, praktische Arbeit, während die anderen sich ganz auf die Verkündigung konzentrieren können. Beide Dienste stehen gleichberechtigt nebeneinander, zu beiden Diensten werden die Menschen eingesegnet. Das macht einen bedeutenden Unterschied: genauso wie es beim Amt der Verkündigung nicht darum geht, dass da ein Mensch von der Kanzel ein moralisch-ethische Rede zur Besserung der Menschheit hält, sondern dass Gottes Wort verkündigt wird, geht es beim anderen Dienst nicht darum, dass irgendwie Sozialarbeit geleistet wird. Vielmehr wird auch hier Gottes Wort verkündigt - ganz praktisch. Und für diese Verkündigung braucht es einen Auftrag von dem, der da verkündigt wird - also eine Einsegnung. Leider blieb diese Einsegnung bei der immer weiteren Ausdifferenzierung der Berufe in der Kirche auf der Strecke. Hoffnungsvolle Ansätze gibt es wieder z.B. in der Diakonie in Neuendettelsau, die das Diakonat eingeführt hat. MitarbeiterInnen können sich nach einer Fortbildungsreihe, bei der sie über geistliche, theologische und diakonische Fragen nachdenken, zum Dienst einsegnen lassen. Bereits 1996 hatte ein Gutachten der theologischen Kammer der EKD das Diakonat als "geordnetes Amt der Kirche" beschrieben.

Erste Schritte, um geistlich auch alle die anderen Mitarbeiterinnnen und Mitarbeiter stärker in das Blickfeld zu bekommen. Eine Vielfalt zu entdecken, die die Arbeit der Kirche ausmacht und eine Einheit zu finden, die im Auftrag der Kirche liegt: Menschen mit dem Wort Gottes vertraut zu machen und in die Nachfolge einzuladen.

Welche Berufe wir damals auf dem Seminar hatten? Kirchenmusiker, Diakon, Sozialpädagogin, Religionspädagogin, Verwaltungsangestelte, Gemeindekrankenschwester, Dorfhelferin, Familienhelferin, Religionslehrer.

Pfarrer Uwe Koß, Windsbach

Wir beten: Gott, du rufst Menschen in Deine Nachfolge. Sei Du bei ihrem vielfältigen Dienst in der Kirche, stärke sie in ihrem Glauben und gib ihnen die Kraft, Dein Reich zu verkündigen. Amen.

Lied 406: Bei dir Jesu will ich bleiben, stets in deinem Dienste stehn.

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