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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 11 )

"Das Singen hat geholfen"

Spannende Präsidentenwahl bei der Landessynode in Bayreuth

Heidi Schülke, Lothar Böhm
 
Heidi Schülke, Lothar Böhm (Foto: güs)

So spannend war es wohl noch vor keiner Präsidentenwahl in der Landessynode. Bis kurz vor Beginn der Wahlhandlung stand nicht genau fest, welche Personen kandidieren. Dass sich die Coburger Hausfrau und studierte Germanistin Heidi Schülke und der Münchberger Abteilungsdirektor Lothar Böhm um das Amt bewerben, war klar. Stephan Bergmann, leitender Fernsehredakteur aus München, ließ seine Entscheidung lange offen. Schließlich verzichtete er auf eine Kandidatur.

Evangelium als Basis

Schülke und Böhm hatten bisher schon im Kirchenparlament an verantwortlicher Stelle mitgearbeit: Die 62-Jährige als Vizepräsidentin und der 63-Jährige als Vorsitzender des Ausschusses für Bildung und Erziehung. In ihrer Vorstellung unterstrich Schülke, das Selbstbewusstsein der Synode stärken zu wollen. Ihr Anliegen sei es, "gemeinsam auf dem Boden des Evangeliums zu einem Konsens zu kommen". Böhm zufolge, der den Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) als seine geistliche Heimat nannte, kann nur von einem klaren geistlichen Standpunkt aus Toleranz geübt werden. Der Münchberger machte sich dafür stark, "gemeinsam für eine verlässliche Kirche auf der Grundlage des Evangeliums einzutreten".

Nach dem mit Spannung erwarteten ersten Wahlgang gab es lange Gesichter: Keiner der beiden Synodalen hatte die erforderliche Mehrheit erreicht. Der Abteilungsdirektor lag mit 50 Stimmen knapp vor der studierten Germanistin mit 49. Sechs Synodale hatten sich enthalten. Auch im zweiten Wahlgang keine Entscheidung: Für Böhm und Schülke votierten je 49 Synodale. Sieben enthielten sich der Stimme.

Vor dem dritten Wahlgang appellierte Alterspräsident Bruno Viertlmeister (Maxhütte-Haidhof) an die Synodalen, "so zu wählen, dass es zu einer Entscheidung kommt". Ansonsten würde die "ganze Welt über uns lachen", weil der Wahlprozess noch einmal von vorn beginnen müsste. Während der Stimmenauszählung ließ Viertlmeister 15 Strophen des Liedes "Geh aus mein Herz und suche Freud" singen.

Bei Vers 13 – "Hilf mir und segne meinen Geist ..." – kam der Wahlausschuss, dem auch der bayerische Innenminster Günther Beckstein angehörte, wieder in den Raum. "Das Singen hat geholfen", meinte Beckstein und gab das Ergebnis bekannt: "Heidi Schülke 56 Stimmen, Lothar Böhm 46 und drei Enthaltungen." Aufatmen im Kirchenparlament, weil nach über drei Stunden endlich eine Entscheidung gefallen war und ein Wahlmarathon unterblieb. Als einer der ersten gratulierte Lothar Böhm der neu gewählten Präsidentin. Mit der Coburgerin steht erstmals eine Frau an der Spitze des Kirchenparlamentes.

In seinem Bericht ermutigte Landesbischof Johannes Friedrich die Synodalen, die Grundtexte der Kirche "stets in Reichweite zu halten". Neben der täglichen Bibellese lohne es sich, auch nachzulesen, was in den lutherischen Bekenntnisschriften und der Kirchenverfassung steht. Das bedeute aber nicht, "ständig mit Schrift und Bekenntnis und mit der Kirchenverfassung unter dem Arm herumzulaufen."

Friedrich dankte dem bisherigen Präsidenten des Kirchenparlamentes, Dieter Haack (Erlangen) für seine Arbeit. Er habe die "Bedeutung des synodalen Elements in der gemeinsamen kirchenleitenden Verantwortung immer wieder auch in der Öffentlichkeit deutlich herausgestellt".

Günter Saalfrank

 

Die Freude am Evangelium fördern

Nach der Wahl sprach Sonntagsblatt-Chefredakteur Günter Saalfrank mit der Präsidentin Heidi Schülke.

Sonntagsblatt: Was ist das für ein Gefühl, nun an der Spitze des Kirchenparlamentes zu stehen?

Schülke: Es ist ein ganz wunderschönes Gefühl – zumal die Wahlgänge etwas zäh waren. Ich freue mich sehr, als Präsidentin auf eine andere Art die Synode leiten zu können. Es wird eine gute Sache sein, wenn im Ton, in der Verhandlungsweise und im Zusammenspiel des Präsidiums ein anderer Akzent kommt.

Sonntagsblatt: Wo möchten Sie inhaltlich neue Akzente setzen?

Schülke: Mir ist wichtig, dass die vielen beschlossenen Strukturen und Gesetze mit dem Evangelium "unterfüttert" werden, so dass sie zur Freude am Evangelium beitragen.

Sonntagsblatt: Die Landessynode soll die Vielfalt, aber auch die Einheit der Landeskirche repräsentieren. Wie wollen Sie das konkret in die Tat umsetzen?

Schülke: Ich möchte mit allen Gesprächskreisen in der Synode in engem Kontakt bleiben. Mir geht es um einen noch intensiveren Dialog und Informationsfluss zwischen den einzelnen Ausschüssen und Kreisen. Ich möchte vor allem dazu beitragen, dass wir in der Synode ein gemeinsames Ziel verfolgen und wir uns nicht in Arbeitskreise aufspalten lassen.

Sonntagsblatt: Sie treten nun in die Fußstapfen von Präsident Dieter Haack, die sehr groß sind.

Schülke: Nein, ich trete nicht in die Fußstapfen von Herrn Haack, sondern ich muss meine eigenen Wege finde. Ich eifere ihm aber sicher nach in dem Bestreben, dass die Landessynode ein tatkräftiges und selbstbewusstes kirchenleitendes Gremium ist.

Sonntagsblatt: Wie würden Sie theologisch Ihren Standpunkt beschreiben?

Schülke: Mir ist das Evangelium ganz wichtig. Ich möchte es gegen die Folie der heutigen Zeit halten und fragen: Was für einen Hintergrund hatte es damals und was kann es heute bedeuten?

 


Den Weg mit Jesus gehen

"Darum hat auch Jesus, damit er heiligte das Volk durch sein eigen Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasset uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen."
Hebräer 13, 12–14


 
Foto: Wodicka
   

In der Passionszeit begleiten wir Jesus auf seinem Weg zum Kreuz. Darauf weist uns der Verfasser des Hebräerbriefes hin. Wer ihn geschrieben hat, wissen wir nicht. Möglicherweise ist er 80–90 nach Christus geschrieben worden und sollte die Gemeinden ermahnen, trotz vieler Irrlehren und Verfolgung an Jesu Wort und Bekenntnis festzuhalten. Manchmal denke ich, wir bräuchten heutzutage auch solche Briefe, die uns als Kirchenmitglieder und Kirchengemeinde ermutigen, die uns aufbauen und uns Zuspruch geben.

Der 11. September war ein Einschnitt und hat uns nachdenklicher gemacht. Der Zustand unserer Gesellschaft in manchen Zerfallserscheinungen und der Oberflächlichkeit vieler Beziehungen, wird uns bewusster. Glauben und christliches Leben werden in der Öffentlichkeit verdrängt. Kaum jemand äußert sich offen über seinen Glauben und seine Glaubenserfahrung.

Deutlicher wird der Ruf nach Werten und sozialen Grundhaltungen. Wir als Christen können ihn ganz einfach mit den zehn Geboten beantworten. Diese sind nicht altmodisch und überholt. Sie sind notwendiger denn je, und sie sind ein Leitfaden christlichen Lebens, den wir gut unseren Kindern und Enkelkindern mitgeben können. Wir sind nicht frei von Fehlern und Sünden, das ist in uns Menschen enthalten. Aber wir können uns bemühen, den richtigen Weg zu gehen.

Christus ist für unsere Sünden am Kreuz gestorben. So ist das Kreuz für uns Christen das Symbol der Vergebung und der Liebe Gottes zu den Menschen.

Wir sollten uns dieses Symbol und unsere christlichen Grundwerte nicht wegnehmen lassen. Wohin eine Gesellschaft ohne Gott führt, haben wir in Deutschland bitter erfahren müssen. "So lasset uns nun zu ihm hinausgehen und seine Schmach tragen", heißt es im Hebräerbrief. Jesus ist den Weg des Leids gegangen. Einen Weg, der ihm vorgegeben war.

Wir sollen diesen Weg mitgehen. Dies ist kein einfacher Weg. Es ist der Weg des sich zu ihm bekennen, trotz Spott und Ironie. Es kann ein Weg der Enttäuschungen sein, vor allem der menschlichen Enttäuschungen. Jesus hat das "Hosianna", aber auch das "Kreuzige ihn" gehört. Wie trifft es uns, wenn wir auf Menschen und ihr Wort vertrauen, und müssen dann das Gegenteil erfahren. Der Weg mit Jesu ist auch ein Weg des Leids, und keiner von denen, die ihm nachfolgen, wird in irgendeiner Weise davon verschont sein.

Das kann seelisches Leid sein aus Beziehungskrisen, das kann körperliches Leid sein. Auch Hiob musste dies erfahren und wurde, weil er treu blieb, aus dem Leid heraus geführt. Treu bleiben, Gemeinschaft halten, im Leid und in der Freude, die Passion und dann Ostern miterleben, das ist der Weg, den wir mitgehen sollen, im Vertrauen auf sein Geleit und die Auferstehung.

Synodalin Herta Küßwetter
Ehingen

Wir beten: Lieber Gott, sei Du bei uns in allen Notlagen des Lebens. Verlass uns nicht. Gib uns in der Zeit der Enttäuschungen und des Leids die nötige Kraft die wir brauchen, um mit Dir den Weg gehen zu können. Amen.

Lied 365: Von Gott will ich nicht lassen.

 

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