Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 47)

Seelsorger statt seelenloser Entsorger

Ein Berufsbild im Wandel: Bestatter übernehmen immer mehr die Rolle des traditionellen Trösters

Fuerst Albrecht zu Castell-Castell
 
Foto:gük
 

Ein junges Ehepaar betritt den Raum. Viel Zeit scheinen die beiden nicht zu haben. "Wir wollen nur die Formalitäten erledigen", sprudelt es aus der Frau heraus. Etwas hektisch nestelt sie dabei an ihrer Handtasche herum. Sabine Englmann, Chefin des gleichnamigen Fürther Beerdigungsinstituts, lässt sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Sie bietet den jungen Leuten erst einmal einen Platz an. "Erzählen Sie mir doch etwas von Ihrer Verstorbenen", sagt sie, "was für ein Mensch war Ihre Mutter?" "Sie war eine gute Frau", erhält sie zur Antwort. Die Mauer aus Distanz und Nüchternheit scheint zu bröckeln. Tränen brechen aus der Tochter heraus. Ein erster Schritt der Trauerarbeit ist bewältigt.

Kein Pfarrer erreichbar

Szenenwechsel: Gegen 22 Uhr klingelt bei Fritz Forstmeier das Telefon. Ein Bewohner eines Fürther Altenheims ist gestorben. Der Bestatter macht sich auf den Weg. Vor Ort versucht er, einen Pfarrer zu erreichen. Nach mehreren Versuchen gibt er auf. Entweder hebt keiner ab oder ein Anrufbeantworter vertröstet mit freundlichen Worten: "Hinterlassen Sie bitte Ihre Telefonnummer. Wir rufen Sie später zurück." Zum Glück hat Fritz Forstmeier für solche Fälle immer seine "Gebetsmühle" dabei. So nennt er die kleine Textkarte, die er in seinem Geldbeutel verstaut. Eine trinitarische Formel, ein Gebet, ein Vaterunser – Forstmeier hat den kurzen Ablauf für eine Aussegnungsfeier mit einem Geistlichen aus Cadolzburg erarbeitet. "Den Zettel brauche ich oft", erklärt er. Schließlich könne er auf einen Pfarrer nicht ewig warten, wenn die Ewigkeit ruft. Der kleine Kreis von Altenheim-Betreuern und Angehörigen, der sich um den Verstorbenen versammelt, ist dankbar für den liturgischen Rahmen. "Er hilft, den Abschiedsschmerz zu ertragen", unterstreicht Forstmeier.

Gefühlvoller Begleiter

Zwei unterschiedliche Momentaufnahmen, die eines zeigen: Das Berufsbild des Bestatters hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt: Weg vom nüchternen Dienstleister hin zum gefühlvollen Begleiter. Seelsorger statt seelenloser Entsorger, so könnte man die Aufgabe beschreiben, die sich den "Fachleuten in Sachen Sterben" seit Ende des 20. Jahrhunderts immer mehr stellt. Mit der zu beobachtenden Entfremdung und Loslösung vieler Menschen von den Kirchen, verlagert sich gerade in den Städten zunehmend der klassische pastorale Dienst auf die Bestatter. Die Gesellschaft, die kaum mehr Kontakt zur Kirchengemeinde hat, drängt ihn in die Rolle des traditionellen Trösters, in der er nicht selten überfordert ist. "In den 70er Jahren wurde zuerst der Pfarrer, dann der Arzt angerufen, wenn jemand verstorben ist. Heute sagen viele Angehörige, wenn man ihnen den Besuch eines Geistlichen nahe legt, der könne uns doch auch nicht helfen", bringt es Fritz Forstmeier auf den Punkt.

Ganz nahe am Leid

Sind Bestatter einfühlsamer als Pfarrer? "Ja", meint Sabine Englmann, "weil wir das Leid miterleben." Sie sei eben an sensiblen Stellen zur Stelle. Bei ihren Besuchen in der Wohnung des Verstorbenen zum Beispiel. Da erlebe sie häufig große "Angst vor dem Toten". Die Angehörigen wollen, dass der Leichnam möglichst schnell abtransportiert wird. Obwohl sie doch viele Jahre mit diesem Menschen zusammen unter einem Dach gelebt haben. "Ich versuche, diese ängste und Befangenheiten abzubauen", schildert die 56-Jährige. "Sie müssen ihn nicht anfassen", sagt sie dann. Aber: "Lassen Sie uns gemeinsam zu ihm gehen, um Abschied zu nehmen." Nicht wenige halten dann doch die Hand des Toten und sprechen ein letztes Gebet. "Das hat mir gut getan", hört Sabine Englmann nach so einem Besuch immer wieder. Dass Krankheit und Tod so viele Menschen abschrecken, führt sie auf eine gesellschaftliche Einstellung zurück, in der nur noch das Junge, Dynamische und Schöne zählt.

Vielleicht ist diese Scheu vor den letzten Dingen auch der Grund dafür, dass die Zahl der Einäscherungsfeiern steigt. Die Statistik spricht für sich: In den neuen Bundesländern wählen bis zu 90 Prozent der Angehörigen eine Feuerbestattung für ihre Hinterbliebenen. Günter Reul, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Feuerbestattungsvereins Selb, nennt für die Region Hochfranken ebenfalls einen Anteil von 80 Prozent. Warum die Nachfrage nach Feuerbestattungen so groß ist? Laut Günter Reul liegt das daran, dass sie billiger sind. Außerdem "schrecken die Leute vor der jahrelangen Grabpflege zurück".

Kurse für Gesprächsführung

Der momentanen Entwicklung, hin zur Entsorgung, ohne großen Aufwand, wollen die Mitglieder des Feuerbestattungsvereins Selb jedoch entgegenwirken. "Der Mensch und seine Lebensleistung stehen im Mittelpunkt", betont Günter Reul. Er verweist dazu auf das Vorbild in südlichen Ländern. Dort werde das Alter noch geschätzt und der Tod als Bestandteil des Lebens ernst genommen. In diesem Zusammenhang spricht auch er das Problem der seelsorgerlichen Begleitung von Angehörigen an. "Die Pfarrer haben einfach zu wenig Zeit, sich den Menschen persönlich zu widmen." Die †berlastung durch Verwaltungstätigkeiten oder andere bürokratische Aufgaben wird oft von Geistlichen als Grund dafür angeführt.

Die Beerdigungsinstitute haben auf diese Situation bereits reagiert. Der Bestatterverband bietet beispielsweise für seine Mitglieder Kurse in Gesprächsführung an. Und noch etwas zeichnet sich laut Reul ab: Vermehrt sind freie Redner gefragt. Sie kümmern sich nicht nur in intensiven Vor- und Nachgesprächen um die Angehörigen, sondern wissen anscheinend auch mit ihren Reden an den Gräbern den nötigen Trost zu vermitteln.

Günter Kusch

 


Gottes Gegenmodell gegen Chaos und Bedrohung

Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Darum fürchten wir uns nicht, wenn gleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken, wenngleich das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen. Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind. Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie fest bleiben; Gott hilft ihr früh am Morgen. Die Heiden müssen verzagen und die Königreiche fallen; das Erdreich muß vergehen, wenn er sich hören lässt. Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz. Kommt her und schauet die Werke des Herrn, der auf Erden solch Zerstören anrichtet, der den Kriegen steuert in aller Welt, der Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt und Wagen mit Feuer verbrennt. Seid stille und erkennt, dass ich Gott bin. Ich will Ehre einlegen unter den Heiden, ich will Ehre einlegen auf Erden. Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz. (Psalm 46)

 

Andacht 46
 
Foto: güs
   

Der Psalm 46 hat mich schon immer fasziniert und in meinem Leben begleitet. Als Lied geschrieben, hat er drei Strophen, die gerade heute von einer ungeheuren Aktualität sind: 1. Von der bedrohten kosmischen Ordnung. 2. Von der Stadt Gottes. 3. Von der bedrohten politischen Ordnung.

Die Strophe von der bedrohten kosmischen Ordnung: "...wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken". Der biblische Glaube will uns nicht einladen zur Flucht, sondern echte Zuflucht zeigen. Gott beansprucht, denen Schutz und Geborgenheit bieten zu können, die hellwach sind und wahrnehmen, was im Gange ist. Gerade denen erweist er sich als Schutzmacht.

Es wird die letzte und radikalste Angst beim Namen genannt, die es für den Menschen der Antike geben konnte: Dass die Naturgewalten verrückt spielen und die Chaosmächte wie ein wildes Tier aus dem Käfig springen und alles niedermachen, wie ein zusammenfallendes Kartenhaus. Darum wird von Flutwellen gesprochen, die sogar die Berge zum Einsturz bringen und damit jeder Schutz entzogen ist. Der ganze Kosmos ist gefährdet. Auf nichts ist mehr Verlass. Auch nicht auf die Berge der Sicherheit, auf denen wir unser Leben gründen. Weder die Festungen der Wissenschaft, noch die des Könnens, der Leistung, des Geldes. Unser Jahrtausend hat mit einer großen Ernüchterung begonnen: Wir haben nichts im Griff.

Zur dritten Strophe ".... der den Kriegen steuert in aller Welt". Hier geht es um die ständige Gefährdung aller politischen Ordnung. Gerade nach den Terrorangriffen in den USA ist die Gefährdung besonders deutlich geworden. Der Angriff auf die beiden Türme, die für die wirtschaftliche Macht stehen und das Pentagon, das die militärische Stärke symbolisiert, machen deutlich, wie brüchig und bedroht die Fundamente sind.

In die Bedrohung aller politischen Ordnung hinein heißt es: "Seid stille und erkennt, dass ich der Herr bin. Ich will der Höchste sein unter den Heiden, der Höchste auf Erden." Bis an diesen Punkt führt Gott die Menschen immer wieder, wenn sie mit ihrem Latein am Ende sind und endlich schweigen müssen.

Zum Schluß zur mittleren Strophe: "Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben...." Wenn im Psalm die Strophe von der Gottesstadt – neutestamentlich: von der Kirche und der Gemeinde Jesu – zwischen die Strophe von der bedrohten Natur und der Strophe von der bedrohten politischen Ordnung stellt, dann spiegelt diese Architektur schon die ganze Botschaft des Psalms wieder. Die Kirche und die Gemeinde Gottes sind im Schwitzkasten dieser Welt. Sie sind Gefährdungen von außen und innen ausgesetzt. Gottes "dennoch" (dennoch soll die Stadt Gottes...) steht aber gegen alle diese Gefährdungen.

Gott begnügt sich in dieser Welt nicht mit einer "Sandsackstrategie", um Dämme gegen das Chaos zu bauen. Nein, er baut ein befreiendes Gegenmodell. Das ist mit der Stadt Gottes gemeint, die fein lustig bleiben soll. Das hat es mit dem Volk Gottes auf sich. An diesem Modell wird ablesbar, was sich Gott zum Ziel genommen hat. Mit unendlicher Liebe arbeitet er an dieser alternativen Gegenkultur.

Fritz Schroth
Leiter der Christlichen Gästehäuser, Bischofsheim (Rhön)

Wir beten: Zeig uns dein königliches Walten, bring Angst und Zweifel selbst zur Ruh, du wirst allein ganz recht behalten, drum mach uns still und rede du. Amen.

Lied 623: Wer Gott vertraut.

Diese Woche - Archiv - Editorial - Geschichte - Redaktion - Abo-Service - Anzeigen - Evang. Reisedienst - Impressum
© copyright ROTABENE! Medienhaus