Evangelisches Sonntagsblatt
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 19)

"Loslassen und sich neu orientieren"

Nach einer Trennung: Als allein erziehender Vater Sinn finden

 

 
Foto: Kusch
 

"Als ich das erste Mal zum Treffen allein erziehender Mütter und Väter ging, kam ich mir etwas fehl am Platz vor", berichtet Bruno Neumann (Name geändert). Vor fünf Jahren ging seine langjährige Ehe in die Brüche: "Wir hatten uns auseinandergelebt", sagt er. Die Familienrichterin kam den Wünschen der drei Kinder nach: Sie durften beim Vater bleiben. Nun war er das, was man in der Umgangssprache "allein Erziehender" nennt. Der 44-Jährige bezeichnet die Phase, die damals begann, im Rückblick als "echte Lebenskrise".

Wieso er sich jedoch im Kreis Gleichgesinnter unwohl gefühlt hatte? "Weil da vorwiegend Frauen teilnahmen", fügt er hinzu. Und macht damit auf das Problem aufmerksam, das sich dahinter verbirgt. Alleinerziehende Frauen kennt jeder, das männliche Gegenstück gilt noch immer als Ausnahme.

Blick in die Statistik

Man muss schon die Statistik aus dem Jahr 2000 bemühen, um sich klar zu machen: In Deutschland sind rund 21,5 Prozent aller Familien allein Erziehende. Davon wiederum gelten 83,4 Prozent als Mutter-Kind-Familien und 16,6 Prozent als Vater-Kind-Familien. Natürlich ist die gesellschaftliche Situation beider Gruppen verschieden. "Ein allein erziehender Vater bekommt in der Regel von seinem (weiblichen) Umfeld wesentlich mehr Unterstützung und Anerkennung als eine allein erziehende Mutter", betont Dagmar Kroth, die als Erwachsenenbildnerin und Mediatorin im Eckstein Nürnberg arbeitet. Dort ist sie, mit Leiterin Inga Thies, im dekanatlichen Arbeitsbereich "allein erziehende Mütter und Väter" tätig. Während sich Frauen nach einer Trennung meist auch beruflich neu orientieren müssten, gebe es bei den Vätern selten einen Karriereknick. "Die haben meistens sogar genügend Geld, um sich eine Haushaltshilfe zu leisten", fügt die 43-Jährige hinzu.

Bei Bruno Neumann war das anders. Zur Zeit der Scheidung hatte er keine Arbeit. Nachdem seine Frau in die Großstadt gezogen war, wusste er wochenlang nicht, wie es weitergehen sollte. "Kann ich das Haus, in dem die Kinder aufgewachsen sind, halten? Was wird mit den Kindern?", so lauteten nur einige der Fragen, die ihm zu dieser Zeit durch den Kopf gingen.

Gespräch mit Familienberater

Ein Gespräch mit einem Familienberater schenkte ihm neuen Mut: "Sie müssen finanzielle Schwierigkeiten erst einmal auf die Seite schieben und loslassen", riet er ihm. Und das war richtig. "Nur wer los-lässt, kann sich neu orientieren", betont der 44-Jährige heute. Beim Stammtisch des Verbandes "Alleinerziehende Väter und Mütter" lernte er Gleichgesinnte kennen. Ein Seminar über "Selbstfindung" bestärkte ihn in seiner neuen Rolle. Hilfreich war auch die Reaktion seitens der Gesellschaft. Allein erziehende Frauen hätten ihn eher bewundert, erzählt Neumann. Die meisten wollten helfen und meinten: "Schaut nur, wie toll er mit seinen Kindern umgeht." Manchmal durfte er sich fühlen wie ein "Hahn im Korb".

Bruno Neumann beobachtet, dass immer mehr Männer ihre Kinder alleine erziehen: "Ich kenne in meinem Freundeskreis drei Fälle, die so ähnlich sind wie meiner", sagt er. Gründe dafür nennt er auch. Derzeit finde eben ein Rollenwechsel statt. "Männer sehen in ihren Kindern ein Stück Sinngebung für ihr Leben", erklärt er. Viele wollten nach einer Trennung von ihrer Partnerin nicht einfach nur als Zahlmeister für ihre Sprösslinge auftreten, sondern auch persönlich Verantwortung übernehmen.

Vehement wehrt der 44-Jährige das Vorurteil ab, Kinder von allein Erziehenden würden vernachlässigt werden oder wären ihrem Alltag nicht gewachsen. Natürlich hätten seine drei Kinder unter der Trennung vor fünf Jahren gelitten. Anfangs schlug sich das auch in den Schulzensuren nieder. Inzwischen aber sei es genau anders herum: "Dadurch, dass sie im Haushalt mit hinlangen müssen, sind sie viel selbstständiger als andere in ihrem Alter", sagt Bruno Neumann.

Kinder oft selbstständiger

Und aktuelle Forschungsberichte geben ihm Recht. "Kinder allein Erziehender sind oft selbstbewusster und unabhängiger als andere", schreibt zum Beispiel Anita Heiliger in ihrem Buch "Alleinerziehen als Befreiung". Sie würden mehr Eigenverantwortung und Verantwortung für andere übernehmen. Sie seien offener im sozialen Kontakt und hätten oftmals ein "größeres Demokratieverständnis als Kinder aus Zwei-Eltern-Familien", so Anita Heiliger.

Keine Familie zweiter Klasse

Deshalb dürften allein Erziehende auch nicht als Familien zweiter Klasse herabgewürdigt werden, findet Dagmar Kroth: "Ich sage den Menschen immer, die in unsere Beratung kommen, dass sie doch eine Familie sind." Weil derzeit in der Politik und der Gesellschaft das Familienbild wieder sehr hochgesteckt werde, litten viele unter einer Art Defizitdenken. Allein Erziehende meinten dann, dass sie nicht vollwertig für ihre Kinder sorgen könnten. Besonders schlimm seien solche Gedanken kurz vor und nach Weihnachten, "wo die Heilige Familie als Bild der Vollkommenheit" besonders eindrücklich vor Augen gestellt werde, erklärt Kroth.

In die gleiche Richtung tendiert Norbert F. Schneider in der Broschüre "Allein erziehen", die von der Evangelischen Aktionsgemeinschaft für Familienfragen in Bayern herausgegeben wurde. Der Universitätsprofessor am Institut für Soziologie in Mainz unterstreicht: "Es gibt keine gesicherten Hinweise darauf, dass die traditionelle Familie die bestmögliche Gewähr für eine glückliche und liebevolle Erziehung bietet."

Günter Kusch

Betroffene und am Thema Interessierte können sich an die Arbeitsstelle "allein erziehende Mütter und Väter" in Nürnberg wenden. Die Telefonnummer lautet 0911/2142100. Am 14. November um 19.30 Uhr findet ein Infoabend zum Thema "Familienmediation" statt. Unterstützung bietet auch der Verband allein erziehender Mütter und Väter (VAMV) in Westmittelfranken mit Sitz in Ansbach. Die Telefon- und Faxnummer lautet: 0981/63516.


Das Geheimnis des Gebetes

Der Geist hilft unserer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen. Der aber die Herzen erforscht, der weiß worauf der Sinn des Geistes gerichtet ist; denn er vertritt die Heiligen, wie es Gott gefällt. Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind. Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.
Römer 8, 26–30



 
Das Gebet ist und bleibt ein wunderbarer, geheimnisvoller Vorgang. Foto: A. Schacht
   

Das Gebet ist und bleibt ein wunderbarer, geheimnisvoller Vorgang. Der Apostel Paulus bemüht sich hier, in das Geheimnis des Betens einzuführen.

Wer glaubt, steht nicht mehr unter der Herrschaft von Gesetz und Sünde, sondern unter der Herrschaft des Gekreuzigten und Auferstandenen. Diese aber bringt eine neue Lebensordnung, das "Gesetz des freimachenden Geistes". Der Geist hilft unserer Schwachheit auf. – Er redet von der Unfähigkeit zu beten.

Alles wird aufgefangen von der Hoffnung und Zuversicht, dass Gott selbst eingreifen will, um zu helfen.

Was heißt beten? Gott benützt unser Beten, um mit uns in Verbindung zu treten. Hoffen und Beten stehen nahe beieinander. Es lohnt sich immer, mit Gott zu sprechen, auch wenn man im Augenblick Gott nichts zu sagen hat. Gott möchte unsere Zeit. Es liegt an uns, sie ihm zu widmen oder zu verweigern.

"Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen." Wir Menschen brauchen eine Zusage, eine Hilfe, die Gültigkeit in allen Wechselfällen des Lebens behält. – Gott steht dazu! Der Geist führt uns unserer Vollendung, dem Sinn unseres Lebens zu. Doch nicht, wie wir wollen. Vielmehr gilt: "Gott, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden." Das heißt für mich: Ich will versuchen in meinem Leben alles so zu tun, was ich als Gottes Wille begriffen habe.

Es soll das Ziel unseres Lebens werden, dass wir nach dem Ebenbild Jesu Christi erneuert werden. Glauben darf ich, dass Gott etwas mit mir vorhat. Die Wege die er mich führt, sollen mich in seine Nähe bringen. Auch wenn ich sie manchmal nicht verstehe und sie anders verlaufen als gedacht.

Wenn wir nicht wissen, was wir beten sollen, vertritt uns der Geist Gottes. Für unsere persönlichen Nöte, noch für die Probleme unserer Welt können wir uns um Lösungen bemühen. Wie tragfähig sie sind und wie weit sie führen, wissen wir allerdings nicht, weil die Zukunft uns verschlossen ist. Der Geist lässt uns trotzdem hoffen. Er bewahrt davor, den Kopf nicht hängen zu lassen, sondern getrost und zuversichtlich nach vorne zu schauen. Der Geist vertritt uns vor Gott – mit den rechten Worten zur rechten Zeit.

Wir Christen haben nicht nur eine vage, unbestimmte Hoffnung. Vielmehr dürfen wir konkret darauf vertrauen, dass Gott uns hilft. Und wo uns die Worte fehlen, Gott im Gebet darum zu bitten, gilt die Zusage: Gottes Geist tritt für uns ein und hilft – wie es im Römerbrief heißt – "unserer Schwachheit auf".

Angela Schacht, Lektorin
Gunzenhausen-Büchelberg

Wir beten: Himmlischer Vater, Herr allen Lebens. Deinen Geist willst Du uns senden. Durch ihn können wir zu Dir sprechen und Du wirst uns hören. Herr wir bitten Dich, lass uns tätig werden, wo es Dein Wille ist, damit Dein Reich in dieser Welt beginne. Herr, mache uns stark in unserem Beten und in unserem Tun. Amen.

Lied 351: Ist Gott für mich, so trete ... .

 

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