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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 24)

"Augen, Ohren und Mund"

Hospizvereine leisten seit Jahren wichtige Arbeit

Krebs. Wie lange sie noch zu leben hat? Wer weiß... Schwer zu sagen, meinten die Ärzte. Sicher keine Jahre mehr. Vielleicht ein paar Monate. Eine schwere Zeit. Die schwerkranke Dinkelsbühlerin und ihre Angehörigen wandten sich an die Hospizgruppe Dinkelsbühl, um mit dem Sterben nicht allein zu sein. Sie hatten davon gehört, dass es Menschen gibt, die schwerkranke Menschen betreuen. Eine davon ist Hannelore Weißmann aus Ehingen. Sie begleitete die Krebskranke durch ihre letzten Monate. "Die Frau sagte zu mir so halb im Spaß, sie habe mit Gott einen Pakt geschlossen: Wenigstens ein Jahr wollte sie noch leben", erzählt Weißmann von ihrer ersten Begegnung.

 
"Das wichtigste im Umgang mit Schwerkranken und sterbenden Menschen und ihren Angehörigen sind Augen, Ohren und Mund", sagt Hannelore Weißmann. Augen, um die Situation des betroffenen Mensch zu erkennen. Ohren, um ihm zuzuhören. Mund, um Zuspruch und Trost geben zu können - oder um die eigene Hilflosigkeit und Betroffenheit auszudrücken. "Einfach da sein - mit allen Sinnen."

Alles ehrenamtlich

Die Ehingerin - die zugleich Vorsitzende der Hospizgruppe Dinkelsbühl ist - gehört zu den rund 2.000 ehrenamtlichen Hospizhelferinnen und -helfern in Bayern. "Über 80 Hospizgruppen und -vereine gibt es bereits in Bayern - alles ausschließlich ehrenamtlich", erklärt Christine Denzler-Labisch, Vorsitzende des Bayerischen Hospizverbandes e. V. mit Sitz in Bamberg - ehrenamtliche Vorsitzende, versteht sich. Vor 12 Jahren hat sie ihre berufliche Tätigkeit als Diplom-Pädagogin an den Nagel gehängt und arbeitet ausschließlich für Gotteslohn im Bereich der ambulanten Hospizarbeit. "Diese Arbeit wird immer eine ehrenamtliche bleiben", ist Denzler-Labisch überzeugt.

Sie ist fast eine Frau der ersten Stunde. Der erste Hospizverein wurde 1986 in München gegründet. Denzler-Labisch rief 1990 den Bamberger Hospizverein ins Leben. Die Frauen und Männer dort leisten rund 10.000 Stunden im Jahr in Altenheimen oder Privathäusern. "In einem Grund- und einem Aufbau-Seminar werden Hospizhelferinnen und -helfer auf ihre Tätigkeit vorbereitet", schildert sie. Jeder kann mitarbeiten, besondere Voraussetzungen gibt es keine. Doch - eine Einschränkung macht die Vorsitzende des Hospizverbandes: "Er oder sie muss vor allem Mensch sein." Außerdem hat sich der Verband den christlichen Grundwerten verpflichtet. "Unser Hauptanliegen ist es, Menschen einen würdigen Tod zu ermöglichen", sagt sie. "Wir sind gegen aktive Sterbehilfe aber für das Recht auf einen würdigen Tod."

Inzwischen gibt es ein nahezu flächendeckendes Netz an Hospizvereinen und -gruppen in Bayern. Vor gut vier Jahren entstand die Hospizgruppe in Dinkelsbühl - auf Initiative von Hannelore Weißmann. "Meine Mutter lag im Sterben und wir wollten, dass sie zu Hause sterben kann." Doch die Rund-um-die-Uhr-Betreuung zehrte sehr an den Kräften der Familie. Für Weißmann hieß es auch immer wieder von ihrem Wohnort Ehingen nach Nürnberg zur Mutter zu fahren. "Zufällig las ich etwas über den Hospizverein Nürnberg und rief da einfach mal an." Zum Glück. Dieser Anruf habe sich als sehr gut erwiesen. "Wir waren am Ende unserer Kräfte und es war toll von Hospizhelferinnen unterstützt zu werden", schildert die 51-Jährige. "Ich dachte: Das brauchen wir in Dinkelsbühl auch."

Gedacht - getan: Zu einem ersten Vortrag über den Themenbereich Hospizarbeit und würdiges Sterben kamen 150 Interessierte. 20 wollten sich gleich aktiv in einer Hospizgruppe engagieren. Heute zählt die Hospizgruppe 24 Helferinnen und Helfer und 80 passive Mitglieder. "Um von uns betreut zu werden, muss man kein Mitglied sein", meint Hannelore Weißmann. Die Arbeit finanziere sich hauptsächlich über Spenden, Sponsorengelder und Mitgliedsbeiträge.

Wenn jemand die Hilfe der Hospizgruppe braucht, ist nur ein Anruf nötig. "Wir lassen uns dann den Fall schildern und entscheiden dann, ob wir helfen können und wer von uns den oder die Betreffende betreut." Dabei betont sie, dass nicht nur Sterbende betreut werden. "Der Übergang ist ja fließend. Es ist oft schwer zu sagen, wann jemand ,nur' krank ist und und wann jemand im Sterben liegt." Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass sie sich als eine Art Nachbarschaftshilfe verstehen. Dass sie keine pflegerische Arbeit leisten: "Das können wir nicht, dazu sind Gemeindeschwestern da."

Deutlich wird bei Weißmanns Schilderungen zweierlei: Die oft für herzlos und kalt gehaltene Gesellschaft ist anscheinend nicht so schlecht wie ihr Ruf. Denn sonst würden sich nicht Menschen verschiedenster Berufsgruppen und unterschiedlichsten Alters in der Hospizarbeit engagieren. Zweitens kann kaum jemand mitarbeiten, der nicht seine Familie hinter sich stehen hat. "Ich lebe fast ausschließlich vom Geld meines Mannes", sagt Hannelore Weißmann, die sich als selbstständige Gesundheitspädagogin ein paar Mark verdient. "Wenn mein Mann und meine zwei Söhne nicht so hinter mir stehen würden, könnte ich diese Arbeit nicht machen." Nicht selten verbringen Mitarbeitende eine Nacht am Bett eines sterbenden Menschen. Bei Weißmann nimmt ihr Einsatz mehr Zeit als ein Halbtagsjob in Anspruch.

Glück weitergeben

Die Motivation, sich in der ambulanten Hospizarbeit zu engagieren liege oft in eigener Betroffenheit, berichtet Weißmann. "Ich habe in meinem Leben so viel Glück gehabt, dafür bin ich Gott dankbar und möchte etwas von meinem Glück weitergeben", beschreibt sie ihre Beweggründe. "Nicht, dass ich nie an meine Grenzen komme - da muss jeder gut auf sich schauen, dass man sich nicht zu viel abverlangt." Doch ihre Familie, ihr Glaube und das Wissen, gebraucht zu werden würden ihr immer wieder aufhelfen und neuen Schwung geben. "Wir brauchen in der Hospizarbeit vor allem ehrliche, zuverlässige Menschen mit Augen, Mund und Ohren", meint Weißmann. Menschen, die schweigen, reden und zuhören können. "Und Menschen, die beten können, wenn es gewünscht ist." Immer wieder hat sie beobachtet, dass gläubige Menschen leichter sterben. "Auch wenn sie vorher Schmerzen hatten, im Tod haben sie ein friedliches Gesicht."

Übrigens: Die krebskranke Frau aus Dinkelsbühl lebte noch ein Jahr und zwei Monate. Als sie starb hatte sie ein freundliches Lächeln auf den Lippen.

Karin Ilgenfritz

 


Freiheit, Verantwortung und Gottesdienst

Denn siehe, alle Menschen gehören mir; die Väter so gut wie die Söhne; jeder der sündigt, soll sterben. Wenn sich aber der Gottlose bekehrt von allen seinen Sünden, die er getan hat, und hält alle meine Gesetze und übt Recht und Gerechtigkeit, so soll er am Leben bleiben und nicht sterben. (Hesekiel 18, 4.21)



 
Sackgasse oder Freie Straße? Gott will die Menschen zur Freiheit in Verantwortung führen. Foto: Wodicka
 

Von Freiheit und Verantwortung zu hören sind wir gewohnt. Das sind Begriffe, die in große und wichtige Reden gehören. Dafür bürgen unsere Politiker und dafür steht unser Staat. Und doch erleben Menschen auch in unserem Land persönliche Unfreiheit. Darum ist uns die Freiheit ein so wichtiges Gut.

Im Film bangen wir mit der Schönen, die gefesselt an ihr kaputtes Boot in der Tiefe versinkt. Wir halten mit ihr die Luft an, wenn sie verzweifelt versucht, sich zu befreien. Unser Atem stockt, weil es ihr nicht gelingt. Mit ihr sind wir dabei die Hoffnung aufzugeben, als endlich der Held sie mit schnellen Schnitten befreit. Und dann fragen wir uns, ob es wohl noch bis nach oben reicht. Schließlich atmen wir erleichtert auf, wenn sie endlich an der Oberfläche tief Luft holen kann.

So tief sehnen wir uns nach Freiheit von Bindungen, die unser Leben nach unten ziehen. Nun sind die Verbindungen einer Familie ja grundsätzlich gut und von Vorteil für jeden in ihr. Und doch kann es sein, dass Menschen durch Familienbande nach unten gezogen werden. So mag es der Tochter der Alkoholikerin ergehen oder dem Vater des Attentäters. Familienzugehörigkeit kann schwer nach unten ziehen. Auch in den Augen von anderen: Der Großvater war schon so. Und der Vater auch. Da steht das Urteil über den Enkel schon fest.

Aber bei Gott gilt das nicht. In seinen Augen gibt es keine Vorverurteilung, weil man einem nahe steht, der Schlimmes getan hat. Manchen Schaden werden wir im Leben wohl durch andere erleiden, aber Gott schaut klar durch. Und er schneidet solche Fesseln durch. Er sagt: "Denn siehe, alle Menschen gehören mir." Er setzt eine größere Beziehung an die Stelle selbst unserer engsten Bindungen. Es ist die Beziehung zu ihm. Er sagt: "Alle Menschen gehören mir."

Gott gibt uns vor: Die Beziehung zu ihm ist die wichtigste Beziehung unseres Lebens. Es ist die Bindung, in der wir allein frei leben können. Menschen, die zur Freiheit finden, schrecken manchmal schnell wieder zurück. Abhängigkeit kann bequem sein. Die eigene Verantwortung führt unweigerlich in kritische Zeiten, in denen unser Vertrauen auf Gott wachsen muss.

Das Volk Israel wünschte sich auf dem Weg der Freiheit mit Gott zurück in die scheinbare Geborgenheit der Sklaverei. Solche Fehlbilder entstehen, wenn wir unsere eigenen Grenzen ganz real in der Freiheit erleben. Verantwortung ist unbequem, weil sie in schwierigen Situationen in eine Vertrauenskrise Gott gegenüber führen kann. Und Gottes Urteil ist klar und unbestechlich: Jeder, der sündigt, soll sterben.

Freiheit und Verantwortung sind hohe Güter und Ideale. Wir werden ihnen nicht immer gerecht. Darum legt Gott uns einen Weg zum Leben vor. Seine Erwartungen an uns sind realistischer als unsere Erwartungen aneinander. Er lässt uns den Weg zur Umkehr offen. Durch Christus wird Umkehr möglich. Das ist Gottes Dienst an uns.

Darum, wenn wir uns von unseren Sünden abkehren und hinwenden zur Gerechtigkeit, zu Jesus Christus, ist es Gottesdienst. Und auch der Sonntagsgottesdienst ist Abwen-dung von der Sünde und Hinwendung zu Gott. So werden Freiheit und Verantwortung im Gottesdienst lebbar, d.h. in der Abwendung von der Sünde und in der Hinwendung zu Gott.

Pfarrer Rainer Horn
Burgkunstadt

Wir beten: Lieber Vater! Wir wenden uns zu dir. Du schenkst uns Leben und Freiheit. Hilf uns, in kritischen Zeiten unseres Lebens verantwortliche Entscheidungen zu treffen. Lass uns dabei auf dich und deine Gebote achten, damit unser ganzes Leben ein Gottesdienst zu deiner Ehre wird. Amen.

Lied 234: So wahr ich lebe, spricht dein Gott.

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