Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 51/52 )

Eine harte Nuss zu knacken

Die Weihnachtsbotschaft lautet:
Zum Kern der Botschaft vordringen

Nussknacker
 
Foto: gük

Er hat schon einige Jahre auf seinem hölzernen Buckel. Immer dann, wenn die Familie den Weihnachtsbaum schmückt, kommt er zur Geltung. Den Rest der Zeit liegt er in einer Kiste auf dem Dachboden. Endlich ist es so weit. An einem Adventssonntag wickeln die Kinder die Figur aus dem Papier, um sie an den Ort zu hängen, wo sie immer hängt. Zwischen Lametta und Lichterkette, neben ein blau glitzern- des Schaukelpferd und dem etwas abgegriffenen Strohstern. Kaum jemand beachtet den kleinen Kerl, obwohl der munter drein blickende Nussknacker eine Menge zu berichten hätte. Unzählige Weihnachts-feste hat er miterlebt. Ob es die vor Freude funkelnden Kinderaugen beim Auspacken der Geschenke waren oder ein Streit in der Familie, weil man mit dem Präsent so gar nicht den Geschmack getroffen hat - der unscheinbare Geselle mit dem weißen Bart könnte Geschichten davon erzählen. Vor seinen Augen wurde schon so manche harte Weihnachtsnuss geknackt.

Zahlreiche Legenden

Doch auch über ihn selbst gibt es zahlreiche Legenden. Die Historie des Nussknackers soll bis in die Antike zurück reichen. Seit Mitte des 17. Jahrhunderts sind so genannte Nussbeißer bekannt, die später auch im Erzgebirge hergestellt wurden. Die Grundform mit angeklebten Beinen, Füßen und Nase prägt ihr Aussehen. Auf einem Sockel stehend erhält er eine Bemalung in leuchtenden Farben. Der Rock wurde häufig mit Ornamenten verziert. Im 19. Jahrhundert dominieren Figuren, die Vertretern der Obrigkeit nachgebildet waren - Soldaten, Jäger, Förster und Könige. Die armen Spielzeugmacher tauschten gleichsam die Rollen und ließen sich von jenen die Nüsse knacken, denen sie im Alltag rechtlos ausgeliefert waren. So musste zum Bei- spiel in Thüringen der Gendarm als "Knurks" für die armen Leute "arbeiten". Hier sind Züge einer naiven Sozialkritik erkennbar, die erst noch gründlich erforscht werden muss. Doch woran liegt es, dass der Nussknacker bis heute als beliebter Christbaumschmuck dient?

Was Menschen an die Zweige ihres Weihnachtsbaumes hängen, hat oft tiefen Symbolcharakter. Der duftende Apfel verheißt Sommer mitten im Winter. Die Früchte sind Sinnbild für Fruchtbarkeit. Sie erinnern aber auch an Adam und Eva im Paradies. Christbaumkugeln stehen in enger Verbindung zur Apfelsymbolik. Die perfekte Gestalt steht für das Vollkommene und Göttliche. Als Form ohne Anfang und Ende sind sie das Zeichen für Ewigkeit. Nüsse dagegen sind verschlossen und schwer zu knacken. Sie gelten als Sinnbilder für Gottes Ratschluss. Die äußere Schale mit dem darin verborgenen schmackhaften Kern symbolisieren das Leben: Gott hat es geschenkt, aber erschließen muss es der Mensch für sich selbst. Wohl dem, der dafür den richtigen "Nussknacker" zur Hand hat.

Das Leben ist mitunter tatsächlich eine harte Nuss, die es zu knacken gilt. Und an Weihnachten wird das besonders deutlich. Terrorismus und Kriege in der Welt stehen im Gegensatz zu dem friedvollen Geschehen im Stall von Bethlehem. Der Hunger in der dritten Welt scheint der Botschaft Jesu zu widersprechen, er schenke das "Brot des Lebens". Zerbrechende Ehen und gescheiterte Beziehungen zeigen, dass der Aufruf Christi, sich zu versöhnen und zu verstehen, bisher auf wenig fruchtbaren Boden gefallen ist. Und dann das Weihnachtsfest selbst: Wie hoch sind die Ansprüche, nach einem friedvollen Miteinander in den Familien. Und wie sieht es oft in der Wirklichkeit aus? Ja, Weihnachten selbst ist eine harte Nuss, die nicht so leicht zu knacken ist. Wohl dem, der dafür den richtigen Nussknacker zur Hand hat.

Doch wo sind sie zu finden, diese hilfreichen Helfer? Wo ist er, der Heiland, der wirklich Heil in diese Welt bringt und heilsame Lösungen parat hat? Ein Gegner des "Festes aller Feste", der Österreicher Kabarettist Georg Kreisler, meinte einst: "An Weihnachten muss man stark sein, sonst macht man am Ende noch mit." Ohne es zu wissen, ist er mit diesem Satz zum Kern der Wahrheit vorgedrungen. Weihnachten ist ein Fest mit verwandelnder Kraft. Es bringt den Menschen in Bewegung und verändert ihn. Eine spürbare Wirkung geht (noch immer) von dem Kind in der Krippe aus. Intensiver als sonst gedenkt man an Weihnachten aller Orten der Hungernden, Obdachlosen und Kranken. Man zeigt Solidarität, und niemals sind die Kollektenbeutel der Kirchen reicher gefüllt als an Heilig Abend. Friedvoll geben sich selbst Politiker von "nichtchristlichen" Staaten. Amnestien werden erlassen, gelegentlich auch Kriegshandlungen unterbrochen. "Shalom", das jüdische Wort für "Friede Gottes" oder "Gerechtigkeit" ist, wenn auch nur für wenige Tage, ein Wort für jedermann. Krieg und Hass, harte Nüsse, die in dieser Zeit anscheinend problemloser zu knacken sind.

Unscheinbare Boten

Die unscheinbaren Nussknacker am Weihnachtsbaum erinnern an diese frohe Botschaft. Sie geben ihr Biss, indem sie dazu auffordern, das Geheimnis von Weihnachten zu knacken, um sozusagen an den schmackhaften Kern des Evangeliums vorzudringen. Die Botschaft ist klar: Kommt zur Besinnung, lasst etwas von dem Weihnachtslicht leuchten in Euerem Leben, setzt Euch für den Frieden und das Heil in der Welt ein. Natürlich hat noch kein Weihnachtsfest in zweitausend Jahren die endgültige und vollständige Veränderung der Welt mit sich gebracht. Zu keiner uns bekannten Zeit haben Krieg, Hunger, Unterdrückung und Gewalt ein endgültiges Ende gefunden. Weihnachten ist aber eine symbolische Antwort auf Leid und Unrecht. Das Fest setzt dem Schrecken etwas entgegen: die verwandelnde und bewegende Macht Gottes.

Auch wenn es im Moment nicht danach aussieht: Wer mit Beharrlichkeit an der Verkündigung der Engel an die Hirten festhält, "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden", der wird es erleben: Weihnachten ist zwar eine harte Nuss, aber sie lässt sich knacken - indem Menschen sich von der rauen Schale der Welt nicht entmutigen lassen und zum Kern der befreienden Botschaft Christi vordringen.

Günter Kusch

 


Friede auf Erden

Alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. (Lukas 2, 13-14.)

 

Das Christuskind in der Krippe
 
Foto: Holder
   

An Weihnachten fangen manchmal auch die zu singen an, die sich sonst genieren: die Ungeübten also und die Brummer. Sie tun recht daran, ihre Scheu hintanzustellen. Die Engel der Weihnachtsnacht ermutigen uns alle, in ihren Gesang mit einzustimmen, ob wir gut singen können oder nicht.

Solche Ermutigung brauchen wir in diesem Jahr ganz besonders. Die Anschläge des 11. September werfen nach wie vor dunkle Schatten. Gerade an Weihnachten denken wir an die Angehörigen der Opfer.

Wo ist der "Friede auf Erden" zu finden? Die Politiker stoßen mit ihren Friedensbemühungen an Grenzen. Wie werden sie mit dem Terrorismus fertig? Was bewirkt militärische Gewalt? So fragen wir eher skeptisch. Und wie können Christen und Muslime friedlich mit einander leben? Darauf eine Antwort zu finden, ist Aufgabe der weltweiten Ökumene. Auch diese Aufgabe ist schwierig genug.

Die Engelsbotschaft der Heiligen Nacht weist uns mit unseren Fragen hin zum Kind in der Krippe. In ihm nimmt der "Friede auf Erden" menschliche Gestalt an. Das Christuskind in seiner Ohnmacht und Armseligkeit "ist unser Friede". Es bringt den Frieden Gottes zu uns. Der "Friede auf Erden" ist also Gottes Weihnachtsgeschenk an uns. Die Friedensbewegung Gottes geht von der Krippe aus und möchte uns von da aus erreichen. Sie zielt auf unsere Herzen und Gewissen. Da möchte Gottes Friede zuerst Wurzeln schlagen und sich von da aus ausbreiten hinein in die Welt der Politik und der Religionen.

Den "Menschen des göttlichen Wohlgefallens" wird dieser Friede von den Engeln in der Weihnachtsnacht verheißen. Im damaligen Bethlehem waren das nicht in erster Linie die Politiker, nicht die Wohlhabenden, die sonst immer das Sagen haben. Den Hirten wird als ersten dieser Friede zugesagt. Sie waren einfache Leute, ein eher raues Leben gewöhnt. Auch heute ist die Friedenszusage Gottes nichts Exclusives, also nicht nur für die bestimmt, denen es ohnehin gut geht. Sie sind versucht, nur das eigene Image und den eigenen Wohlstand im Auge zu haben.

Der "Friede auf Erden" Gott gilt denen, die mit den Engeln an erster Stelle Gott die Ehre geben. Er ist "in der Höhe". Doch wird er in einem Notquartier zum Menschenkind. Obdachlos ist er oft auch in unserer Welt. Satte Egoisten haben für ihn keinen Blick übrig. Den kleinen Leuten kommt er nahe. Den Armen und Hungernden wird er zum Bruder. Ihnen verspricht er seinen Frieden.

Doch nicht ihnen allein! An den Friedensstiftern findet er Wohlgefallen. Gottes Friede ist weit mehr als ein gutes Gefühl. Was wir in der Christnacht im Herzen empfinden, will sich umsetzen in unser Tun. Denen, die sich im Alltag um ein friedliches Zusammenleben in den Familien, in der Nachbarschaft und am Arbeitsplatz kümmern, weiß sich der göttliche Friedensbringer nahe. Und auch denen gilt der Engelsgesang, die rund um den Globus für den "Frieden auf Erden" ihr Leben einsetzen.

Allen gilt er, die bei dem Kind in der Krippe Frieden finden. Es sagt jedem zu: Du bist von Gott geliebt! Ich teile dein Leben. Ich öffne dir zugleich dein Herz für die, die Hilfe brauchen.

Landesbischof i.R. Hermann von Loewenich
Nürnberg

Wir beten: Gütiger Gott, lass uns in diesen Tagen nahe bei der Krippe bleiben. Lass uns bei deinem Sohn erkennen, was es heißt, dir allein die Ehre zu geben und den Friedlosen deinen Frieden zu bezeugen. Amen.

Lied 36: Fröhlich soll mein Herze springen.

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