Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 50 )

Keine Männer mit Flügeln

Benediktinerpater Anselm Grün über Engel

Anselm Gruen
 
Foto: kil

"Meine Oma hatte es immer sehr mit Engeln. Sie brachte mir ein Gedicht bei, das begann: ,Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel. Sie gehen leise, sie müssen nicht schreien, manchmal sind sie hässlich und klein…' Daran muss ich heute noch oft denken", erzählt Ruth. Das Gedicht von Rudolf Otto Wiemer begleite sie schon mehr als ein halbes Leben. "Meine Großmutter war von der Existenz der Engel überzeugt und erzählte mir vor allem von Schutzengeln. Dabei kam sie mir oft selbst vor wie ein Engel. Sie hat mein Leben sehr geprägt." Geblieben sind der 33-Jährigen gute Erinnerungen an die Oma und ein wohliges Gefühl, wenn sie an Engel denkt. Und die leise Ahnung, dass es irgendwelche himmlischen Wesen gibt. "Mir gefällt der Gedanke an Engel. Er bereichert meinen Glauben."

Schöne Nebensache

Das ist der entscheidende Unterschied zur Esoterik, die sich in den letzten Jahren die Himmelswesen sehr zu eigen gemacht hat: "Glauben kann man nur Gott, nicht an Engel. Sie sind eine Ergänzung, man erfährt sie - oder nicht", betont Benediktinerpater Anselm Grün (Münsterschwarzach). Engel sind längst nicht das Zentrum im christlichen Glauben, eher eine schöne Nebensache. Esoteriker dagegen legten großen Wert auf das Erscheinen von Lichtgestalten und ähnlichem.

"Die Kirche hat das Thema in den vergangenen Jahrzehnten nicht besetzt, da hat es sich die Esoterik geschnappt", erklärt Grün. Engel seien ein "Zwischending zwischen Gott und Erde". Der Zugang zu ihnen falle vielen Menschen leichter als zu Gott und Jesus Christus. Am der-zeitigen Engel-Boom werde deutlich, dass in den Menschen eine religöse Sehnsucht steckt, mutmaßt der 56-jährige Mönch aus dem unterfränkischen Kloster. "Nur Geld, Besitz und Beziehungen reichen vielen Menschen eben nicht aus. Sie haben eine Ahnung, dass es mehr gibt, sehnen sich nach einer höheren Macht." Außerdem sei diese Hoffnung auf die Existenz von Engeln und höheren Wesen ein Gegenpol zu unserer oft so versachlichten, Vernunft betonten Welt: "Es ist eine Ursehnsucht des Menschen, dass im Alltag noch etwas anderes einbricht. Etwas, mit dem ich leben kann."

Wer oder was ist ein Engel?

Pater Anselm Grün zitiert den Kirchenvater Augustinus: "Nicht das Wesen der Engel soll man definieren, sondern ihre Funktion." Laut Grün sind Engel theologisch gesehen von Gott geschaffene Wesen, personale Mächte und als solche auch erfahrbar. Gott schickt sie. "Das kann ein anderer Mensch sein. Jeder kann zum Engel werden für einen anderen." Aber auch ein Traum, ein Impuls, ein Gedanke oder die Erfahrung von Schutz könnten Engel sein. "Ein Engel ist eine Form, wo Gott ein Gesicht bekommt", schildert der Geistliche, der auch bei Protestanten ein gefragter Referent ist. "Wir können nicht über Engel reden, ohne über Gott zu reden."

In der Bibel gibt es jede Menge Engelsgeschichten. Zum Beispiel die Geschichte, in der Hagar auf der Flucht vor Sara von einem Engel zum Zurückgehen ermuntert wird (1. Mose 16). "So wie der Engel in Hagars Leben Spuren hinterlassen hat, so gibt es in jedem Leben Engelsspuren." Anselm Grün erzählt von einer Frau, deren Vater Alkoholiker war, die Mutter Tabletten süchtig. "Doch sie blieb gesund. Als Kind und bis heute." Er ermunterte die Frau, zu überlegen, was positiv war in ihrem Leben. Ob es Orte gab, wo sie sich als Kind wohlfühlte. "Sie erzählte, dass sie als 4-Jährige ab und zu in die Kirche schlüpfte und sich dort vor dem Altar den Kummer von der Seele weinte. Dort ging es ihr gut." Von ähnlichen Beispielen könnte der Seelsorger Bände erzählen. Besonders oft erzählen ihm Leute von Schutzengeln. "Das ist schnell mal dahin gesagt, dass man in einer glimpflich verlaufenen Situation einen Schutzengel hatte. Und ich glaube auch, dass der Schutz Gottes die Menschen begleitet." Und doch - eines ist dem katholischen Mönch ganz wichtig: "Man darf allerdings nicht naiv sein und denken, Engel behüten uns vor allem Unglück und Tod. Das nicht. Aber ein Engel Gottes ist im Unglück, im Tod bei uns. Er bewahrt unser Innerstes."

Weihnachtsengel

"In der Weihnachtsbotschaft wimmelt es nur so von Engeln", sagt der Pater. Ob das nun Gabriel ist, der Maria die Geburt verheißt. Oder die Heerschar, die die Hirten erleben. Immer verheißen die Engel die Botschaft: Gott wird Mensch, er kommt in Liebe. "Sie verkörpern keine heile Welt, aber doch die Leichtigkeit des Seins. Die Himmelswesen stehen nicht für moralisierende Theologie. Sondern für Gott als den Herzlichen, Zärtlichen, durch den unsere Seele Flügel bekommt." Engel seien ein Aspekt der Erfahrbarkeit Gottes und eine Hoffnung, dass das Leben gelingt.

"Jeder Mensch hat einen Engel" so der Titel eines Buches des fleißigen Mönches. "Darin will ich deutlich machen, dass über dem Leben jedes Menschen eine Verheißung steht", so Grün. "Das Leben eines jeden Menschen hat eine Bedeutung für andere. Jeder Mensch kann eine Spur hinterlassen." - So wie Ruths verstorbene Großmutter.

Karin Ilgenfritz

 


Gemeindegründung oder Gemeindeschöpfung?

Ich weiß deine Werke: Du hast den Namen, dass du lebest, und bist tot. Werde wach und stärke das andre, das sterben will, denn ich habe deine Werke nicht als völlig erfunden vor meinem Gott. So gedenke nun, wie du empfangen und gehört hast, und halte es und tue Buße. Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde. Aber du hast et-liche zu Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben; die werden mit mir wandeln in weißen Kleidern, denn sie sind's wert." (Offenbarung 3, 16 -4)

 

Gemeinde
 
Foto: privat
   

Der Begriff "Gemeindegründung" spukt durch kirchliche Blätter. Auf den Gedanken, neue Gemeinden zu gründen, kommt man heute nicht, weil der Andrang bei Gemeindeveranstaltungen sich nicht mehr bewältigen ließe. Der Grund ist vielmehr, dass bestehende Gemeinden zu wünschen übrig lassen, sowohl was die Verkündigung, als auch was den Anklang betrifft, den sie findet.

Das entspricht ungefähr der Situation der Gemeinde, an die dieser Offene Brief sich richtet, der in die Bibel aufgenommen wurde. Eine gewisse Betriebsamkeit täuscht Lebendigkeit vor. Aber in Wirklichkeit ist diese Gemeinde "tot". In den Augen Gottes ist diese scheinbar lebendige Gemeinde eine Leiche. Da liegt es nahe, dass gläubige Christen sich zurückziehen und eine andere Gemeinde suchen. Gemeindegründung?

In der Gemeinde, an die dieses Schreiben sich richtet, sind es nur noch wenige, die mit Christus mitgehen und deren Namen "im Buch des Lebens" verzeichnet sind. Aber dieser Brief, der "vor Gott" formuliert worden ist, fordert nicht zum Verlassen der Gemeinde und einer Neugründung auf. Vielmehr spricht der Herr diese Gemeinde an, die "den Namen" hat, dass sie "lebt", in Wirklichkeit aber "tot" ist. Gott sagt: "Werde" - was du nicht bist! Das klingt wie am ersten Schöpfungstag: Finsternis, Chaos, schwebender Geist, nichts zu erkennen. Und Gott sprach: "Es werde" - und es wurde! Sein Schöpferwort rief hervor, was es nicht gab. Hier sagt Christus zu einer toten Gemeinde: "Werde wach!" "Werde wach" heißt: Es werde eine Erweckung! Nicht Gemeindegründung durch besorgte und empörte Gemeindeglieder, die sich zurückziehen und etwas Neues gründen, sondern "Gemeindeschöpfung" durch das Wort Jesu, das Erweckung bewirkt.

Aber nun fragen Sie vielleicht: Muss ich also in meiner toten Gemeinde bleiben, wo auf der Kanzel manchmal Märchen erzählt werden und psychologische Plattheiten oder politische Kommentare das Wort Gottes verdrängen? Soll man nichts dagegen unternehmen? Doch! Man soll etwas dagegen unternehmen. Dieses Schöpferwort: "Werde wach!" steht in der Bibel und spricht jede Gemeinde an, die in den Augen Gottes "tot" ist. Dabei fällt auf, dass auf das Schöpferwort "Werde wach!" einige weitere Aufforderungen folgen. Sie erläutern, wie dieses Erwachen aus dem Todeszustand einer Gemeinde vor sich gehen kann, und was dazu erforderlich ist.

Das Wachwerden beginnt damit, dass die Gemeinde sich auf das besinnt, wodurch sie entstanden ist: Was die Vorfahren einmal gehört und angenommen haben. Es beginnt also mit der Rückbesinnung auf Gottes Wort. "Erinnere dich, was du empfangen und gehört hast!" Und erinnere dich, wie es ursprünglich aufgenommen wurde!

Das Wachwerden erfolgt so, dass die Gemeinde das Gehörte nicht mehr loslässt, nichts davon unbeachtet lässt, sondern sich sorgfältig daran hält. Wenn sie an diesem Wort festhält, wird sie sich ändern müssen, Buße tun. Nur durch die Umkehr zu Gott kann eine Gemeinde lebendig werden. Wenn einige in der Gemeinde, selbst wenn es nur wenige sind, mit dieser Umkehr beginnen, wird sich das so auswirken, dass andere dadurch im Glauben gestärkt und gefestigt werden, die bereits drauf und dran waren, abzusterben.

Dr. Wolfhart Schlichting
Augsburg

Wir beten: Herr Jesus Christus, wir danken Dir, dass Du nicht untätig zuschaust, wie Deine Gemeinden sich von Dir weg entwickeln, sondern dass Du auf Dein ursprüngliches Wort zurückkommst und ihnen ins Gewissen redest. Allmächtiger Schöpfer, lebenwirkender Geist, erwecke sie zu neuem Leben. Amen!

Lied 147: ‚Wachet auf', ruft uns die Stimme.

Diese Woche - Archiv - Editorial - Geschichte - Redaktion - Abo-Service - Anzeigen - Evang. Reisedienst - Impressum
© copyright ROTABENE! Medienhaus