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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 36)

Ferienwohnungen zum Nulltarif für sozial Schwache

Bayernweit einzigartiges Pilotprojekt im Raum Altmühltal

Thema 34
 
Der Thalmässinger Bäckermeister Karl Bauer (hier rechts im Gespräch mit Gemeindepfarrer Lothar Baumgart) vor seinem Ferienhaus. Der 48-Jährige ist einer von sieben Vermietern, die mietkostenfrei ihre Ferienwohnungen für sozial Schwache zur Verfügung stellen.
   

Peter druckst auf die Frage, wo er denn im Urlaub war, etwas herum. Seine Freunde haben ihn alle im Ausland verbracht: In österreich, Italien, auf Mallorca oder sogar noch weiter weg. Peter musste zu Hause bleiben. Seine Mutter konnte es sich nicht leisten, mit ihm und der kleineren Schwester fortzufahren. Der Grund: Als Allein Erziehende hat sie kein Geld für einen Urlaub. Das will Peter seinen Freunden nicht sagen. So meint er schließlich: "Ach zu Hause ist es doch auch schön."

Soziales Herz

Damit sich sozial Schwache Familien auch einen Tapetenwechsel leisten können, ist in Thalmässing und Umgebung (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen) ein wohl bayernweit einmaliges Pilotprojekt angelaufen. Vermieter stellen ihre Ferienwohnungen für Allein Erziehende, Sozialhilfeempfänger mit Kindern, Familien mit behinderten Angehörigen und überschuldeten Familien praktisch zum Nulltarif zur Verfügung. Lediglich für die Nebenkosten wie Wasser, Strom und Endreinigung müssen die Gäste auf kommen. Pro Person fallen maximal fünf Mark am Tag an.

Die Idee für dieses ungewöhnliche Projekt wurde im Kirchenvorstand St. Michael in Thalmässing geboren. Vertrauensmann Karl Bauer hatte schon seit Jahren bedürftigen Familien sein Ferienhaus kostenlos angeboten. Der Vater einer behinderten Tochter verzichtete sogar auf die Nebenkosten für das im Garten stehende Nurdachhaus aus Holz. Vor allem Familien mit behinderten Kindern nutzten das Ferienhaus zum Nulltarif, das über eine Wohnfläche von rund 60 Quadratmeter verfügt.

Bauer fragte nun weitere Vermieter, ob sie ihre Ferienwohnungen in der Nebensaison mietkostenfrei für sozial Schwache überlassen Die Resonanz war erstaunlich: "Niemand gab mir einen Korb", freut sich der Bäckermeister. "Ich habe offene Türen eingerannt." Sieben Besitzer von Ferienwohnungen beteiligen sich an der Aktion am Ausläufer des Naturparks Altmühltal.

Thema 34
 
Von Thalmässing aus gut zu erreichen: Der Brombachsee im Neuen Fränkischen Seenland. Durch das Drei-Rumpf-Schiff, das seit heuer im Einsatz ist, hat er weiter an Attraktivität gewonnen.
   

Gemeindepfarrer Lothar Baumgart spricht von einer kindgerechten Region: "Im Umkreis von 25 Kilometern gibt es viele Freizeitmöglichkeiten." Knapp 15 Kilometer Entfernung sind es zum Rothsee im Neuen Fränkischen Seenland, der große Brombachsee liegt zehn Kilometer weiter entfernt.

"Wenn bedürftige Menschen einen Tapetenwechsel brauchen, aber sich ihn nicht leisten können, sind sie bei uns herzlich willkommen", meint Vertrauensmann Bauer. Bevor sozial Schwache in den Genuss der kostenlosen Wohnungen kommen, müssen sie allerdings einen entsprechenden Nachweis erbringen. Das Ganze geht aber unbürokratisch über die Bühne – so Sozialpädagoge Markus Willms vom Diakonischen Werk Weißenburg-Gunzenhausen, der das Projekt betreut. "Wenn ein Pfarrer oder Sozialar-beiter vor Ort die Menschen näher kennt, muss die Bedürftigkeit nicht nachgewiesen werden." Willms rät Bedürftigen, sich an den für ihren Wohnort zuständigen Sozialarbeiter des diakonischen Werkes zu wenden. Dieser könne von ihm erfahren, wann welche Wohnung frei sei.

Offizieller Start: 2002

Dem Sozialpädagogen zufolge befindet sich das Projekt in diesem Jahr noch in der Testphase. Gegenwärtig werde geprüft, wie die Vergabe am besten abgewickelt werden könne, damit der organisatorische Aufwand begrenzt sei. Willms hat inzwischen die Diakonischen Werke in Bayern sowie diakonische Träger anderer Landeskirchen über die mietkostenfreien Ferienwohnungen für sozial Schwache informiert. Er rechnet damit, dass Bedürftige davon im Spätsommer und Herbst noch Gebrauch machen. Das offizielle Angebot gilt ab 2002.

Der Diakonie-Mitarbeiter und Vertrauensmann Karl Bauer hoffen, dass sich im Naturpark Altmühltal noch andere Vermieter an dem Projekt beteiligen. Es ist übrigens nicht auf die Region begrenzt: "Wir nehmen auch gerne Vermieter von Ferienwohnungen in anderen Gegenden Bayerns in die Liste auf." (Kontakt: Diakonisches Werk Weißenburg-Gunzenhausen, Markus Willms, Telefon 09141/860022).

Willms und Bauer können sich vorstellen, dass das Modell auch Nachahmer in anderen Regionen Deutschlands findet: "Es gibt überall Ferienwohnungen, die für einige Zeit leer stehen oder wo kurzfristig die Gäste ausfallen."

Als Vorbild für das Projekt dient Sozialpädagogen Willms die sogenannte Tafelbewegung, die an immer mehr Orten in Deutschland anzutreffen ist. Die Mitarbeitenden bei den Tafeln sammeln Lebensmittel ein, deren Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist, und verteilen sie an Bedürftigte.

Dickes Lob für Vermittler

Ein dickes Lob für die Vermieter, die sich an dem Projekt "Ferienwohnungen zum Nulltarif" beteiligen, gab es von Birgit Löwe vom Diakonischen Werk Bayern. Sie würdigte deren "große soziale Bereitschaft". Für sozial Schwache eröffneten sich so neue Perspektiven. "Es ist vielleicht die einzige Möglichkeit, einmal woanders Urlaub zu machen", meinte die Geschäftsbereichsleiterin des evangelischen Wohlfahrtsverbandes. Im Freistaat sei ihr jedenfalls kein ähnliches Projekt bekannt.

Günter Saalfrank

Fotos: güs


Mit Jesus in Klausur


Habt acht auf eure Frömmigkeit, dass ihr die nicht übt vor den Leuten, um von ihnen gesehen zu werden; ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel. Wenn du nun Almosen gibst, sollst du es nicht vor dir ausposaunen lassen, wie es die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Gassen, damit sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, damit dein Almosen verborgen bleibe; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.

Matthäus 6, 1–4

  Andacht 34

Bald kann das lang ersehnte Alten- und Pflegeheim eingeweiht werden. Ein diakonisches Werk hat es mit viel Mühe errichten lassen. Kurz vor Fertigstellung der Außenanlagen erklärt sich ein wohlhabender Unternehmer bereit, den Eingangsbereich vor dem Haus durch die Stiftung eines Brunnens zu verschönern. Einzige Bedingung ist, dass der Brunnen in einer besonderen Feier den Namen des Spenders erhalten müsse. Dürfen die Verantwortlichen das großzügige Angebot annehmen? Sie werden darüber ausführlich beraten.

Es gehört zum Programm einer demokratischen Führung in unserer Gesellschaft, dass die Verantwortlichen die Mitglieder ihrer Entscheidungsgremien oder ihre engsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mindestens einmal im Jahr zu einer Klausurtagung einladen. Dabei geht es darum, abgeschirmt von der öffentlichkeit, anstehende Probleme zu analysieren, mögliche Lösungen zu diskutieren, neue Ziele zu vereinbaren, Strategien zu entwickeln und festzulegen und die Mitarbeiterschaft neu zu motivieren.

Unser Bibeltext berichtet auch von einer Klausurtagung. Jesus begibt sich mit seinen Jüngern in die Abgeschiedenheit der Berge, um sie zu lehren, ihnen zu verdeutlichen, was es mit der Nachfolge auf sich hat. Er macht es ihnen nicht leicht bei der Behandlung der Themen Glaube und Frömmigkeit. Einerseits fordert er von ihnen: "So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie euere guten Werke sehen und eueren Vater im Himmel preisen" (Matthäus 5, 16), andererseits verlangt er von ihnen genau das Gegenteil, wenn er sie ermahnt: "Habt acht auf eure Frömmigkeit, dass ihr die nicht übt vor den Leuten, um von ihnen gesehen zu werden…" (Matthäus 6, 1). Wie sollen sich die Jünger verhalten? Wie sollen wir uns verhalten? Können die Jünger, können wir den Forderungen Jesu überhaupt gerecht werden?

Jesus will uns schulen. Er will erreichen, dass wir unser Christsein analysieren und über unsere Frömmigkeit, die ihre Wurzeln in der Taufe hat, nachdenken. Dabei wird uns das Handeln Gottes an uns wieder bewusst werden: Dass wir Christus als unseren Herrn und Heiland erkannt haben, ist nicht unser Verdienst. Es ist Gnade. Unsere Aufgabe muss es sein, diese Gnade, das Evangelium, die frohe Botschaft von Jesus den Leuten in der öffentlichkeit zu verkündigen, damit sie "eueren Vater im Himmel preisen". Unsere Aufgabe ist es nicht, uns unseres Glaubens zu rühmen und uns damit öffentlich zu produzieren. Da sie Geschenk Gottes ist, brauchen wir uns auf unsere Frömmigkeit nichts einzubilden. Sie muss zwar gelebt, aber nicht von den Leuten bewundert werden.

Das hat Konsequenzen für uns im Alltag: Weil wir die Liebe Gottes erfahren durften und noch spüren, geben wir sie weiter, auch in Form von Geldspenden und Stiftungen. Als Beschenkte dürfen wir weiterschenken. Ein Prediger hat das einmal so ausgedrückt: "Gott hat uns ein volles Konto an Liebe eingerichtet, damit wir täglich davon für andere und für uns selbst abheben können. Alles, was unser Leben ausmacht, das haben wir doch ihm zu danken." Geben aus Dankbarkeit und nicht, um sich einen Namen zu machen! Es gibt nichts Gutes, außer man tut es unauffällig, meint Jesus, wenn er sagt, selbst die linke Hand solle beim Geben von Almosen nicht wissen, was die rechte tut; denn Gott sieht ins Verborgene und wird das selbstlose Handeln vergelten.

Der Brunnen, von dem eingangs die Rede war, steht übrigens an seinem vorgesehenen Platz. Der Spender hat auf eine öffentliche Namensgebung verzichtet.

Lothar Böhm, Abteilungsdirektor
Münchberg

Wir beten:
Herr Jesus Christus, wir danken dir für dein Wort und dafür, dass du uns bei dir in die Schule nimmst, selbst wenn es uns manchmal hart ankommt. Du teilst aus und wir empfangen. An deiner Liebe und Güte haben wir sehr reichlich teil. öffne du uns Herz, Augen und Hände, dass wir ohne auf uns zu schauen, unseren Mitmenschen zum Segen werden. Amen.

Lied 643:
So prüfet euch doch selbst

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