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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 22)

Fußball als Beitrag zur Versöhnung

Kommen sich Japan und Korea durch die Weltmeisterschaft näher?

Bum-Kun Cha
 
Cha Bum-Kun im Tor auf einem Bolzplatz.
 

Er war und ist weit über die Tore Frankfurts und Leverkusens hinaus bekannt: Cha Bum-Kun, 1979 bis 1989 erfolgreicher Spieler bei Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen. Nicht nur seine Torbilanz - 98 Tore in 308 Spielen - machten den Südkoreaner bei uns berühmt. Er fiel schon lange vor Jorginho und Paulo Sergio in den Stadien als bekennender Christ auf. Nach seiner Karriere in Deutschland trainierte er Südkoreas Nationalmannschaft. Heute bringt er Kindern das Kicken bei und hofft, die Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea bringt die verfeindeten Nationen einander näher.

Auch der Weltfußballverband FIFA hatte wohl gehofft, die Zusammenarbeit im Sport würde die einstigen Erzfeinde Südkorea und Japan einander auch politisch näher bringen. - Und zwar durch die Weltmeisterschaft, die dieses Wochenende beginnt. Zum ersten Mal in der 72-jährigen Geschichte der internationalen Spiele teilen sich zwei Länder die Gastgeberrolle. Noch dazu zwei Staaten, die alles andere als ein freundschaftliches Verhältnis zueinander haben.

Belastetes Verhältnis

Die Beziehung zwischen Korea und Japan ist bis zur Gegenwart belastet von der japanischen Besatzungszeit zwischen 1910 und 1945: Die Regierung in Tokio hat sich nie offiziell für Unterdrückung und Kriegsverbrechen am koreanischen Volk entschuldigt. So genannte Trostfrauen, koreanische Zwangsprostituierte des japa-nischen Militärs zur Zeit des Zweiten Weltkrieges, versammeln sich seit 1992 jeden Mittwoch zu Protestkundgebungen vor der japanischen Botschaft in Seoul. Japanische Soldaten zeigen bis an die Zähne bewaffnet, mit Sicherheitsweste und Schutzschild ausgestattet, dem Trüppchen friedlicher Demonstranten die unbewegliche Haltung Japans.

Auch der neuerliche Besuch des japanischen Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi am 21. April beim Tokioter Yasukuni-Schrein trug nicht gerade dazu bei, die Situation zu entschärfen: Das Shinto-Heiligtum ist nicht nur den Seelen gefallener Soldaten gewidmet; man gedenkt hier auch den nach 1945 hingerichteten Kriegsverbrechern. Was ein Zugeständnis Koizumis an die Nationalisten im Lande war, empfinden Koreaner wie Chinesen als demütigend.

Ein Schuldbekenntnis einiger japanischer Intellektueller gab es jedoch - aus den Reihen der protestantischen Kirchen. Der Moderator des Kirchenbundes Kyodan (Vereinigte Kirche Christi in Japan) und Initiator des Dokumentes Masahisa Suzuki bat darin die Opfer japanischer Kolonisation um Vergebung und ermahnte die Kirche, ihr "Wächteramt" in Zukunft entschlossener wahrzunehmen. Doch mit einem Anteil von weniger als einem Prozent der Bevölkerung hat die Stimme der Christen in der japanischen Öffentlichkeit kein hohes Gewicht. Anders in Südkorea: Dort gehören 25 bis 30 Prozent der Bürger einer christlichen Kirche an, und 90 Prozent von ihnen sind auch in ihren Gemeinden aktiv. Im Kampf um soziale Gerechtigkeit und Versöhnung spielen die Kirchen eine Vorreiterrolle, sei es in der Unterstützung der Immigranten, der Trostfrauen oder in der Frage der Wiedervereinigung.

Und das Wort engagierter Theologen hat Gewicht: Kim Hae-Song zum Beispiel, Pfarrer der Presbyterianischen Kirche in der Republik Korea (Prok), hat zwei Zentren für illegal im Land lebende Ausländer aufgebaut. Dort erhalten sie unter anderem Hilfe, wenn sie nach Arbeitsunfällen keine Entschädigung bezahlt bekommen. Kim war zu Zeiten der Militärdiktatur wie viele Christen im Widerstand und hat oft im Gefängnis sitzen müssen. Heute verfügt er bei Polizisten und Kommunalpolitikern über Autorität, die er zu Gunsten seiner Gemeindeglieder aus anderen Teilen Asiens geltend macht.

WM-Stadion Seoul
 
Das neue Stadion in Seoul wurde Anfang November fertig gestellt und eingeweiht. Fotos: Schmid
 

Mit Kim Dae-Jung, dem Mandela Koreas und bekennenden Katholiken, ist die Demokratie im Land der Morgenröte eingezogen. Auch außenpolitisch geht der charismatische Staatspräsident versöhnlich auf die ehemaligen Feinde Südkoreas zu. Das zeigte sein Besuch 1998 in Japan sowie die Einladung Kaiser Akihitos zur Eröffnung der Spiele. Choi-Bum Seok vom südkoreanischen Fußballbund (Kowoc) bezweifelt jedoch, dass der Tenno kommt. Es sei auch so schon schwierig genug mit den Japanern zusammenzuarbeiten. Der Streit um die korrekte Wiedergabe des offiziellen Namens der WM - Japan warb plötzlich mit dem "Worldcup 2002 Japan/Korea" anstatt Korea als erstes zu nennen - zeige, wie problematisch die Kooperation sei. Vor seinem Büro informiert ein Plakat über ein Projekt der Kowoc, das Jugendliche in Nordkorea unterstützt. 1991 spielte bei der Jugendweltmeisterschaft eine gemeinsame koreanische Jugendmannschaft aus dem Nord- und Südteil der seit 1948 geteilten Halbinsel. Doch bei der WM 2002 sind keine Nordkoreaner eingebunden. Zwar ist der ehemalige Fußballheld Park Doo-Ik eingeladen, es ist jedoch zweifelhaft, ob das kommunistische Regime unter Kim Jong-Il ihm die Reise über die geschlossene Grenze am 38. Breitengrad erlauben wird.

Immerhin herrscht zur Zeit Tauwetter im frostigen Verhältnis der beiden Bruderstaaten: Das im Oktober kurzfristig vom Norden abgesagte vierte innerkoreanische Familientreffen konnte am 28. April stattfinden. Die "Sonnenschein"-Politik Kim Dae-Jungs verzeichnet ganz allmählich Erfolge: Im Gegenzug für wirtschaftliche Hilfe öffnet Nordkorea zumindest punktuell die Schlagbäume. Seit Bushs Vorwurf nach dem 11. September, Kim Il-Jong unterstütze den Terrorismus, ist der Norden dazu gezwungen, gut Wetter zu machen.

Noch keine Vereinigung

An eine baldige Wiedervereinigung ist nicht zu denken. "Viele Südkoreaner fragen, wie viel der Zusammenschluss menschlich und finanziell wohl kosten wird. Und vor allem junge Menschen haben Angst, dass ihr eigener Lebensstandard dadurch sinken könnte", erklärt Park Jong-Wha, Berater des Präsidenten, Moderator einer Fernsehshow zu aktuellen politischen Fragen und Pfarrer einer Gemeinde der Prok. Seit über 15 Jahren steht der nordkoreanische Christenbund (KFC) mit dem Nationalen Kirchenrat (NCCK) in Seoul in Verbindung. Bereits 1988 verabschiedeten beide eine gemeinsame Erklärung zu Wiedervereinigung und Frieden. Auch zu Kirchen in Japan und den USA pflegt der KFC seit langem Kontakte.

Der 49-jährige ehemalige Coach der südkoreanischen Nationalmannschaft Cha Bum-Kun bringt in seiner "Chaboom"-Fußballschule dem Nachwuchs das Kicken bei. Dort trainieren koreanische Kinder zusammen mit Sprößlingen europäischer Ausländer. Der Bolzplatz, findet Cha, sei gerade für die Jugend ein Platz der Begegnung und die Weltmeisterschaft ein wichtiger "Schritt zur Versöhnung aller Völker".

Cordula Schmid

 


Gottes Wort ist gegenwärtig

Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, liebhaben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich niederlegst oder aufstehst. Und du sollst sie binden zum Zeichen auf deine Hand, und sie sollen dir ein Merkzeichen zwischen deinen Augen sein, und du sollst sie schreiben auf die Pfosten deines Hauses und an die Tore.
(5. Mose 6, 4-9)


 
Das Gespräch über die Bibel - auch zwischen den Generationen - hilft, das Wort Gottes in den Alltag zu übersetzen und sich von ihm begleiten zu lassen. Eine Möglichkeit: Tag für Tag einen Bibelvers lernen und ihn mit sich tragen. Foto: güs
 

Der Predigttext für den 1. Sonntag nach Trinitatis ist uns mehr oder weniger bekannt. Mit dem Vers 4 beginnt das berühmte jüdische Schema Israel, ein Bekenntnisgebet, das von frommen Juden zweimal am Tag gebetet wird! Schon diese Tatsache könnte für uns eine Anregung sein, einmal darüber nachzudenken, welche Rolle Bekenntnisse in unserem Leben spielen.

Für Israel waren und sind diese Verse ein Bekenntnis der Einzigartigkeit und Herrlichkeit Gottes! Und dieses Bekenntnis haben sie hinein genommen in ihr Leben und ihren Alltag. Wir Christen binden uns keine Bibelverse an die Stirn oder an den Arm: Aber das Bild soll als Einladung stehen, Gottes Wort so ganz selbstverständlich in unser Leben zu nehmen, zum Beispiel wie ein Jugendlicher, der die Gute Nachricht in der Tasche seiner ausgebeulten Jeans mit sich trägt.

Und wem das nicht liegt, der kann doch Tag für Tag einen Vers aus Gottes Wort lernen und im Laufe des Tages in seinem Herzen bewegen! Das wollte Gott schon im Alten Testament, dass sein Wort für jeden im Volk zum täglichen Begleiter wird, der in den entsprechenden Situationen mahnt oder tröstet, erfreut oder nachdenklich macht.

In den Evangelien wird uns von einer interessanten Begegnung Jesu mit einem Schriftgelehrten berichtet. Zwar fragt er Jesu nach dem größten Gebot und gibt dann doch auch gleich die Antwort - eben unseren Text. Und Jesus macht ihm dann eindrücklich am Beispiel des barmherzigen Samariters deutlich, wie so ein Wort Gottes im Leben praktiziert wird! Darauf kommt es ja im Glauben an, dass er praktisch wird und sich in unserem Alltag auch bewährt.

Wenn Gott unser Herr ist, den wir lieben, dem wir vertrauen und gehorchen, dann hat das Auswirkungen, in unserem Leben, im Umgang mit unseren Angehörigen, am Arbeitsplatz, in der Freizeit. Wenn wir das Wort Gottes ernstnehmen, dann können wir einfach nicht gleichgültig, egoistisch, rücksichtslos, profitgierig, herrschsüchtig im Umgang mit Menschen sein! Oder aber es stimmt etwas mit unserem Glauben nicht!

Wer Gott und sein Wort liebt, der wird auch davon bestimmt und geprägt. Der richtet sich in seinem Leben und Handeln nach diesem Wort und gewinnt damit für's Leben. Der wird auch in dem Maße frei von Verhaltensmustern und Regeln dieser Welt, die sich nur am Vergänglichen orientieren.

In Jesus Christus, dem gegenwärtigen und lebendigen Wort Gottes, bietet Gott uns das Leben und Fülle an. In seiner Liebe dürfen wir Liebe leben und weitergeben an unsere Umgebung. Darauf läuft letztlich die Einladung des Predigttextes hinaus. Wir dürfen das im Alltag ausprobieren und erfahren!

Prediger Dieter Welker
Rothenburg

Wir beten: Herr Jesus Christus, Du Sohn Gottes! Wir sagen Dir von Herzen Dank, dass Du in unsere Welt und in unser Leben gekommen bist, damit wir, von Sünden befreit, leben und glauben können. Wir bitten Dich, sei Du uns im Alltag mit Deinem Wort nahe, stärke, ermahne und tröste uns mit Deinem lebendigen Wort und geleite uns zu dem Ziel, das Du mit uns hast! Amen!

Lied 198, 1 + 2: Herr, Dein Wort, die edle Gabe.

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