Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 30 )

Urlaubsangebote der Kirche

Olympische Dörfer und französische Natürlichkeit

Wer derzeit einen Blick in den Pfarrgarten von Tanja Raack wagt, traut seinen Augen nicht. Sechs mittelgroße Hütten werden da zwischen Bäumen und Sträuchern errichtet. Ein kleines olympisches Dorf entsteht - mitten in Heilsbronn. Nicht nur Asterix und Obelix hätten ihre Freude daran. Auch den knapp 50 Kindern, die ab 1. August dort einziehen, dürfte die ungewöhnliche Unterkunft eine Menge Spaß bereiten. Fünf Tage lang heißt es dann "Olympia 2002 in Heilsbronn" - nur eines von vielen Angeboten, die bayerische Kirchengemeinden während der Sommerferien aus dem Hut zaubern. Die Ziele dabei sind unterschiedlich und reichen von Unterhaltung pur bis hin zum missionarischen Konzept.

Soziale Fähigkeiten

Letzterem will sich die Heilsbronner Pfarrerin Tanja Raack nicht zuordnen. Die sportlichen Wettkämpfe - rund um ein olympisches Feuer aus Transparenzpapier - dienen dazu, dass "Kinder ihre sozialen Fähigkeiten entdecken und eine positive Erfahrung mit Kirche machen", so formuliert es die Geistliche.

Freizeit am Meer Zeltfreizeit Die Ferienangebote bayerischer Gemeinden reichen von Kinderbibeltagen (Foto unten) bis hin zu Freizeiten am Meer (links). Pfarrer Matthias Knoch fährt heuer mit Jugendlichen zur Zeltfreizeit nach Frankreich - auf einen natürlich belassenen Platz mit Kaltwasser und einfachsten hygienischen Anlagen (oben rechts).

Fotos:
Kusch
Wodicka (1)
Knoch
Kinderbibeltag  

Dieser Ansatz stammt noch aus der so genannten Stadtranderholung. Sie entstand im Zuge der Verelendung breiter Bevölkerungsschichten durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Besonders verheerend war damals die Lage der Arbeiterkinder. Die Zielrichtung der Stadtranderholung veränderte sich, als das Konzept nach dem zweiten Weltkrieg wieder neu auflebte. Es nahmen nur noch gesunde Kinder teil, der Hauptaspekt lag auf sozialpädagogischen und gruppendynamischen Inhalten.

Eine Art "Ableger" davon ist beispielsweise im Diakonischen Werk Pappenheim und Weißenburg zu finden. Dort gibt es schon seit Jahrzehnten "Tagesmaßnahmen", die heuer im August drei Wochen lang dem Motto "Die vier Elemente" gewidmet sind. Knapp 50 Kinder zwischen sechs und 12 Jahren, werden täglich mit dem Bus abgeholt und nach Kattenhochstadt gebracht (sieben Kilometer von Weißenburg entfernt). Dort beschäftigen sie sich in vier Gruppen mit den Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde, spielen und basteln oder gehen auch einmal zum Baden. Um 17.30 Uhr werden die Teilnehmer dann wieder nach Hause gebracht.

Was diese Aktion der Diakonie von üblichen Vereinsangeboten unterscheidet? Wo da das kirchliche Profil bleibt? Für Sozialpädagogin Marion Missel vom Diakonischen Werk in Weißenburg ist das keine Frage: "Die Kinder erleben die Natur und damit den Begriff Schöpfung quasi hautnah." Außerdem würden kleine Andachten gehalten und biblische Inhalte durch das Singen von Liedern oder mit Gebeten vermittelt.

In St. Jacob in Oettingen steht das Buch der Bücher bewusst im Vordergrund. Bei einer Kinderfreizeit in Schopflohe wird den Erst- bis Fünftklässlern das Thema "Mose" spielerisch vermittelt. Passend zu den Plagen, mit denen Gott den Pharao zur Umkehr bewegen wollte, basteln die Kinder zum Beispiel kleine Frösche aus Papier. Die drei Tage im September versteht Pfarrerin Ingrid Braun durchaus als Form des Gemeindeaufbaus: "Wir wollen die Kids für den regulären Kindergottesdienst begeistern." Und: Sie lernten ihre Pfarrerin als Menschen kennen und nicht als Amtsperson.

Dies ist sicher auch den Jugendlichen möglich, die heuer mit Pfarrer Matthias Knoch vom 5. bis 18. August nach Frankreich fahren. Der Geistliche aus Auhausen (Dekanat Oettingen) hat sich dafür einen idyllischen Zeltplatz bei Le Pin, mitten im Naturschutzgebiet an den Ufern der Creuse, ausgesucht. Auf dem Grundstück befindet sich eine Hütte, in der die Kochgelegenheiten untergebracht sind. Als Toiletten stehen zwei Plumpsklos zur Verfügung. Und als Waschgelegenheit dienen eine Dusche mit kaltem Wasser und ein Sanitärbereich im Freien. "Man kann dort nur einfach leben", betont Knoch. Gerade so könnte diese Freizeit zur "Brücke werden, um das Evangelium weiter zu geben."

Natürlich Gott erfahren

Die Jugendlichen erlebten hier ganz bewusst die Abgeschiedenheit und Stille und machten so eventuell die "Erfahrung, dass Gott da ist", erklärt der 43-jährige Seelsorger. Die Bibelarbeiten kommen - neben Spiel, Ausflügen und Kanufahrten - nicht zu kurz. Dafür haben die vier Mitarbeiter morgens zwischen 9.30 und 11 Uhr eine feste Zeit eingeräumt. Das wurde den Mitfahrern von Anfang an mitgeteilt.

Was sich Pfarrer Knoch von dieser Form der Freizeitarbeit verspricht? "Dass es uns gelingt, durch die Mauern, die zwischen Jugendlichen und Kirche bestehen, hindurchzufinden", sagt er. Einer seiner größten Wünsche wäre es, dass in seiner Gemeinde eine lebendige Jugendarbeit entstünde: "Ich leide sehr darunter, dass nach dem Konfirmandenunterricht kein Interesse mehr an Kirche besteht." Kirchliche Freizeitangebote könnten da tatsächlich zu einer Brücke werden. Sie zeigen laut Sozialpädagogin Marion Missel nämlich etwas ganz Wichtiges: "Dass Kirche enorm viel Spaß machen kann."

Günter Kusch

 


Sehnsucht nach Gott

Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele Gott zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue? (Psalm 42, 1-3)



Labyrinth
 
Es scheint eine Anziehung auf Menschen zu haben: Auf dem Kirchplatz in Neusitz gehen immer wieder Leute auf dem aufgezeichneten Labyrinth entlang. Foto: kil
 

Es gibt sehnsüchtige Steine: mag-netisierte Mineralien, die sogar noch nach Hunderten von Millionen Jahren zum magnetischen Pol weisen. Mineralien, die nie das Magma vergessen haben, dessen Erkalten sie für immer sehnsüchtig machte.

Wenn schon Steine ihren Ursprung nicht vergessen, wieviel mehr ist die Sehnsucht nach unserem Ursprung in uns Menschen eingeprägt. Ich stelle mir unsere Seelen wie einen Magneten vor, der sich nach Gott sehnt und Gott selbst sehnt sich nach uns. Ein gegenseitiges Sich-Sehnen.

Daher glaube ich, dass jeder Mensch religiös ist, "magnetisiert" seit seiner Geburt. Es gibt nur viele viele Faktoren, die diese Sehnsucht unterdrücken, schwächen und stumpf machen. Dabei sehe ich es als große Lebensaufgabe, diese Sehnsucht in uns zu spüren und zu leben und sie in anderen zu wecken. Wie A.S. Exupery schreibt: "Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Leute zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern wecke in ihnen die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer."

Die Sehnsucht ist eine gestalterische, eine treibende Kraft. Geben wir ihr Ausdruck wie der Psalmbeter. Bleiben wir auf der Suche, auf dem Weg zu Gott in unserem Leben, egal welche Wendungen es schon genommen hat, egal wie lange wir schon nicht mehr mit Gott gerechnet haben und auch wenn wir ganz zufrieden sind. Bleiben wir auf der Suche wie ein Hirsch nach frischem Wasser, als ginge es ums Überleben.

Für mich gibt es ein wunderbares Abbild des Menschen, der sehnsüchtig nach Gott unterwegs ist: das Labyrinth. Vergangenes Jahr haben wir unserer Kirche in unserer Gemeinde solch ein Labyrinth "geschenkt". Auf dem großen Parkplatz vor der Kirche haben wir das Labyrinth von Chartres haltbar aufgemalt. Das Labyrinth ist ein Abbild für den Lebensweg eines Menschen. Der Weg ist nicht geradlinig. Es gibt 28 Kehren, wo ich mich umwenden muss. Immer wieder bin ich der Mitte ganz nah und dann wieder weit weg. Elf Kreise sind es. Die Zahl steht für die Unvollkommenheit der Menschen. Für unsere Fehler und Irrtümer. Abkürzungen gibt es nicht.

Das Labyrinth ist ein Hinweis darauf, dass der Weg des Menschen zu seiner eigenen Mitte, zu Gott in ihm, ein anspruchsvoller Weg ist. Rasch und billig ist hier nichts zu haben. So wie das Leben oft geprägt ist von Durststrecken, befindet sich der Mensch im Labyrinth oft weit weg von der Mitte und auch wenn man sich ihr nahe meint, ist sie doch noch nicht erreicht. Aber das Labyrinth ermutigt weiterzugehen, weil es ein Ziel gibt, auch wenn es manchmal aus dem Blickfeld gerät. Die Mitte ist sicher da. Sie ist ein Symbol für Gott, der sicher auf uns wartet. Im Begehen eines Labyrinths können wir leibhaftig diese Gefühle der Sehnsucht, Umkehr und des Ankommens erfahren.

Wir erleben sie auch im Beten eines Psalmes. Ein Psalm geht oft diesen Weg der Suche, des Schreies hin zur Freude, zum Finden. So eben auch der Psalm 42. Darum halte ich mich selbst an den Rat der Theologin Dorothee Sölle, wir sollten Psalmen "essen." Denn ohne sie tritt spirituelle Magersucht ein, eine Verarmung des Herzens, des Geistes. Darum sagt sie: "Esst die Psalmen. Jeden Tag einen. Vor dem Frühstück oder vor dem Schlafengehen". Wir können uns diese Psalmworte zu eigenen machen, sie uns einverleiben. Wir können sie füllen mit unserem Schmerz, unserer Sehnsucht und unseren Lebensumständen. Und inwendig in uns, können wir sie mit uns herumtragen, wohin wir auch gehen während eines Tages.

Pfarrerin Dr. Thea Vogt, Neusitz

Wir beten: Lebendiger Gott, lass uns wach sein für dich und alle Zeichen deiner Liebe, die du in unser Leben streust. Dass wir dich suchen in allen Dingen. Mach uns unruhig, wenn wir über die Fülle der Dinge, die wir besitzen, den Geschmack für ein erfülltes Leben verloren haben. Finde uns du lebendiger Strom des Lebens und reiße uns mit hinein in die Liebe zu diesem Leben. Amen

Lied 171: Bewahre uns Gott.

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