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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 39)

Dem Schicksal ausgeliefert?

Gott handelt nicht nach einem einmal gefassten Plan

Thema 39
 
Ein Mann flieht vor den meterhohen Rauchschwaden des World Trade Centers. Nach den Terrorakten in New York und Washington fragen sich viele: "Ist das Schicksal unausweichlich?" (Foto: epd-bild/ dpa/ Getty Kelly Price)
   

"Ich kann's nicht glauben, dass ich nicht umgekommen bin." Mit diesem Aufdruck werden derzeit T-Shirts in New York angeboten und getragen. Menschen, die mit dem Leben davongekommen sind, fragen sich: Warum hat die Katastrophe so viele dahingerafft und mich nicht?

Nach dem Terroranschlag in den USA stand zuerst das unermessliche Leid der Opfer und ihrer Angehörigen im Blickfeld, eine große Nation war angeschlagen, ja der Schreck und die Angst verbreiteten sich über die ganze Welt: So schnell können Tod und Vernichtung hereinbrechen. übrig blieb die Klage: "Wie liegt die Stadt so wüst ... und niemand kann sie trösten." (Klagelieder 1, 1–2). In ihrem Fanatismus und in ihrer Zerstörungswut haben die Täter gezeigt, wozu der Mensch fähig ist. Bei allen Erklärungsversuchen wurde Gott als Verursacher der Verwüstung kaum ins Spiel gebracht.

Haarscharf am Tod vorbei

Erst als der Rauch sich allmählich verzogen hatte und ein Berg von Schutt und Asche übrig blieb, erhoben sich neben der Trauer auch Stimmen der Verwunderung von überlebenden. Eine Reihe von Einzelschicksalen wurde bekannt, wo Menschen haarscharf am Tod vorbeigekommen sind.

Da berichtet einer von einem Freund in Washington, der in jenem Trakt des Pentagons arbeitet und der ausgerechnet an diesem Morgen zu einer Besprechung auswärts war. Oder die Touristin, die noch am Vorabend oben auf dem Turm des World Trade Centers in Manhattan gewesen war, um die Aussicht zu genießen. Oder der Landrat aus Bayern, dessen geplanter Besuch im Pentagon nicht zustande kam und der so verschont blieb. Reicht es zu sagen, ein guter Stern hat sie geleitet?

Keine vorschnellen Antworten

In solchen Fällen stehen Betroffene und Beobachter vor der Frage: Ist das Schicksal vorherbestimmt, ja oder nein?

Spielen wir die beiden Möglichkeiten einmal durch. Wenn das Schicksal vorherbestimmt ist – was wäre das für eine willkürliche Macht, der wir bedingungslos ausgeliefert sind. Solange alles gut geht, ließe man sich's gefallen. Aber die dunkle Kehrseite wäre um so grausamer. Gott als Tyrann, ein unerträglicher Gedanke. Wenn das Schicksal dagegen nicht vorherbestimmt ist – was wäre das für ein Zustand, wo der blinde Zufall herrscht: das Leben ein Glücksspiel oder ein russisches Roulette, und Gott als ohnmächtiger Zuschauer daneben. Ergebnis dieses Gedankenspiels: In der Frage nach dem Schicksal muss man sich vor einer vorschnellen Antwort hüten.

Ein Blick in die Bibel zeigt, dass das Wort Schicksal dort nicht vorkommt. Wohl aber wissen die Väter und Mütter des Glaubens, dass Gott die Macht hat, dem Menschen Gutes zu schicken. Was ist aber mit dem Bösen?

Jesus stand genau vor dieser Frage, als in seinem Umkreis ein Turm eingestürzt war und achtzehn Menschen unter sich begraben hatte. "Sind die Getöteten schuldiger gewesen als alle anderen?" Jesus verneint diese Frage, lässt aber offen, warum es ausgerechnet diese achtzehn getroffen hat. Statt dessen deutet Jesus das Unglück als Mahnung an die Überlebenden: "Wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen" (Lukas 13, 4–5). Das heißt doch: Grundsätzlich sind alle Menschen dem Tode geweiht, aber die Lebenden haben noch eine Chance zur Buße, das heißt, sie können das Leben von Gott her und zu Gott hin gestalten.

Leben als Geschenk

Halten wir fest: Zum Schicksal gehört einer, der es schickt, und das ist nach dem Zeugnis der Bibel Gott selbst. Sein erkennbarer und durch Christus noch deutlicher hervorgetretener Wille ist, dass allen Menschen geholfen werde. Wer solche Hilfe erfahren hat, wird das Leben als Geschenk des Himmels neu annehmen. Ein Geretteter in New York hat es vor der TV-Kamera so gesagt: "Ich weiß das Leben jetzt neu zu schätzen: Es ist kostbar und schön – und so kurz!"

Der 11. September wird ein Trauer- und Gedenktag für die Opfer bleiben. Zugleich mag er für die Überlebenden auch der Geburtstag eines neu geschenkten Lebens sein.

Gott hat das letzte Wort

Durch die Katastrophe von New York und Washington sind aber auch die Beschränkungen schmerzhaft zum Vorschein gekommen, denen alle Menschen schicksalhaft unterworfen sind durch Vererbung, Erziehung, Umwelt, aber auch durch eigene oder fremde Schuld.

Ist also das Schicksal vorherbestimmt? Ja und nein. Ja, und das heißt dann, die uns gesetzten Grenzen zu akzeptieren im festen Vertrauen, dass wir auch im Tod in Gottes Hand sind. Nein, weil wir an die Freiheit Gottes glauben, der nicht nach einem einmal gefassten Plan regiert. Er will, dass wir unser Leben verantwortlich gestalten.

Gerade weil uns das Schicksal manchmal rätselhaft erscheint, ist es um so wichtiger zu glauben: Das letzte Wort wird Gott haben, denn sein "ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen."

Martin Bogdahn

 

In den Tiefen, die kein Trost erreicht,
lass doch deine Treue mich erreichen.
In den Nächten, wo der Glaube weicht,
lass nicht deine Gnade von mir weichen.
Auf dem Weg, den keiner mit mir geht,
wenn zum Beten die Gedanken schwinden,
wenn mich kalt die Finsternis umweht,
wollest du in meiner Not mich finden.

Justus Delbrück

 


"Dankbar leben – trotz mancher unerfüllter Wünsche?"


"Denkt daran: Wer spärlich sät, wird nur wenig ernten. Aber wer mit vollen Händen sät, auf den wartet eine reiche Ernte. Jeder soll so viel geben, wie er sich vorgenommen hat. Es soll ihm nicht leid tun, und er soll es nicht nur geben, weil er sich dazu gezwungen fühlt. Gott liebt fröhliche Geber."
2. Korinther 9, 6–9

 

Andacht 39
   
   

Der Herbst hat langsam Einzug gehalten, und die Ernte ist zum großen Teil eingebracht. Die Christen feiern deshalb das Erntedankfest. Aber Ernten kann nur, wer auch vorher gesät hat. Wer also auf Hoffnung hin, Samen ausgebracht hatte, konnte erleben, dass es durch Gottes Segen und menschliche Arbeit wächst. ängstliches und spär- liches Säen hat wenig Ertrag, so schreibt es der Apostel Paulus und greift damit einen Grundsatz auf, der fast für alle Lebensbereiche gilt. Es gilt zuerst einmal in der Landwirtschaft, wer nicht sät kann auch nicht ernten.

Aber es gilt auch für viele andere Berufe, wer sich nicht ausbildet, kann nicht erwarten einen qualifizierten Ausbildungsplatz zu finden. Wer sich nicht engagiert, kann nicht erwarten Erfolg zu haben. Es gilt aber auch für das menschliche Zusammenleben. Wer dem andern wenig zutraut, wird wenig positive Erfahrungen machen. Wer sich selbst zurückzieht in sein privates Leben, darf sich am Ende nicht wundern, dass er aus der Gemeinschaft ausgeschlossen ist.

Leider gibt es auch die Erfahrung, dass einer etwas investiert, etwas gesät, etwas in Vorleistung erbracht hat und trotzdem der Ertrag eher dürftig ausfällt. Ein Beispiel dafür ist heuer unsere Landwirtschaft. Viele Bäuerinnen und Bauern haben ihre Stallungen und ihren Maschinenpark modernisiert, damit sie den Anforderungen unserer Zeit gewachsen sind. Sie sind dabei in Vorleistung getreten und haben dies oft nur erreichen können, indem sie Kredite aufgenommen haben. Der Ertrag dieses Jahres durch BSE und Maul- und Klauenseuche ist aber für viele mehr als dürftig. Hat sich das Säen rentiert? Der Apostel Paulus kennt beide Erfahrungen, den Erfolg und den Misserfolg. Trotzdem ermutigt er die Christen, die Hoffnung nicht aufzugeben. Als Christ kannst du es ertragen, nicht immer Erfolg zu haben. Paulus versteht es als Grundbekenntnis des Glaubens, dass wir als Mensch von Gott beschenkte sind. Allein, dass wir das Leben haben, ist schon ein Geschenk, dass wir Essen und Trinken haben und Menschen um uns herum, die uns begleiten. Ja, dass Gott uns jeden Tag neuen Mut und neue Kraft schenken will unseren Alltag zu bewältigen, das ist Grundlage für unsere Hoffnung. Von Gott hängt alles ab, von seiner Gnade und seiner Liebe leben wir.

Diese Botschaft von der Abhängigkeit von Gottes Gnade und Liebe, stößt bei vielen modernen Menschen auf inneren Widerstand, denn die eigene Anstrengung und Mühe wird nach ihrer Ansicht nicht genug in den Blick genommen. Viele Menschen leben aber auch in einem anderem Zwiespalt: Einerseits sind sie an Komfort und Konsum gewöhnt, den die moderne Welt uns bietet, aber andererseits ahnen sie wohl, dass eine heile Welt damit in Konflikt steht. Denn unser Wohlstand geht vielfach auf Kosten anderer Regionen, anderer Menschen und der Ressourcen unserer Erde. Wir wollen Fleisch auf dem Tisch, kritisieren aber die, die Tiere zum Schlachten aufziehen.

Die Welt ist nicht vollkommen und doch sollen und dürfen wir dankbar leben. Gott selbst hat sie uns anvertraut, damit wir darum ringen, das "Reich Gottes" zu bauen. Jeder Schritt in diese Richtung ist deshalb wichtig. Auch wenn er nur klein ist, so ist er doch des Dankes wert. Es gibt viel Grund zum Danken für den, der den Blick dafür hat und von seinem Versagen durch Christus befreit ist.

Günther Werner
Landjugendpfarrer und Leiter der Landvolkshochschule Pappenheim

Wir beten:
Herr, unser Gott, du hast alles, was da ist, ins Leben gerufen und erhältst deine Schöpfung mit deiner lebendigen Kraft. Wir danken dir heute für die Ernte dieses Jahres in Feld und Flur, aber auch in Arbeit und persönlichem Leben. Wir bitten dich, lass uns das Staunen über den Reichtum und die Schönheit deiner Schöpfung nicht verlieren.

Lied 316, 1–5: Lobe den Herren.

Bild: Pappenheim

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