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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 6 )

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Gespräch mit Peter Bukowski über den Lebensmut

Peter Bukowski
 
Foto: epd

Humor und Seelsorge - zwei Welten, die sich durchaus öfter einmal begegnen könnten. Davon ist Peter Bukowski überzeugt. In seinem lesenswerten Buch mit dem Titel "Humor in der Seelsorge" zeigt der Moderator des Reformierten Bundes und Direktor des reformierten Predigerseminars in Wuppertal, dass Humor ein wichtiger Bestandteil christlichenGlaubens ist. Sonntagsblatt-Redakteur Günter Kusch unterhielt sich mit dem 51jährigen Theologen.

Die Faschingszeit ist derzeit voll im Gange. Auf allen Fernseh- und Radiosendern hört man "Alaaf"- und "Helau"-Rufe. Wie erleben Sie die Menschen in diesem Jahr - humorvoller und witziger als sonst?

Bukowski: Ich bin gebürtiger Bonner. Da beherrscht der Fasching die Gesellschaft. In Wuppertal, wo ich derzeit lebe, macht das Ganze einen etwas gewollten und gequälten Eindruck. Ich kann nicht behaupten, dass ich die Menschen im Fasching humorvoller erlebe, weil ein großer Unterschied besteht zwischen Humor im engeren Sinn und Spaß, Frohsinn oder Heiterkeit. Spaß, Frohsinn und Heiterkeit sind, wenn sie denn gelingen, gesund und Herz erfrischend, aber es handelt sich dabei noch nicht unbedingt um Humor. Denn Humor ist speziell die Art von Heiterkeit, zu der ein Mensch angesichts von Leiden und Widerwärtigem fähig ist.

Moment des Widerständigen

Den humorvollen Menschen gibt es also in der Faschingszeit gar nicht?

Bukowski: Doch, den gibt es auch. Aber man muss erst einmal klären, was Humor eigentlich ist. Und da gibt es eine schöne Definition des Dichters Otto Josef Bierbaum: "Humor ist, wenn man trotzdem lacht". Humor ist also eine Möglichkeit, sich mit Hilfe des Komischen vom Leid zu distanzieren. Das "Trotzdem" und das "Lachen" sind zwei Bedingungen, die zum Humor dazu gehören. Es gibt eine Weise, Spaß zu haben, die mag erfrischend sein, aber es fehlt der Moment des Widerständigen. Humor dagegen ist die Form von Freude und Komik, die, indem sie komisch ist, dem Widerwärtigem widersteht. Das gibt es auch im Karneval. Zum Beispiel die Büttenreden: Hier wird all zu Menschliches im Zusammenleben oder in der Politik auf die Schippe genommen. Das ist im echten Sinne Humor, wenn es gelingt, zu dem, was Menschen beschäftigt und belastet, humorvoll auf Distanz zu gehen. Das, was leidvoll oder erhaben daher kommt, wird entlarvt und auf sein rechtes Maß zurückgestutzt.

Woran erkennt man einen humorvollen Menschen?

Bukowski: Ein humorvoller Mensch ist jemand, der in der Lage ist, zu sich selbst auf heilsame Distanz zu gehen. Einer, der sich nicht tierisch ernst nimmt. Ein humorvoller Mensch ist einer, der sich selbst nicht alles glaubt. Einer, der damit rechnet, dass sich auch hinter seiner eigenen Fassade Abgründigkeiten auftun.

Der israelische Schriftsteller Amos Oz hat beim Jahresempfang der Evangelischen Akademie in Tutzing einen Satz zum gegenwärtigen Fanatismus in der Welt gesagt, der Ihnen aus dem Herzen sprechen müsste: "Die Fähigkeiten, sich in die Gedanken anderer Menschen hinein zu versetzen und über sich selbst zu lachen, sind Medikamente, mit denen Fanatismus zumindest zurückgedrängt werden kann."

Bukowski: Richtig. Ich denke zum Beispiel an den jüdischen Witz. Das war immer eine Form, mit der Juden dem sie von außen bedrängenden Widerwärtigem widerstanden haben. Momentan gibt es in Israel eine Fanatisierung von beiden Seiten. Israelis stehen in der Gefahr, auf den fanatischen Terror mit fanatisierter Gegengewalt zu reagieren. Im Unterschied zu Palästina fällt mir bei Israel auf, wie sehr dieses Land selbst jetzt noch dazu in der Lage ist, das was an militärischer Macht für uns manchmal all zu starr daher kommt, seinerseits noch zu hinterfragen. Ich denke, das hat mit der jüdischen Fähigkeit zu tun, zu sich selbst auf Distanz gehen zu können. Juden würden sagen, so befolgen sie das erste Gebot: Sich selbst nicht zu vergöttern, sondern sich von seinen all zu menschlichen Seiten sehen.

Der Titel Ihrer Schrift "Humor in der Seelsorge" ruft zuerst einmal zu Widerspruch auf: Soll man Schwerkranke oder Menschen, die einen Angehörigen verloren haben, mit ein paar Witzen trösten?

Bukowski: Witze können völlig deplatziert sein. Humor ist ein Lachen, das das Leiden integriert und überwindet. Humor ist immer ein Akt der Befreiung und keine Unterdrückungsaktion. Deshalb kann sich Humor nicht gegen jemanden richten. Es könnte also nie darum gehen, das Leid eines Menschen zu banalisieren oder den Menschen irgendwie auszulachen. Als Zweites kommt hinzu: Bei Leidenden und Schwerkranken kann ich mir nicht vorstellen, dass ich denen humorvoll komme, sondern dass ich meine Humor-Antennen geöffnet habe und mein Sensorium für das Komische einer Situation bewahre. Ich habe bei vielen Kranken gespürt, dass Humor für sie eine Möglichkeit sein kann, dem Leid zu trotzen. In Kliniken und Kinderstationen (Leukämie) gibt es ja eigens Fachleute (Clowns), die den Patienten Videos oder Material anbieten, um Traurige wieder zum Lachen zu bringen. Humor bedeutet nicht, eine Situation mit Witzchen zu überspielen, das kann ganz grässlich sein.

Wie findet ein Seelsorger die richtige Balance, damit aus "befreiendem "Humor" nicht "Verulkung" wird?

Bukowski: Dadurch, dass man nicht versucht, Humor zu machen. Humor ist eine Kraft, der ich erlauben muss, dass sie sich in dieser Situation entfalten darf.

Sie schreiben, Humor sei eine Art Charisma, eine Begabung, die nicht jeder hat. Heißt das, humorlose Menschen sind unfähig zur Seelsorge?

Bukowski: So herum nicht! Es gibt ja immer Sätze, wo der Kehrsatz nicht stimmt. Aber: Wer diese Gabe als Pfarrer oder Pfarrerin nicht hat, der hat ein berufliches Handicap. Dann bedarf der Seelsorger der Seelsorge. Es muss nicht jeder ständig pfiffige Ideen entwickeln. Aber jeder müsste dazu fähig sein, über das Leben auch lachen zu können. Man kann sich dem Humor öffnen. Das ist sicher eine Frage an die eigene Frömmigkeit. Ich denke, dass mit dem Gottvertrauen auch so etwas wie Lebensmut wächst. Und Lebensmut ist die beste Bedingung für den Humor.

In Psalm 2 heißt es: "der im Himmel wohnt, lacht ihrer". Wie kann man das verstehen: Gott lacht?

Bukowski: Alle Rede von Gott ist bildhafte Rede. Das Bild vom lachenden Gott ist ein angemessenes Bild: Der Mensch, der so oft nur nach seinem eigenen Kopf rennt, ist aufgehoben im Humor und im Lächeln Gottes.

Vorschein der Erlösung

Wie heißen Ihre zukünftigen Bücher: "Humor im Kirchenvorstand" oder "Humor im Seniorenkreis"?

Bukowski: Die Senioren benötigen solch ein Buch nicht, die können das. Gerade alte Menschen haben oft eine große Weisheit. Für die ganze Kirche aber gilt: Humor ist ein Signum christlicher Existenz - heilsames und befreites Lachen angesichts von Leid und angesichts von Bedrückendem ist ein Vorschein der Erlösung!

 


Bei Gott wie in einer Burg geborgen

Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends! Sei mir ein starker Fels und eine Burg, daß du mir helfest! Denn du bist mein Fels und meine Burg, und um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen.
Psalm 31, 3-4

Burg
 
Foto: gük
   

Heute besuchen wir Burgen, um ein altes, vielleicht imposantes Gemäuer aus vergangenen Zeiten zu besichtigen. Früher waren sie nötig für die Sicherheit, Schutz und Geborgenheit von Mensch und Tier. So manche Burg liegt heute als Ruine da, und die militärischen Schutzmaßnahmen haben sich gewandelt. Geblieben aber ist unser Bedürfnis nach Geborgenheit, Sicherheit und Schutz. Wir brauchen das als einzelne, als Familien, Ortschaften und Gemeinden, als Gesellschaft und Nation. Der grausame Anschlag vom 11. September letzten Jahres hat uns drastisch vor Augen geführt, wie verletzlich sicher geglaubte Orte und Zeiten sein können.

Aber auch in unserem persönlichen Leben kann manches passieren, was uns aus der gewohnten und sicher geglaubten Bahn schmeißt. Ein großes Problem macht uns zu schaffen, ein Unfall ereilt uns, eine Krankheit wirft uns nieder. Wer kann mir dann Schutz und Geborgenheit geben?

David ruft mit Psalm 31 zu Gott. Er hat in seinem bewegten Leben immer wieder Erfahrungen der Sicherheit und Geborgenheit bei Gott gemacht. Jetzt bittet er wieder um seinen Schutz. "Hilf mir, Gott, und sei bei mir, wie du es schon früher getan und versprochen hast!"

Ein kleiner Junge musste nach einem schweren Unfall operiert werden. Sein Vater hatte ihn selbst ins Krankenhaus gebracht und versuchte nun, ihm Mut für die Opera-tion zu machen: "Keine Angst, mein Junge, danach wird alles wieder gut!" Der Junge antwortete: "Ich hab überhaupt keine Angst, wenn du bei mir bleibst." Der Vater versprach es. Er durfte mit in den Operationssaal und hielt die ganze Zeit die Hand seines Jungen. Der Narkosearzt kam, und der Junge fragte nochmal: "Du bleibst da?" - "Ja, ich bleibe da." - "Dann ist es gut."

Als der Junge eingeschlafen war, meinte der Arzt: "Jetzt können Sie gehen. Er merkt es nicht mehr." Erschrocken meinte der Vater: "Nein, ich hab meinem Jungen versprochen, bei ihm zu bleiben, was immer passiert." So durfte er bleiben und erlebte eine gelungene Operation. Als der Junge später aufwachte, hielt der Vater noch immer seine Hand. Er lächelte und sagte leise "Du bist da, Papa?" und schlief wieder ein. Solche Erfahrungen sind für uns Menschen lebenswichtig: Zuversicht und Vertrauen sind lebensnotwendig, dass der, auf den ich angewiesen bin, sich nicht während der Narkose davonschleicht, weil ich ja sowieso nichts merke.

So ist es auch wichtig zu wissen, dass Gott meine Stürme, meine Tiefen und Ängste, meine Operationen mit aushält, meine Umwege mitgeht und zu mir steht - dass Gott einer ist, der bleibt. So kann Gott für uns heute zu einer Burg werden: wenn wir darauf vertrauen, dass unser Leben einen Gott hat, der zu uns steht in Höhen und Tiefen und mitgeht und hilft.

Pfarrer Markus Broska
Lichtenberg

Wir beten: Mein Gott, ich danke dir, dass ich mich zu dir flüchten kann wie in eine sichere Burg. Du hörst es, wenn ich rufe, und willst auf die eine oder andere Weise helfen. Mache mich gewiss, dass du mir immer zur Seite stehst und für mich da bist. Amen.

Lied 374: Ich steh in meines Herren Hand.

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