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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 12 )

Jugendliche ernst nehmen

Konfirmanden-Unterricht im Wandel

 
Foto: gük

Das Resümee der Jugendlichen klingt ernüchternd. "Meistens haben wir über Themen gesprochen, über die ich schon Bescheid weiß", sagt die 14-jährige Kathrin. "Die Gottesdienstbesuche waren langweilig", fügt eine andere Konfirmandin hinzu. Und auf die Frage, ob sie sich nach dem Konfi-Unterricht ab und zu treffen wollen, fällt die Antwort überaus deutlich aus: "Nie im Leben gehe ich in eine Jugendgruppe!"

Die Fragebogenaktion einer Fürther Gemeinde ist sicher nicht repräsentativ. Sie zeigt jedoch, dass es heutzutage nicht einfach ist, junge Menschen mit Glaubensthemen zu begeistern. In den Gemeinden wird von Pfarrern und Ehrenamtlichen mittlerweile auf dieses Problem reagiert. Mit unterschiedlichsten Modellversuchen will man den Konfirmanden Glaube und Kirche schmackhaft machen. Zum großen Teil gelingt das auch.

Dokumentation

Uschi Schmidt, Religionspädagogin aus Herzogenaurach, kennt sich bei den Versuchen, Konfirmanden neu zu begeistern, gut aus. Vor drei Jahren erhielt sie eine Viertel-Stelle von der Landeskirche, um sich mit dem Thema "Konfirmanden-Arbeit" zu beschäftigen. Die 40-Jährige erstellt eine Dokumentation darüber, welche Ansätze es im Dekanat Erlangen in den vergangenen sechs Jahren gab. Dabei hat sie die bayerische Gesamtsituation nie aus den Augen verloren.

Im Dekanat Erlangen setzt man auf die Mithilfe von Ehrenamtlichen. Einmal im Jahr findet ein Seminartag statt, bei dem zum Beispiel über "Elternarbeit", "Jugendliche und der Gottesdienst" oder "Zukunftsperspektiven des Konfi-Unterrichts" gesprochen wird. Bei jährlich zwei Fortbildungsabenden für alle Mitarbeiter werden Themen aus dem Konfi-Kurs diskutiert. Die Palette reicht von "Beichte" und "Abendmahl" bis hin zum "Umgang mit der eigenen Sexualität". Geplant ist nun ein dreitägiger Grundkurs für jugendliche Konfi-Helfer, bei dem sie für die Mitarbeit bei den Kursen "geschult" werden.

Auch in anderen Städten macht man sich Gedanken, mit welchen Formen Konfirmanden angesprochen werden könnten. Ganz oben auf der Liste des Erfolges landet das Modell "Konfi-Camp", wie es in Augsburg seit Jahren praktiziert wird. Die Jugendlichen fahren im August für zehn Tage nach Ligano ans Meer. Dort beschäftigen sie sich mit traditionellen Themen des Katechismus, wobei das Lernen mit Erleben und die Glaubenskurse mit Gemeinschaftserfahrung hervorragend verbunden werden.

Der Erlebnischarakter hinterlässt stets einen bleibenden Eindruck. Allerdings bedarf es eines gewaltigen Organisationsaufwandes. Schon Tage zuvor werden mit Lastwagen die Zelte, eine Lagerküche und sogar eine eigene Band vor Ort gebracht. Die Frage stellt sich auch, was in dem Zeitraum nach dem Camp bis zur Konfirmation im März des darauffolgenden Jahres mit den Konfirmanden unternommen wird.

Eine Art Hauskreismodell gibt es in der St. Matthäus-Kirche in Erlangen. Neben dem üblichen Unterricht des Pfarrers gehen vier bis fünf Konfis einmal monatlich zu einem Kirchenvorsteher oder Elternteil. In diesem sehr persönlichen Umfeld kann beispielsweise anschaulich die "Taufe" erklärt werden. Der Erwachsene zeigt seine Taufkerze, Fotos oder einen Videofilm und kommt dabei auf Patenschaft sowie christliche Erziehung zu sprechen.

Konfi-Tage: Bibel und Spiele

Gut angenommen werden auch die Konfi-Tage, wie Uschi Schmidt berichtet. Dabei treffen sich die Jugendlichen einmal im Monat für vier oder fünf Stunden. Themenblöcke und Spielerunden ergänzen sich. Ein gemeinsames Mittagessen fördert den Zusammenhalt. Dadurch, dass viele Mitarbeiter – Pfarrer, Ehrenamtliche und Eltern – beteiligt sind, spielen auch Disziplinschwierigkeiten kaum eine Rolle, unterstreicht Uschi Schmidt.

Der Möglichkeiten gibt es also viele, aber nicht alle passen für jede Gemeinde. "Es ist unmöglich, ein landeskirchlich einheitliches Konzept zu entwickeln", sagt auch Kirchenrat Albert Schweiger, der im Landeskirchenamt München für Konfirmandenarbeit zuständig ist. Pfarrer und Kirchenvorstand seien gleichermaßen gefordert, ein Modell für ihre Gemeinde zu entwickeln. Ein gewisser Trend ist aber schon festzustellen. "Die Gruppe kommt mehr in den Blick", betont Schweiger. Lernstoffe stünden nicht mehr im Mittelpunkt. "Die Gemeinschaftserfahrung wird wichtig, ohne dass christliche Inhalte dabei zu kurz kommen", sagt der 50-Jährige.

Klares "Ja" zum Glauben?

Häufig diskutiert wird derzeit darüber, "wozu die Konfirmation überhaupt da ist", formuliert es Uschi Schmidt. Geht es noch um das persönliche "Ja" zum Glauben und um die Bestätigung der Taufe oder soll man die Konfirmation eher als eine Art "Segen auf der Lebensreise" verstehen? "Ein klares ,Ja’ zum Glauben ist für 14-Jährige oft eine Überforderung", meint Albert Schweiger. Was in diesem Alter allerdings schon möglich sei: "die Überprüfung des Kinderglaubens", so Schweiger. Jüngere, etwa in der dritten und vierten Klasse, verfügen über diese kritische Distanz noch nicht. Ein Argument, das übrigens auch dafür spricht, Jugendliche erst mit 13 oder 14 Jahren zu konfirmieren – selbst, wenn die Zeit der Pubertät als schwierig empfunden wird.

Doch auch junge Menschen in diesem Alter sind für christliche Themen ansprechbar. Es kommt eben auf die Form der Vermittlung an. Frontalunterricht lockt keinen mehr hinter dem Ofen hervor. Was dann?

"Konfi-Arbeit ist Beziehungsarbeit", sagt Uschi Schmidt. Der Leiter oder die Leiterin eines Konfi-Kurses – dies muss nicht der Pfarrer sein – sollte sich möglichst auf das Alter der Jugendlichen einstellen. Ein handlungsorientierter Ansatz erleichtere ihnen den Zugang, meint die 40-Jährige.

Also: nicht nur auswendig lernen, sondern Inhalte mit allen Sinnen und kreativ begreifen. "Sobald die Konfirmanden merken, es nimmt sie jemand ernst, fällt die Maske", sagt Uschi Schmidt über die Vorteile dieses Modells. Und: Am besten funktioniert so ein Konfi-Kurs mit Team.

Günter Kusch

 


Ja: Glauben heißt laufen!

"Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Gedenkt an den, der soviel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, damit ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst."
Hebräer 12, 1–3



 
Foto: Wodicka
   

Ja: Glauben ist laufen! Es geht um den "Lebenslauf des Glaubens". Dabei sollen wir weder "matt werden" noch den Mut sinken lassen. Wie soll das gehen? Drei Merkmale nennt der Hebräerbrief: Erstens: Wir laufen nicht in der Einsamkeit des Langstreckenläufers. Zweitens: Wir bewegen uns nicht überfrachtet wie ein mittelalterlicher Ritter. Drittens: Wir rennen nicht orientierungslos wie ein Amokläufer.

Wir laufen nicht in der Einsamkeit des Langstreckenläufers. Das bedeutet: Wir haben eine "Wolke von Zeugen" um uns, wenn wir glauben. Was heißt das im heutigen Deutsch? Ich versuche es: Der Glaube an den Schöpfer der Welt und den Vater.

Jesu Christi lohnt sich. Wir finden massenweise lebendige Belege dafür. Der Hebräerbrief nennt als lebendige Belege Leute wie Abel, Henoch, Noah, Abraham, Isaak, Jakob, Josef, Mose und Rahab. Für uns kommen die lebendigen neutestamentlichen Belege dazu: Petrus, Johannes, Jakobus, Lydia, Priscilla, Maria und Magdala – und viele andere. Auch in die Kiste der Biografien dürfen wir greifen. Wenn wir glauben, laufen wir nicht in der Einsamkeit des Langstreckenläufers.

Wir bewegen uns nicht überfrachtet wie ein mittelalterlicher Ritter. Das bedeutet: Fiel ein Ritter vom Ross, konnte er sich überhaupt nicht mehr bewegen. Er war dem Feind hilflos preisgegeben.

Denn seine Rüstung war ja viel zu schwer! Mit einem Seilzug hatte man ihn aufs Pferd gehievt. Bewegen konnte er sich aus eigener Kraft überhaupt nicht. Wir sollen so nicht laufen: …lasst uns ablegen alles, was uns beschwert und die Sünde, die uns ständig umstrickt…". Her damit, sagt Jesus. Gib mir deine Sünde; rücke deine Sorgen raus. Dann läufst du leicht und frei.

Wir rennen nicht orientierungslos wie ein Amokläufer. Das bedeutet: Unser Lebenslauf des Glaubens darf sich ganz klar an Jesus orientieren. Zu ihm sollen wir aufsehen. Er gibt die Richtung vor. Sein Weg ging über die absolute Selbstentäußerung mit dem Verzicht auf die Freude, die ihm eigentlich zustand. Sein Weg ging über die Schande des Kreuzes. Sein Weg führte zum Thron rechts vom Vater. Das ist unsere Orientierung. Das ist unser Ziel. Herrliche Aussichten.

Wir sind unterwegs. Das Ziel ist schon in Sicht. "Noch haben wir in dieser Welt ein Leben zu besteh'n", singt Manfred Siebald. Recht hat er. Denn da ist so manche Durststrecke, so manche Bergprüfung. Deshalb sollen wir uns von der "Wolke der Zeugen" anspornen lassen. Wir dürfen ablegen, was uns am Rennen hindert. Wir orientieren uns an Jesus. Ohne ihn wäre unser Glaube nicht entstanden. Er wird dafür sorgen, dass wir ankommen. Er ist der Anfänger und Vollender unseres Glaubens.

Pfarrer Heinz Bogner
Mistelgau-Obernsees

Wir beten: Du musst ziehen, mein Bemühen ist zu mangelhaft. Wo ihr's fehle, spürt die Seele. Aber du hast Kraft, weil dein Wort ein Leben bringt und dein Geist das Herz durchdringt. Dort wird's tönen bei dem Krönen: Gott ist's, der es schafft!
Philipp Friedrich Hiller, 1699–1769

Lied 384: Lasset uns mit Jesus ziehen.

 

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