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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 37)

Die Kirche und der Euro

Wie sich die Landeskirche auf die neue Währung vorbereitet hat

Thema 37
 
Ab Anfang nächsten Jahres im Einsatz: Die "Euro-Scheinwerfer".
   

Gelassen sehen Fachleute in der bayerischen Landeskirche der Umstellung auf den Euro entgegen. Mit keinen großen überraschungen rechnet Michael Schwaak vom kirchlichen Rechenzentrum in München. Der Vorsitzende des landeskirchlichen Euro-Arbeitskreises meint: "Die Umstellung ist von langer Hand gut vorbereitet." Der 1998 eigens dafür eingerichtete Arbeitskreis hätte viele Fachleute vor Ort in seine Beratungen mit einbezogen. Die durch die Einführung der neuen Währung entstehenden Fragen und Probleme seien ausführlich besprochen worden.

Das Besondere im kirchlichen Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen ist, dass nicht per Stichtag 1.1. 2002 auf den Euro umgestellt wird, sondern mit dem Haushaltsjahr 2002. Das heißt: Ausgaben und Einnahmen, die das Haushaltsjahr 2001 betreffen, werden in DM gebucht. Vorgänge, die sich auf das Jahr 2002 beziehen, in Euro. Der große Vorteil einer solchen Lösung: In den Haushaltsbüchern gibt es jeweils nur eine Währung. Eine Buchführung in DM und Euro braucht es nicht.

In der Praxis schaut das so aus: Kommt 2001 eine Rechnung in Euro, wird sie von den Buchungsprogrammen nach dem amtlichen Kurs automatisch in DM umgerechnet. Wenn für das Haushaltsjahr 2002 gebucht wird, weist das Programm die Beträge selbständig in der neuen Währung aus.

Währungsmix im Klingelbeutel

Anfang nächsten Jahres wird sich im Klingelbeutel ein bunter Währungsmix finden – mit Münzen und Scheinen in DM und Euro. Obwohl die Mark zum 1. Januar 2002 ihren Status als gesetzliche Währung verliert, ist sie für Wochen weiter im Umlauf. DM- und Eurosummen sind auf entsprechenden Zähllisten festzuhalten. Wenn die DM-Beträge in bar bei Banken eingezahlt werden, rechnen diese die Summen automatisch in Euro um. Auf den Auszügen sind die eingelegten Gelder in der neuen Währung ausgewiesen.

Martin Stengel, Referent für Finanzen der Kirchengemeinden im Münchner Landeskirchenamt empfiehlt den Gemeinden, heuer ihre Kassen bis zum 15. Dezember abzuschließen. Was danach eingehe, solle erst im Jahr 2002 in Euro erfasst werden. Die Gabenkassen – so der Rat des Fachmannes – sind bis zum Jahresende "auf Null zu setzen". Spenden, die Ende Dezember gegeben werden, sollten erst im neuen Jahr gebucht werden. Damit würden sie automatisch in Euro gerechnet. ähnlich sei bei den Gaben zu verfahren, die zum Jahresende bei Gottesdiensten eingelegt werden. "2001 ist ein besonderes Jahr, weil Gaben und Einlagen dieses Jahres erst im nächsten erfasst werden", betont Stengel.

Krumme Beträge

Beiträge und Gebühren von Kirchengemeinden, die sie zum Beispiel für Kindergärten oder Amtshandlungen erheben, werden – so Eurofachmann Schwaak – mit Beginn des neuen Jahres automatisch in der neuen Währung gerechnet. Mit einem Nachteil allerdings: Oft kommen wegen des Umrechnungskurses (Ein Euro ist 1,95583 DM wert) krumme Summen heraus. Sollen ab 1.1.2002 glatte Beträge erhoben werden, müssen sie neu festgelegt werden. "Versteckte Preiserhöhungen dürfen aber nicht sein", stellt Schwaak klar. Wenn Beiträge angehoben werden sollen, müsse dies transparent gemacht werden. Etwa dadurch, dass die prozentuale Erhöhung angegeben wird.

Beim Kirchgeld kommen Schwaak zufolge krumme Beträge nicht zustande. Denn hier werde eine Glättung vorgenommen. Es gelte, wie bei staatlichen Steuern üblich, ein Umrechnungskurs von eins zu zwei. Ab nächstem Jahr müssten deshalb evangelische Christen in Bayern beim Kirchgeld nicht so tief in die Tasche greifen. Anstelle der bisher üblichen Beträge zwischen 3 und 30 Mark gebe es zukünftig eine Staffelung zwischen 1,5 und 15 Euro. Für den Euro-Spezialisten ist das eine "Umstellung zum Vorteil des Bürgers". Denn dadurch kämen rund 2,2 Prozent weniger Einnahmen in den Kirchensäckel.

Apropos Umstellung: Schwaak zufolge lässt sich nicht sagen, wie hoch für die bayerischen Landeskirche die Gesamtkosten sind, die die Einführung der neuen Währung mit sich bringt. Weil verschiedene Stellen mit der Umstellung beschäftigt gewesen seien, falle ein finanzieller überblick schwer. Ausgaben gab es, so der Experte, vor allem im EDV-Bereich: Die Computerprogramme für Personalabrechnungen und Finanzbuchhaltung wurden eurotauglich gemacht. Und für die Gabenkassen sei ein neues Programm entwickelt worden.

Weniger Spenden?

Wie sich die Einführung der neuen Währung auf die Spenden auswirkt, ist gegenwärtig noch offen. Fachleute jedoch vermuten, dass bei vielen das Geld nicht mehr so locker sitzt. Der Grund: Die Menschen haben zunächst das Gefühl, ärmer zu sein, da sich der Betrag auf dem Gehaltsstreifen halbiert. Nach einiger Zeit wird sich das, so hoffen kirchliche Finanzexperten, wieder einpendeln. Da sich auch die Ausgaben wie Miete oder Versicherungen halbierten, hätten die Menschen unter dem Strich nicht weniger in der Tasche als vor der Einführung des Euro.

Günter Saalfrank

 

Euro-Mathematik

Wegen des mehrstelligen Kurses kann es zu Differenzen bei der Umrechnung von DM auf Euro kommen. So entsprechen 100 Mark genau 51,13 Euro. Wer jedoch zwei Mal 50 Mark (je 25,56 Euro) zusammen rechnet, kommt auf 51,12 Euro. "Ein Cent Unterschied, der einen Buchhalter in den Wahn treiben kann", meint Michael Schwaak vom landeskirchlichen Rechenzentrum (München). Solche Differenzen seien jedoch nicht zu vermeiden. Es bleibe nur der Ausweg, eine Korrekturbuchung vorzunehmen.

Güs

Foto: güs


Unter dem Segen Gottes


Jakob zog aus von Beerscheba und machte sich auf den Weg nach Haran und kam an eine Stätte, da blieb er über Nacht, denn die Sonne war untergegangen. Und er nahm einen Stein von der Stätte und legte ihn zu seinen Häupten und legte sich an der Stätte schlafen. Und ihn träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder.

Und der Herr stand oben darauf und sprach: ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott; das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. Und dein Geschlecht soll werden wie der Staub auf Erden, und du sollst ausgebreitet werden gegen Westen und Osten, Norden und Süden, und durch dich und dei-ne Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden. Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.

Als nun Jakob von seinem Schlaf aufwachte, sprach er: Fürwahr, der Herr ist an dieser Stätte, und ich wusste es nicht! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels. Und Jakob stand früh am Morgen auf und nahm den Stein, den er zu seinen Häupten gelegt hatte, und richtete ihn auf zu einem Steinmal und goss öl oben darauf und nannte die Stätte Bethel.

1. Mose 28,10–19a
Thema 37
Jakob und die Himmelsleiter (Darstellung in der St. Ägidienkirche in Thiersheim)
 


Jakob brachte seinen Zwillingsbruder Esau mit einer List um den Erstgeburtssegen des Vaters. Daraufhin muss der Erbschleicher fliehen – von Beersheba, dem südlichsten Punkt des damaligen Israel, nach Haran, das im Norden, in der heutigen Türkei liegt, mehr als 700 Kilometer Luftlinie entfernt. Dort hat er Verwandte; dort will er auch eine Frau finden und eine Familie gründen. Unterwegs nimmt jedoch Jakobs Schicksal eine überraschende Wende. Der Betrüger wird auch noch von Gott im umfassendsten Sinne gesegnet: "Ich bin mit dir, wohin du auch gehst." Nach unseren Maßstäben von Recht und Ordnung hätte er das Gegenteil verdient gehabt.

Aber Jakob ist nicht von Gott verlassen. Engel, Wesen aus dem Umkreis Gottes, deuten dies an. Sie steigen in seinem Traum sogar "auf und nieder" – sie gehen zuerst von Jakob aus! Im übertragenen Sinne könnte man folgern: In jedem Einzelnen bleiben religiöse Wurzeln, was auch immer einer tut oder lässt. überdies ist der Mensch mehr als die Summe seiner Taten – und Untaten. Gottes Gegenwart und seine Begleitung sind nicht an unser Verhalten gebunden.

Dass Gott immer den ersten Schritt unternimmt – und zwar voraussetzungslos – dafür ist auch dieser Abschnitt der Bibel ein Beleg. Am Anfang steht die Zusage Gottes. Er ist treu, er verlässt mich nicht, auch wenn ich auf Abwegen unterwegs bin. Gewiss, die Segenszusage gilt Jakob zuerst. Aber als Leserin und Leser der Bibel suche ich in Texten wie diesen auch die Aussage, die mich trifft, was Gott mir (zu)sagt. Der Segen Gottes: Ein Wort der Ermutigung. Das kann jeder Mensch brauchen. Vor allem aber der, der sich auf den Weg macht, aufbricht, unterwegs ist.

Der Segen gilt nicht nur dem, der im Lande bleibt und sich redlich nährt, wie es der Volksmund sagt. Er gilt auch dem, der seine gewohnte Umgebung verlässt, sich neu orientiert. Mehr noch: Der Segen ist für den Aufbrechenden Verheißung und Zusage, jedoch keine Garantie für Unversehrtheit und kein Blankoscheck für Glück und Erfolg. Jakobs Schicksal wird nicht in der Fremde besiegelt. Sein Weg steht unter der Verheißung, zurückkehren zu dürfen. Und – wie sich zeigen wird – kommt es auch zur Versöhnung mit dem betrogenen Esau. Auf den Segen Gottes, auf seine Zusage lässt sich der Weg gehen, auch wenn er im einzelnen nicht einsehbar ist. Hier gilt nicht: Der Weg ist das Ziel. Vielmehr: Ohne Ziel gibt es keinen Weg.

Blindes Vertrauen ist nicht gefragt. Hier geht es auch nicht um ein Gefühl, eine Ahnung, irgendeine innere Stimme. Der segnende Gott gibt sich zu erkennen. Er stellt sich Jakob vor als der Vater Abrahams und Isaaks. Damit soll gesagt werden: So, wie sie sich auf mich verlassen konnten, so sollst du es auch tun. Darauf gebe ich dir mein Wort. Ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.

Wer das glaubt, wird mit Gott nicht nur als Begleiter auf seinem eigenen Weg rechnen, sondern wird mehr und mehr auch nach dem Weg fragen, den Gott ihm zeigen will.

Udo Hahn Oberkirchenrat, Hannover

Wir beten:
Herr, unser Gott, ich danke dir für deine Zusage, den Weg mit zu gehen, auf dem ich unterwegs bin. Dir vertraue ich in allem, was auf mich zukommt. Lass mich behütet unterwegs sein und geleite mich sicher an das Ziel, zu dem du mich führen willst. Amen.

Lied 365: Von Gott will ich nicht lassen, denn er lässt nicht von mir.

Foto: Weiser

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