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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 5 )

Wie vom Glauben erzählen?

Fachleute raten: Wachsam, natürlich, ehrlich und überzeugt zu sein

Wie vom Glauben erzählen?
 
Foto: güs

An diesen Pfarrer erinnert sich die junge Frau nur ungern. Er hatte sie als Jugendliche schwer enttäuscht, weil bei ihm Reden und Handeln nicht zusammen passten. Die Folge: Sie kehrte der Kirche und dem Glauben den Rücken zu.

Zugang zur Bibel

Durch ihren Mann verschlug es die Frau aus dem Rheinland nach Bayern. Hier kam sie neu mit dem Glauben in Kontakt, unter anderem durch Seminare der Evangelischen Landjugend. Vor allem aber die Taufe ihrer Kinder verschaffte ihr wieder einen Zugang zu Bibel und Glauben. "Wenn mich meine Kinder nach Gott fragen, möchte ich ihnen Rede und Antwort stehen", nahm sich die zweifache Mutter vor. Sie begann, wieder in der Bibel zu lesen. Auch durch die Mitarbeit im Kindergottesdienst und in der Krabbelgruppe beschäftigte sie sich verstärkt mit Fragen den Glaubens. Die Pfarrerin des Ortes, zu der sich ein persönlicher Kontakt ergab, wurde für die Frau zu einer wichtigen Gesprächspartnerin:"Wenn ich Glaubensfragen habe, gehe ich bei ihr vorbei." Gesprächspartner, die wachsam suchenden und fragenden Menschen begegnen, spielen eine Schlüsselrolle. Das ist auch die Erfahrung von Pfarrer Thomas Römer, der in München ein missionarisches Projekt leitet. Römer rät, den Menschen erst zuzuhören und nicht vorschnelle Antworten zu geben: "Die Gefahr von Glaubensgesprächen ist, auf Fragen, die gar nicht nicht gestellt wurden, zu antworten." Der Pfarrer empfiehlt, "wachsam zu sein, um die Spur Gottes im Leben eines Menschen zu entdecken".

In normaler Sprache reden

Gesprächspartner sollten - so Friedrich Rößner vom landeskirchlichen Amt für Gemeindedienst (Nürnberg) - "natürlich, ehrlich, diakonisch und von Jesus überzeugt sein". Vor allem komme es darauf an, in normaler Sprache zu reden - ohne Worthülsen und ohne theologische Richtigkeiten überzustülpen. Auch Christen liefen manchmal Gefahr, zum Beispiel in Leidsituationen gängige Floskeln zu gebrauchen wie "Es wird schon wieder". Rößner rät, davon zu erzählen, wie einem etwa das Gebet Kraft gegeben hat und den Gesprächspartner zu fragen, ob er ein Gebet wünscht.

Dem Referenten für Evangelisation und Gemeindeaufbau selbst haben vor allem Frauen und Männer weitergeholfen, die "gar nicht so viele theologische Wahrheiten weitergeben, sondern glaubwürdig gelebt haben". Auf Nachfrage, warum sie etwas tun und so leben, konnten sie von ihrem Glauben erzählen.

Apropos vom Glauben erzählen. Dem 41-jährigen Diakon zufolge gibt es zu wenig Lernorte, wo Menschen einüben könnten, einfach und verständlich über das zu reden, was sie trägt und ihnen Hoffnung vermittelt. Angebote wie Glaubenskurse, Hauskreise oder Bibelgesprächsgruppen seien noch zu dünn gesät. Wer es einmal gelernt habe, dem falle es nicht schwer, im Freundes- und Bekanntenkreis oder im Beruf über den Glauben zu reden.

Nach Beobachtungen Rößners sind in den letzten Jahren Menschen offener gegenüber Religion geworden - nicht erst seit dem 11. September. "Vor 10 bis 15 Jahren habe ich mit anderen diskutiert, ob es Gott gibt oder nicht", erinnert er sich. Dieser grundsätzliche Atheismus sei zurückgegangen. "Heute spreche ich mit Menschen darüber, wer oder was ihr Gott ist." Die schrecklichen Terrorakte in den USA haben nach Ansicht des Diakons das Gespräch über religiöse Fragen weiter beflügelt: "Viele sind aus einer falschen Selbstsicherheit aufgewacht, fragen nun nach dem Sinn des Daseins oder nach dem eigenen Ende."

Der landeskirchliche Referent warnt vor übereilten Schlüssen: "Religiöse Offenheit heißt nicht, sich für den christlichen Glauben zu interessieren." Christen sollten deshalb davon sprechen, was ihrer Ansicht nach die Welt zusammenhält. Pfarrer Thomas Römer (München) verweist auf den gekreuzigten und auferstandenen Jesus. Vor allem die Worte Jesu am Kreuz "Mein Gott, warum hast du mich verlassen" würden viele ansprechen, die sich auch verlassen und anonym vorkämen. Die Botschaft für diese Menschen lautet: "Gott ist da, wo du ihn nicht vermutest - nämlich bei Dir."

Große Aktionen wichtig

Neben persönlichen Kontakten halten Römer und Rößner auch große evangelistische Aktionen für wichtig. "Das Evangelium soll auf diese Weise in der Öffentlichkeit eine Rolle spielen", meint der Referent aus Nürnberg. Dadurch werde es leichter, dass Menschen miteinander über den Glauben ins Gespräch kommen. Dem Münchner Pfarrer zufolge müssen Aktionen aber von mehreren Gemeinden oder Kirchen getragen werden: "Sonst entsteht der Verdacht, eine Organisation wirbt hier für sich."

Kritisch sieht Römer deshalb manche Projekte in der Kirche. "Die Sorge um den Mitgliederbestand ist keine gute Grundlage, evangelistisch tätig zu sein." Menschen würden nicht durch eine Eintrittserklärung zu Christen, sondern indem sie Jesus persönlich erfahren: "Er baut die Kirche. Sie entsteht nicht durch Formulare."

Dass Gott in der Begegnung von Menschen das Entscheidende leistet, unterstreicht auch Rößner. "Letztlich kann nicht ich bewirken, dass jemand glaubt", meint er. Ob der Andere glaube oder nicht, sei im Grunde das Wirken des Heiligen Geistes. "Aber ich kann einiges dazu beitragen, dass der Glaube als interessant und anziehend erlebt wird."

Kindern von Gott erzählen

Die junge Frau aus dem Rheinland jedenfalls hat durch Mitarbeit in der Kirchengemeinde, Bibellektüre und Gesprächspartner einen Zugang zum Glauben an Gott bekommen. "Die Beschäftigung mit der Heiligen Schrift hat mir den Halt gegeben, den ich vorher nicht hatte", erzählt sie. Und sie fügt hinzu: "Deshalb möchte ich auch meinen Kindern den Glauben weitergeben - als Halt und Lebensgrundlage."

Günter Saalfrank

 


Auf Gottes Stimme hören

Paulus sah eine Erscheinung bei Nacht: ein Mann aus Mazedonien stand da und bat ihn: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns! Als er aber die Erscheinung gesehen hatte, da suchten wir sogleich nach Mazedonien zu reisen, gewiss, dass uns Gott dahin berufen hatte, ihnen das Evangelium zu predigen. Da fuhren wir von Troas ab und kamen geradewegs nach Samothrake, am nächsten Tag nach Neapolis und von da nach Philippi, das ist eine Stadt des ersten Bezirks von Mazedonien, eine römische Kolonie. Wir blieben aber einige Tage in der Stadt. Am Sabbattag gingen wir hinaus vor die Stadt an den Fluss, wo wir dachten, dass man zu beten pflegte, und wir setzten uns und redeten mit den Frauen, die dort zusammenkamen. Und eine gottesfürchtige Frau mit Namen Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; der tat der Herr das Herz auf, so dass sie darauf Acht hatte, was von Paulus geredet wurde. Als sie aber mit ihrem Hause getauft war, bat sie uns und sprach: Wenn ihr anerkennt, dass ich an den Herrn glaube, so kommt in mein Haus und bleibt da. Und sie nötigte uns.
Apostelgeschichte 16, 9-15

Kinder
 
Foto: privat
   

Die Christianisierung Europas beginnt mit einer Vision, einem Traum: Paulus befindet sich an der Westküste der Türkei. In einer nächtlichen Erscheinung zeigt ihm der Herr einen Mann aus Mazedonien; der ruft: "Komm herüber und hilf uns!" Eigentlich hatte Paulus gar nicht vor, diesen Sprung von Asien nach Europa zu machen. Aber keinen Augenblick zweifelt er daran: das ist die Stimme Gottes. Dort drüben in Griechenland, in Europa will er uns haben.

Für Paulus war dieser Ruf im Traum so klar, dass er sofort aufbrach und das nächste Schiff nahm. Träumen wir heute noch und hören wir auf unsere Träume? Rechnen wir in unseren Träumen mit Gott? Unsere tiefsten Überzeugungen, also das, was uns trägt, entstammt nicht rationaler Überlegung, sondern hat tiefere Wurzeln. Und eine davon ist der Traum, der uns zeigt, welche Richtung wir gehen sollen. Das Hören auf unsere Träume ist also nicht etwas Abergläubiges, sondern eine Weise, Gottes Stimme zu hören.

Gott kann ganz verschiedene Mittel und Wege gebrauchen, um uns zu führen. Die Frage ist nur, ob wir überhaupt bereit sind, uns Gottes Führungen gefallen zu lassen. Wie oft fragen wir denn tatsächlich nach seinen Plänen? Beziehen wir Gott in unsere Lebensentscheidungen mit ein? Welche Spielräume lassen wir ihm? - Gehen wir nicht lieber unsere eigenen Wege und geben sie als seine aus?

Von Paulus können wir hier lernen, dass wir uns getrost auf Gottes Führung einlassen dürfen. Gott will uns über Grenzen bringen, die wir von selbst nie überschreiten würden. Auch uns gilt heute wie damals der Ruf: "Komm herüber und hilf uns!" Wer lässt sich rufen? Wer erkennt, dass wir in Gottes Namen hingehen müssen, um etwas zu verändern und um Neues zu schaffen?

Beispielsweise innerhalb der Familie, wo die Zukunft der Kirche liegt: Wo kommen Eltern ihrem Taufversprechen nach, ihre Kinder zum Glauben und zum Gebet zu führen? Wer arbeitet mit im Kinder- und Familiengottesdienst, in Jugend- und in Mutter-Kind-Gruppen? Nur wer hingeht und sich rufen lässt, der kann erleben, dass Gott Herzen öffnet und uns fähig macht zu neuer Gemeinschaft. Wir brauchen Menschen, die mitten im Geschrei um Macht und Geld ein Ohr für die Stimme Gottes haben. Wie wär's mit uns?

Heidi Morgenstern-Beißer
Prädikantin, Pless

Wir beten: Herr, ich möchte dir zur Verfügung stehen mit allen Fähigkeiten und Kräften, die du mir gegeben hast. Lass nicht zu, dass ich mich jemals von dir abwende. Lass mich deinen Willen erkennen und mich danach richten. Herr, dein Wille geschehe. Amen.

Lied 197: Herr, öffne mir die Herzenstür.

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