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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 2 )

Die Deutsche Mark hat ihr Leben geprägt

Was lange währt, wird gut? - Ängste und Hoffnungen zur Euro-Einführung

Nussknacker
 
Foto: gük

Der erste Eindruck gleicht einer Münze: Auch hier gibt es die zwei berühmten Seiten einer Medaille. Die Cents und Euros wandern von Hand zu Hand. Man ertastet und erfühlt sie, vergleicht und verschätzt sich, wiegt und ist ihnen gewogen - oder auch nicht. "Das ist ja reinstes Blech", meint Paula Botsch etwas enttäuscht. "Mir kommt es so vor, als wäre das Ein-Euro-Stück schwerer als die Eine-Mark-Münze", fügt Hertha Weber hinzu. "Auch die Scheine sind größer geworden. Einige Leute hatten ja schon Angst, die würden nicht mehr in den Geldbeutel passen", sagt Heinrich Schmitt.

Paula Botsch ist 71 Jahre alt und in Rothenburg ob der Tauber geboren. Früher arbeitete sie als Erzieherin im Fürther Kinderheim St. Michael. Hertha Weber (79) kam in Leichendorf (Landkreis Fürth) zur Welt und war als Kindergärtnerin und Hortnerin tätig. Heinrich Schmitt (64) ist gebürtiger Fürther. Er verdiente sich als Flaschner seinen Lebensunterhalt. Die Drei testeten für das Rothenburger Sonntagsblatt die neue Währung und erzählten von Ängsten und Hoffnungen, die sie mit dem Euro verbinden.

Lupe nötig

Hertha Weber fällt es besonders schwer, sich an das Hartgeld zu gewöhnen. Seit einer Augenoperation kann sie nur noch verschwommen sehen. "Bei knapp drei Prozent Sehfähigkeit benötige ich meist eine Lupe oder mein Lesegerät", erklärt sie. In den nächsten Wochen will sie sich mit diesen Hilfsmitteln die neue Währung fest einprägen. Doch selbst für gut Sehende ist Lernen angesagt. "Schließlich müssen auch wir aufpassen, dass uns kein Falschgeld untergejubelt wird", betont Heinrich Schmitt.

Noch also überwiegen Vorsicht und Skepsis. "Die Umstellung macht mir Angst", sagt Paula Botsch. Die 71-Jährige denkt zurück an die Währungsreform 1948, als die Menschen ebenfalls befürchteten, alles würde sich verteuern: "Jeder hat damals 40 Mark bekommen. Und mit diesem Geld mussten wir wuchern wie mit den Pfunden in der Bibel."

Trotzdem besteht laut Schmitt ein "himmelweiter Unterschied": "1948 hatten wir nichts. Das gesamte Vermögen war kaputt. Jetzt wird einfach nur umgestellt." Was sie damals mit ihrer ersten D-Mark gemacht haben?

Armut erlebt

"Mein Vater war zehn Jahre lang weg, wegen Krieg und Gefangenschaft", erzählt Hertha Weber. Die Mutter musste die drei Kinder allein versorgen. "Wir waren so arm, dass wir uns nicht einmal einen Urlaub im Schwarzwald leisten konnten", sagt sie. Bei Heinrich Schmitt war das nicht anders: "Wir brauchten das Geld zum Leben." Erst in den 50er Jahren wurde es besser. Er habe zu dieser Zeit im ersten Lehrjahr 25 Mark monatlich mit nach Hause gebracht.

Die Deutsche Mark prägte ihr Leben. "Sie war stabil und schenkte uns Boden unter den Füßen", formuliert es Hertha Weber. "Aber nur, weil wir gearbeitet haben bis zum Umfallen", gibt Heinrich Schmitt zu bedenken. Auch wenn auf dem Papier 48 Arbeitsstunden pro Woche standen, hätten sie bis zu 60 Stunden geschuftet: "Den Wohlstand, den wir heute erleben, musste sich unsere Generation erst erarbeiten." Der 64-Jährige erinnert, wie er sich von seinem Gehalt das Geld für den Führerschein abgeknapst hat.

"Für uns war das die größte Freude, wenn uns unsere Mutter fünf Mark Taschengeld im Monat bezahlen konnte - zu jener Zeit ein hoher Betrag", unterstreicht Hertha Weber. Die Jugend heutzutage könne das nicht mehr nachvollziehen, weil sie im Wohlstand aufgewachsen sei.

Aktuelle Umfragen zeigen, dass 50 Prozent der Deutschen noch immer gegen die Euro-Einführung sind. Paula Botsch gehört dazu: "Wir wurden ja gar nicht gefragt. Man hat über unsere Köpfe hinweg entschieden." Negativ wirke sich aus, dass nun viele arme Staaten zur Europäischen Union gehörten. Heinrich Schmitt verweist dagegen auf die Vorteile: "Ich bin für den Euro, weil er wahrscheinlich die Wirtschaft ankurbelt."

Gefahren sehen die drei "Währungs-Tester" aber darin, dass ein Stück Heimat, ja Nationalität wegfalle. "Gerade wir Alten können kein europäisches Gesamtgefühl mehr entwickeln."

Euro - ja oder nein? Die Meinungen darüber gehen auseinander, sind wie zwei Seiten derselben Medaille. Für den Psychologen Axel Höme vom Diakonischen Werk in Hof liegt dieser Konflikt in der Natur des Menschen. Höme spricht vom "inneren Team", das als eine Art innerer Dialog bei jedem anzutreffen sei.

Verschiedene Einstellungen

Da gebe es die "Euro-Skeptiker", die davon nichts halten, ihre Konten umzustellen. Der so genannte "Reiselustige" würde jedoch triumphieren, weil es nun mit der gemeinsamen Währung leichter sei, die Welt zu erkunden. Oder der "Nostalgiker", der an alten Werten festhält, weil sie sich eben bewährt haben. Welche dieser verschiedenen Stimmen am Ende am lautesten schreit, werde die Zukunft zeigen.

Einen Wunsch für die Zukunft des Euro hat Heinrich Schmitt jedenfalls schon jetzt parat: "Dass er stabil bleibt und dass er hält, was uns versprochen wurde."

Günter Kusch

 


Gezeichnet für das Leben

Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich taufen ließe. Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir? Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er's geschehen. Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen. Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.
Matthäus 3, 13-17

 

Das Christuskind in der Krippe
 
Foto: Oliver Heinl
   

Ich sitze im Straßencafé einer Großstadt, mit Cappuccino und Buch, und schaue zwischendurch den vielen Menschen nach, die vorübergehen. Dabei fallen mir drei Jugendliche ins Auge. Auf ihren schwarzen T-Shirts steht mit weißen Buchstaben aufgedruckt: "Scarred for life" - gezeichnet fürs Leben.

Mir fallen die vielen Kinder und Menschenkinder ein, die durch irgendein Schicksal für ihr Leben gezeichnet sind. Kranke und behinderte Kinder, arme und misshandelte, schwer arbeitende und missbrauchte Kinder, Waisen-, Aids- und Straßenkinder. "Scarred for life" - gezeichnet fürs Leben. Und dann fällt mir ein, dass das Wort "gezeichnet" nicht nur für die negativen und schlimmen Dinge gelten muss. Gibt es auch ein "gezeichnet sein" zum Guten und Überwinden, zum Wachsen und Gelingen? Für uns Christen ist die Taufe das entscheidende Zeichen. Die Kinder werden dabei gezeichnet für ihr Leben. "Scarred for live". Der Akt kann auch nicht mehr rückgängig gemacht werden. Er bleibt.

Die Taufe zeigt auf Jesus selbst. Dieser kam an den Jordan und sprach direkt Johannes an, er solle ihn taufen. Doch der wehrte sich hartnäckig: "Ich hab' es doch nötig, von dir getauft zu werden! Und du kommst zu mir?" Johannes spürte: Hier ist ein anderer am Werk. Doch das alles ist in dieser Geschichte nicht entscheidend. Es geht vielmehr um die Verschiedenheit der Rolle, die Jesus und Johannes jeweils einnehmen. Johannes tauft Jesus - zeichnet ihn für sein Leben. Und Jesus? Er stellt sich zu denen, die Umkehr nötig haben.

Eine verkehrte Welt. Und doch typisch für Jesus. Er spürt den Widerstand bei Johannes und fordert ihn auf, nicht alles zu hinterfragen: "Lass es jetzt geschehen!" Er schließt damit nicht aus, dass später einmal die Rollenverteilung eine ganz andere sein wird. Wie ist das bei uns? Wissen wir immer, was für uns gut ist? Oft zeigt sich erst nach einem Ereignis, wofür es gut war.

Bei Jesus heißt es: Die Taufe zeichnet ihm den Weg ins Leiden und Sterben vor. Wusste er, was später auf ihn wartet? Obwohl ohne Schuld - steht Jesus auf der Seite der Schuldigen, lässt an sich geschehen, was sonst an ihnen geschieht. Er solidarisiert sich mit ihnen und kam so ganz und gar menschlich zum Jordan und ließ sich zeichnen.

Wir haben ihn deshalb nicht zu fürchten, wenn wir ihn brauchen. Auch wenn vieles oder gar alles gegen uns spricht, setzt er sich für uns ein. Und zu dem, der sich so zu uns bekennt, bekennt sich Gott: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Der Täufer erwartet den richtenden, gewaltausübenden Christus. Der hätte es leichter gehabt. Johannes musste sich eines Besseren belehren lassen. Christus kann uns nur retten, weil er es sich so schwer macht.

Diakon Reinhard Krüger
Volkshochschule Hesselberg

Wir beten: Gott, ich bin nicht makellos.Ich mache Fehler, ich lebe mit meinen Verlustgeschichten und mit meinem Versagen. Sei du mir nahe. Mein Gott, dass ich vor dir meine Würde in meiner Unvollkommenheit und Verletzlichkeit finde, dafür danke ich dir.

Lied 66: Jesus ist kommen.

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