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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 48)

Bischof ruft zu Hoffnung und Vertrauen auf

Friedrich: "Auf Gottes Gnade ist auch in diesen schwierigen Zeiten Verlass"

Landesbischof Johannes Friedrich
 
Foto:güs
 

Zu Hoffnung und Vertrauen auf Gottes Verheißungen hat Landesbischof Johannes Friedrich bei der Landessynode in Erlangen aufgerufen. "Auf Gottes Gnade ist auch in diesen schwierigen Zeiten Verlass", betonte Friedrich im Blick auf die Angst vor Terror und Krieg in der Bevölkerung. Der christliche Glaube stecke auch heute voller Verheißungen. Wo Worte fehlten, könnten dreitausend Jahre alte Gottes- und Leiderfahrungen der Bibel weiter helfen und die Sprachlosigkeit überwinden. Der Bischof wörtlich: "Als Kirche haben wir gerade angesichts schrecklicher Nachrichten eine Gute Nachricht: das Evangelium von Jesus Christus."

Friedrich bat die evangelischen Kirchengemeinden in Bayern, sich an dem für 2003 geplanten Jahr der Bibel zu beteiligen. Phantasievolle Aktionen und kreative Zugänge böten die Chance, die Bibel als "gemeinsames Bekenntnis der Hoffnung aller Kirchen wieder mehr Menschen zugänglich zu machen". Denn es sei gut, in Lebenskrisen auf Trostworte des Evangeliums oder Psalmworte zurückzugreifen.

Ökumene: Vertane Chance

Vor dem Kirchenparlament wandte sich der Bischof gegen Rückschritte in der Ökumene. So würden die katholische Kirche gemeinsame Wortgottesdienste an Sonn- und Feiertagen weniger genehmigen. "Ich halte es für eine vertane Chance und bitte unsere Schwesterkirche um Großzügigkeit", erklärte der Theologe, der seit zwei Jahren an der Spitze der evangelischen Landeskirche steht. Mit deutlichen Worten wies er Äußerungen des Kölner Kardinals Meißner zurück, der die Verwendung der Lutherbibel in ökumenischen Gottesdiensten kritisiert hatte. Unter Beifall der Synodalen bezeichnete es Friedrich als "nicht überzeugend, wenn von Seiten derer, die wenig zum Fortschritt in der Ökumene beitragen, solche polemischen Töne zu hören sind".

In seinem Bericht, in dem er über eine Vielzahl von Gesprächen und Begegnungen informierte, sprach sich der Landesbischof dafür aus, bei der Revision des Landesstellenplans "sehr behutsam" vorzugehen: "Gewachsene Strukturen müssen geachtet, nach Möglichkeit auch kleinere Gemeinden und Dekanate erhalten werden." Er habe das besonders bei seinen Besuchen in kleinen Dekanaten gemerkt. Friedrich sprach sich dagegen aus, weitere halbe Stellen auf dem Land zu schaffen. Die Erfahrung zeige, dass sie nur sehr schwer oder gar nicht zu besetzen seien. Halbe Stellen sollten deshalb zukünftig mit halben Stellen im übergemeindlichen Dienst, zum Beispiel für Religionsunterricht gekoppelt werden.

Problem: Große Klassen

Stichwort Religionsunterricht: Nach den Worten des Bischof führt eine Untersuchung des Bayerischen obersten Rechnungshofes immer wieder Schwierigkeiten in der Praxis. Nach der Ausarbeitung könne der Staat viel Geld sparen, wenn die Religionsunterrichtsklassen bis zur Höchstgrenze von über 30 Schülern aufgefüllt würden. Friedrich verlangte vom Landtag und der Staatsregierung eine Klarstellung, ob die Verteilung des Religionsunterrichtes ausschließlich nach wirtschaftlichen Kriterien erfolge. Dies verneinte die bayerische Kultusministerin Monika Hohlmeier.. "Die Forderung des Rechnungshofes sollte in dieser Gänze nicht durchgeführt werden", erklärte die Politikerin in einem Grußwort vor dem Kirchenparlament. Sie plädierte dafür, Problemfällen partnerschaftlich zu lösen.

Ja zu Kirchenkontingent

In seinem Bericht vor den 105 Mitgliedern des kirchenleitenden Gremiums begrüßte der Bischof grundsätzlich den Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Regelung der Zuwanderung. Gegenüber einem sogenannten Kirchenkontigent zeigte er sich aufgeschlossen: "Wenn in Kanada und anderen Ländern Privatpersonen und Organisation wie die Kirchen Garantien für Flüchtlinge und Asylbewerber übernehmen, sollte das auch bei uns möglich sein." Wie groß die Bereitschaft zu langfristigem Engagement für Menschen in Not sei, habe sich auch bei den Fällen von Kirchenasyl gezeigt.

Günter Saalfrank

 


Warum jeder wichtig ist für die Kirche

Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat; und lasst uns aufeinander acht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken und nicht verlassen unsre Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das um so mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht. (Hebräer 10,23–25 )

 

Andacht 48
 
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Der Schluss des Bibelwortes, um damit anzufangen, ruft in mir ein kleines, feines Lächeln hervor: Offensichtlich hat es selbst in der Urgemeinde, Menschen gegeben, die sich christliche Gemeinschaft lieber freundlich-distanziert aus der Ferne anschauen. Nachdem solche Abstinenz eine Art Dauerton ist, der auch schon, wie etwa um 1900, weitaus schriller und lauter klang als heute, tröstet mich das ein wenig. Zudem ist es ein unverzichtbar entlastender Hinweis darauf, dass Gott die Kirche erhält und nicht wir selber.

Träges Herumhängen in Kirchenbänken ist dennoch nicht angezeigt. Unser Gott ist ein dynamischer Gott, einer, der immer in Bewegung ist, der mit seinen Menschen von Anfang an mitgeht. Es wäre höchst unangemessen, sprich Sünde, wenn wir nicht putzmunter auf diverse Auflösungs- oder Abfallerscheinungen in und um die Kirche reagierten. Lebendige Gottesdienste, kirchliche Pub- lizistik, Kommunikationsinitiativen, (Wieder-)Eintrittsaktionen ... alles gehört zum "mitwirkenden" Fleiß einer hellwachen Christenheit.

Jeder, der sich der Kirche beständig fernhält, ist einer zuviel. Damit fehlen individuelle Gaben, die unverwechselbar und einmalig sind. In Zukunft muss noch deutlicher werden, wie wichtig jedes Kind, jeder Mann und jede Frau in ihrer jeweiligen Persönlichkeit für unsere Kirche und damit auch Gesellschaft sind. "Geht«s nur hera, samma mehra" sagt man im Oberbayerischen, nicht um Quantitäts-, sondern um Qualitätssteigerung anzuzeigen: Geht nur her, dann sind wir mehr, dann können wir gemeinsam mehr erreichen.

Der Verfasser des Bibelwortes schlägt eine ganze Menge von Einstellungen und Verhaltensweisen vor, die in der Christenheit für innere Stabilität sorgen und ihre äußere Attraktivität und Anziehungskraft sichern. Er ermuntert zurVerlässlichkeit – nicht locker lassen im Glauben, weil der, an den wir glauben, auf jeden Fall verlässlich ist. Wie in einer guten Ehe braucht es auch in der Beziehung zwischen Gott und Mensch zwei treue Partner: Bricht nur einer aus, hat die Beziehung einen Sprung und muss mühsam repariert werden. "Fein sein, beinander bleiben" heißt es in einem Wiener Lied. Zur Beständigkeit gehört ein achtsamer Umgang mit Gott und Mensch. Wenn ich auf andere schaue, sie sorgsam im Blick habe, dann sehe und spüre ich, was sie brauchen, und weiß, was zu tun ist. So ein Umgang miteinander verlangt Zeit. Es tut gut, wenn man merkt: Der Mann, die Frau, Freunde oder Kolleginnen, sie nehmen sich Zeit. Man kann sich mit dem, was einen umtreibt, richtig ausbreiten – um es dann, geordnet, einsammeln oder endgültig ablegen zu können.

Nächstenliebe kommt vor den guten Werken – eine weise Sicht. Wer aus Zuneigung handelt, der ist frei von der Versuchung, sich selbst aus Konkurrenzneid und Missgunst zu höchsten Leistungen anzuspornen. Das mag zwar gelegentlich anderen zu Gute zu kommen, aber es schadet dem Betreffenden – er wird sich auf Dauer aufarbeiten, weil Gelassenheit fehlt, weil immer alles gelingen muss. Wer sich anderen mit liebevoller Aufmerksamkeit zuwenden kann, der oder die hat auch das nötige barmherzige Gespür für sich selbst.

"Je mehr ihr den Tag nahen seht" – was wie eine Drohung vor dem jüngsten Gericht klingt, ist christliche Selbsterkenntnis. Wann auch immer sich die Wiederkunft des Herrn ereignet – jeder Tag ist ein Tag, an dem offenbar wird, was wir gedacht, geredet, getan oder unterlassen haben. Gott gibt uns die Chance, uns immer wieder zu begegnen, uns mit uns selbst zu konfrontieren und daran geistlich zu wachsen. Dieser Gott und sein Tag kommen nicht erst heute oder morgen, sie sind schon da.

Oberkirchenrätin Susanne Breit-Keßler
München

Wir beten: Herr, barmherziger und menschenfreundlicher Gott, schenke uns ein offenes Herz, einen aufgeschlossenen Geist und verlässlichen Glauben. Gib uns deutliche Worte, um deine frohe Botschaft zu verkündigen. Amen.

Lied 10: Mit Ernst, o Menschenkinder, das Herz in euch bestellt.

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