Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 14)

"Sie dürfen Ihre Kirche jetzt küssen!"

Wenn junge Pfarrerinnen und Pfarrer zum Amt ordiniert werden

 

Bundeskanzler Gerhard Schröder
 
Segenszuspruch für das Pfarramt: Das Pfarrehepaar Claudia und Christoph Schieder wird von Regionalbischof Ernst Bezzel und Pfarrerin Claudia Paulsen gesegnet.
 

"Es ist ein ganz persönliches Fest für uns, aber auch ein Fest der Kirchengemeinde. Und durch die vielen Vorbereitungen hat die Feierstimmung den ganzen Ort erfasst", sagte Christoph Schieder am Ende seiner Ordinationsfeier im westmittelfränkischen Geslau. Mit seiner Frau Claudia zusammen wurde er zum geistlichen Amt ordiniert – so die offizielle Bezeichnung. Konkret heißt das, dass Pfarrerinnen und Pfarrer am Berufsbeginn in einem besonderen und einmaligen Akt die Rechte und Pflichten ihres Amtes übertragen bekommen. In einem feierlichen Gottesdienst werden sie beauftragt und dafür gesegnet, vor allem Gottes Wort weiter zu geben, die Sakramente zu verwalten und das Beichtgeheimnis sorgfältig zu wahren. So wird deutlich: Sie sind bei ihrer Arbeit in besonderer Weise auf die Hilfe und Begleitung Gottes angewiesen. Vergleichbares gibt es wohl in keinem anderen Beruf.

Fest der Gemeinde

"Für uns als Kirchengemeinde war diese Ordination ein historisches Ereignis. Etwas ganz Besonderes", sagt Hans Schwab, der Vertrauensmann des Kirchenvorstands Geslau. Denn der Ort feierte die erste Ordination seiner Geschichte – heißt es in der Gemeinde. Hans Schwab empfand es zudem als eine besondere Ehre, als Assistent bei der Segnung der beiden jungen Geistlichen mitzuwirken. Die Assistenten sind meist Menschen, die den Weg der jungen Theologen ins Pfarramt begleitet und geprägt haben oder die in besonderer Weise "Gemeinde" repräsentieren. Sie stellen bei der Ordination neben dem Regionalbischof die Kirche in ihrer Verschiedenheit dar.

Auch Willi Bayer, Vertrauensmann des Kirchenvorstands Frommetsfelden, war Assistent bei dem jungen Pfarrersehepaar, das neben Geslau noch für diese Nachbargemeinde zuständig ist. Er beschreibt: "Es war für mich ein sehr bewegender und sehr festlicher Gottesdienst. Und wir freuen uns auch, dass wir endlich wieder einen Pfarrer haben." Die Ordination fällt oft mit der Einführung eines Pfarrers oder einer Pfarrerin auf einer neuen Pfarrstelle zusammen. In der Biografie der Geistlichen markiert sie den Übergang von der Ausbildung in den Beruf. Nach einem langen Studium und der praktischen Ausbildung im Vikariat, nach zwei großen Examensprüfungen und der Beurteilung im Dienstzeugnis, ist die jeweilige Eignung für den Pfarrberuf festgestellt. Mit der Ordination kommt aber noch etwas hinzu: "Ich habe im Gottesdienst bewusst 'Ja' dazu gesagt, dass ich in der Kirche arbeiten will. Und zugleich hat die Kirche, vertreten durch verschiedene Menschen, bewusst 'Ja' zu mir gesagt – dass ich für sie arbeiten soll", beschreibt Pfarrerin Alina Ellg-ring (Kronach) dieses Besondere für sich. Sie habe danach ein Gefühl wie bei einer Hochzeit gehabt – nach dem Motto: "Sie dürfen ihre Kirche jetzt küssen!"

Und was ist die Ordination für die junge Theologin? Einerseits Beauftragung zum Pfarramt und Annahme dieses Auftrags, andererseits Segnung und Zuspruch von Gottes Begleitung für die Arbeit. Alles in allem sei dieses Fest eine Stärkung für sie gewesen – mit vielen Zeichen der Wertschätzung. "Im Gottesdienst habe ich gerade den Augenblick als sehr schön und bestärkend empfunden, als alle Assistenten ihre Hände auflegten und mir Segensworte zusprachen", erzählt die junge Pfarrerin weiter. Annahme und Bestärkung, Anerkennung und viel Vertrauensvorschuss – das sind bleibende positive Eindrücke vom Übergang in den Beruf. Ein Empfang nach dem Gottesdienst gibt weiteren Gästen Gelegenheit zu Grußworten. Darin drücken sich Wünsche für die neue Lebensphase oder Erwartungen der neuen Gemeinde und Abschiedswehmut der alten Gemeinde aus.

Bundeskanzler Gerhard Schröder
 
Die Ordination ist gerade in ländlichen Gemeinden – wie hier im westmittelfränkischen Geslau – ein großes Fest für die ganze Gemeinde. (Fotos: Jühne)
 

Bei der Vorbereitung und Begleitung der Ordination haben die jeweiligen Regionalbischöfe eine besondere Rolle. Sie leiten einerseits den Gottesdienst und repräsentieren dabei die Kirchenleitung. Andererseits sind sie im Vorfeld für die Vorbereitung des Festes und der jungen Geistlichen zuständig. Dazu haben sich in der bayerischen Landeskirche verschiedene Wege entwickelt. Im Kirchenkreis Nürnberg zum Beispiel lädt Regionalbischof Karl Heinz Röhlin die Nachwuchspfarrer zu einer eigenen Freizeit ein. Dabei geht es um den Austausch über die Bedeutung der Ordination, auch um die eigene Einstellung dazu. Zugleich lernen sich die jungen Geistlichen und der Regionalbischof gegenseitig kennen. Auch organisatorische Fragen zum Gottesdienst und allem, was dazu gehört, werden geklärt. Nach der Freizeit führt der Regionalbischof mit jedem noch ein Einzelgespräch. Im Kirchenkreis Ansbach-Würzburg konzentriert sich Regionalbischof Ernst Bezzel auf Einzelgespräche mit den Nachwuchspfarrern.

Darin geht es um ähnliche Fragen wie bei den Nürnberger Freizeiten. Außerdem bespricht er mit ihnen einen Text zur Ordination, den die jungen Geistlichen selbst verfasst haben. Denn: Alle, die ordiniert werden wollen, müssen in einer schriftlichen Stellungnahme ihre Sicht von Schrift und Bekenntnis, Amt und Ordination darlegen. "Sowohl das Schreiben des Textes als auch das Gespräch mit dem Regionalbischof habe ich als gut und klärend erlebt", berichtet Alina Ellgring.

Predigt vom Regionalbischof

Im Ordinationsgottesdienst halten die Regionalbischöfe die Predigt und sind für die Ordinationshandlung zuständig. "Ich habe den Zuspruch in der Predigt als sehr angenehm empfunden. Und mir war wichtig, dass Regionalbischof Wilfried Beyhl nochmal konkret benannt hat, um welche Aufgaben es im Pfarramt geht", erzählt Pfarrerin Ellgring von ihrer Ordination. Auch die Anwesenheit von fast allen Kollegen aus dem Dekanat habe sie als Ausdruck eines "Herzlich Willkommen" empfunden. Weil viele Menschen an einer Ordination beteiligt sind, wird für die jungen Geistlichen deutlich, dass ihre Arbeit in eine Gemeinschaft eingebettet ist. Dieses ganz persönliche Fest ist eben auch ein Fest der Gemeinde.

Silvia Jühne


Die Augen als Spiegelbild der Seele

Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen? Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; aber die auf den Herren harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.
Jesaja 40, 26-31



Woran denken Sie bei Ostern
 
Foto: privat
   

"Die Augen sind das Spiegelbild der Seele" sagt ein Sprichwort. Wenn jemand tieftraurig ist, dann sind seine Augen verweint und dicke Tränen kullern die Wangen hinunter. Sein Blick starrt auf den Boden. So als wolle er sich abschotten von seiner Außenwelt und für sich alleine sein. Nur mit sich selbst die Probleme wälzen, die ihn beschäftigen. Ist ein Mensch dagegen überglücklich, zeigen das seine Augen auf andere Weise. Diese Augen schauen auf den vor ihm liegenden Weg. Wie mit einem Weitwinkel versuchen sie alles einzufangen, was das Leben so froh und glücklich macht.

Die Augen glücklicher Menschen strahlen einen solchen Glanz aus wie ich ihn nur von kleinen Kindern kenne, die sich an Gottes wunderbarer Schöpfung erfreuen. Wer bei einem Menschen einmal einen solchen Glanz in den Augen entdeckt hat, der wird sich daran erinnern, welche unsagbare Kraft von diesen Augen ausging. "Hebt eure Augen in die Höhe und seht!" – empfiehlt der Prophet Jesaja. Er ermuntert alle, die ihre Augen so sehr niederschlagen, dass sie um sich herum gar nichts mehr wahrnehmen können. Er will den Blick derer lenken, deren Augen durch das Leid, das ihnen widerfahren ist, starr und glanzlos wurden. "Hebt eure Augen in die Höhe und seht!" Wer seine Augen in die Höhe hebt, der tut den ersten Schritt, um sich aus dem Leid zu lösen, das seinen Blick einengt und seine Gedanken fesselt. Wer seinen Blick nach oben richtet, der sieht, was um ihn herum geschieht.

Er bemerkt, dass auch Andere Sorgen und Probleme haben. Er nimmt die wahr, die sich seiner annehmen. Er entdeckt – und sei es nur schrittweise – wie schön das Leben ist. Wenn er seine Augen in die Höhe hebt, dann sind seine Blicke frei für den, der die Welt erschuf, auch dir das Leben gab und bis heute erhält. Ihm gilt es zu vertrauen. Ihm, dem ewigen, phantasievollen und unermüdlich vor Kraft und Stärke sprühenden Gott. Mit ihm kann kein anderer mithalten. Wer sein ganzes Vertrauen auf Gott setzt, dem werden ungeahnte Kräfte zuwachsen. "Die auf den Herren harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden" – ermutigt der Prophet Jesaja weiter. In einem Gespräch erinnerte sich eine ältere Frau, wie ihr ungeahnte Kräfte in ihrem Leben zuwuchsen. Ihr Leben lang war sie berufstätig und viele Jahre bis zum Eintritt in das Rentenalter pflegte sie zuerst ihren schwerstpflegebedürftigen Vater und nach dessen Tod auch noch ihre schwerstkranke Mutter. Rückblickend auf diese Zeit sagte sie mir: "Ich weiß gar nicht, wie ich das damals alles geschafft habe, die Berufstätigkeit, meine Familie, meinen Haushalt und die intensive Pflege meiner Eltern." Als sie diese Worte zu mir sagte, da ging von ihren Augen ein Glanz aus, den ich in meinem Leben nicht mehr vergessen werde.

Steffi Beck-Seiferlein
Pfarrerin in Bechhofen

Wir beten: Guter Gott, du bist die lebendige Hoffnung in unserer Welt. Bei dir gibt es die Geborgenheit, nach der wir uns sehnen. Wir wollen unseren Blick auf dich und deine unendliche Liebe ausrichten: Du gibst unserem Leben einen tiefen Sinn und lässt uns immer wieder neue Kraft zuwachsen. Hebe unsere Augen auf zu dir, lass uns weitergeben, was du uns schenkst. Amen.

Lied 296: Ich heb mein Augen sehnlich auf

 

nach oben
Diese Woche - Archiv - Editorial - Geschichte - Redaktion - Abo-Service - Anzeigen - Evang. Reisedienst - Impressum
© copyright ROTABENE! Medienhaus