Evangelisches Sonntagsblatt
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 33 )

Sportliche Töne anstimmen

Wie Kirchenmusiker den Urlaub nutzen

Kirchenmusik
 
Foto: Wodicka
 

Bei Kirchens ist das nicht so einfach mit dem Urlaub. Seelsorgegespräche, Beerdigungen und Gottesdienste finden auch während der Ferienzeit statt. So beginnt für viele Pfarrer in den Sommermonaten die mühevolle Suche nach einer Vertretung. Kollegen aus den Nachbargemeinden, Lektoren oder Prädikanten kommen zum Einsatz. Was dabei häufig nicht in den Blick gerät: Wie organisieren Organisten ihre Vertretungsdienste? Gibt es genügend Schüler, die bereit sind, während der freien Zeit die Orgelbank zu drücken? Das Rothenburger Sonntagsblatt hakte nach - und war auch in einem anderen Punkt neugierig: Was tun Kirchenmusiker eigentlich in den Ferien?

Aktivurlaub geplant

Matthias Ank, Kantor in Nürnberg-St. Lorenz, fährt heuer mit seiner Familie zum Zelten in die Schweiz. Auf dem Programm stehen Wandern und Schwimmen. Die Vertretung ist kein Problem. Ein Kirchenmusikpraktikant wird für ihn in die Tasten greifen. Nachdem Matthias Ank in diesem Jahr vor allem durch das Jubiläum "50 Jahre Wiederaufbau der Kirche" in Beschlag genommen ist, will er sich in den drei Wochen richtig erholen. Und das heißt auch: "Orgel geübt wird auf gar keinen Fall!"

Auch die Orgel macht Pause

Das sieht Hanns-Friedrich Kaiser, Dekanatskantor in Weiden, genau so. "Die Orgel pausiert in den zweieinhalb Wochen, Abstand tut in diesem Fall einfach gut." Er nutzt die Zeit der Muße mit seiner Familie in einem Ferienhaus in Frankreich. Anschließend denkt er schon an eisigere Zeiten: "Das Holz für unseren Kachelofen muss gespaltet und aufgeschlichtet werden." Nicht so einfach war es für den oberpfälzer Kantor, einen Ersatz für die Gottesdienste zu finden. Er habe zwar 14 Schüler, viele seien jedoch verreist oder müssten in ihrer eigenen Gemeinde Dienst tun. Kaiser appelliert deshalb an die Pfarrer, zum Beispiel im Konfirmandenunterricht eventuelle Orgelschüler im Blick zu haben. "Die Geistlichen kennen die Fähigkeiten der Jugendlichen doch besser als ich." Ähnliche Erfahrungen macht Ingo Hahn als Dekanatskantor in Kulmbach. "Meine Schüler wollen in den Ferien nicht vier Sonntage am Stück die Orgelbank drücken, sondern am Wochenende frei haben." Trotzdem hat er Glück. Er kann auf drei Organisten zurückgreifen, die zu unterschiedlichen Zeiten in den Urlaub fahren.

Der Ansbacher Dekanatskantor Rainer Goede wird noch deutlicher, wenn es um die Gewinnung von Nachwuchsorganisten geht: "Viele wollen sich nicht mehr fest an eine Aufgabe binden." Hinzu käme eine merkliche Hemmschwelle gegenüber allem, was mit Kirche zu tun habe. Er spricht sogar von einer "Null-Bock-Generation".

Die Kirchenmusiker hält es im Urlaub meist nicht zu Hause. "Unsere Wohnung liegt direkt neben der Kirche. Da ist klar, dass öfter mal jemand klingelt und man nicht zur Ruhe kommt", erklärt der Kulmbacher Dekanatskantor Ingo Hahn. Beim Üben zieht ebenfalls Ruhe ein. Für den 47-Jährigen ist das kein Problem: "Die Profis bei der Tour de France strampeln sich ja auch nicht das ganze Jahr über ab", sagt er verschmitzt. Trotz des fehlenden Sportsgeistes in Sachen Fingerfertigkeit - viele Organisten stimmen in ihrer Freizeit sportliche Töne an. Rainer Goede nutzt die 14 Tage im Schwarzwald zum Wandern, Fahrrad fahren und Schwimmen. Aktivurlaub pur, allerdings "nix, was die Bandscheibe gefährden könnte", fügt er hinzu.

Ganz enthaltsam bleibt er jedoch, was den dienstlichen Bereich anbelangt, nicht. Sicher - geübt wird auch im Goede-Haus während der Ferien nicht. Dafür besucht der 53-Jährige in seiner Freizeit besonders "qualifizierte Gottesdienste, also kein Null-Acht-Programm". Goede holt sich dabei meist eine Menge Anregungen. Das reicht von der musikalischen Ausgestaltung über die Einrichtung des Gottesraums bis hin zu den Infozetteln, die am Eingang ausliegen. Vor fünf Jahren war er beispielsweise anlässlich einer Fortbildung in den Niederlanden. Da habe ihn begeistert, dass zu Beginn des Gottesdienstes erst einmal 15 Minuten lang Orgelmusik gespielt wurde.

Eine launige und gelungene Begrüßung durch einen Kirchenvorsteher führte zu einer angenehmen Atmosphäre. Und die Kollekte wurde in zwei Beuteln mit unterschiedlichen Farben eingesammelt. "So konnte jeder Besucher selbst entscheiden, wofür er sein Geld spendet", unterstreicht Rainer Goede.

Kurkantor - Nein, danke!

Auch das scheint also für viele kirchliche Tastenkünstler ein Anreiz im Urlaub zu sein: Zu sehen und vor allem zu hören, wie es in anderen Gemeinden "läuft". Freizeit als Quelle der Inspiration. "Wenn man das ganze Jahr über an einer Stelle spielt, ist das doch spannend, einmal etwas ganz anderes zu hören", betont Hanns-Friedrich Kaiser aus Weiden. Aufmerksam verfolgt er dann, wie der Kollege oder die Kollegin spielt und holt sich Anregungen, "was man in der eigenen Praxis besser machen kann." Natürlich nicht im Sinne der Kontrolle: "Ich gucke da niemandem auf die Finger", betont Matthias Ank und berichtet von dem diesjährigen Besuch einer katholischen Messe in Köln-St. Peter. Imponierend sei der innige Dialog zwischen Theologie auf der einen Seite und Kunst/Musik auf der anderen Seite gewesen.

Interessant an unserer kleinen Umfrage ist: Keiner der Befragten kann sich derzeit einen Einsatz auf einer Kurkantorenstelle vorstellen. "Die entspannte Situation - in einer herrlichen Gegend und mit erholten Menschen - ist sicher sehr schön", gibt Matthias Ank zu, "aber ich selber kann da nicht abschalten und mich entspannen - das mache ich vielleicht, wenn ich im Ruhestand bin.

Günter Kusch

 


Jesus Christus als Fundament der Kirche

Der Apostel schreibt: Wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. (1. Korinther 3, 9-11)



Fundament
 
Foto: Wodicka
 

Der Apostel Paulus macht sich Sorgen um die Christengemeinde in Korinth. Er hatte sie einst gegründet. Obwohl die Christen in dieser pulsierenden Welt- und Handelsstadt sich in der Minderheit befinden und eigentlich zusammenhalten müssten, sind sie offensichtlich zerstritten. Gruppen und Cliquen haben sich rasch gebildet. Es scheint sogar eine Spaltung zu drohen. Die Gemeindeglieder treibt die Frage um, zu wem sie sich halten sollen: zu Paulus oder zu Apollos, einem "beredten Mann und gelehrt in der Schrift" (Apostelgeschichte 18, 24). Er predigte in Korinth und half "denen viel, die gläubig geworden waren durch die Gnade" (Apostelgeschichte 18, 27).

Zwei Fraktionen sind im Entstehen: eine Paulus-Fraktion und eine Apollos-Fraktion. Welche Ziele diese Gruppierungen im einzelnen verfolgen wollen und welche Lehre sie vertreten, lässt sich aus den Briefen des Apostels nicht genau feststellen. Die einen sagen, sie gehörten zu Paulus, die anderen meinen, ihr Fundament wäre Apollos. Paulus wertet diese Spaltungstendenzen als Zeichen der Unreife und Unmündigkeit der Christen. Er belehrt die Korinther und stellt sowohl für sich als auch für seinen "Konkurrenten" fest: "Wir sind Gottes Mitarbeiter". Dabei erinnert er an die Anfänge der Christengemeinde in Korinth und daran, dass er "als ein weiser Baumeister" den Grund für die Gemeinde gelegt hatte, als er ihnen das Evangelium von Jesus Christus verkündigte, und ein anderer, Apollos, nun darauf aufbaue zum Nutzen der gesamten Gemeinde.

Einige Verse zuvor drückt der Apostel das mit einem Bild aus dem Gartenbau so aus: "Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben", und will damit sagen, dass beide "Gärtner" auf den Segen Gottes angewiesen sind. Und er unterstreicht diese Aussage, indem er fortfährt: "So ist nun weder der pflanzt noch der begießt etwas, sondern Gott, der das Gedeihen gibt." Ohne Gott ist geistliches Wachstum nicht möglich, mögen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch so eifrig und aktiv sein.

Es geht beim Gemeindeaufbau nicht um ein "Entweder oder", entweder Paulus oder Apollos, entweder konservativ oder fortschrittlich, entweder pietistisch oder charismatisch, entweder wortorientiert oder diakonisch, entweder Tradition oder Moderne, entweder Kerngemeinde oder Randgruppe - die Aufzählung ließe sich noch beliebig fortsetzen - sondern um ein "Sowohl als auch". Es geht um die Einheit. Beide Gottesmänner, Paulus und Apollos, setzen sich für den Bau der Gemeinde ein und wissen sich in ihrer Arbeit von Gott abhängig.

Paulus will den Korinthern und damit auch uns deutlich machen, dass es nicht darum gehen kann, Menschen an sich zu binden. Es gibt keine Paulus-Gemeinde und keine Apollos-Gemeinde, sondern nur eine Christus-Gemeinde. Der Apostel will nur Wegweiser sein, der von sich weg zeigt auf Jesus Christus hin, "den Anfänger und Vollender des Glaubens", das Fundament der Gemeinde. Paulus wird damit zum Vorbild für alle Mitarbeitende in Kirche und Gemeinde, denn "einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus".

Dasselbe drückt in einem anderen Zusammenhang auch Johannes der Täufer aus, wenn er sinngemäß erklärt: Jesus muss wachsen, ich aber muss abnehmen. Weder Paulus noch Johannes stellen sich in den Vordergrund. Sie vertreten nicht eigene Interessen, sondern weisen auf die geistliche Basis Jesus Christus hin. Wo Jesus wirklich das Fundament der Gemeinde und nicht nur der Rand und die Verzierung ist, da kann es den Verantwortlichen nicht gleichgültig sein, wie sie mit diesem wertvollen Grund umgehen. Und so ist die Mahnung des Apostels an die Korinther auch eine Mahnung an uns Christen heute, die wir viel über Gemeindeaufbau nachdenken: "Ein jeder sehe zu, wie er darauf aufbaut." Dabei ist zu beachten, dass es nicht nur stabiles Material gibt, sondern auch leicht zerstörbares und wenig haltbares.

Lothar Böhm, Abteilungsdirektor, Münchberg

Wir beten: Herr Jesus Christus, wir danken dir, dass in aller Welt deine Gemeinde gebaut wird. Auch wir sind zu Bauleuten berufen. Wir bitten dich, entschärfe allen Zwist, der über die rechte Verkündigung deines Wortes entstehen kann. Schenke uns deinen Geist, dass wir uns am Gemeindeaufbau erfreuen; denn du bist der feste Grund der Gemeinde. Amen.

Lied 264: Die Kirche steht gegründet allein auf Jesus Christ

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