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Lust auf Leben

- oder warum Schwester Birgit ins Kloster ging

 
Foto: kil
 

Dax, Aktienkurse, Geldanlagen und schicke Kleidung - das war sieben Jahre lang ihr Alltag. Modische Klamotten hat sie eingetauscht gegen ein schlichtes graues Kleid. Über ihre Frisur muss sie sich nicht allzu viele Gedanken machen - die Haare stecken unter einem Schleier. Und statt Aktienkurse bestimmen nun Gebetszeiten ihr Leben: Birgit Henniger wechselte aus der Bank, wo sie als Anlageberaterin und Ausbilderin arbeitete, ins Kloster. Aus Birgit Henniger wurde Schwester Birgit. Mit 28 Jahren hat sie sich der Christusbruderschaft Selbitz, einer evangelischen Ordensgemeinschaft angeschlossen.

Weite im Glauben

"Ich bin in der Kirchengemeinde und im Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) aufgewachsen", schildert Schwester Birgit. Mit 18 Jahren hat sie die Christusbruderschaft kennengelernt."Ineiner schwierigen Situation suchte ich jemanden zum Reden und durch eine Frau aus un-serer Gemeinde kam ich nach Selbitz." Dort hat sie die Offenheit und Weite im Glauben fasziniert. "Zehn Jahre lang ging ich da hin zu Seelsorgegesprächen, aber ich kam lange nicht auf den Gedanken dort einzutreten", berichtet sie.

Bereits mit 14 Jahren habe sie begonnen zu fragen, was Gott mit ihrem Leben vor hat. So recht wusste sie nicht, wo es lang ging. Nach dem Abitur und einer gescheiterten Bewerbung ging sie auf eine Bibelschule. Danach studierte sie drei Semester Grundschullehramt. Schließlich zog es sie nach der Wende in den Osten und sie begann eine Banklehre in Chemnitz. "Die Arbeit in der Bank hat mir total Spaß gemacht." Muss wohl so sein. Denn mit viel zeitlichem Einsatz hat sie sich weitergebildet und hatte innerhalb kurzer Zeit eine gute Position als Anlageberaterin und Ausbilderin. Sie strahlt über das ganze Gesicht, als sie von der Bank erzählt. Kein Zweifel: Sie war gern dort. Was aber, bitteschön, hat sie dann bewogen, wegzugehen?

"Letztlich war es so, dass ich mit Mitte zwanzig beruflich bereits sehr viel erreicht hatte", erzählt sie. Sie habe sich gefragt, was noch kommen sollte. Bis zur Rente in der Bank bleiben? Das konnte sich die lebensfrohe junge Frau nicht vorstellen. "Ich spürte in mir auch immer eine Sehnsucht nach etwas anderem. Ich war auf der Suche nach einer für mich geeigneten Lebensform." Eine Freizeit, die sie in Selbitz besuchte, beeindruckte sie: "Die Freiheit im Glauben, die ich da erlebte; dass nicht nach Konfession gefragt wurde ... all das hat mich sehr angesprochen." Und so langsam reifte der Gedanke, dass das oberfränkische Kloster etwas für sie sein könnte. "Ich hatte immer wieder große Sehnsucht nach Stille und Ruhe, um Gott zu erleben", meint die quirlige Schwester und lacht: "Auch, wenn man das bei mir nicht unbedingt vermutet."

Nach einem Gespräch mit Priorin Schwester Anna Maria aus der Wiesche war sie erst einmal nicht sehr viel schlauer. "Sie hat mich nicht etwa geworben, sondern eigentlich erst mal wieder weggeschickt mit den Worten: ,Wenn Ihr Weg wirklich in unsere Richtung geht, dann wird sich das verdichten.'" Also zog die Bankfachwirtin erst einmal wieder von dannen. Weiteres Nachdenken und verschiedene Bibelverse bestärkten die damalige Mittzwanzigerin in ihren Plänen. Was sie letztlich bewegt hat, diesen Schritt zu tun, drückt Schwester Birgit so aus: "Ich hatte einfach Lust auf Leben."

Sie habe nicht - so, wie sich das Außenstehende oft vorstellen - den eindeutigen Ruf Gottes ins Kloster vernommen. "Es war vielmehr so, dass ich viele Möglichkeiten hatte. Und Gott hat mir gezeigt, dass ich die Freiheit habe, mein Leben zu gestalten." Der Entschluss, Schwester zu werden reifte und stand schließlich fest. Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich. "Mein Vater war schon immer der Ansicht, ich soll tun, was ich für richtig halte", schildert das Einzelkind. "Meine Mutter hatte erst mal Bedenken, mich dadurch zu verlieren. Und sie war auch traurig, dass sie keine Enkel bekommen wird." Aber das habe sich schnell gelegt. Jetzt stehen ihre Eltern ganz hinter ihr und der Kontakt zu ihnen ist sehr gut. "Ganz verblüffend war die Reaktion in der Bank", sagt Schwester Birgit. "Die meisten waren offen und haben gefragt, was ich dort mache. Ihnen war klar - da muss etwas dran sein, wenn ich dafür eine Stelle wie die meine aufgebe." Sie habe viele gute Gespräche geführt - auch mit Kunden, die sich nach ihrem Weggang erkundigten. Auch jetzt nach fünf Jahren hat sie noch Kontakt zu einigen Leuten aus der Bank. "Von meinen damaligen Auszubildenden besuchen mich zwei noch regelmäßig. Sie sind stolz darauf, mit einer Nonne befreundet zu sein", lacht sie.

Klosterleben kein Verzicht

Insgesamt fiel es ihr nicht leicht, von Chemnitz wegzugehen. "Aber ich hatte mich entschieden und wollte es so." Darauf wird sie gelegentlich angesprochen - ob es ihr nicht schwer falle, auf Beruf, eigenes Geld, Partner und Familie zu verzichten. "Das finde ich einerseits nachvollziehbar, andererseits seltsam. Eine Mutter von vier Kindern wird auch nicht gefragt, ob es ihr schwer fällt, zum Beispiel dar-auf zu verzichten, Ruhe und Zeit für sich zu haben." Wenn sie ihr Patenkind besucht - das jüngste von vier Kindern - und den Trubel einer sechsköpfigen Familie erlebt, "denke ich, dass ich es gut habe und bin dankbar für meine Lebensform".

Klar habe sie auch immer wieder Zeiten, in denen der Gedanke an eine Familie auftaucht. "Ich habe gelernt, dass ich diese Gefühle dann nicht wegschieben darf, nach dem Motto: So was denkt eine Schwester nicht." Ihr helfe es, diese Überlegungen zuzulassen, sich mit anderen Schwestern auszutauschen und dafür zu beten. Das Leben mit rund 60 Schwestern im Haus erlebt sie als große Bereicherung. Manchmal allerdings ist es auch mühsam, räumt sie ein. "Ohne die Gnade Gottes könnten wir hier nicht zusammenleben", meint sie verschmitzt. Klosterleben ist kein Verzicht. Schwester Birgit formuliert es so: "Ich habe nicht überlegt, worauf ich verzichte, sondern was ich will. Und ich möchte viel Raum und Zeit haben für Gott, selbst lebendiger werden und anderen Menschen Gott nahe bringen." Als Schwester hat sie die Möglichkeiten dazu. Und wer sie erlebt, ahnt was sie meint, wenn sie von der Lust auf Leben spricht.

Karin Ilgenfritz

 


Was ist Glaube?

Weiter, liebe Brüder, betet für uns, dass das Wort des Herrn laufe und gepriesen werde wie bei euch und dass wir erlöst werden von den falschen und bösen Menschen; denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding. Aber der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen. Wir haben aber das Vertrauen zu euch in dem Herrn, dass ihr tut und tun werdet, was wir gebieten. Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf die Geduld Christi. 2. (Thessalonicher 3, 1-5m.)



 
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"… denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding". Wer würde diesen Halbsatz des Paulus aus dem zweiten Brief an die Thessalonicher nicht unterstreichen? Allgemeine Wahrheiten haben stets einen hohen Zustimmungsgrad. Spannend wird es, wenn es persönlich wird. Glauben Sie an Gott? Ich frage nicht, um Ihre Antwort zu hören. Ich möchte Ihnen die Gelegenheit geben, sich selbst aufs Neue über dieser wichtigen Frage Rechenschaft zu geben und sich Ihrer eigenen Antwort zu vergewissern.

Ich frage Sie nicht, welche Meinung Sie über Gott haben. Oder was Sie von der Kirche halten. Oder ob Sie einzelne Pfarrerinnen oder Pfarrer mögen und schätzen. Oder ob Sie mit theologischen Lehrsätzen übereinstimmen. Die Frage war nur: Glauben Sie an Gott? Versuchen Sie einmal diese Frage nicht durch Nachdenken zu lösen. Mobilisieren Sie nicht Ihre Intelligenz. Dann antworten Sie damit, wie Sie Ihre Tage gelebt haben. Gestern, zum Beispiel. Lebten Sie diesen Tag als ein Mensch, der an Gott glaubt? Die beste Antwort auf meine Frage ist wahrscheinlich die Gegenfrage. Welchen Gott meinen Sie? Denn es gibt so viele Vorstellungen darüber, wer Gott ist und was Glauben bedeutet.

Zunächst möchte ich darauf hinweisen, woran ein Christ nicht glaubt. Er glaubt nicht an einen Schicksalsgott, dem er blind ausgeliefert ist. Dann wäre Gebet überflüssig. Ein Christ glaubt auch nicht an einen Rache- oder Belohnungsgott, der die Bösen bestraft und den Guten und Braven den Himmel öffnet. Denn dann hätte Jesus nicht auf diese Erde zu kommen brauchen, um Verlorene zu erlösen und Schwachen beizustehen. Ein Christ glaubt auch nicht an einen Stimmungsgott, der ihm in gewissen Stunden zu religiösen Gefühlen verhilft. Jesus suchte sich kein Publikum, keine Zuschauer, die ihm Beifall klatschten, sondern Schüler und Nachfolger.

Ein Christ glaubt an den Gott, von dem Jesus mit seinen Worten und mit seinem Leben erzählt. Bei diesem Glauben geht es nicht um ein Für-wahr-Halten bestimmter Aussagen, die man nicht beweisen kann. Vor allen Dingen ist Glauben ein tiefes Vertrauen. Ich vertraue mich dem Gott an, der sich in Jesus als liebender Vater offenbart. Dieses vertrauensvolle Verhältnis zu Gott, lässt sich mit der Beziehung vergleichen, die ein glückliches Ehepaar miteinander hat. Sie sagen zueinander: "Ja, ich glaube dir, dass du mich liebst. Ich lasse mir deine Liebe gefallen und will sie erwidern."

Beim Glauben geht es auch um Schritte auf Gott zu, um mit ihm weiterzugehen. Ein Christ entscheidet sich, Gottes Wort zu hören und zu lesen, den Gebetsfaden aufzunehmen. Schließlich ist Glauben ein Geschenk, das Gott mir macht. Ich kann den Glauben an Gott nicht herstellen oder produzieren. Ich kann ihn nicht machen oder verdienen, sondern nur wie ein Geschenk empfangen und mich daran freuen.

Wer es wagt zu glauben, wird die Erfahrung machen, dass Gott Wirklichkeit ist, und die Worte Jesu in sich tragen. Sie bewirken einen lebendigen Glauben.

Auf meiner flachen Hand liegen zwei Körner. Beide sind sie unscheinbar und winzig, kaum auseinanderzuhalten. Ein Sandkorn und ein Senfkorn. In die Erde gelegt zeigt sich der gewaltige Unterschied. Das Sandkorn bleibt, was es ist. Aber das Senfkorn verwandelt sich und wächst. So ist der Glaube - klein, unscheinbar, aber lebendig. Er ist nicht jedermanns Ding, sagt Paulus zu Recht, aber ich wünsche Ihnen, dass er zu Ihrem wird - lebendig und verändernd.

Pfarrer Bernd Fischer
Augsburg-Erlöserkirche

Wir beten: Herr, unser Gott, ich danke dir, dass du Glauben in mir weckst, dass dein Geist mich von deiner Gegenwart überzeugt. Lass mich aus dem Grundvertrauen zu dir so handeln, dass anderen geholfen und du geehrt wirst. Amen.

Lied 357: Ich weiß, woran ich glaube.

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