Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 49)

Eine schöne Bescherung

Trends um Weihnachten: Blick nach Amerika - Von Potter bezaubert - Mehr Gefühl statt Konsum

Weihnachtsmann
 
Foto:gük

"Weihnachten bringt in Bewegung" - ein Satz, der von einem Theologen stammen könnte. Oder, wie er in einer Predigt vorkommt. Doch diejenige, die das sagt, ist keine Pfarrerin. "Weihnachten bringt in Bewegung", erklärt Sandra Marchl - und grinst dabei über das ganze Gesicht. Ihr Blick wendet sich den Figuren zu, die vor ihr auf der Ablage stehen. Sobald sie nämlich in die Hände klatscht, beginnen die Drei zu tanzen. "Jingle Bells", singt der Weihnachtsmann, der mit seiner Sonnenbrille auf der Nase eher auf einem Sommerfest auftreten könnte. Der Nussknacker neben ihm lässt sich nicht lumpen und setzt zu einem lautstarken "I wish you a merry christmas" an. Und auch der kleine Nussknacker weiß von der Frohen Botschaft ein munteres Liedchen zu trällern.

Amerikanischer Kitsch

"Diese beweglichen Plastikpuppen sind heuer der Renner", verdeutlicht Sandra Marchl. "Kaum stelle ich sie ins Schaufenster, kommt auch schon jemand herein, weil er eine davon haben will", sagt die 36-Jährige, die öfter ihrer Mutter in dem kleinen Fürther Laden mit dem einprägsamen Namen "Weihnachtsmarkt" aushilft. Ihre Kunden lieben alles, was irgendwie aus der Reihe fällt. Bunte Lichterseile, eine Art Kabel mit unzähligen Lampen darin, oder leuchtende Fensterbilder fänden rasch einen Abnehmer. "Die Leute blicken anscheinend immer mehr nach Amerika", meint Sandra Marchl. Neulich sei eine junge Frau bei ihr im Geschäft gewesen, die ihr ganzes Haus von außen und innen mit Lampen und Lichtern verzieren will. Die Dorfbewohner bezeichneten das Gebäude bereits als "Klein Las Vegas".

Der "Schüttel-Klaus"

In einem Warenhaus in Nürnberg geht es gemächlicher zu. Ein Verkäufer ist damit beschäftigt, einen Stand mit Weihnachtsartikeln zu dekorieren. "Heuer ist der so genannte Schüttel-Klaus gefragt", sagt Klaus Kurdan. Im Inneren des Schokoladen-Manns befinden sich Smarties, die beim Hin- und Herbewegen lustige Töne von sich geben. "Das soll wohl eine Antwort auf den Wackel-Elvis sein, der im Sommer in jedes Auto gehängt wurde", vermutet der 33-Jährige. Ansonsten greifen seine Kunden zu höherwertiger Ware. Teuere Kaffee-Vollautomaten, die wunderbaren Espresso oder Cappucino brühen, bringen Hausmann und Hausfrau auf den Geschmack. Deren Kinder ließen solch "heißen Muntermacher" eher kalt. Für sie gebe es derzeit nur ein Thema: Harry Potter. Und der verzaubert in allen Varianten. Ob als Computer- oder Brettspiel, als Figuren-Set oder Plüsch-Variante - selbst mit einem nachgebildeten Harry Potter-Zauberbesen können die Kleinen in diesem Jahr auf dem Gabentisch abheben.

Solch kurzlebigen Modetrends läuft man in Rothenburg ob der Tauber nicht hinterher. Im dortigen, ganzjährig geöffneten "Weihnachtsdorf" von Käthe Wohlfahrt wird vor allem auf Tradition gesetzt. "Jeder soll seine Festbräuche so fortführen, wie er es über Jahre hinweg gewohnt ist", erläutert Ulrich Finkbeiner, der für Marketing und Touristik verantwortlich zeichnet. Auf bestimmte Zeitströmungen zu setzen, habe sich schon öfter als falsch erwiesen. "Der allgemeine Trend, wie ihn sich die Industrie bereits ein Jahr zuvor ausdenkt, wird immer weniger nachgefragt", schildert Finkbeiner seine Erfahrungen.

Alle Jahre wieder stünden dagegen Glaskugeln oder Baumschmuck aus Holz, Glas, Zinn und Stroh im Mittelpunkt des Interesses. Zu den üblichen Farben Rot, Gold und Champagner hätte sich heuer das Silber gesellt. Auch das sei jedoch nichts Neues, "Silber war schon zur Zeit des Jugendstils modern", fügt Finkbeiner hinzu. Auch er spricht von einer amerikanischen Vorbildfunktion, hin zu leuchtendem Fensterbehang oder zum Ausschmücken von Vorgärten. Selbst so kitschige Dinge wie Handys oder Motorroller finden mittlerweile ihren Platz am Weihnachtsbaum. Immer mehr Menschen stellen ihre Christbäume unter ein bestimmtes Thema, behängen ihn also nur mit Kugeln, mit Tieren oder Engeln. Wobei Letztere mittlerweile in der Hitliste himmlischer Heilig-Abend-Favoriten abgelöst werden - von Räuchermännchen, Nussknackern und Weihnachtspyramiden.

Schwerpunkt Gefühl

Ulrich Finkbeiner ist um die Bedeutung des Weihnachtsfestes nicht bange: "Mit unserem Schwerpunkt auf das Gefühl und auf eine sentimentale Darstellung lagen wir bisher richtig." Gerade in schlechten Zeiten wie diesen, wo den Bürgern noch der Schock des 11. Septembers in den Gliedern sitzt, gewinne das christliche Fest mehr denn je an Gewicht. "Die Leute rücken wieder zusammen", sagt der Marketing-Experte. Viele Menschen seien auf Grund der Vorfälle in Amerika ins Nachdenken gekommen. Sie spürten plötzlich, "dass das Leben von einem Tag auf den anderen vorbei sein kann". Auf den "Wunschzetteln" stünden deshalb mehr Gefühl und Emotion statt bloßer Konsum. Wenn dies an Weihnachten in Bewegung gebracht würde, wäre das tatsächlich eine schöne Bescherung.

Günter Kusch

 


Die Gegenwart des Heiligen

Und dem Engel der Gemeinde in Philadelphia schreibe: Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids, der auftut und niemand schließt zu, der zuschließt und niemand tut auf. Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan und niemand kann sie zuschließen, denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet. (Offenbarung 3, 7.8t.)

 

Engel
 
Zeichnung: Anna-Maria Wiegner
   

"Lass die Tür ein bisschen offen". So bitten meine kleineren Kinder nachts beim Einschlafen. Die Tür muss einen Spalt offen sein, so dass das Licht von draußen hineinfallen kann. Die offene Tür, die den Anschluss an die anderen im Haus gewährt, die das Licht auch in der Dunkelheit der Nacht hinein schimmern lässt.

Diese offene Tür in der Nacht ist mir ein Sinnbild für die Tür in dem Offenbarungstext. So ist Christus für uns. Eine Tür, die uns das Licht aus der Ewigkeit, aus dem unendlichen Licht hinter dem Kosmos zukommen lässt. Eine Tür, die uns den Anschluss an das Leben offen hält. An das pulsierende Leben, auch wenn es dunkel ist in uns oder um uns. Sicher ist für uns nicht mehr das dunkle Schlafzimmer das größte Problem. Aber im Laufe des Lebens haben wir andere Dunkelheiten kennen gelernt, die uns schauern lassen, die in uns Sehnsucht nach Licht wecken. Und der Schlaf bleibt bei vielen Menschen ein durchgehendes Problem: sich dem Frieden der Nacht anheim stellen zu können, abschalten zu können ist nicht leicht. Eine offene Tür tut da gut. Eine Tür zum Frieden hinter allen Sorgen und Arbeitsbergen, die mit uns unter die Bettdecke kriechen. Eine Tür zum Licht. Eine Tür, durch die hindurch wir ahnen können, dass die Dunkelheiten auf Erden nicht das Letzte sind.

Der Adventskalender ist dafür ein schönes sinnenfälliges Zeichen. Vor allem einer aus Transparentpapier, hinter den man eine Kerze stellen kann und der mit jedem geöffneten Türchen heller wird. Ich denke solche einfachen sinnenfälligen Zeichen tun gut. In ihnen wird für unsere Sinne deutlich: Im Glauben an Christus liegt eine große Chance. Die Chance am Puls der Ewigkeit zu sein. Genau damit soll der Engel die Gemeinde in Philadelphia ermutigen und uns: "Durch euren Glauben seid ihr mit einer lichten Macht verbunden, die immer wieder ins Leben hinein wirken will und euch teil gibt an sich selbst."

Die Gegenwart des Heiligen in dieser Welt kann kein Terror, keine Krankheit, kein Versagen schmälern. Sie ist unbeugsam da und wir können in sie eintreten wie in einen bestehenden Stromkreis. Wir können in sie eintreten mit unsrer kleinen Kraft, mit unseren Gebeten, unserem Flehen. Da wo wir einander segnen, mit unseren Liedern und Worten, die von Gott erzählen, mit unserem "Dennoch", mit dem wir am Glauben festhalten, mit unseren Lichtern, die wir für Frieden entzünden, für Menschen, die uns am Herzen liegen. Mit unserer kleinen Kraft haben wir teil an der immer gegenwärtigen heiligen Macht Gottes. Diese Botschaft wurde einem Engel überbracht, der sie unter den Menschen weitergeben soll.

Ein Engel. Die Nachricht von der Macht Gottes unter uns ist nicht so leicht zu entdecken und zu hören. Sie ist nicht so laut und vordergründig wie die Nachrichten von Schrecken und Bösem. Sie drängt sich nicht so auf und ist oft nur wie durch einen Türspalt, leise vernehmbar. Man muss schon mit Engeln rechnen, mit guten Mächten und ihnen Platz geben. So wie eine Mutter, deren Kind sich selbst tötete. Als sie ihr Kind sah, segnete sie es. Diese Segenstat ist in sie hinein geflossen, ohne Überlegung und mit ihr hat sie der Gewalt das letzte Wort genommen. Auf das Grab legte sie das Gedicht vom Engel des Lichtes. Dieser Engel möge ihnen in der Adventszeit begegnen als ein untrügerisches Zeichen dafür, dass Christus in unsere Welt kam und immer wieder in ihr zur Welt kommt. Hast du den Engel des Lichtes gesehen. Sanft streicht er durch die Nächte der Welt. Legt hier seine Hand auf ein Stöhnen, blickt dort voll Erbarmen der Angst in die Augen und sagt in den Schrei der Verzweiflung sein lichtendes Wort.

Hast du den Engel des Lichtes gesehen. Hier war er und dort und doch überall. Er streift durch die Nächte der Welt und gräbt in die Finsternis tief den Samen des ewigen Morgens. Streut Schweigen in jegliche Not. Hast du den Engel des Lichtes gesehen? Er trägt deine Nacht in den Händen. Du findest ihn immer in dir.

Pfarrerin Dr. Thea Vogt
Neusitz

Wir beten: Gegenwärtiger Gott, sende uns deinen Engel, dass er in unsere kleine Kraft deine Kraft einstreut, dass wir Lichter der Hoffnung anzünden und dich entdecken in uns.

Lied 16: Die Nacht ist vorgedrungen.

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