Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 10 )

Mit der Herausforderung wachsen

Behinderte Kinder sind oft Dreh- und Angelpunkt in der Familie

Mutter und Kind
 
Foto: kil

Die Tür geht auf. Etwas unentschlossen steht Paula (2) im Flur. Sie zögert kurz, dann streift sie schnell ihre Schuhe ab, schmeißt die Jacke hin und stürmt in die Küche. Wirft sich auf den Boden und küsst ihr Brüderchen Anton, der dort auf einer Krabbeldecke liegt.

Dass Anton behindert ist, weiß sie nicht, versteht es auch noch nicht. "Aber der Begriff Down-Syndrom fällt schon immer wieder", sagt Michaela Bittner. "Wir wollen nicht, dass unsere Kinder Jakob und Paula irgendwann aus allen Wolken fallen, wenn sie mitbekommen, dass Anton behindert ist." Der 33-Jährigen fällt es nicht schwer, über ihren jüngsten Sohn zu sprechen. Inzwischen ist das normal, Alltag eben. Doch sie kann sich noch gut daran erinnern, wie es vor zehn Monaten war. Als der Arzt kam und sagte, es gebe bei Anton deutliche Hinweise auf das Down-Syndrom. "Ich lag in meinem Bett und habe ihn erst noch angelächelt", schildert sie. Nur langsam habe sie begriffen, dass er mit ihr sprach und ernst meinte, was er sagte. "Dann kamen mir die Tränen und ich fiel in ein tiefes Loch." Sie sah alles zusammenbrechen – das Architekturbüro, das sie mit ihrem Mann Reiner in Stopfenheim (Landkreis Weißenburg) führt, die anderen Kinder, "selbst an der Stabilität unserer Ehe habe ich kurz gezweifelt". Lachend schaut sie zu Reiner und fügt hinzu: "Aber nur ganz kurz."

Zwei Tage später führten Bittners ein ausführliches Gespräch mit Ärzten. "Das war gut, dann konnte ich endlich mal grob einschätzen, was das heißt und was auf mich zukommt." Reiner hatte weniger Probleme. "Ich weiß noch, wie ich gesagt habe, dass ich ihn trotzdem gern anschaue. Und das tue ich bis heute." Anton sitzt auf seinem Schoß und fühlt sich sichtlich wohl. "Geholfen hat es uns, dass wir so viel praktische Unterstützung erfuhren. Es gibt so viele Fördermöglichkeiten", sagt die Mutter. Allerdings bringt die Förderung viele Termine mit sich. "Da heißt es: gut organisieren."

Auch das Reden mit ihren Familien und Freunden hat dem Paar gut getan. Allerdings hat sich manche Freundschaft seitdem verändert. "Es gibt Leute, die ignorieren die Tatsache, dass wir ein behindertes Kind haben. Sie fragen nicht mal danach", erzählt der 35-jährige Vater. Er habe durch Anton gelernt, dass es immer das Beste ist, unbefangen mit Problemen umzugehen. Für Bittners war und ist es wichtig, sich nicht zurück zu ziehen. Sondern ihren Mitmenschen zu zeigen, "dass es uns gut und das Leben weiter geht". Die Frage nach dem Sinn, nach dem Warum haben sich die Architektin und der Geograph kaum gestellt. Und auch ihr Glaube habe sich dadurch nicht negativ verändert. "Im Gegenteil – mein Gebetsleben wurde eher intensiver", meint Michaela.

Strahlemann Maxi

Ähnliches über die Erfahrung mit Freundschaften berichten auch Elke und Joachim Heldt aus Neusitz (Landkreis Ansbach). Auch sie haben erlebt, dass Freundschaften auseinander brachen, weil Freunde nicht mit ihrem schwerstbehinderten Sohn umgehen konnten. "Sie tun so, als gäbe es ihn nicht, dabei ist er ein so wichtiger Teil unseres Lebens", erklärt Elke "und so ein Strahlemann". Der 12-jährige Maxi ist Spastiker, stark sehbehindert und kann nicht sprechen. Durch einen Sauerstoffmangel kurz vor der Geburt wurde sein Gehirn stark geschädigt. Und doch ist er erstaunlich wach und bekommt viel mit. Als er merkt, dass Besuch in sein Zimmer kommt, strahlt er über das ganze Gesicht und quietscht vor Freude. Nachvollziehbar, dass seine drei älteren Geschwister und die Eltern ihre Freude mit ihm haben.

"Durch Maxi hat sich schon viel in unserem Leben verändert", sagt Elke. Ihr Mann arbeitete früher als Krankenpfleger im Krankenhaus. Doch seine Arbeitszeit war ungünstig. "Da habe ich die Stelle gewechselt und bin nun beim Roten Kreuz", schildert der 41-Jährige. Der Verdienst sei zwar nicht so gut, "aber was nützt uns das Geld, wenn sich Elke aufreibt". Für Maxis Geschwister ist seine Behinderung normal. Der 19-jährige Michael kann sich noch erinnern, dass er damals enttäuscht war, dass "Maxi geboren war, aber nicht nach Hause kam, weil er noch wochenlang in der Klinik war". Als er endlich kam, sei die Freude groß gewesen.

Im Gegensatz zu Bittners hatten es Heldts sehr schwer, an Fördermöglichkeiten heranzukommen. "Wo auch immer wir nachfragten, war die Reaktion ein Schulterzucken", meint Joachim. Vieles hätten sie sich hart erarbeiten müssen. Inzwischen klingelt nicht selten bei ihnen das Telefon, weil andere Eltern sich informieren wollen.

"Es war und ist manchmal auch schwer. Wir haben viele Termine und ich könnte noch mehr mit Maxi machen", schildert Elke ihren Alltag. Aber inzwischen seien sie beide viel sicherer geworden. "Ein schlechtes Gewissen haben wir nur selten, denn man kann unmöglich alles leisten." Und da sind ja noch drei Kinder, die auch ihre Ansprüche anmelden. "Seit Maxi zwei ist, haben wir auch immer einen Zivi gehabt, der sich tagsüber um ihn kümmert." Zur Zeit ist Jens da, Zivi Nummer elf. Wie er anfangs denken konnte, das nicht zu packen, ist ihm heute unverständlich. Er kann Joachim nur beipflichten, als der sagt: "Wir sind alle mit der Herausforderung gewachsen und ein Stück reicher geworden durch Maxi."

Karin Ilgenfritz

 


Dennoch Gottes Liebe trauen

Ich hab mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der Herr, dein Er löser. Ich halte es wie zur Zeit Noahs, als ich schwor, dass die Wasser Noahs nicht mehr über die Erde gehen sollten. "Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer.
Jesaja 54, 8 + 9a +10

Christian Rohlfs - Der Gefangene
 
"Der Gefangene" von Christian Rohlfs
   
Im Glauben erschüttert. – "Ich verlor den Boden unter den Füßen, als mich mein Partner verließ." "Für mich brach eine Welt zusammen, als ich von meinem Betrieb entlassen wurde." "Die Welt verlor für mich ihren Glanz und ihr Licht, als ich schuldig gesprochen wurde und hinter Gitter musste."

Wir kennen solche und ähnliche Einbrüche im Leben, die uns schwer erschüttern. Die Hoffnung droht zu verlöschen. Die Liebe erkaltet und das Vertrauen wird durch schlimme Zweifel und bohrende Fragen erschüttert.

Von Gott verlassen. – Mit den Psalmen klagen wir Gott an und fragen: Wo warst Du, als ich mit meinen Möglichkeiten am Ende war? Warum hast Du mich verlassen als mir das Wasser bis zum Halse stand? Warum hast Du mich im Stich gelassen als alle Hoffnungen zerstoben?

Gott gibt sein Versäumnis zu. – Ich habe dich tatsächlich für einen Augenblick dir selbst überlassen. Ich habe mich wie ein Mensch verhalten. Du hattest mich so sehr geärgert, dass in mir der Zorn aufstieg und ich kurzfristig nichts mehr von dir wissen wollte.

Gott gewichtet anders. – Für dich wurde es schlimm als ich dich für kurze Zeit aus den Augen ließ. Aber bedenke doch, wie oft und wie reichlich ich gnädig zu dir gewesen bin, wie ich dein Leben erfüllt habe und dir meine Liebe schenkte. Ich will dich nie mehr aus den Augen lassen, immer für dich da sein und mit dir einen Bund des Friedens schließen.

Zeichen der Hoffnung. – Der Prophet erinnert im Auftrage Gottes an den Regenbogen, den Gott nach der Sintflut als Bundeszeichen in die Wolken gesetzt hat. Obwohl die Menschen von klein auf nach Bösem trachten, garantiert Gott als Liebhaber allen Lebens die Grundordnung für die Menschheit: "Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht" (1. Mose 8, 22).

Jesus nennt in der Bergpredigt die Sonne und den Regen als weitere Gnadenzeichen: "Euer Vater im Himmel lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte" (Matthäus 5, 45). Gottes Gnade und Liebe erweisen sich als stärker als unser Versagen und Scheitern, sie überwinden sogar seinen Zorn.

Erinnern an den Bund der Taufe. – Der Sonntag "Lätare" ("Freuet euch!") ruft mitten in der Passionszeit zu verhaltener Vorfreude auf Ostern hin auf. In der Osternacht wird in vielen Gemeinden an die Taufe erinnert. An Ostern feiern wir Gottes Sieg über Sünde und Tod. Wer getauft wurde, gehört in Zeit und Ewigkeit zu Gott und kann sich gerade auch in schwerer Zeit auf Gottes Liebe und Gnade ver-lassen.

"Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer."

Dekan Rudolf Weiß, Hof

Wir beten: Wir danken dir, allmächtiger Gott, dass du in Jesus Christus mit uns Frieden geschlossen hast. Wir bitten dich um deine Barmherzigkeit, dass wir untereinander Frieden halten und in unserer Welt der Versöhnung dienen, damit alle Menschen deine Liebe erfahren. Amen

Lied 602: Vergiss nicht zu danken.

 

nach oben
Diese Woche - Archiv - Editorial - Geschichte - Redaktion - Abo-Service - Anzeigen - Evang. Reisedienst - Impressum
© copyright ROTABENE! Medienhaus