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Bayernweit einzigartiges Pilotprojekt im Raum Altmühltal
Peter druckst auf die Frage, wo er denn im Urlaub war, etwas herum. Seine Freunde haben ihn alle im Ausland verbracht: In österreich, Italien, auf Mallorca oder sogar noch weiter weg. Peter musste zu Hause bleiben. Seine Mutter konnte es sich nicht leisten, mit ihm und der kleineren Schwester fortzufahren. Der Grund: Als Allein Erziehende hat sie kein Geld für einen Urlaub. Das will Peter seinen Freunden nicht sagen. So meint er schließlich: "Ach zu Hause ist es doch auch schön." Soziales Herz Damit sich sozial Schwache Familien auch einen Tapetenwechsel leisten können, ist in Thalmässing und Umgebung (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen) ein wohl bayernweit einmaliges Pilotprojekt angelaufen. Vermieter stellen ihre Ferienwohnungen für Allein Erziehende, Sozialhilfeempfänger mit Kindern, Familien mit behinderten Angehörigen und überschuldeten Familien praktisch zum Nulltarif zur Verfügung. Lediglich für die Nebenkosten wie Wasser, Strom und Endreinigung müssen die Gäste auf kommen. Pro Person fallen maximal fünf Mark am Tag an. Die Idee für dieses ungewöhnliche Projekt wurde im Kirchenvorstand St. Michael in Thalmässing geboren. Vertrauensmann Karl Bauer hatte schon seit Jahren bedürftigen Familien sein Ferienhaus kostenlos angeboten. Der Vater einer behinderten Tochter verzichtete sogar auf die Nebenkosten für das im Garten stehende Nurdachhaus aus Holz. Vor allem Familien mit behinderten Kindern nutzten das Ferienhaus zum Nulltarif, das über eine Wohnfläche von rund 60 Quadratmeter verfügt. Bauer fragte nun weitere Vermieter, ob sie ihre Ferienwohnungen in der Nebensaison mietkostenfrei für sozial Schwache überlassen Die Resonanz war erstaunlich: "Niemand gab mir einen Korb", freut sich der Bäckermeister. "Ich habe offene Türen eingerannt." Sieben Besitzer von Ferienwohnungen beteiligen sich an der Aktion am Ausläufer des Naturparks Altmühltal.
Gemeindepfarrer Lothar Baumgart spricht von einer kindgerechten Region: "Im Umkreis von 25 Kilometern gibt es viele Freizeitmöglichkeiten." Knapp 15 Kilometer Entfernung sind es zum Rothsee im Neuen Fränkischen Seenland, der große Brombachsee liegt zehn Kilometer weiter entfernt. "Wenn bedürftige Menschen einen Tapetenwechsel brauchen, aber sich ihn nicht leisten können, sind sie bei uns herzlich willkommen", meint Vertrauensmann Bauer. Bevor sozial Schwache in den Genuss der kostenlosen Wohnungen kommen, müssen sie allerdings einen entsprechenden Nachweis erbringen. Das Ganze geht aber unbürokratisch über die Bühne so Sozialpädagoge Markus Willms vom Diakonischen Werk Weißenburg-Gunzenhausen, der das Projekt betreut. "Wenn ein Pfarrer oder Sozialar-beiter vor Ort die Menschen näher kennt, muss die Bedürftigkeit nicht nachgewiesen werden." Willms rät Bedürftigen, sich an den für ihren Wohnort zuständigen Sozialarbeiter des diakonischen Werkes zu wenden. Dieser könne von ihm erfahren, wann welche Wohnung frei sei. Offizieller Start: 2002 Dem Sozialpädagogen zufolge befindet sich das Projekt in diesem Jahr noch in der Testphase. Gegenwärtig werde geprüft, wie die Vergabe am besten abgewickelt werden könne, damit der organisatorische Aufwand begrenzt sei. Willms hat inzwischen die Diakonischen Werke in Bayern sowie diakonische Träger anderer Landeskirchen über die mietkostenfreien Ferienwohnungen für sozial Schwache informiert. Er rechnet damit, dass Bedürftige davon im Spätsommer und Herbst noch Gebrauch machen. Das offizielle Angebot gilt ab 2002. Der Diakonie-Mitarbeiter und Vertrauensmann Karl Bauer hoffen, dass sich im Naturpark Altmühltal noch andere Vermieter an dem Projekt beteiligen. Es ist übrigens nicht auf die Region begrenzt: "Wir nehmen auch gerne Vermieter von Ferienwohnungen in anderen Gegenden Bayerns in die Liste auf." (Kontakt: Diakonisches Werk Weißenburg-Gunzenhausen, Markus Willms, Telefon 09141/860022). Willms und Bauer können sich vorstellen, dass das Modell auch Nachahmer in anderen Regionen Deutschlands findet: "Es gibt überall Ferienwohnungen, die für einige Zeit leer stehen oder wo kurzfristig die Gäste ausfallen." Als Vorbild für das Projekt dient Sozialpädagogen Willms die sogenannte Tafelbewegung, die an immer mehr Orten in Deutschland anzutreffen ist. Die Mitarbeitenden bei den Tafeln sammeln Lebensmittel ein, deren Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist, und verteilen sie an Bedürftigte. Dickes Lob für Vermittler Ein dickes Lob für die Vermieter, die sich an dem Projekt "Ferienwohnungen zum Nulltarif" beteiligen, gab es von Birgit Löwe vom Diakonischen Werk Bayern. Sie würdigte deren "große soziale Bereitschaft". Für sozial Schwache eröffneten sich so neue Perspektiven. "Es ist vielleicht die einzige Möglichkeit, einmal woanders Urlaub zu machen", meinte die Geschäftsbereichsleiterin des evangelischen Wohlfahrtsverbandes. Im Freistaat sei ihr jedenfalls kein ähnliches Projekt bekannt. Günter Saalfrank Fotos: güs
Matthäus 6, 14
Bald kann das lang ersehnte Alten- und Pflegeheim eingeweiht werden.
Ein diakonisches Werk hat es mit viel Mühe errichten lassen. Kurz vor
Fertigstellung der Außenanlagen erklärt sich ein wohlhabender Unternehmer
bereit, den Eingangsbereich vor dem Haus durch die Stiftung eines Brunnens
zu verschönern. Einzige Bedingung ist, dass der Brunnen in einer besonderen
Feier den Namen des Spenders erhalten müsse. Dürfen die Verantwortlichen
das großzügige Angebot annehmen? Sie werden darüber ausführlich beraten.
Es gehört zum Programm einer demokratischen Führung in unserer Gesellschaft,
dass die Verantwortlichen die Mitglieder ihrer Entscheidungsgremien oder
ihre engsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mindestens einmal im Jahr
zu einer Klausurtagung einladen. Dabei geht es darum, abgeschirmt von
der öffentlichkeit, anstehende Probleme zu analysieren, mögliche Lösungen
zu diskutieren, neue Ziele zu vereinbaren, Strategien zu entwickeln und
festzulegen und die Mitarbeiterschaft neu zu motivieren.
Unser Bibeltext berichtet auch von einer Klausurtagung. Jesus begibt
sich mit seinen Jüngern in die Abgeschiedenheit der Berge, um sie zu lehren,
ihnen zu verdeutlichen, was es mit der Nachfolge auf sich hat. Er macht
es ihnen nicht leicht bei der Behandlung der Themen Glaube und Frömmigkeit.
Einerseits fordert er von ihnen: "So lasst euer Licht leuchten vor den
Leuten, damit sie euere guten Werke sehen und eueren Vater im Himmel preisen"
(Matthäus 5, 16), andererseits verlangt er von ihnen genau das Gegenteil,
wenn er sie ermahnt: "Habt acht auf eure Frömmigkeit, dass ihr die nicht
übt vor den Leuten, um von ihnen gesehen zu werdenÉ" (Matthäus 6, 1).
Wie sollen sich die Jünger verhalten? Wie sollen wir uns verhalten? Können
die Jünger, können wir den Forderungen Jesu überhaupt gerecht werden?
Jesus will uns schulen. Er will erreichen, dass wir unser Christsein
analysieren und über unsere Frömmigkeit, die ihre Wurzeln in
der Taufe hat, nachdenken. Dabei wird uns das Handeln Gottes an uns wieder
bewusst werden: Dass wir Christus als unseren Herrn und Heiland erkannt
haben, ist nicht unser Verdienst. Es ist Gnade. Unsere Aufgabe muss es
sein, diese Gnade, das Evangelium, die frohe Botschaft von Jesus den Leuten
in der öffentlichkeit zu verkündigen, damit sie "eueren Vater
im Himmel preisen". Unsere Aufgabe ist es nicht, uns unseres Glaubens
zu rühmen und uns damit öffentlich zu produzieren. Da sie Geschenk
Gottes ist, brauchen wir uns auf unsere Frömmigkeit nichts einzubilden.
Sie muss zwar gelebt, aber nicht von den Leuten bewundert werden.
Das hat Konsequenzen für uns im Alltag: Weil wir die Liebe Gottes
erfahren durften und noch spüren, geben wir sie weiter, auch in Form
von Geldspenden und Stiftungen. Als Beschenkte dürfen wir weiterschenken.
Ein Prediger hat das einmal so ausgedrückt: "Gott hat uns ein volles
Konto an Liebe eingerichtet, damit wir täglich davon für andere
und für uns selbst abheben können. Alles, was unser Leben ausmacht,
das haben wir doch ihm zu danken." Geben aus Dankbarkeit und nicht, um
sich einen Namen zu machen! Es gibt nichts Gutes, außer man tut
es unauffällig, meint Jesus, wenn er sagt, selbst die linke Hand
solle beim Geben von Almosen nicht wissen, was die rechte tut; denn Gott
sieht ins Verborgene und wird das selbstlose Handeln vergelten.
Der Brunnen, von dem eingangs die Rede war, steht übrigens an seinem
vorgesehenen Platz. Der Spender hat auf eine öffentliche Namensgebung
verzichtet.
Lothar Böhm, Abteilungsdirektor Wir beten: Lied 643: |
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