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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 23)

Zwischen Lagerfeuer und Seelsorge

"Kirche unterwegs" begleitet Menschen im Campingurlaub

 
Foto: sij
 

Mittwochmorgen, 10 Uhr, Pfingstferien. Auf dem Campingplatz am kleinen Brombachsee sind - trotz durchwachsenem Wetter - schon einige Menschen unterwegs. Einige Kinder laufen ins Veranstaltungshaus. Ein Plakat zeigt, was hier los ist: "Kirche unterwegs" lädt ein zur Kinderstunde für Schulkinder. Eines von mehreren Angeboten, das Pfarrer Wolfgang Hagemann, Leiter von "Kirche unterwegs" in Bayern, mit seinem Team organisiert.

Urlauber begleiten

Das Ziel der Arbeit ist einfach: Kirche soll in der Freizeitwelt dabei sein und die Urlauber in der schönsten "Jahreszeit" begleiten. "Wir wollen mit einem niedrigschwelligen Angebot vor allem Kinder, Jugendliche und Familien ansprechen", erzählt Hagemann. Beim Campingurlaub, wo man tagaus, tagein eng aufeinander sitzt, kämen Konflikte oft schnell auf den Tisch. Hier sieht Hagemann eine wichtige seelsorgerliche Aufgabe. "Auf dem Campingplatz kommt man außerdem gut mit Kirchenfernen und Enttäuschten ins Gespräch - gerade beim Kirchencafé nach den Sonntagsgottesdiensten", ergänzt er.

Neben Gesprächen und Seelsorge hat auch die Verkündigung ihren Platz: bei Kinderstunden und Gottesdiensten. Letztere werden oft im Freien gefeiert werden und als Familiengottesdienste gestaltet. Heute sind zur Kinderstunde rund 25 Mädchen und Jungen gekommen. Bei schlechterem Wetter sind es sonst mehr, aber heute ist Ab- reisetag. Pfarrer Hagemann beginnt mit Bewegungsliedern, bei denen die Kinder begeistert mitmachen. Dass auch religiöse Lieder im Repertoire sind, ist ebenso selbstverständlich wie der Wechsel zwischen Spaß- und Glaubensliedern. "Wir wollen den Kindern vermitteln, dass Glaube und Freizeit zusammen gehören", begründet der Theologe.

Nach dem Singen geht es raus auf die Wiese. Mit einem großen bunten Schwungtuch haben die Kinder ihren Spaß. Außerdem kommen weitere neugierige Mädchen und Jungen dazu. Sie werden sofort ins Spiel miteinbezogen. Schließlich ist bei "Kirche unterwegs" jeder eingeladen - ob evangelisch, katholisch oder ohne Konfession. Kirche zeigt sich offen für jeden, der kommt. Nach der Spielphase geht es zurück ins Haus. Im Stuhlkreis wird es nun etwas ruhiger. Gabi Dietrich, eine von zwei Religionspädagogik-Praktikantinnen aus dem Team, fragt die Kinder: "Was bedeutet beten?" "Zu Gott reden" sagt ein Mädchen. Ein anderes: "Gott danken"; und ein Junge meint "Gott um etwas bitten". So kommt sie mit den Kindern ins Gespräch. Darauf erzählt sie eine Geschichte. Die Kinder hören gespannt zu. Zum Abschluss der Kinderstunde kann sich jedes Kind noch einen Gebetswürfel basteln.

Gute Zusammenarbeit

In Langlau ist "Kirche unterwegs" schon seit Gründung des Campingplatzes vor etwa 15 Jahren mit dabei. Die Zusammenarbeit mit der Platzleitung ist vorbildlich. Schon bei den Planungen für dieses Campingareal in der fränkischen Seenplatte, waren die Freizeitseelsorger einbezogen. "Kirche unterwegs" bekam ganzjährig einen Stellplatz zur Verfügung gestellt (immerhin über 1000 Euro wert). Während der Ferien, beginnend mit Ostern, dann über Pfingsten und sobald die ersten Bundesländer Sommerferien haben, sind verschiedene Teams für den Dienst an den Urlaubern im Einsatz. Immer wenn kein Team vor Ort ist, betreut Pfarrer Hubert Pflieger, ein Württemberger Pfarrer in Rente, die Gäste.

Insgesamt arbeiten rund 80 ehrenamtliche Mitarbeitende bei "Kirche unterwegs" in Bayern mit. Ohne sie wäre diese Art der Seelsorge nicht zu leisten. Sie werden in Bayern von einem Hauptamtlichen-Team unterstützt, zu dem neben Pfarrer Hagemann noch ein technischer Mitarbeiter, ein Diakon, eine "halbe" Relgionspädagogin und eine Sekretärin gehören. Vor etwa zehn Jahren wollte die Synode diesen Arbeitsbereich noch streichen. Letztendlich ist dies nicht geschehen, aber der Etat wurde eingefroren. Und so ist "Kirche unterwegs" dringend auf Spenden angewiesen.

Bei rund 30 Einsätzen machen die Mitarbeitenden heuer auf Campingplätzen im Bayerischen Wald, der fränkischen Seenplatte, am Bodensee, am Chiemsee und an anderen Orten Kirche in der Freizeitwelt erfahrbar. Sogar ein Platz in Italien - Marina di Venezia bei Venedig - wird von bayerischen Teams betreut. In der Hauptsaison campen dort rund 15.000 Menschen. So erreichen die Seelsorger in Kinderstunden oft 300 Mädchen und Jungen oder bei Gottesdiensten zwischen 300 und 400 Menschen.

Das Angebot der "Kirche unterwegs" wird sowohl von den Campingplatzbetreibern als auch von den Campern sehr geschätzt. In Langlau macht man sogar Werbung damit. Und das nicht ohne Grund. Manche Camper richten ihre Aufenthaltszeit auf dem Platz sogar danach, wann "Kirche unterwegs" im Einsatz ist. Und tatsächlich entlastet das manchen Platzwart davon, selbst ein teures Animationsprogramm auf die Beine zu stellen. "Wir bieten aber kein Rund-um-die-Uhr-Animationsprogramm", sagt Hagemann. Vielmehr soll es ein Zusatzprogramm sein und Familien dabei unterstützen, zusammen mit ihren Kindern Zeit zu verbringen. Deshalb gibt es einige Veranstaltungen für Eltern, Großeltern und Kinder. Zum Beispiel an diesem Nachmittag: Regenschirme bemalen. Rund 50 "Künstler" tummeln sich vor dem Veranstaltungshaus und fabrizieren wahre Meisterwerke. Mit so einem Ansturm hatte das Team nicht gerechnet. "Einige mussten wir sogar wieder wegschicken", erzählt eine Mitarbeiterin.

Einsatz in Pleinfeld

In den Pfingstferien ist auf dem Campingplatz in Pleinfeld (ebenfalls am kleinen Brombachsee) ein zweites Team im Einsatz. Barbara Schnauder-Dingeldein macht diese Arbeit seit sechs Jahren zusammen mit ihrem Mann ehrenamtlich. "Eigentlich sind wir sonst keine Camper. Aber hier wird vom technischen Mitarbeiter alles vorbereitet. Wir brauchen nur anreisen. Und die Einsätze machen uns viel Spaß", erzählt sie. Dieses Mal haben sie in Pleinfeld eine der beiden fahrbaren Autokirchen dabei. Das ist ein ausziehbarer Sattelauflieger, der rund 30 Quadratmeter überdachte Fläche bietet, um das Programm im Trockenen zu veranstalten - wenn am Campingplatz sonst keine Räume vorhanden sind. Die bayerische "Kirche unterwegs" ist übrigens die einzige Landeskirche, die noch solche Autokirchen nutzt.

In Langlau geht es gegen 19 Uhr mit dem beliebten Betthupferl weiter. Ins Veranstaltungshaus kommen rund 70 Kinder und Erwachsene, um dieses Gute-Nacht-Programm für die Kleinen mitzuerleben. Es gibt Lieder, ein Märchen und ein Handpuppenspiel. Schließlich folgt die Einladung zum letzten Programmpunkt des Tages: das Offene Singen am Kamin - für Lagerfeuer-Romantik ist es heute einfach zu kalt. Die lauen Sommerabende sind aber nicht mehr weit.

Silvia Jühne

 


Menschen für Christus gewinnen

Denn dass ich das Evangelium predige, dessen darf ich mich nicht rühmen; denn ich muss es tun. Und wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predigte! Täte ich's aus eigenem Willen, so erhielte ich Lohn. Tue ich's aber nicht aus eigenem Willen, so ist mir doch das Amt anvertraut. Was ist denn nun mein Lohn? Dass ich das Evangelium predige ohne Entgelt und von meinem Recht am Evangelium nicht Gebrauch mache. Denn obwohl ich frei bin von jedermann, habe ich doch mich selbst jedermann zum Knecht gemacht, damit ich möglichst viele gewinne. Den Juden bin ich wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne. Denen, die unter dem Gesetz sind, bin ich wie einer unter dem Gesetz geworden - obwohl ich selbst nicht unter dem Gesetz bin -, damit ich die, die unter dem Gesetz sind, gewinne. Denen, die ohne Gesetz sind, bin ich wie einer ohne Gesetz geworden - obwohl ich doch nicht ohne Gesetz bin vor Gott, sondern bin in dem Gesetz Christi -, damit ich die, die ohne Gesetz sind, gewinne. Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette. Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an ihm teilzuhaben.
(1. Korinther 9, 16-23)



 
Foto: kil
 

Vor einigen Jahren besuchte ich einen Freund in Kairo. Er lebt dort unter Muslimen. Als ich in seine Wohnung kam, war gerade eine Nachbarin bei seiner Frau zu Besuch. Selbstverständlich gab ich bei der Ankunft allen höflich die Hand, auch der Nachbarin. Dabei zuckte sie ein wenig zusammen. Mein Freund erklärte mir, warum: "Du hast unserer Nachbarin gerade, ohne es zu wissen, einen Heiratsantrag gemacht."

Als Paulus den Korinthern die frohe Botschaft von Jesus Christus sagen wollte, stellte sich das gleiche Problem: zwei völlig verschiedene Kulturen trafen aufeinander. Hier Paulus, im jüdischen Gesetz erzogen, und dort Menschen mit sehr viel freieren Lebensformen. Dass Menschen letztlich nur bei Jesus Christus das Leben finden, stand für Paulus außer Zweifel. Dass er davon weiter erzählen musste, war für ihn sonnenklar. Doch er fragte sich: "Wie verkündige ich die frohe Botschaft von Gottes Rettungsaktion, damit die Griechen in Korinth sie auch verstehen können?"

"Ich habe mich jedermann zum Knecht gemacht" (Vers 19) und "ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette" (Vers 22) schreibt Paulus. Er will, dass es ihm nicht ergeht wie mir mit der ägyptischen Frau. Er will Rücksicht nehmen auf die Bräuche und Gewohnheiten der Korinther. Aber heißt das, dass er allen alles recht machen und sein Fähnchen nach dem Wind hängen will? Begibt sich Paulus da nicht in eine gefährliche Abhängigkeit von Menschen?

Um diesem Missverständnis vorzubeugen, betont er: "Ich bin frei von jedermann" (Vers 22). Paulus richtet sich nicht nach dem, was Menschen von ihm erwarten, sondern was Gott von ihm erwartet. Nicht Menschen will er gefallen, sondern Gott. So ist er unabhängig von Menschen und zugleich total abhängig von Gott. Paulus ist der erste, der aus der "Freiheit eines Christenmenschen" in völliger Bindung an Gott lebt. Wenn klar ist, dass es darum geht, Menschen für Christus zu gewinnen und zum Glauben einzuladen, dann muss alles andere zweitrangig sein. Doch die Hauptsache muss die Hauptsache bleiben!

Und wir? Sind Mission und Evangelisation Auftrag von Pfarrern, Missionaren und anderen Hauptamtlichen? Sind sie Spezialauftrag von ein paar besonders Ausgebildeten? Paulus formuliert an anderer Stelle: "Wir predigen ... Jesus Christus" (2. Kor. 4,5). Mission und Evangelisation sind Auftrag der ganzen Gemeinde. Wo bei uns die Verkündigung dieser frohen Botschaft Vorrang hat, da steht alle Arbeit unter Gottes Segen. Doch dazu muss uns Jesus konkurrenzlos wichtig sein. Denn nur wer selbst dankbar geworden ist, dass er in Jesus Christus neues Leben geschenkt bekommen hat, wird - wie Paulus - alles daran setzen, möglichst viele Menschen für Christus zu gewinnen.

Pfarrer Jürgen Singer
Aschaffenburg

Wir beten: Herr Jesus Christus, Du willst, dass auch wir von Dir weitersagen. Wir danken Dir für dieses Vertrauen und bitten Dich, dass Du uns konkurrenzlos wichtig wirst. Segne alle Verkündigung Deines Wortes und hilf, dass durch unser Reden und Tun viele Menschen für dich gewonnen werden. Amen.

Lied 225: Kommt, sagt es allen weiter.

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