Evangelisches Sonntagsblatt
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 17)

"Musik ist Verkündigung"

Kinderchorarbeit dient dem Gemeindeaufbau

 

Kinderchor
 
Foto: Grünwald
 

Von diesem Problem können nicht nur Pfarrer und Pfarrerinnen ein Lied singen. Auch Ehrenamtliche, die sich seit Jahren in der Jugendarbeit engagieren, stimmen mitunter recht traurige Töne an: "Es wird immer schwieriger, junge Menschen mit Angeboten in unseren Gemeinde anzusprechen", meinen die einen. "Die gehen doch lieber zu ihrem Fußballverein als in die Kirche", sagen die anderen.

Religiöse Sozialisation fehlt

So weit, so schlecht. Denn Urteile wie die oben genannten treffen nicht überall zu. So gibt es zahl- und erfolgreiche Versuche, um Kirche auch jungen Menschen wieder attraktiv zu machen. Hintergrund für das mangelnde Interesse ist nämlich meistens eine fehlende religiöse Sozialisation. Sprich: Wer im Elternhaus nicht den Umgang mit kirchlichen Traditionen kennengelernt hat, tut sich auch in späterem Alter damit schwer. Kaum jemand aus der älteren Generation singt heutzutage mit dem Nachwuchs christliche Lieder. Ist es da ein Wunder, dass Konfirmanden angesichts eines Pfarrers, der im Unterricht munter die Gitarre zückt, nur ein müdes Gähnen über die Lippen kommt: "Muss das denn sein, Herr Pfarrer?"

Bei den Kleinen anfangen

Viele Kirchengemeinden haben das Problem inzwischen erkannt und reagieren dementsprechend. Sie setzen in ihrer Arbeit dort an, wo es mangelt, bei den ganz Kleinen, bei der musikalischen Früherziehung – bei der Kinderchorarbeit eben! Andreas Schmidt, der mit einer halben Stelle als Kantor in der Ansbacher Kirchengemeinde St. Johannis und mit einer halben Stelle am Gottesdienstinstitut in Nürnberg tätig ist, bringt es auf den Punkt: "Kinderarbeit ist Arbeit an der Zukunft der Kirche". Aus eigenen Proben mit Kindern weiß er, dass "die Kids richtig mitfiebern, wenn man ihnen neues Liedgut kindgemäß, das heißt in einer ihrem Alter entsprechenden Sprache vermittelt". Traditionelle Stücke wie "Wir wollen alle fröhlich sein" können zum Beispiel mit Gesten oder tänzerischen Einlagen nahegebracht werden. Andreas Schmidt sieht jedenfalls in der Musik eine große Chance, den Kindern christliche Inhalte mitzugeben und damit eine wichtige Grundlage, die sie als Erwachsene brauchen können: "Musik ist Verkündigung!"

Überaus positive Erfahrungen mit musikalischer Früherziehung gibt es in der Nürnberger Gemeinde St. Leonhard. Vor fünf Jahren wurde gemeinsam mit Landeskirchenmusikdirektor Hans-Martin Rauch ein modernes Konzept entwickelt, berichtet der dortige Pfarrer Thomas Grieshammer. "Wir stellten fest, dass in der Hauptschule immer weniger gesungen wird, und dass es die Konfirmanden deshalb später als peinlich empfinden, die eigene Stimme erklingen zu lassen." Um bereits im Kindergarten mit der musikalischen Erziehung beginnen zu können, wurde damals eine ganze Kirchenmusikerstelle eingerichtet. Mit zehn Wochenstunden sollte der neue Mann in den beiden Kindergärten tätig werden. Nach fünf Jahren klingt das Resümmee nahezu überschwänglich: "Unsere Kinder gewannen einen neuen Zugang zu Kirche und Musik, christlicher Tradition und Glauben", sagt Pfarrer Thomas Grieshammer.

Spatzen- und Jugendchor

Um den Sangesnachwuchs in jedem Alter die Chance zur Stimmentfaltung zu bieten, wurden in St. Leonhard ein Spatzen-, Kinder- und Jugendchor ins Leben gerufen. Begleitend dazu gibt es Flötenkurse und Orgelunterricht. Zweimal im Jahr können die Musikusse ihr Können unter Beweis stellen, beim Adventssingen und bei den Kindermusiktagen im Sommer. Heuer lautet das Thema "Josua". 20 Mitarbeiter kümmern sich an den drei Kindermusiktagen im Juli um bis zu 130 Kinder, die aus der ganzen Region kommen und üben mit ihnen eine Art Musical, mit Tanz und Theater, ein.

Michael Grünwald heißt der Kirchenmusiker, der vor fünf Jahren seinen Dienst an St. Leonhard antrat. "Die Arbeit mit Kinderchören zieht weite Kreise und strahlt in alle Gemeindebereiche aus", erzählt er. So wurden unter den Eltern der Kleinen schon engagierte Lektoren oder andere Ehrenamtliche gewonnen. Die Kindermusiktage sind also eingebettet in ein Gesamtkonzept "Kirchenmusik in Gemeinde".

Musik- und Wortverkündigung

Ziel ist es, die Partnerschaft in der Verkündigung unter den verschiedenen Berufsgruppen in der Kirche zu leben. "Ich bin doch als Organist in die Gemeinde eingebunden und will mich dabei nicht selbst verwirklichen", betont Grünwald. Deutlich wird diese Gleichberechtigung von Musik und Wort beispielsweise beim Hauptgottesdienst am Sonntag Kantate in seiner Gemeinde. Es soll dort ein Art "fröhlichen Wechsel" geben. Die Pfarrerin unterbricht ihre Predigt, um zur Orgel zu gehen und zu spielen – und der Kantor predigt.

"Kinderchorarbeit ist eine hervorragende Art von Jugendarbeit", ist auch Oberkirchenrat Wolfgang Töllner vom Landeskirchenamt München überzeugt. Dadurch wird der Inhalt des Gottesdienstes bekannter und auch die Eltern für die kirchliche Arbeit interessiert. Deshalb eigne sich die Kinderchorarbeit durchaus als Gemeindeaufbau-Konzept. Allerdings nicht als allein gültige Wahrheit. Darüber hinaus könne man mit sportlichen Angeboten Jugendliche für Kirche gewinnen. "Das eine ist nicht besser als das andere", unterstreicht Töllner. Aber, ein Blick in die Statistik zeigt, dass musikalische Angebote am meisten Resonanz in den Gemeinden finden: Rund 60.000 Ehrenamtliche engagieren sich in Chören, Posaunengruppen oder Orchestern. Es komme eben auf die jeweilige Gemeinde vor Ort an und auf die Fähigkeiten und Geistesgaben, die in ihr schlummern. In einem Punkt aber hat Kinderchorarbeit durchaus Vorbildcharakter: "Die Kinder singen sich die Botschaft quasi von selbst ins Herz – ohne pädagogischen Zeigefinger", so Töllner.

Günter Kusch

 


Harmonien himmlischer Harfen hören

Da sah ich etwas wie ein glasklares Meer, mit Feuer vermengt. Und ich sah, wie die Sieger über die Bestie, über sein Standbild und über die Zahl seines Namens auf dem glasklaren Meer standen und sie hielten die Harfen Gottes. Und sie sangen das Lied des Gottesknechtes Mose und das Lied des Lammes: "Groß und wunderbar sind deine Taten, Herr, Gott und Herrscher über das All. Gerecht und wahr sind deine Wege, Du König der Völker! Wer sollte dich nicht fürchten, Herr, und deinen Namen verherrlichen? Denn allein du bist heilig. Denn alle Völker werden kommen und sich vor dir verneigen. Denn deine gerechten Taten sind offenbar geworden.
Offenbarung 15,2-4



Sonnenuntergang
 
Foto: Wodicka
   

Ein Meer aus Glas, Feuerglut und Harfenklängen: Johannes scheint mit dem Blick auf den gläsernen Ozean einen feuerroten Sonnenuntergang auf der Insel Patmos zu beschreiben. Irgendwo am Horizont, wo Meer, Sonne und Himmel sich im Westen mischen, muss Gottes Thron stehen, das himmlische Ziel. Feine Harfenmusik mischt sich mit dem sanften Rauschen des Meeres. Gott hat dem Lied der Schöpfung seinen Takt gegeben. Den Rhythmus hat der Herrscher über das All bestimmt.

Beides harmoniert: Die Himmelsmusik und das Lied der Schöpfung, die Ode der Erlösten und das Lied der Gemeinde. Dem Bild entströmt eine tiefe Ruhe. Das war nicht immer so. Die Harfenisten sind dem Bösen, das sie bedrängte, entronnen. Die Bestie, das Symbol des Tyrannen, ist nun gestürzt und gebannt. Es erklingt das Lied derer, die aufatmen. Johannes kennt das Meer auch aufgewühlt und bedrohlich, als ob ein Drache darin wütete. Untiefen und Strudel tun sich auf, die einen nach unten ziehen wollen. Die Bestie könnte dafür stehen, was uns heute nach unten ziehen will: Drückende Schulden, die die Kehle zuschnüren und keinen Mut zum Singen aufkommen lassen. Die Angst, vom Partner verlassen zu werden, die das Leben durcheinander bringt und sich schwer auf die Brust legt. Die Krankheit, die schmerzt und den Blick nach oben verschleiert. Trotzdem: Wage es, zu singen! Kantate!

Es kann beim Singen anders werden. Lieder, die von Gottes Macht und Hilfe singen, liegen auf dem Notenpult der himmlischen Harfenisten: Das Moselied sangen die Israeliten, denen mit Gottes Hilfe der Durchzug durch das Schilfmeer gelungen ist. Das Osterlied des Lammes erklingt, das Lied dessen, der am Kreuz starb, aber von den Toten auferstand. Wage es zu singen! Kantate! Alles kann anders werden! An diesem Sonntag spielt Musik in der Kirche eine besondere Rolle. Die schönsten Lieder des Gesangbuches sind ausgesucht. Instrumente und Chöre geben ihr Bestes. Es sind Menschen dabei, die Gott loben, auch wenn es in manchen von ihnen noch dunkel ist. Auf den Kirchenbänken klingen manche Stimmen auch heiser und brüchig. Trotzdem: Singt (oder: brummt!) – und blickt nach vorn.

Der Himmel ist offen. Der Blick des Johannes weitet sich: Alle Völker werden Gott als den Heiligen und Gerechten erfahren. Im Heiligen Land dröhnt im Moment fast nur Klaviatur des menschlichen Hasses und das Lied der friedlich Gestimmten geht unter in bitterer Wehklage. Gott möge doch die verfeindeten Völker wieder auf die Melodie der Gottesharfen einstimmen und die Lieder des himmlischen Gottedienstes auch auf Erden erklingen lassen. Reimt doch euren Gesang auf die Lieder der Befreiten! Lobt den Herrscher des Alls, der das letzte Wort behalten wird. Eure Angst wird sich in Lob verwandeln.

Oliver Gußmann
Touristenpfarrer in Rothenburg

Wir beten: Herr, du hast uns auf dich hin gestimmt. Hilf uns, dass wir in unserem Alltag Melodien des Lebens und der Liebe anstimmen. Lass auch die Politiker Wege finden, die weg vom Hass und hin zum Frieden führen. Amen.

Lied 454: Auf und macht die Herzen weit

 

nach oben
Diese Woche - Archiv - Editorial - Geschichte - Redaktion - Abo-Service - Anzeigen - Evang. Reisedienst - Impressum
© copyright ROTABENE! Medienhaus