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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 3 )

Engagierte Pendlerin zwischen zwei Welten

Pfarrerin Kathrin Frowein war drei Jahre lang Grenzgängerin zwischen Tschechien und Bayern

Nussknacker
 
Foto: kil

"Nein, leicht fällt es mir wirklich nicht", seufzt Pfarrerin Kathrin Frowein, "all die Kontakte und die aufgebaute Jugend- und Gemeindearbeit hier zurück zu lassen". Nach drei Jahren heißt es für die engagierte bayerische Theologin Abschied nehmen von "ihren" Leuten im tschechischen Cheb (Eger). Es ist ihr deutlich anzumerken, dass ihr dabei sehr wehmütig ums Herz wird. Dabei hatte es die 32-Jährige am Anfang alles andere als leicht.

Wie alles begann

Auf einer Reise mit dem Predigerseminar nach Prag wurde auch Station in der Grenzstadt Eger gemacht. Da kam das Gespräch auf die fehlenden Geistlichen in Tschechien. In Bayern dagegen gab es damals mehr Pfarrerinnen und Pfarrer als freie Stellen. Im Scherz meinten die Tschechen: "Wenn ihr in Bayern so viele habt, dann leiht uns doch jemanden aus."

Dieser Gedanke ließ Kathrin Frowein nicht mehr los. Im Oktober 1998 meldete sie ihr Interesse an, nach Eger zu gehen. "Mich hat das ganz Andere in Tschechien sehr gereizt", meint sie. Der Bayreuther Regionalbischof Wilfried Beyhl, der in der bayerischen Landeskirche für die deutsch-tschechische Partnerschaft zuständig ist, war von ihrer Idee angetan und unterstützte sie. So kam es, dass Kathrin Frowein mit ihrer Familie nach Waldsassen zog und im März 1999 ihre Stelle bei der evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder in Eger antrat.

"In den ersten Wochen war ich richtig kribbelig, weil ich erst mal abwarten, mich umschauen und sondieren musste, was zu tun ist", schildert sie ihre Anfangserfahrungen. Keine leichte Startphase, denn die junge Pfarrerin konnte sich nicht verständigen. "Also lernte ich erst mal tschechisch. Ohne die Sprache halbwegs zu beherrschen, ist man aufgeschmissen." Diese anfängliche Sprachlosigkeit war für sie eine interessante Erfahrung. "Es macht demütiger", sagt sie im Rückblick. "Ich habe erlebt, was es heißt, Ausländer und Außenseiter zu sein. Dadurch kann ich ahnen, wie es ist, auf Dauer im Abseits zu leben." Ihre Mitmenschen in Eger seien ihr mit viel Geduld und Nachsicht begegnet. "Ich hatte den Eindruck, sie wissen, wie mir zumute ist. Und sie schätzen es, dass ich ihnen zuliebe diese Umstände auf mich nehme."

Beeindruckt ist Kathrin Frowein davon, wie die Menschen in der tschechischen Gemeinde füreinander einstehen. "Ob das nun darum ging zur Unzeit mein Auto aufzubrechen, weil ich den Schlüssel eingesperrt hatte oder mit mir zu beten, als meine Mutter im Sterben lag. Auf die Leute hier ist Verlass."

Mittlere Generation fehlt

Die Gemeinde der Böhmischen Brüder in Eger wird von Pfarrer Lubomir Libal betreut. In ihr sind vor allem ältere Menschen und Kinder. Die mittlere Generation fehlt fast völlig. "Die jetzigen Alten haben während des Kommunismus ihre Kinder kaum in die Kirche mitgenommen, um ihnen Ärger zu ersparen", erklärt Frowein. Jetzt könnten sie allenfalls ihre Enkel motivieren, mit zu kommen. So besteht das Gemeindeleben überwiegend aus Gottesdiensten und Kinderarbeit.

Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen lag der bayerischen Theologin am Herzen. Mit Petr Novotny und seiner Frau zusammen arbeitete sie viel mit Kindern - vor allem mit Roma-Kindern. "Sie sind oftmals verwahrlost und brauchen jemand, der sie gern hat, ihnen aber auch Grenzen aufzeigt", erzählt Kathrin Frowein. "Das machen Novotnys in ihrer Kinderstunde wirklich sehr gut."

Das Herz der Pfarrerin schlägt vor allem für Jugendliche. Zu vielen hat sie in der Schule Kontakt geknüpft. In der Gemeinde selbst gibt es keine Möglichkeit für Jugendarbeit. Die Räume dazu fehlen. Also bot Frowein Konversationsstunden an Schulen an, wo sie Deutsch unterrichtete. Dort kam sie gut an die jungen Leute heran. "Die Jugendlichen sind aufgeschlossen und einige nahmen an kirchlichen deutsch-tschechischen Angeboten teil." Immer wieder kommt es vor, dass sie auf der Straße von "ihren Jugendlichen" angesprochen wurde. "Schade, dass nicht mehr Jugendarbeit möglich ist. Hoffentlich ändert sich das bald." Könnte sein, denn am Gemeindehaus soll angebaut werden.

Es gab in der Vergangenheit viele große Veranstaltungen wie regionale Kirchentage, Festivals und ähnliches. "Doch die Zeit der Großveranstaltungen ist vorbei. Gefragt ist der persönliche Kontakt." Die Pfarrerin machte immer häufiger die Erfahrung, dass den Menschen viel an Gesprächen liegt. "Sie wollen spüren, dass sie mit ihrer Person wichtig sind. Und das funktioniert bei Großveranstaltungen nicht.", schildert sie.

Prinzip Hoffnung

Insgesamt ist die Pionierin mit ihrer Zeit in Eger zufrieden. "Aber es gäbe noch viel zu tun", sagt sie schweren Herzens. Gern würde sie die Arbeit weiter machen, aber aus familiären Gründen wechselt die Pfarrerin im März nach München. "Ich hatte ja sehr gehofft, jemanden zu finden, der meine Nachfolge hier antritt." Aber bislang hat sich kein Theologe bereit erklärt, eine Pfarrstelle im oberfränkischen Marktredwitz zu übernehmen und dabei die Arbeit im rund 15 Kilometer entfernten Eger weiter zu führen. "Das wäre schon in anderer Form, als ich es gemacht habe. Aber Hauptsache, es ginge hier überhaupt etwas weiter", meint sie. "Die Arbeit ist so interessant und bringt einem persönlich viel." Kathrin Frowein will weiterhin, so gut es geht, Kontakte nach Tschechien aufrecht erhalten. Und sie gibt die Hoffnung nicht auf, dass sich eine Nachfolge findet.

Karin Ilgenfritz

 


Immer wieder wird es hell

Der Herr bewahrt die Seelen seiner Heiligen; aus der Hand der Gottlosen wird er sie erretten. Dem Gerechten muß das Licht immer wieder aufgehen, und Freude den frommen Herzen. Ihr Gerechten, freut euch des Herrn und danket ihm und preiset seinen heiligen Namen!
Psalm 97,10-12

 

Das Christuskind in der Krippe
 
Foto: Wodicka
   

"Wenn du meinst, schlimmer kann es nicht mehr kommen - glaub mir, es geht", so sagten die Shelter-Now-Mitarbeiter manchmal zueinander, als sie von den Taliban gefangengehalten wurden und auf ihre Hinrichtung warteten. Sie waren auf das Schlimmste gefasst, aber sie konnten diesen knallharten Realismus nur ertragen, weil sie gleichzeitig von einer anderen Realität wussten: "Ja, es kann noch schlimmer kommen - aber es gibt trotzdem noch den, der alles regiert und der uns auch durch das Schlimmste noch hindurchhelfen wird."

Manchmal bleibt nur das schlichte Vertrauen darauf, dass nach allem Schrecklichen doch wieder Freude kommen wird. Die Gedanken fest auf diese Macht Gottes zu richten und sie zu loben und zu besingen, das bewahrt uns vor dem Versinken in Verzweiflung. Die Leute von "Shelter Now" haben sich an dieser Hoffnung festgeklammert. Und sie haben dann erlebt, was sie selber kaum fassen konnten: Gott hat ihnen aus der aussichtslosen Lage herausgeholfen. Sie waren durch tiefe Dunkelheit gegangen, durch Todesangst, Hunger, Erniedrigung. Aber es wurde wieder hell für sie, das Licht der Freiheit ist ihnen wieder aufgegangen. An diesem ungewöhnlichen Einzelfall wird etwas deutlich, was wir auch in alltäglichen Situationen erleben.

Zur Zeit strömen Tausende in den Film "Herr der Ringe". In diesem Film wird genau diese Wahrheit gleichnishaft dargestellt. Da zieht sich Dunkelheit über der Welt zusammen, Mächte des Bösen werden immer stärker und breiten sich aus. Ganz ähnlich erleben manche sensiblen Menschen unsere Zeit. Eine ungreifbare Angst, ein unbehagliches Vorahnen quält viele: Wohin soll das alles noch führen? Wie wird es mit unserer Welt weitergehen? Wird Dunkelheit, Hass und Unfriede alles überfluten? Wird Machtgier und Grausamkeit noch größere Zerstörung anrichten?

Nicht nur im Blick auf die politische Situation erhebt sich diese Angst. Wer mit ansieht, wie überall Beziehungen zerbrechen, wie Menschen einander entfremdet werden, wie die Fähigkeit zu Liebe, Treue und Rücksichtnahme schwindet, den ergreift manchmal ein Grauen. Und doch: Das Licht wird immer wieder aufgehen. Immer schon plagt den Menschen diese Urangst, Chaos und Bosheit könnten alles Schöne, Lebendige und Frohe verschlingen. Und immer schon erfuhren die Menschen, dass auch noch eine andere Macht am Werke ist: Eine Macht, die das Leben liebt. Ei- ne Kraft, die Fröhlichkeit und herzliche Zuneigung aufblühen lässt, die Wunden heilen lässt und im Kummer tröstet.

An Weihnachten haben wir es gefeiert, dass diese heilsame Macht in der Gestalt Jesu Christi in unsere größte Dunkelheit hineingekommen ist. Aber wenn die Weihnachtslichter verlöschen und die Angst vor der Dunkelheit wieder stärker wird, dann bleibt die Gewissheit: Nichts auf dieser Welt kann die heilsame Kraft dieses Kindes von Bethlehem auslöschen.

Pfarrerin Elfriede Koch
Lohr am Main

Wir beten: Herr, wenn wir spüren, wie es in unserem Leben dunkler wird, dann lass uns erleben, wie dein Licht aufgeht. Wenn Angst und Traurigkeit unsere Lebensfreude auslöschen will, dann lehre uns, wie wir durch das Lob deines Namens das Licht der Freude in uns wieder anzünden können. Amen.

Lied 74: Du Morgenstern, du Licht.

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