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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 21)

Für jeden Mensch die geeignete Hilfe

Bethel ist führend in Epilepsie-Behandlung

 
Menschen mit einer Epilepsie-Erkrankung tragen oft einen Kopfschutz, um bei Anfällen geschützt zu sein. Foto: Bethel
 

Julius Cäsar wäre neidisch gewesen. Hatte er doch auch immer wieder "ein Gewitter im Gehirn". In Bethel (Bielefeld) hätte ihm geholfen werden können. Denn Julius Cäsar litt an Epilepsie, wie heute 40 Millionen Menschen weltweit und rund 800.000 in Deutschland. Hilfe finden viele in Bethel, der größten und ältesten diakonischen Einrichtung Deutschlands - wenn nicht sogar Europas. Dort werden seit 1867 Menschen mit Epilepsie betreut und behandelt. Das Epilepsie-Zentrum gehört zu den weltweit führenden Einrichtungen in der Behandlung dieser Krankheit.

Das auch als Bodelschwinghsche Einrichtungen bekannte Bethel wurde 1867 von einigen gut betuchten Bielefelder Kaufmannsfamilien gegründet. Den frommen Menschen war es ein Anliegen, "Fallsüchtigen" zu helfen - wie Epilepsiekranke damals genannt wurden. Also legten die Kaufleute zusammen und kauften ein Haus - damals noch am Rande der Stadt. Die Einrichtung wächst schnell. Die Nachfrage ist groß und schon 1871 wurde ein neues Gebäude gebaut. Auf der Suche nach einem geeigneten Anstaltsvorsteher fällt die Wahl auf Friedrich von Bodelschwingh, der 1872 dieses Amt antritt und bis zu seinem Tod 1910 ausführt. Danach übernimmt sein Sohn Friedrich, bekannt als "Pastor Fritz", den Posten. Auch er sieht in Bethel seine Lebensaufgabe. Bis zu seinem Tod 1946 wächst die Einrichtung unter ihm weiter. Er konnte es verhindern, dass unter Hitler "unwertes Leben" aus Bethel abtransportiert und ermordet wurde.

Längst war Bethel, was übersetzt "Haus Gottes" heißt, zu einer Einrichtung geworden, die sich auch um Obdachlose, Behinderte, Kranke und Menschen mit sonstigen sozialen Problemen kümmerte. Beide Bodelschwinghs hatten den Grundsatz, dass jedem Menschen geholfen werden soll, der nach Bethel kommt und um Hilfe bittet. Das Leben in Bethel war und ist sehr vom christlichen Glaube geprägt.

Eine eigene kleine Welt

 
Auf der Epilepsie-Chirurgie-Station werden alle Patienten rund um die Uhr per Video überwacht.
 

Heute finden sich auf dem 3,5 Quadratkilometer großen Gelände zahlreiche Wohnhäuser für kranke oder behinderte Menschen, Altenheime, Krankenhäuser, Schulen, eine Reithalle und eine kirchliche Hochschule. Aber auch sämtliche Handwerksbetriebe wie Schreinerei oder Schlosserei und Geschäfte wie Supermarkt, Bäckerei und Boutiquen befinden sich in der Ortschaft. Außerdem hat Bethel einen eigenen Radiosender. Und wer meint, die letzte neue Währung sei am ersten Januar eingeführt worden, der irrt: Am ersten März wurde nach der Bethel-Mark der Bethel-Euro eingeführt. "Damit soll möglichst viel Kaufkraft für unsere eigenen Geschäfte gebunden werden", erklärt Jens Garlichs, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit. Das Geld gilt in den meisten Geschäften und Betrieben Bethels.

Eigentlich sind die Bodelschwinghschen Anstalten eine Welt für sich. "Es war von jeher als Selbstversorgung gedacht", meint der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit. Und doch: Wer durch Bielefeld läuft, kann sich plötzlich in Bethel befinden, ohne es bemerkt zu haben, es gibt keine Schranken oder Schilder. Garlichs: "Wir betrachten uns als Teil der Stadt und wollen ein relativ normaler Ort sein."

Zu Bethel gehören weitere Einrichtungen wie zum Beispiel Lobetal bei Berlin sowie Wohnheime und Beratungsstellen in anderen Städten. Wie kaum eine andere diakonische Organisation lebt Bethel von Spenden. Bei einem Gesamtvolumen von rund 613,5 Millionen Euro erscheinen 16,6 Millionen Euro an Gaben zwar nicht allzu viel. "Aber es ist ein sehr hohes Spendenaufkommen", betont Garlichs. Etwa 240.000 Menschen fühlen sich so mit Bethel verbunden, dass sie regelmäßig Geld spenden. "Bethel ist eine kirchliche Stiftung und bekommt relativ wenig öffentliche Gelder." Spenden ermöglichten zum Beispiel das Hospiz in Bethel oder eine Reithalle.

 
Das ist heute der Eingang zu Haus Patmos, in dem Günter (Hauptperson des neuen Fortsetzungsromans) seine ersten Jahre in Bethel verbrachte. Fotos: kil
 

"Bethel hat einen guten Ruf", sagt Garlichs. Und damit hat er recht. Vielen Menschen ist Bethel bekannt - und sei es nur durch das Sammeln von Altkleidern oder Briefmarken. Letztere werden sorgfältig vom Papier gelöst, sortiert und an Sammler verkauft. "Gerade diese Arbeit können auch schwerst behinderte Menschen tun." Garlichs weist damit auf ein wichtiges Prinzip in Deutschlands größter diakonischer Einrichtung hin: Allen Menschen soll eine Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht werden. "Und Arbeit ist ein sehr wichtiger Teil des Lebens." Bethel hat Arbeitsplätze für fast 3.000 behinderte Menschen. "Unsere Vision heißt: Gemeinschaft verwirklichen."

Neben der vielen sozialen Arbeit steht im Epilepsie-Zentrum modernste Technik und Forschung im Vordergrund. Um die Funktionsstörung des Gehirns möglichst genau lokalisieren und behandeln zu können, werden manche Patienten rund um die Uhr beobachtet und ihre Gehirnströme gemessen. Etwa 80 Prozent der Betroffenen bekommen die Epilepsie durch Medikamente in den Griff. Bei knapp 15 Prozent hilft eine Operation. Diese chirurgischen Eingriffe werden in Bethel praktiziert. Selbst Uni-Kliniken überweisen nach Bethel, wenn sie nicht mehr weiter wissen. Hätte Bethel zur Zeit des alten Roms schon existiert - Julius Cäsar wäre vermutlich mit seinen Truppen gekommen und hätte versucht, es zu erobern.

Karin Ilgenfritz

 


Gott lässt grüßen

Paulus schreibt an die christliche Gemeinde in Korinth: Grüßet euch untereinander mit dem heiligen Kuss. Es grüßen euch alle Heiligen. Die Gnade unsers Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen!
2. Korinther 13, 12-13

"Grüß Gott!" Leichtfertig kam mir dieser fromme Wunsch über die Lippen, als mir die alte Frau auf der Straße begegnete. Sie war mir als etwas absonderlich bekannt, und den Kontakt zur Kirchengemeinde schien sie zu meiden. Seltsam war auch ihre Antwort. "Grüß Gott?" fragte sie erstaunt. "Ich habe ihn heute noch nicht gesehen."

Ich biss mir auf die Lippen. Die Frau schien Recht zu haben. Wie sollte sie auch der liebe Gott grüßen? Oder umgekehrt: Wie sollte sie ihn grüßen? Gott war doch im Himmel! Meine Konfirmanden malten ihn gerne als bärtigen, alten Mann, der auf einer Wolke durch die Lüfte segelte und milde zur Erde herab blickte. Nein, so ein Gott konnte nicht grüßen. Er sah ja die Menschen überhaupt nicht.

Mir war nicht wohl bei diesem Gedanken. Kann Gott mich nicht grüßen, weil er in der Ferne wohnt? Ist er gar einer, der apathisch zuschaut, wie es den Menschen hier unten so geht? Die antiken Philosophen waren davon überzeugt: Gott ist apathisch! Er kennt weder Liebe noch Hass, er kennt weder Zorn noch Gunst. Für den Menschen ist er unerreichbar, gegenüber ihrer Liebe und ihrem Leiden ist er unempfindlich. Einen irdischen Menschen von diesem himmlischen Gott zu grüßen - unvorstellbar!

Die Bibel hingegen ist voll von Gefühlen Gottes. Er liebt den Sünder. Er hasst die Sünde. Und: Er sucht den Kontakt zum Menschen. Er redet mit ihnen. Im Traum, aus dem Feuer, in einer Wolke. Da sind jene Begegnungen mit Abraham, mit Moses, mit Elia dem Propheten ... Und zuletzt ist da dieser Besuch von Jesus. In seinem Angesicht leuchte die Herrlichkeit Gottes, hatte Paulus gesagt (2. Korinther 4, 6). Sollte Gott wirklich so grußlos gegenüber den Menschen sein?

Auch Paulus wird von Gott besucht. Damals, vor Damaskus, ist er dem auferstandenen Christus begegnet. Dieser Besuch Gottes hat sein Leben vollkommen verwandelt. Darum kann er die christliche Gemeinde in Korinth von Gott grüßen: "Die Gnade Jesu, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen!" Das bedeutet nichts anderes als: Gott ist mir begegnet. Er lässt euch herzlich grüßen - Grüß Gott!

Gott hat uns besucht, ja noch mehr: Gott besucht uns immer wieder. Diese biblische und zutiefst menschliche Erfahrung haben spätere Generationen in ein "Gottesbild" eingebracht. Der christliche Gott ist nicht jener apathische, leidlose Herr auf den Wolken. Nein, es ist jenes Wesen, das uns in der Person Jesu nahe gekommen ist und in der Person des Geistes weiterhin begegnet. Es ist jenes Wesen, das mit uns leidet und sich mit uns freut.

"Dreieinigkeit!" - "Trinitatis" - Der Eine in Dreien und die Drei in Einem. Himmlische Mathematik? Irdische Spekulation? Nein. Vielmehr der Ersatz des apathischen durch den sympathischen Gott. Nur der sympathische Gott besucht mich und grüßt mich. Der andere Gott sitzt über den Wolken.

Pfarrer Volker Wappmann
Vohenstrauß

Wir beten: Dreieiniger Gott! Ich danke Dir, dass Du kein ferner Gott bist. In Jesus Christus hast Du mich besucht, im Geist bist Du mir nahe. Lass diese Nähe auch alle anderen Menschen erfahren, damit sie sich bei Dir geborgen fühlen. Amen.

Lied 139: Gelobet sei der Herr

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