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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 42)

Gute Teamarbeit als Erfolgsrezept

Ein Blick hinter die Kulissen eines ZDF-Fernsehgottesdienstes

Thema 42
 
Foto: güs
   

Es ist Samstag morgen, 10 Uhr: Die Johanniskirche in Ansbach sieht heute anders aus als sonst. Wo normalerweise Touristen interessiert durch den Kirchenraum schlendern, sind heute Kameras und Scheinwerfer zu finden. Viele Menschen laufen geschäftig durch das Kirchenschiff, eine Kamerafrau macht im Chorraum Detailaufnahmen der wunderschönen Fenster. Die "heiße Phase" für den ZDF-Fernsehgottesdienst, der am nächsten Tag von 9.30 bis 10.15 Uhr live aus der Ansbacher St. Johanniskirche übertragen wird, ist angelaufen. 45 Minuten Sendezeit – die haben die christlichen Kirchen seit etwa 20 Jahren jeden Sonntag morgen, um einen Gottesdienst zu übertragen. Und: Diese Verkündigungssendungen sind ein Quotenhit am Sonntagvormittag. Zwischen 600.000 und einer Million Zuschauer (11 bis 13 Prozent) schalten sich wöchentlich zu. Wer den Fernsehgottesdienst am Bildschirm mitfeiert und miterlebt, kann allerdings kaum erahnen, wieviel Vorarbeit darin steckt.

Themenreihe "LebensWerte"

Die Ursprünge des Ansbacher Fernsehgottesdienstes vom 14. Oktober 2001 gehen bis ins Frühjahr 2000 zurück. Damals wurde die Themenreihe "LebensWerte leben" für das Jahr 2001 entwickelt. "Für Ansbach sprach zum Beispiel, dass der Windsbacher Knabenchor mitwirken konnte und dass der Schutz des Sonntags ein Thema in der Gemeinde war", berichtet Frank-Michael Theuer, Senderbeauftragter für ZDF-Gottesdienste der Evangelischen Kirche in Deutschland, von dieser Phase. Ein Team aus Kirchenvorstehern, Pfarrerin Elfriede Raschzok und Dekan Matthias Oursin hat in etwa 10 Vorbereitungssitzungen seit Februar 2001 den Fernsehgottesdienst entwickelt. Alles diskutierten sie intensiv miteinander durch – sogar die Predigt des Dekans.

Drei Wochen vor der übertragung kamen Regisseur Manfred Wittelsberger, Senderbeauftragter Theuer und weitere ZDF-Mitarbeiter zu einer Vorbesichtigung nach Ansbach, um technische Fragen zu klären. Zum Beispiel wieviel Scheinwerfer nötig sind, um die Kirche auszuleuchten. Apropos Leuchten: In der Johanneskirche mussten alle Deckenlampen dreieinhalb Meter höher gehängt werden, um freie Sicht für Aufnahmen von der Orgelempore aus auf den Kirchenraum zu haben.

Es wird Samstagnachmittag. In der Johanniskirche steigt die Spannung. Nun sind auch mehr Menschen da. Denn die Durchlaufprobe steht an. Sie ermöglicht es allen Beteiligten, sich aufeinander einzustimmen. ZDF-Team, ZDF-Redaktion, EKD-Senderbeauftragter, Chorleiter und Gemeindeteam sitzen vorher zusammen und sprechen das Drehbuch miteinander durch. In der Durchlaufprobe wird vor allem getestet, ob der Bildplan für die Kameras so funktionert, ob das Licht in Ordnung ist und wie es mit der Zeit hinkommt. Die Probe in Ansbach klappt gut. Das Ergebnis: Alle Beteiligten wirken zufrieden, aber man hat drei Minuten zu lange gebraucht. In der nun anschließenden Besprechung muss deshalb am Drehbuch gekürzt werden. Zwei Liedverse fallen dem Rotstift zum Opfer.

Schnitt. – Es ist Sonntag morgen, 7.50 Uhr. In St. Johannis ist bereits geschäftiges Treiben. Die gesamte Technik muss in Gang kommen. Letzte Korrekturen werden vorgenommen. Alle Verantwortlichen wirken gelassen, aber hochkonzentriert. Zeit der Techniker und des ZDF-Teams. Immerhin ist dies eine der wenigen Live-Sendungen, die allsonntaglich in Zusammenarbeit zwischen Fernseh-Profis und Laien produziert wird. "Das Schöne daran ist", so Regisseur Wittelsberger, "man hat nach einem Tag intensiver Zusammenarbeit das Ergebnis vor Augen." Aufnahmeleiterin Sylvia Wahmes läuft jetzt mit Kopfhörern und Walkie Talkie durch die Kirche. Sie koordiniert alles in der Kirche. Somit ist sie verantwortlich für das Zusammenspiel eines Teams von etwa 30 Mitarbeitenden.

Gottesdienstübertragung

Nur noch 15 Minuten bis der Gottesdienst beginnt. In der Kirche steigt die Spannung. Das Kirchenschiff ist jetzt voll besetzt – die ersten Gottesdienstbesucher waren schon um 8 Uhr da. Dekan Oursin begrüßt die Gemeinde und erklärt zusammen mit dem Senderbeauftragten Theuer ein paar Dinge zum Fernsehgottesdienst. Währenddessen werden die Kameras in ihre Ausgangsposition gefahren. Dann wird es langsam ruhig. Aus dem Kopfhörer der Aufnahmeleiterin hört man ganz leise: "Noch 30 Sekunden." In der Kirche ist es mucksmäuschenstill – über die Fernseher wird nun das Glockenläuten ausgestrahlt, das tags zuvor aufgezeichnet wurde. "Das können wir leider nicht live übertragen. Darauf muss die Gemeinde bei diesem Gottesdienst verzichten", hatte die Aufnahmeleiterin erzählt. Dann aus dem Kopfhörer: "Die Orgel bitte" – und Kirchenmusikdirektor Rainer Goede setzt mit dem Vorspiel ein. Jetzt läuft die übertragung.

Nach 45 Minuten ist alles vorbei. Der Gottesdienst ist gut gelaufen. "Das war eine Punktlandung, wie man im Fernsehjargon sagt", beurteilt Gunnar Petrich von der ZDF-Redaktion begeistert. Auch alle Akteure sind sichtlich zufrieden und nun deutlich entspannt. Ein hochkomplizierter Abstimmungsprozeß mit vielen Beteiligten ist zu einem guten Ende gekommen. "Fernsehgottesdienste sind eben, wie die Gemeindearbeit, nur als Teamwork denkbar und machbar", betont Frank-Michael Theuer noch einmal zufrieden.

Silvia Jühne

 


Jesus macht Mut: "Steh auf und geh!"

Danach war ein Fest der Juden, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem. Es ist aber in Jerusalem beim Schaftor ein Teich, der heißt auf hebräisch Betesda. Dort sind fünf Hallen; in denen lagen viele Kranke, Blinde, Lahme, Ausgezehrte. Es war aber dort ein Mensch, der lag achtunddreißig Jahre krank. Als Jesus den liegen sah und vernahm, dass er schon so lange gelegen hatte, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden? Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt, wenn das Wasser sich bewegt; wenn ich aber hinkomme, so steigt ein anderer vor mir hinein. Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin! Und sogleich wurde der Mensch gesund und nahm sein Bett und ging hin.
(Johannes 5,1–3a.5–9)

Thema 42
 
Foto: Wodicka
   
Da ist einer, der schaut nicht weg. Mitten in der Menge nimmt er den einen wahr, der sein Augenmerk braucht. Jetzt und hier. Jesus sieht ihn liegen – diesen einen Namenlosen, der schon 38 Jahre krank beim Schaftor am Teich Betesda liegt. Wieviel Schmerz und Enttäuschung, wie viel Neid und hilflose Wut muss in den langen Jahren in diesem Menschen gewachsen sein! Er ist einer, der es einfach nicht schafft – immer ist ein anderer schneller am Ort der Hilfe. Und er geht leer aus. "Ich habe keinen Menschen" – wie viel Not und Einsamkeit verbirgt sich in diesen Worten. Lähmung macht sich breit. Und Resignation. Das strahlt er aus. Doch Jesus lässt sich davon nicht anstecken. Er wagt die Begegnung. "Willst du gesund werden?" Jesu Frage zielt auf den Willen zum Leben. Ihn will Jesus in diesem Menschen wieder entfachen.

"Lieber das bekannte Unglück als das unbekannte Glück", so habe ich es einmal gelesen. Mit dieser seiner Frage lockt Jesus sein Gegenüber heraus aus dem bekannten Unglück. Er macht ihm Mut, es mit dem Wagnis des Lebens aufzunehmen. Auf seinen eigenen Füßen zu stehen. Selbstständig zu werden. Und dabei, Schritt für Schritt, sein unbekanntes Lebensglück zu entdecken: "Steh auf und geh!" Jesus lenkt seinen Blick weg von den Erwartungen an die anderen, die ihm helfen sollen. Denn es geht jetzt nicht um die anderen. Es geht um ihn selber. Jesus schaut ihn an und traut es ihm zu: "Steh auf und geh!" Solches Zutrauen macht Mut. Es ist stärker als alles, was ihn lähmt. Und er traut sich und steht auf und geht – Schritt für Schritt – ins Neuland unbekannten Glücks. "Steh auf und geh!" Auch wir brauchen immer wieder einen, der es uns zutraut. Der uns anschaut mit liebevollem Blick. Der unser Vertrauen stärkt und uns ins Leben lockt – gerade wenn wir selber wie gelähmt sind vor Angst. Verstrickt in Schuld. Festgefahren in Sorgen und Nöten. Wenn wir vor schweren Entscheidungen stehen und nicht wissen, wie es ausgehen wird. Dann ist es gut, wenn einer da ist, der uns Mut macht und es uns zumutet: "Steh auf und geh!" Es muss nicht alles so bleiben, wie es jetzt ist. Es gibt Wege – auch aus schier ausweglosen Lebenslagen. Bei Jesus gibt es keine hoffnungslosen Fälle.

Ignatius von Loyola hat in seinen "Exerzitien" als tägliche geistliche übung empfohlen: "Stell dir vor, Gott schaut dich an mit den Augen der Liebe". Unter dem Blick der Liebe Gottes wächst unserVertrauen, unser Mut zum Trotzdem. Und den brauchen wir immer wieder. Unter dem Blick der Liebe Gottes trauen wir uns und stehen auf und nehmen dabei wahr, wie unser Gesichtsfeld größer wird und unser Horizont sich weitet. Neue Möglichkeiten tun sich auf. Dann gerät auch der andere wieder neu in unseren Blick. Nicht als Konkurrent, den es auszustechen gilt, sondern als Mitmensch, der Gottes Liebe und Zuwendung genauso nötig hat wie ich. "Steh auf und geh!" Jesus traut es auch uns zu. Sein Zutrauen steckt an. Er weckt Hoffnung gegen lähmende Angst und Resignation. Er lockt uns ins Leben.

Pfarrerin Elisabeth Reuther
Erlangen

Wir beten:
Herr Jesus Christus, wir danken dir. Du schaust nicht weg. Du merkst auf uns. Wenn die Angst um die Zukunft uns lähmt, wenn Sorgen uns niederschlagen, dann ruf uns heraus und locke uns ins Leben. Amen.

Lied 570: Der Herr segne dich.

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