Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 1 )

Worte zum Vertrauen und gegen Überforderung

Was Chefredakteuren evangelischer Kirchenzeitungen
Deutschlands die Jahreslosung 2002 sagt

"Gott ist meine Rettung: ihm will ich vertrauen und nicht verzagen." Diese Worte aus dem Buch des Propheten Jesaja sind das biblische Motto für 2002. Das Sonntagsblatt befragte Verantwortliche evangelischer Kirchenzeitungen Deutschlands, was ihnen die Jahreslosung sagt. Hier die Antworten:

Worte gegen Überforderung

Ein gängiges Ideal sind Menschen, die keine Hilfe von außen brauchen und alle Schwierigkeiten aus eigener Kraft bewältigen. Oder könnte nicht wenigstens die Menschheit insgesamt, mit geballtem Wissen, mit Technik, Organisation und viel Geld alle Ursachen für Furcht und Schrecken beseitigen, sofern nur alle an einem Strang ziehen? Beides bleibt Illusion.

Gott ist unsere Stärke und Rettung. Er macht uns frei und heil. Diese Botschaft mag von einem überzogenen Selbstbewusstsein als Kränkung empfunden werden. Doch werden wir im Vertrauen auf Gott von Aufgaben entlastet, die uns überfordern. Wir können darauf bauen, dass alles gut werden wird. Der bleibende Sinn des Daseins hängt an Gottes Güte und Treue, nicht an den Kräften und dem guten Willen der Menschen.

Dr. Andreas Rössler, Chefredakteur des Evangelischen Gemeindeblatts für Württemberg (Stuttgart)

Gott als Wegbegleiter

Die drei Elemente der Losung haben für mich jeweils einzeln Bedeutung. "Gott ist meine Rettung" gilt für meine Vergangen- heit, meine Gegenwart und meine Zukunft. In großer Bedrängnis habe ich seinen Beistand erfahren, in dunklen Momenten hat mir sein Licht den Weg gewiesen. Heute und morgen darf ich sicher sein, dass mir dieser Wegbegleiter erhalten bleibt, wenn ich mich nicht von ihm abwende.

"Ihm will ich vertrauen" sagt mir, dass mich ein unsichtbares Netz vor dem endgültigen Fall schützt, mag ich auch noch so oft daneben treten. Gottes bedingungslose Liebe zu den Menschen schließt auch mich ein, auch wenn ich an mir selbst zweifele. Und schließlich: "Ich will nicht verzagen." Das ist für mich eine Aufforderung zu eigenem Handeln in Gottes Sinn. Ich darf mich nicht aufgeben, weil er es auch niemals tut.

Michael Eberstein, Chefredakteur Evangelische Zeitung (Hannover)

Treffende Losung

Es sind die Bilder vom 11. September, die mir nicht aus dem Kopf gehen. Es sind die Bilder vom Krieg in Afghanistan, die Bilder der Toten in Israel und Palästina. Mich schmerzt die Bilanz dieses Jahres: Denn mit jedem Toten wächst die Enttäuschung, scheint die Hoffnung auf Frieden in der Welt und Gerechtigkeit unter den Menschen in immer weitere Ferne zu rücken. Die Losung für 2001 könnte nicht treffender sein. Sie spricht von Vertrauen und Hoffnung auf Rettung im Moment tiefster Verzweiflung.

Peter Burgholt, Chefredakteur der Nordelbischen Kirchenzeitung (Kiel)

Vertrauen in allen Lebenslagen

Auf Gott will ich vertrauen. Und das in allen Lebenslagen. Nicht nur, wenn ich verzagt bin oder in großer Not, aus der ich errettet werden will. Auf Gott will ich vertrauen, auch wenn ich ein Mann bin, gesund bin, Arbeit und wohl geratene Kinder habe. Wenn ich also nicht zu denen gehöre, für deren Rettung in den Fürbitten in Gottesdiensten und Andachten gebetet wird. Ich nehme mein Leben in meine eigene Hand und verzage nicht, wenn nicht alle Blütenträume reifen. Aber ich weiß auch und vertraue darauf: Ohne persönliche Not auf dieser Welt zu leben ist ein Geschenk. Und dafür bin ich Gott dankbar. Wie am Ende meine schwarze Seele gerettet werden kann, diese Entscheidung lege ich vertrauensvoll in seine Hände.

Joachim Schmidt, Chefredakteur "Die Kirche - Berlin-Brandenburgisches Sonntagsblatt" (Berlin)

Gottes Nähe spürbar

Manches wissen wir, was im neuen Jahr kommt, anderes erahnen wir, manches wird überraschend auf uns zukommen, wie im vergange- nen Jahr. Und vielleicht kann ich im Rückblick feststellen, was die Jahreslosung für das Jahr 2002 beschreibt: "Ja, Gott ist meine Rettung; ihm will ich vertrauen und niemals verzagen." In vielem habe ich Gottes Gegenwart gespürt und bin dankbar dafür. Aber dass ich niemals verzagt hätte, kann ich nicht behaupten. Dann waren da Menschen, die mich trugen und so Gottes Nähe erfahren ließen. Klar, manches war Zufall. Aber dem Zufall kann man nicht danken. Als glaubender Mensch will ich dem danken, der den Daumen oft genug zwischen die Tür gehalten hat. Diesem Gott möchte ich danken und mich ihm immer wieder für das Neue Jahr anvertrauen.

Reinhard Heubner, Chefredakteur Kasseler Sonntagsblatt (Kassel)

Rettung vor Resignation

Mir hat schon immer der Realitätssinn der Bibel imponiert. Keine rosarote Brille, die die Menschheit auf dem Weg zur Vervollkommnung sieht, dank einer bestimmten Gesellschaftsordnung etwa, durch den Fortschritt der Wissenschaft oder durch eine neue Pädagogik. Dass es eine Menge Gründe gibt, zu ver- zagen, wird nicht in Abrede gestellt. Im Gegenteil. Es ist zur Genüge von Leid und Tod, Ungerechtigkeit, Hass und Egoismus die Rede. Und auch, dass keiner sich die Hände in Unschuld waschen kann. Da wird nicht schöngefärbt. Aber es wird eben auch nicht schwarzgesehen, sondern Hoffnung vermittelt, zum Guten motiviert, zur Nächstenliebe ermuntert - trotz allem. Fröhliches Gottvertrauen ist die Rettung vor der Resignation, damit das Wenige, was ich tun kann, auch wirklich geschieht.

Christine Lässig, Chefredakteurin "Glaube und Heimat" (Weimar)

Glaube ist Vertrauen

Niemals verzagen? Angesichts all des menschlichen Irrsinns kann man sehr wohl verzagen. Der 11. September hat gezeigt, wie verwundbar unsere Welt ist. Sie ist in Gefahr. Nicht nur durch Terror, sondern auch durch Krieg und Armut, Hunger und Umweltzerstörung. Woher wollen wir da Hoffnung nehmen? Ich meine: Das Einzige, was der Menschheit wirklich zum Verhängnis werden kann, ist der Glaube an die Unausweichlichkeit des Bösen. Glaube ist für mich wesentlich Vertrauen. Ver-trauen, dass die Welt und auch mein Leben in Gottes Hand geborgen sind. Darum setze ich gegen den um sich greifenden Glauben an das Verhängnis mein Vertrauen, dass der Weg Gottes mit dieser Welt noch nicht zu Ende ist. Ich glaube, dass von Gott her noch viel Rettendes geschehen kann. In der Bergpredigt hat Jesus die Umrisse einer bewohnbaren Erde gezeigt.

Wolfgang Riewe, Chefredakteur "Unsere Kirche" (Bielefeld)

 


Wenn Sterne das Herz erleuchten

Wenn die Wahrheit des Evangeliums dennoch verhüllt ist, dann ist sie denen verhüllt, die ohnehin verloren gehen. Denn Götzen dieser Welt haben den Ungläubigen den Verstand verblendet, damit sie das Leuchten des Evangeliums nicht sehen, das Leuchten der Botschaft von Jesus Christus, der Gottes Abbild ist. Ich, Paulus, verkündige aber so, dass nicht ich selbst Anerkennung gewinne, sondern ich verkündige Jesus Christus: er alleine bestimmt alles Handeln, und ich stehe in euren Diensten, weil das Jesu Wille ist. Gott sagte: "Wo Finsternis ist, soll Licht leuchten!" Gott erleuchtete auch mein Herz, damit ich wiederum euch zum Leuchten bringe, sodass ihr auf Grund von meiner Verkündigung erkennt, dass das Licht Got-tes im Antlitz Christi leuchtet. (2. Korinther 4, 3-6)

 

Das Christuskind in der Krippe
 
Foto: epd-Bild/Keystone
   

Am 6. Januar ist das Fest der Heiligen Drei Könige. Viele denken dabei an die Erzählung von den drei Weisen aus dem Morgenland, die dem Stern folgten, um das Kind anzubeten. Das Wunder von Weihnachten zeigt sich noch einmal: Gott ist ein Kind geworden, dem Mächtige und Weise zu Füßen liegen. Der 6. Januar hat noch einen zweiten Namen: Epiphanias, das Fest der Erscheinung des Herrn. In der ersten Hälfte des Kirchenjahres, in der Christinnen und Christen dem Leben Jesu gedenken, macht Epiphanias deutlich: In Jesus ist Gott als Mensch erschienen. Das Licht des Sterns von Bethlehem weist auf Jesus, der ein neues Licht auf unsere Welt wirft.

Darüber spricht auch Paulus, wenn er im 2. Korintherbrief sagt, dass "das Licht Gottes im Antlitz Christi leuchtet." Und er geht noch einen Schritt weiter. Für ihn stellt sich bereits die Frage: Wie können Christinnen und Christen das Licht der Weihnachtsnacht weitertragen zu Menschen, denen Anderes wichtiger ist? Paulus' Antwort ist einfach: "Ich will Jesu Botschaft weiter erzählen und damit das Licht weiter tragen, das mich erleuchtet hat."

Neben vielen Erfolgen macht er dabei aber die Erfahrung, dass manche seine Worte nicht hören wollen oder können. Die Wahrheit des Evangeliums bleibt ihnen verhüllt. Vielleicht ging es manchen damals wie mir heute auf den Einkaufsstraßen: Leuchtreklame reiht sich an Leuchtreklame und füllt meinen Blick. Da leuchtet und blinkt es so sehr, dass der Stern von Bethlehem oft kaum eine Chance hat mit seinem Licht durch zu dringen.

Was tun? Paulus - wie auch Christinnen und Christen heute - bleibt nichts anderes übrig, als weiter zu verkündigen und darauf zu hoffen, dass das Licht des Evangeliums seinen Weg findet, dass Glaube und Erleuchtung zum Geschenk werden. Denn es ist ja vor allem Gottes verborgenes, schöpferisches Wirken, das Licht in die Finsternis bringt und die Herzen bereit macht, wo keiner damit gerechnet hat. Und dieses Bereitwerden ist wichtig, denn die Botschaft kann nur hören, wer zuhören will.

Das ist etwa so, wie wenn ich bei sternenklarer Nacht durch die Straßen gehe. Manchmal kann ich auf die Sterne am Himmel achten, wie sie hell leuchten und strahlen. Dann kann ich mich an ihnen freuen und ihr Licht erhellt mein Herz. Ich war bereit, das Wunder der Schöpfung zu sehen. Ein anderes Mal gehe ich in Gedanken versunken durch die sternenklare Nacht, denke an die Ereignisse des vergangenen Tages oder an die Pläne für Morgen. Dann nehme ich keinen Stern, kein Licht am Himmel wahr, obwohl sie genauso hell leuchten. Die Dinge des Alltags lassen die Lichtstrahlen nicht in mein Herz. Ich bin nicht bereit, das Leuchten wahr zu nehmen.

Und manchmal kommt es vor, dass ich beim Gang durch die Straßen die Sterne sehe und ihr Licht eine solche Klarheit auslöst, dass ich Gottes Lichtspur in meinem Alltag erkennen kann. Solche Momente sind wie ein Wunder. Die Klarheit ist dann richtig zu spüren. Herz und Kopf sind wie vom Licht durchdrungen und ich sehe Dinge, die ich vorher nicht erkannte, habe zum Beispiel einen Weg gefunden, wie ich ein Problem lösen kann. Dann hat Gottes Licht meine Finsternis erhellt. Das Licht der Sterne ist dann wie Paulus' erleuchtende Botschaft von Jesus Christus: Es zeigt mir den Weg und meinen nächsten Schritt.

Pfarrerin Silvia Jühne
Rothenburg

Wir beten: Gott, du bist das Licht in unserem Leben. Wir bitten Dich, mache unsere Herzen bereit für das Licht Deines Evangeliums. Schenke uns Klarheit, wie wir im Neuen Jahr daraus leben können. Amen.

Lied 74: Du Morgenstern, du Licht ...

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