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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 4 )

Auf den Spuren von Abraham und Jesus

Im Bibel-Erlebnis-Haus Nürnberg wird die Heilige Schrift lebendig

Nussknacker
 
Foto: gük

Vorsichtig ertasten sich die Jugendlichen den Weg in das Beduinen-Zelt. Drinnen ist es ziemlich dunkel. "Ein Windstoß genügt, und es stürzt alles zusammen", meint einer der Präparanden. "Es zieht von allen Seiten. Da wird es nachts bestimmt ganz schön kalt", lautet der erste Eindruck einer 13-Jährigen. Die zehn Jugendlichen sind mit dem Zug aus dem Dekanat Uffenheim nach Nürnberg angereist, um das Bibel-Erlebnis-Haus am Hans-Sachs-Platz unter die Lupe zu nehmen.

Erzählungen im Nomadenzelt

Hermann Ortlieb, ehemals Referent im Amt für Jugendarbeit und seit Juli 2001 im Ruhestand, entführt die Jugendlichen in eine fremdländische Welt. "In diesem Zelt spielte sich das Leben ab", erzählt der 63-Jährige. Damals habe es noch keine Bücher oder das Fernsehen gegeben. "Die Menschen erzählten sich gegenseitig ihre Erlebnisse. Auch biblische Geschichten wurden hier ausgetauscht", fügt Ortlieb hinzu. Gesagt, getan. Mit leiser Stimme berichtet er von Abraham und der Verheißung, die er von Gott erhielt. Einst, als Gott ihn dazu aufforderte, vor das Zelt zu treten und die Sterne am Himmel zu betrachten. "So zahlreich wie die Gestirne, so zahlreich werden deine Nachkommen sein", wurde Abraham einst versprochen. Die Präparanden hören konzentriert und gespannt zu. Gar nicht so langweilig, was in der Bibel zu lesen ist.

Genau das ist das Ziel des Bibel-Erlebnis-Hauses: Hier erwarten den Besucher keine alten Bücher in verstaubten Vitrinen, sondern überraschende Erlebnisse und Erkenntnisse. Interessiert erkunden die Präparanden ein original nachgebildetes Wohnhaus, aus dem sie einen siebenarmigen Leuchter, eine Thora-Rolle, einen Gebetsschal und einen Schofar herausschleppen. "Der Schofar ist das ausgehöhlte Horn eines Widders oder einer Antilope, dessen Spitze zu einem einfachen Mundstück geformt ist. In biblischer Zeit wurde er als Signalinstrument im Krieg oder bei Gefahr sowie im Tempeldienst verwendet", erläutert Petra Schnitzler. Die Diplom-Religions-Pädagogin leitet das Bibel-Erlebnis-Haus und hat an der Konzeption der Ausstellung mitgearbeitet. "Warum tragen die Juden den Lederriemen mit der Mesusa unter anderem am linken Arm", will sie von den Präparanden wissen. Und die zeigen sich gut vorbereitet. "Weil auf dieser Seite das Herz des Menschen ist", sprudelt es aus einer Jugendlichen heraus. Doch schon geht die Entdeckungsreise weiter, hin zum Basar der tausend Gerüche. Pfeffer, Zimt, Feigen, Erbsen, Safran und vieles andere kann man dort in die Hand nehmen. "Jetzt weiß ich endlich, wie diese Gewürze ausschauen," sagt jemand.

Im zweiten Stock oder der "zweiten Ebene", wie es in Nürnberg heißt, rückt die Botschaft der Bibel in den Vordergrund. Die Themen lauten Glaube, Liebe, Hoffnung. Hermann Ortlieb legt Zettel aus, auf denen Sätze stehen wie "In der Bibel stehen nur Märchen", "In der Bibel begegnet mir Gott als Freund", "In der Bibel spiegelt sich mein Leben" oder "Mir ist die Bibel unverständlich". Die meisten Jugendlichen stellen sich neben die Aussage "Die Bibel ist Gottes Wort". Anschließend dürfen sie ihre Ansicht über das Buch der Bücher notieren und an eine Pinnwand hängen. "Ich lese in der Bibel, weil sie mein Allgemeinwissen erweitert" und "Mich stört an der Bibel, dass sie so lange Texte enthält und manchmal unverständlich ist", werden nachfolgende Besucher nun lesen können. Eine Gruppe sieht sich inzwischen das "Labyrinth des Hiob" an. Hier wird eine Brücke von den Leidenserfahrungen der Vergangenheit bis hinein in die Gegenwart geschlagen. So wird deutlich, inwiefern Gottes Wort auch heute Trost im Alltag ist.

Ehrenamtliche Helfer gesucht

Das Bibel-Erlebnis-Haus wird mittlerweile gut angenommen. Pro Jahr kommen etwa 7.000 Besucher. Seit der Eröffnung im Mai 1998 sind in der vom Bayerischen Zentralbibelverein getragenen Ausstellung über 26.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene der Bibel-Welt begegnet. Angeboten werden Seminare und Gruppenführungen. Für Letztere werden noch ehrenamtliche Mitarbeiter gesucht. Wer Interesse daran hat, ab und zu eine der Führungen zu übernehmen, kann sich unter Telefon 0911/2418187 über eine kostenlose Ausbildung informieren. Dass das Engagement im Bibel-Erlebnis-Haus Sinn macht, zeigen jedenfalls die Äußerungen der Präparanden - nach ihrem gut drei-stündigen Rundgang. "Als ich hörte, dass wir hier her fahren, dachte ich, das wird bestimmt eine trockene und langweilige Sache", schildert Michael Schnei-der aus Martinsheim. Im Nachhinein war er überrascht über die vielen Spiele, die man machen kann. "Es ist einfach etwas anderes, ob man in der Bibel liest oder ob man die Dinge, die darin vorkommen - die Gewürze und das Zelt - auch anfassen kann" betont der 13-Jährige. Und der 12-jährige Max Mustermann (Name von der Redaktion geändert) fügt hinzu: "Ich dachte immer, die Bibel sei halt ein Buch. Die Ausstellung vermittelt, dass Leben darin steckt."

Günter Kusch

 


"Luther würde sich über die Aktion freuen"

Interview mit Philip Prinz von Preußen, einem Unterstützer von "Kraft zum Leben"

Mit anderen Prominenten zusammen wirbt Philip Prinz von Preußen für die evangelistische Aktion "Kraft zum Leben". Sonntagsblatt Chefredakteur Günter Saalfrank sprach mit dem Ururenkel des letzten deutschen Kaisers über die Medienkampagne, die für kräftigen Wirbel sorgt.

Sonntagsblatt: Sie werben für das Buch "Kraft zum Leben". Wieso?

Prinz von Preußen: Die Botschaft, die in diesem Buch vermittelt wird, hat mir selbst und meiner ganzen Familie enorm geholfen. Es handelt sich um die Einladung, eine persönliche Beziehung zu Gott aufzubauen. Theologischer ausgedrückt: um das Evangelium von Jesus Christus. Das ist das Beste, was unserem Land passieren kann. Dafür setze ich mich als Christ gerne ein - selbstverständlich ohne Honorar.

Sonntagsblatt: Die evangelistische Aktion steht in Deutschland am Pranger. Was sagen Sie zu den teilweise sehr heftigen Reaktionen?

Prinz von Preußen: Da zeigt sich das wahre Gesicht des größten Teils der Medien, dass nämlich das Evangelium dort wenig Freunde hat. Ich war schockiert, dass man nicht davor zurückschreckte, bewusst falsche Informationen zu liefern. Am Schmerzlichsten fand ich, dass dabei noch die sogenannten Sekten- und Weltanschauungsbeauftragten der Kirchen als Stichwortgeber fungiert haben. Ich halte es für sehr töricht, dass gerade von kirchlicher Seite nicht das zentrale Anliegen der Aktion aufgegriffen wird: Mehr Menschen sollen in Kontakt zu Gott kommen.

Sonntagsblatt: Die hinter der Aktion stehende amerikanische DeMoss-Stiftung wird von manchen in die Nähe einer Sekte gerückt. Zudem heißt es, es handele sich um rechtsreligiöse Fundamentalisten, die unter anderem Homosexuelle mit der Todesstrafe belegen wollen. Inwieweit haben Sie sich vor den Karren einer obskuren Organisation spannen lassen?

Prinz von Preußen: Die meisten dieser Vorwürfe sind hanebüchener Unsinn. Im Buch "Kraft zum Leben" geht es nirgends um ethische Positionen der DeMoss-Stiftung, sondern ausschließlich um das Evangelium. Wer Gottes Einladung annimmt und Christ wird, soll eigenverantwortlich Kontakt zu einer Gemeinde aufnehmen. Die Stiftung selbst will keinen Einfluss gewinnen. Die Bestelladressen werden daher nach Buchversand gelöscht.

Sonntagsblatt: Was ist denn die DeMoss-Stiftung?

Prinz von Preußen: Es ist eine konservativ christliche Organisation aus den USA. Das ist dort nichts Ungewöhnliches. Denn in den USA gibt es eine stattliche Zahl von Christen, die so denken. Die Stiftung - sie gibt uneigennützig viel Geld für Gott und ihre Mitmenschen aus - vertritt ausschließlich biblische Positionen. Martin Luther würde sich sowohl über die Aktion als auch die Ausrichtung der Stiftung nur freuen.

Sonntagsblatt: Warum haben sich die Verantwortlichen der Stiftung bisher gegenüber der Öffentlichkeit zugeknöpft gezeigt und damit Verdächtigungen Tür und Tor geöffnet?

Prinz von Preußen: Das war ein ganz lauterer Grund: Die Verantwortlichen wollten, dass nicht die Stiftung in den Blick des Interesses rückt, sondern allein die Aktion. Sie haben in keinem der 18 Länder, wo die Kampagne bisher durchgeführt wurde, so eine gigantische Medienhatz erlebt. Sicher gab es bis zu einem gewissen Grad eine Fehleinschätzung der deutschen Medien. Das hat die Stiftung jetzt korrigiert. Sie geht mehr an die Öffentlichkeit, um den unsäglichen Falschinformationen zu begegnen.

Sonntagsblatt: Vor lauter Kritik an der Stiftung ist gar nicht mehr von dem Buch "Kraft zum Leben" die Rede. Wie beurteilen Sie es?

Prinz von Preußen: Es ist eines der besten Bücher, die ich kenne, um Menschen zu einer persönlichen Beziehung zu Gott einzuladen. Die Prominenten, die im Buch zu Wort kommen, vermitteln übrigens kein Erfolgsevangelium. Ganz offen sprechen sie auch davon, dass es in einer persönlichen Beziehung zu Gott nicht nur eitel Sonnenschein gibt. Aber Gott trägt einen durch diese Zeiten hindurch.

 

Kommentar:

Gut gemeint und schlecht gemacht

Zugegeben: Es war gut gemeint. Die Organisatoren selbst wollten zurückstehen. Im Blickpunkt der Öffentlichkeit sollte das Buch "Kraft zum Leben" stehen, für das Prominente in Fernsehspots, auf Plakatwänden und in Zeitungsbeilagen warben. In dem kostenlos erhältlichen Buch geht es darum, Lebenskraft aus der persönlichen Beziehung zu Gott zu gewinnen.

Gut gemeint reicht aber nicht aus. Dafür ist die evangelistische Kampagne ein Paradebeispiel. Vor allem verkehrte sich die ehrenwerte Absicht der amerikanischen De-Moss-Stiftung, als Verantwortliche nicht weiter in Erscheinung zu treten, ins glatte Gegenteil. Weil sich die Stiftung zugeknöpft gab, löste dies wilde Spekulationen und Verdächtigungen aus. Kein Wunder, dass Gerüchte die Runde machten, die Stiftung würde etwa die Todesstrafe für Homosexuelle befürworten. Viel zu spät änderten die Verantwortlichen der amerikanischen Stiftung ihre Informationspolitik und gingen in die Offensive. Denn die öffentliche Diskussion drehte sich längst nur noch um die politische Einstellung von DeMoss und nicht mehr um das Buch, um das es eigentlich gehen sollte. Das Verbot von TV-Spots und öffentliche Distanzierungen von Tageszeitungen drängten die Stiftung noch mehr in die Sektenecke und ließen sie zu einer obskuren Organisation werden. Zum Teil nahm die Kritik sogar Züge einer Verfolgung an.

Auch wenn es einen solchen Gegenwind bei der Kampagne "Kraft zum Leben" in anderen Ländern bisher noch nicht gab, haben sich die Verantwortlichen der evangelistischen Aktion entscheidende Fehler selbst zuzuschreiben. Denn sie schlugen gutgemeinte Ratschläge in den Wind. So nahmen sie vorher keinen Kontakt mit Kirchen oder der Evangelischen Allianz auf. Oder sie verzichteten darauf, Kontaktadressen von Gemeinden im Buch anzugeben, an die sich Interessierte wenden können.

So wurde in Deutschland mit der breit angelegten und kostspieligen Aktion die Chance vertan, viele Menschen auf ihre Beziehung zu Gott und die Kraftquelle in ihrem Leben anzusprechen. Das Evangelium lässt sich eben nicht losgelöst von Personen vermitteln. Sondern es muss deutlich werden, welche Menschen sich dafür einsetzen und welche Kirchen und Organisationen hinter einer evangelistischen Kampagne stehen. Die biblische Weisung, jedermann Rechenschaft zu geben, gilt hier nicht nur im Blick auf die Botschaft, sondern auch auf die Botschafter. Wo das nicht berücksichtigt wird, bleibt am Ende - wie bei der Aktion "Kraft zum Leben" - nur das Fazit: "Gut gemeint, aber schlecht gemacht."

Günter Saalfrank

 

 


Wie gerecht ist Gott?

Was sollen wir nun hierzu sagen? Ist denn Gott ungerecht? Das sei ferne! Denn er spricht zu Mose: "Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig; und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich. So liegt es nun nicht an jemandes Wollen und Laufen, sondern an Gottes Erbarmen.
Römer 9, 14-24

Das Christuskind in der Krippe
 
Foto: wsp
   

"Ein Gott, den man beschreiben kann, ist kein Gott." Mit diesem Satz begann unser Dogmatikunterricht. So hatte ich als "Theologie"-Student die "Lehre von Gott" nicht erwartet. Ich wollte doch als zukünftiger Pfarrer alles über Gott erfahren. "Wer ist Gott? Wie ist Gott". Diese Fragen interessieren nicht nur Theologiestudenten. An ihnen kommt eigentlich kein ernsthafter Mensch vorbei. Gibt es überhaupt einen Menschen, der kein Bild von Gott hat?

So, wie wir uns ein Bild von Menschen machen, machen wir uns ein Bild von Gott. Jeder hat seine Vorstellung von ihm: Gott ist gut. Gott ist gerecht. Gott ist ein Gott der Ordnung. Gott ist allmächtig. Gott ist Liebe. Gott ist …

Bilder von Gott gibt es viele. Doch dann kann es gehen wie mit dem Bild von einem Menschen, das ich mir gemacht habe: Der wirkliche Mensch und das Bild, das ich mir von ihm gemacht habe, passen nicht zusammen. Je nachdem wie wichtig mir dieser Mensch ist, kann daraus maßlose Enttäuschung folgen. Am falschen Menschenbild können Beziehungen zerbrechen.

Und beim Gottesbild? "An einen Gott, der so etwas zulässt, kann ich nicht glauben", sagt jemand, der eine schlimme Erfahrung gemacht hat. Sein Gottesbild zerbricht. Es kann sein, dass Bilder von Gott, die wir Menschen uns selbst gemacht haben, im Alltag des Lebens zerstört werden.

Der bedeutende und erfahrene "Theologe" Paulus setzt sich in seinem Brief an Christen in Rom in den Kapiteln 9 bis 11 mit einer Frage auseinander, die sehr wohl geeignet ist, unser Gottesbild von Grund auf zu erschüttern: "Ist denn Gott ungerecht?" Paulus antwortet gleich selbst: "Das sei ferne." Aber darf er das so einfach? Drängt sich diese Frage bei manchem Schweren, das wir Menschen erleben nicht auf?

Paulus zitiert die "Schrift". "Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig; und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich", sagte Gott einmal zu Mose. Paulus folgert daraus: "So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen."

Ist das denn gerecht? Martin Luther hat sich ein Leben lang leidenschaftlich gerade mit der Frage nach Gottes Gerechtigkeit auseinandergesetzt. Er kam schließlich nach gründlichem Studium - besonders auch des Römerbriefes - zu folgender positiver Sicht: "Aber jetzt, wo Gott mein Heil meiner Entscheidung entzogen und in die seine aufgenommen hat und mir, nicht durch mein Werk oder Laufen, sondern durch seine Gnade und Barmherzigkeit, versprochen hat mich zu erretten, bin ich sicher und gewiss, weil er treu ist und mir nicht lügen wird."

Luther empfand diese neu gewonnene Einsicht für sich und seinen Glauben als große Befreiung. Was bedeutet sie für unseren Glauben und unser Gottesbild heute?

Pfarrer Hans-Gernot Kleefeld
Erlangen

Wir beten: O Gott, dich möchte ich erkennen. Bewahre mich vor einem falschen, selbstgemachten Gottesbild. Sei mir gnädig. Erbarme dich über mich. Amen.

Lied 199: Gott hat das erste Wort.

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