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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 28)

Mission mit einladendem Ambiente

Zeltmission mit neuem Konzept: offener, frischer und pfiffiger

 
Eines der modernen Zeltpavillons der dzm
 

Ein großer, heller Zeltpavillon mit einer freundlichen Atmosphäre. Große Fensterfronten lassen viel Licht nach innen fallen. Dort stehen in einem Seitenteil Bistrotische und -stühle, daneben eine Theke mit Getränken und Snacks. Vorne eine mit Sonnenblumen und anderen Pflanzen hübsch geschmückte Bühne. Ein frisches, einladendes Ambiente, das nichts mehr vom frommen Mief früherer Missionszelte erkennen lässt.

Seit einigen Jahren präsentieren sich die "Wanderkirchen" der Deutschen Zeltmission (dzm), der größten Organisation ihrer Art in der Bundesrepublik, in neuem Gewand. Die Pavillons mit den Fensterfronten sind Konzept. "Die Zelte sind nichts abgeschlossenes mehr: Man kann von außen rein und von innen raus schauen", erklärt Thomas Cornel, einer der drei hauptamtlichen Prediger der dzm, die heuer 100 Jahre alt wird.

Diese Öffnung nach außen macht sich nicht nur bei den Pavillons bemerkbar, sondern auch beim Programm. Viele Jahrzehnte dominierte das klassische Strickmuster mit Beiträgen von Posaunenchören, gemeinsamen Liedern und langer Predigt. In den neunziger Jahren kam diese Art der Mission in die Krise - nicht zuletzt durch rückläufige Zahlen. "Wir haben lange Zeit geschlafen und sind nicht mit der Zeit gegangen", meint Cornel selbstkritisch, der seit 1996 bei der größten der zehn deutschen Zeltmissionen arbeitet.

Zelt kein Auslaufmodell

 
Ansprache ohne Bekehrungsdruck: Pfarrer Thomas Cornel
 

"Das Zelt als Medium ist kein Auslaufmodell", betonen die dzm-Verantwortlichen. Sie können auf die Menschen verweisen, die in ein Zirkuszelt gehen oder zu einem Konzert. Vorbei allerdings ist - so die Zeltmissionare - die Zeit des klassischen Programms. Seit 1996 setzt die dzm auf ein neues Konzept. Cornel: "Das ganze Programm ist nun viel aufgelockerter." Musiker, Illusionskünstler, Mimen oder Schauspieler sind mit von der Partie.

Statt langem Vortrag gibt es zum Beispiel kürzere Ansprachen mit pantomischen Einlagen, die das Gesagte noch vertiefen. Oder eine Malerin ist mit auf der Bühne und gestaltet passend zum Vortrag ein Bild. Nach der Ansprache zeigt sie ihr Werk. Oder die Bühne wird zum Laufsteg: Zum Thema "Kleider machen Leute" findet eine Modenschau im Zelt statt.

Gruppen und Vereine aus den Regionen, wo die Zeltmission Station macht, gestalten meist die Veranstaltungen mit. "Die Abende sollen einen Bezug zum Ort haben", meint dzm-Mitarbeiter Cornel. Es solle nicht der Eindruck entstehen, "hier wird etwas von außen eingeflogen." Das Konzept geht auf: In den letzten Jahren stieg die Zahl der Einsätze und Besucher kontinuierlich.

"Die Zeltmissionare, deren Arbeit sich ausschließlich durch Spenden finanziert, sind oft überrascht vom Ideenreichtum der Gemeinde. An einem Ort brachten die Mitarbeitenden einen transportablen Pizzaofen ins Zelt: Der Bistrobereich wurde zur Pizzeria. Bei einem anderen Einsatz kredenzten die örtlichen Vereine an den einzelnen Abenden jeweils unterschiedliche kulinarische Köstlichkeiten: Auf die Besucher warteten chinesische, französische oder italienische Schmankerl.

In der Zusammenarbeit mit Vereinen gibt es kaum Berührungsängste mehr. Dass eine Jazztanzgruppe - wie im fränkischen Schillingsfürst - im Missionszelt auftritt, wäre früher wohl undenkbar gewesen. Doch mancher hat damit schon seine Probleme und weiß nicht recht, was das "Gehopse" hier zu suchen hat.

 
Jazztanz im Missionszelt: Viele Besucher verfolgten sehr interessiert den Auftritt. (Fotos: güs)
 

Aufmerksam folgen die Frauen der Jazztanzgruppe dem Vortrag von Thomas Cornel, der über das Thema "Hauptsache gesund" spricht. Er redet davon, dass "Kranksein zum Menschen gehört", dankt für den Dienst der Ärzte und für wirksame Medikamente und bezeichnet Lachen als gute Medizin: "Beim Lachen werden mehr Muskeln trainiert als beim Joggen." Der Pfarrer rät, Leid und Krankheit mit einem an-deren Vorzeichen zu versehen: Statt einem misstrauischen Minus ("Warum lässt Gott das zu?") ein vertrauensvolles Plus zu setzen ("Gott ist gut."). Am Kreuz habe Gott dies gezeigt, dass er es gut mit denMenschen meine. Zum Ende der Ansprache, bei der zentrale Aussagen auf eine Leinwand projiziert wurden, lädt Cornel ein, nach der Veranstaltung "einen Anfang mit Jesus zu wagen". Für Gespräche stehe er (Cornel) gerne zur Verfügung.

"Ich möchte in den Ansprachen keinen Bekehrungsdruck ausüben, oder Angst machen, sondern zum Gespräch einladen", erklärt der 45-jährige Geistliche später. Die Menschen sind für ihn "keine Bekehrungsobjekte, sondern wertvolle Gegenüber". Er möchte ihnen die Botschaft weitergeben: "Bei Jesus gibt es Geborgenheit - selbst wenn es durch Leid und Sterben geht."

Regionale Unterschiede

Der Einladung zum Gespräch kommen Menschen immer wieder nach. "Wir sind sehr in Anspruch genommen", lässt der dzm-Mitarbeiter erkennen. Allerdings gebe es Mentalitätsunterschiede zwischen den einzelnen Regionen Deutschlands: Während Ostfriesen die Sache mit Gott am liebsten mit sich selbst ausmachten, würden Franken für Gespräche über Glaubensfragen aufgeschlossener sein.

Wieviel Menschen bei den Veranstaltungen und Einsätzen zum Glauben kommen, darüber führt die Deutsche Zeltmission nicht Buch. "Uns geht es nicht um Zahlenspielereien", erklärt Cornel. Die Wirkungen der Veranstaltungen würden sich - bis auf die Besucherzahlen - nicht statistisch messen lassen. Denn nicht selten hätten die Einsätze auch eine Langzeitwirkung: "Erst später geht manchmal die Saat auf, die im Zelt gesät wurde."

Eines lässt sich dem württembergischen Pfarrer zufolge jedoch sagen: Mit dem Zelt als "Wanderkirche" würden sich mehr Außenstehende ansprechen lassen als bei missionarischen Veranstaltungen in festen Gebäuden. Cornel schätzt, dass unter den Besuchern zwischen 10 und 20 Prozent Kirchenferne sind, manchmal sogar mehr. Der Grund: "Anders als jedes normale Gebäude hat das Zelt keine Schwelle. Deshalb ist die Hemmschwelle hier geringer."

Günter Saalfrank

 


Auch in der Wüste zeigt sich Gott

Und der HERR sprach zu Mose: Ich habe das Murren der Israeliten gehört. Sage ihnen: Gegen Abend sollt ihr Fleisch zu essen haben und am Morgen von Brot satt werden und sollt innewerden, dass ich, der HERR, euer Gott bin. (2. Mose 16, 12)



 
Foto: Wodicka
 

Die Wüste, jenes lebensbedrohende Gebiet, wo die Hitze des Tages und die Kälte der Nacht Felsen zerspringen lässt, wo Hunger und Durst, Anstrengung und Schweiß ständige Wegbegleiter sind und ein verkehrter Weg Tod bedeutet, diese Wüste kannte Israel zur Genüge. Doch Israel konnte darüber noch anders reden: Daher waren sie gekommen, befreit aus mörderischer Knechtschaft, als Flüchtlinge, auf der Suche nach neuer Heimat. So war die Wüste im Nachhinein auch Vorfeld der Freiheit durch Gott. In vielen seiner Lieder hat Israel das immer wieder besungen.

Doch Israel kennt nicht nur solche frohen Farben über seinem Weg durch die Wüste. Da sind auch dunkle Farben. Sie erzählen von Bedrohung, Durst, Hunger und Weglosigkeit. Über der Wüste liegt auch das düstere Bild von Zweifel und Anfechtung. So oft Israel auch seinen Gott, der durch die Wüste führt, besungen hat, die Wüste war kein Paradies, sondern Zeit der Prüfung, der Entbehrung und der bohrenden Fragen: "Warum führt uns Gott diesen Weg durch die Wüste? Sollen wir hier umkommen?" So erzählte Israel diese Geschichte weiter, weil es wusste, dass es in mancher Dürreperiode seiner Geschichte diesem Gott immer wieder misstraut, sich gegen seine Führung aufgelehnt und an seinem guten Willen gezweifelt hatte.

Wüste kennen wir auch. Es ist nicht nur jener lebensfeindliche Landstrich. Wüste ist dort, wo wir uns einsam fühlen, wo Beziehungen verdorren, wo wir uns mühsam, ohne Zukunft, von Tag zu Tag schleppen, wo wir nach Sinn hungern und nach Erfüllung dürsten, wo mitten im Leben das Leben versandet. Da besinnen wir uns gern auf das, was war: "Ja früher war alles besser und schöner." Doch gegenwärtige Not, Unzufriedenheit und Zweifel sind eine schlechte Brille, um Vergangenheit richtig zu sehen.

Ist das nicht eine merkwürdige Verfärbung der Erinnerungen? Waren es wirklich so rosige Zeiten? Saßen die Fronknechte des Pharao wirklich an Fleischtöpfen? Wir träumen vom Gestern und verlieren die Möglichkeiten aus den Augen, die Gott in unser Heute legt. Denn auch noch so notvolle Gegenwart ist nicht ohne Gott. Die Wüste, auch die Wüste im übertragenen Sinn, hat zwei Gesichter: Sie ist Vorfeld zu neuer Freiheit; aber ebenso ist sie der Raum, in dem Angst und Zweifel übermächtig werden und Leben in Murren und ohnmächtigen Protest verfällt. Aber Leben ist immer Aufbruch ins Ungewisse, ist Wagnis und bedarf des Vertrauens. Ohne dieses Vertrauen in Gottes Zuwendung kommen wir nicht voran.

Trotz Murren geschieht das Wunder; Speisung dort, wo es für Gottes Volk nichts zu essen gab. Das Wunder lässt sich erklären. Aber ist es darum kein Wunder? Es ist immer ein Wunder, wenn Menschen gerettet werden und erfahren: Gott sorgt dafür, dass, die zu ihm gehören, nicht auf der Strecke bleiben, sondern jeden Tag neu erleben, das ist ein Tag mit Gott. Das ist das Wunder. Wie es geschieht, ist zweitrangig. Und doch, das eigentliche Wunder liegt in Gott.

Mir ist es ein unendlicher Trost zu wissen, dass Gott selbst im Murren und Aufbegehren gegen ihn den Hilfeschrei seiner Menschen erhört. Weil er uns will und uns liebt, kommt er in unsere Mitte, kommt er uns zur Rettung. Das ist das Wunder, von dem wir Tag für Tag leben dürfen. Unser Weg ist nicht ohne Gott. Selbst wo wir zweifeln, gegen ihn aufbegehren, hört er vor allem das: Wir brauchen ihn. Und er kommt, wendet Not.

Nicht nur auf satten Wiesen, auch in der Wüste, zeigt sich Gott als der Gott für und mit uns. Wo das unser Leben trägt, da werden wir satt in unserem Hunger nach erfülltem Leben.

Friedrich Seegenschmiedt, Pfarrer in Küps

Wir beten: Sei nah auf unsren Wegen und schenk uns deinen Segen. Wollst uns in schweren Zeiten, mit deiner Liebe leiten und endlich dorthin bringen, wo wir dir Lob nur singen. Amen.

Lied 171: Bewahre uns, Gott.

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